Die heutige Zeit ist für die Pflege eine belastende Phase, zum einen hat sie im professionellen Sinne noch kein scharfes Profil ihrer Aufgaben, zum anderen erfährt sie im Zuge der Umstrukturierungen, besonders im Krankenhaus, eine hohe Arbeitsverdichtung.
Was macht Pflege?
Spätestens seit der Umbenennung von Krankenschwester/ Krankenpfleger in Gesundheits- und Krankenpfleger/in und den vier benannten Aufgabenbereichen der Pflege, die im ICN-Ethikkodex beschrieben sind, muss Pflege ihre Arbeit um den Aspekt der Gesundheit erweitern. Bislang, auch vermehrt im jetzigen Alltag, geschieht die Versorgung der Patienten aus Sicht der Krankheit. Der Alltag ist geprägt durch delegierte Aufgaben aus dem ärztlichen Bereich, sowie eine starke Erhöhung der administrativen Aufgaben. Der Patient gerät ins Hintertreffen, er wird förmlich durch den Betrieb Krankenhaus „durchgeschleust“ (vgl. Bartholomeycik 2006, 1032f.).
Was kann Pflege?
Pflege soll, ergänzend zur Betrachtung der Krankheit, ihren Blick auf Gesundheit legen und nicht wie in der Medizin, wie heile ich die Krankheit, sondern wie fördere ich Gesundheit.
Es soll dargelegt werden welche Bedeutung die Gesundheitswissenschaft für die Pflege hat und welche Möglichkeiten für Pflege sich in der Gesundheitsförderung ergeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Begriffserklärungen
1.1.1 Gesundheit
1.1.2 Gesundheitswissenschaft
1.2 Gesundheitswissenschaften in der Pflege
1.2.1 Abgrenzung zur Medizin
1.2.2 Verhältnis zu Pflegewissenschaft
2. Gesundheitsförderung
2.1 Definitionen und Abgrenzungen
2.1.1 Abgrenzung zur Prävention
2.1.2 Salutogenese
2.1.3 Ottawa-Charta
2.2 Die Ebenen der Gesundheitsförderung
2.2.1 Personale Ebene
2.2.2 Verhaltensebene
2.2.3 Verhältnisebene
2.3 Methoden der Gesundheitsförderung
2.3.1 Gesundheitserziehung und Gesundheitsbildung
2.3.2 Gesundheitsaufklärung und Gesundheitsberatung
2.4 Der Setting-Ansatz
3. Gesundheitsförderung in der Pflege
3.1 Pflegerische Handlungsfelder
3.1.1 Gesundheitsberatung
3.1.2 Gesundheitsförderung in Settings
3.2 Probleme der Umsetzung
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Gesundheitswissenschaften für das Berufsfeld der Pflege mit einem besonderen Fokus auf die Gesundheitsförderung. Das primäre Ziel ist es, Möglichkeiten und Handlungsfelder aufzuzeigen, wie Pflegekräfte über die rein kurative Tätigkeit hinaus zur Gesundheitsförderung beitragen können, um die Patientenorientierung trotz wirtschaftlicher Restriktionen zu stärken.
- Bedeutung der Gesundheitswissenschaften für die pflegerische Praxis
- Grundlagen der Gesundheitsförderung und des Salutogenese-Modells
- Umsetzungsstrategien wie der Setting-Ansatz in der klinischen Pflege
- Konkrete pflegerische Handlungsfelder wie Beratung, Schulung und Anleitung
- Herausforderungen und Professionalisierungsansätze im Gesundheitswesen
Auszug aus dem Buch
1.1.1 Gesundheit
Es gibt viele Versuche Gesundheit zu definieren, aber es gibt bis heute keine allgemeingültige Definition von Gesundheit. Die wohl bekannteste ist die der Weltgesundheitsorganisation (WHO), „Die Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ (WHO 1948).
Es zeigt sich bei der Definition der WHO das dort eine Idealnorm beschrieben wird, die einen absoluten Zustand beschreibt, der niemals erreicht werden kann. Es scheint als ließe sich Gesundheit leicht beschreiben mit Wohlbefinden und Abwesenheit von Beschwerden und Symptomen (vgl. Bengel 2001, 15). Sieht man etwas genauer hin, definieren Menschen ihre eigene Gesundheit unterschiedlich. Für die einen ist es Wohlbefinden und Glück, für andere Leistungsfähigkeit und wieder andere empfinden Gesundheit wenn sie keine Beschwerden haben. Auch beschreiben Menschen ihren Zustand so dass sie sich Gesund fühlen aber z. B. eine chronische Krankheit haben.
Dadurch zeigt sich das Gesundheit im privaten wie im gesellschaftlichen völlig unterschiedlich definiert wird. Allerdings ist der Ausgangspunkt häufig ein pathogenetisches Verständnis von Gesundheit und Krankheit, da davon ausgegangen wird was einen Krank macht. Durch Antonovsky wird die Sichtweise um die salutogenetische Blickrichtung ergänzt. Er stellte sich die Frage: „Warum bleiben Menschen (…) gesund?“ (Bengel 2001, 24). Nach ihm sind Gesundheit und Krankheit keine Zustände die sich gegenseitig ausschließen (Dichotomie). Antonovsky stellt dieser Vorstellung ein Kontinuum gegenüber, nach dem Menschen sich gesund fühlen, aber auch kranke Anteile in sich tragen, sowie auch kranke Menschen gesunde Anteile in sich tragen können (Gesundheits-Krankheits-Kontinuum)(vgl. Brieskorn-Zinke 2006, 78). Näheres zum Konzept der Salutogenese erfolgt im Kapitel 2.1.2.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die aktuelle Belastungssituation der Pflege, die Notwendigkeit der Profilschärfung und definiert das Ziel der Arbeit, die Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege zu beleuchten.
2. Gesundheitsförderung: In diesem Kapitel werden grundlegende Definitionen, die Unterscheidung zur Prävention, das Salutogenese-Modell, die Ottawa-Charta sowie Methoden und Ebenen der Gesundheitsförderung ausführlich dargestellt.
3. Gesundheitsförderung in der Pflege: Dieser Abschnitt überträgt die theoretischen Erkenntnisse auf pflegerische Handlungsfelder wie Beratung und Schulung und diskutiert die Umsetzung im Setting Krankenhaus sowie auftretende Probleme.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit für Pflegemanager und Pflegewissenschaftler, die Professionalisierung durch theoretisch fundierte praktische Gesundheitsförderung voranzutreiben.
Schlüsselwörter
Gesundheitswissenschaft, Gesundheitsförderung, Pflege, Salutogenese, Ottawa-Charta, Prävention, Patientenorientierung, Gesundheitsberatung, Setting-Ansatz, Krankheitsbewältigung, Professionalisierung, Patientenführung, Selbstständigkeit, Gesundheitserziehung, Pflegemanagement.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der Rolle der Gesundheitswissenschaften für den Pflegeberuf und erörtert, wie Gesundheitsförderung aktiv in den pflegerischen Alltag integriert werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die theoretischen Grundlagen von Gesundheit und Gesundheitswissenschaft, das Modell der Salutogenese, die Strategien der Ottawa-Charta sowie deren Anwendung in der pflegerischen Praxis.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass Pflege mehr als nur Krankheitsversorgung ist und durch Gesundheitsförderung ein eigenes professionelles Profil gewinnen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse, die zentrale Konzepte der Gesundheitswissenschaften und Gesundheitsförderung mit aktuellen pflegewissenschaftlichen Debatten verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Gesundheitsförderung und deren konkrete Anwendung in pflegerischen Handlungsfeldern, inklusive der Diskussion von Umsetzungsbarrieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Gesundheitsförderung, Salutogenese, pflegerische Handlungsfelder, Patientenorientierung und Professionalisierung definiert.
Wie unterscheidet sich die Arbeit bei der Definition von Gesundheit?
Die Arbeit kontrastiert die pathogenetische Sichtweise (Krankheitsfokus) mit dem salutogenetischen Ansatz von Antonovsky, der Gesundheit als Kontinuum und einen dynamischen Prozess versteht.
Welche Rolle spielt das Krankenhaus als Setting?
Das Krankenhaus wird als schwieriges Umfeld für Gesundheitsförderung beschrieben, da durch DRG-Systeme und Arbeitsverdichtung eine schnelle Patientenentlassung forciert wird, was eine Ressourcenorientierung der Pflege erschwert.
Welche Bedeutung hat der ICN-Ethikkodex in diesem Kontext?
Der Ethikkodex dient als Argumentationsgrundlage, da er Gesundheit fördern und Krankheit verhüten explizit als Aufgaben der Pflege definiert und somit die wissenschaftliche Legitimation für diesen Ansatz liefert.
- Arbeit zitieren
- cand. Dipl. Pflegewirt (FH) Christoph Beimesche (Autor:in), 2010, Zur Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203512