Das Deutsche Wirtschaftswunder - Wunder oder logische Folge?


Facharbeit (Schule), 2012

18 Seiten, Note: 1+


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Eingrenzung des Themas

2. Definition Wirtschaftswunder

3. Ausgangslage
3.1. Deutschland nach dem 2. Weltkrieg
3.2. Von der Bizone zur Bundesrepublik Deutschland
3.3. Die Deutsche Mark
3.4. Die soziale Marktwirtschaft
3.4.1. Definition
3.4.2. Einführung und Zusammenspiel mit der deutschen Mark
3.4.3. Kritik an Wirtschaftsminister Erhard

4. Entwicklung des Wirtschaftswunders
4.1. Der Marshallplan
4.2. Entwicklung der Wirtschaft
4.3. Veränderung in der Gesellschaft
4.4. Änderung des Konsumverhaltens

5. Beantwortung der Ausgangsfrage

6. Literaturverzeichnis

7. Materialanhang 15-

1. Eingrenzung des Themas

Bei Beschäftigung mit der deutschen Geschichte ist eines der ersten historischen Kapitel, das in der Regel diskutiert wird, die schockierende Zeit des Nationalsozialismus und damit verbunden die gravierenden menschlichen und wirtschaftlichen Folgen des Zweiten Weltkrieges. Sicherlich zu Recht, aber dennoch endet die deutsche Geschichte nicht im Jahre 1945 und meines Erachtens lohnt sich eine genaue Betrachtung der Zeit, die für die Situation und den Wohlstand des heutigen Deutschlands maßgeblich verantwortlich ist.

Die Wenigsten wissen, wie und warum das deutsche Wirtschaftswunder unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg entstand, obwohl sich die Auswirkungen bis in die heutige Zeit er- strecken. Vor diesem Hintergrund, der sich mit persönlichem Interesse für wirtschaftliche und historische Zusammenhänge mischt, entsteht meine Motivation über das deutsche Wirt- schaftswunder eine Facharbeit zu verfassen. Denn für mich bleibt vor allem die Frage offen, ob es sich tatsächlich um ein Wirtschaftswunder handelte oder es aus heutiger Zeit lediglich so dargestellt wird, um beispielsweise den Neuanfang nach dem Dritten Reich möglichst posi- tiv zu beleuchten. Aus diesem Grund habe ich diese Leitfrage in mein Thema aufgenommen und werde sie nach der Vorstellung der historischen Ereignisse und wirtschaftlichen Fakten beantworten.

Hierbei werde ich zunächst den Begriff „Wirtschaftswunder“ definieren, bevor ich auf die Ausgangslage und die Ursachen des deutschen Wirtschaftswunders eingehe. Ausgehend von der Darstellung der wirtschaftlichen Situation nach dem Zweiten Weltkrieg, der Erklärung der Bedeutung der Bizone als dem wirtschaftlichen Zusammenschluss der Besatzungsmächte Großbritannien und den USA, der Vorstellung der neuen Wirtschaftsordnung, der sozialen Marktwirtschaft, und der Einführung der neuen Währung, der Deutschen Mark, stelle ich die positive Entwicklung der Wirtschaft der Fünfziger und Sechziger Jahre des letzten Jahrhun- derts dar. Besondere Erwähnung verdient hierbei das Wiederaufbauprogramm der USA, der Marshallplan, der die Umstrukturierung der Wirtschaft und der Gesellschaft sowie die Ände- rung des Konsumverhaltens maßgeblich positiv beeinflusst hat. Hierbei werde ich auch die Auswirkungen bis in die heutige Zeit darstellen, bevor ich mich abschließend mit der Beant- wortung der von mir gewählten Ausgangsfrage beschäftige.

2. Definition Wirtschaftswunder

Allgemein wird der Begriff „Wirtschaftswunder“ zur „Beschreibung einer unerwartet schnel- len und längerfristig anhaltenden wirtschaftlichen Entwicklung mit vergleichsweise hohen Wachstumsraten des realen Sozialprodukts oder des Pro-Kopf-Einkommens“1 verwendet.

Demnach umfasst dieser Begriff neben dem starken Wachstum der nationalen Wirtschaft auch den steigenden Wohlstand der gesamten Nation und jedes einzelnen Bürgers. Hiermit verbunden sind auch der Rückgang der Arbeitslosenquote und die Verfügbarkeit vieler qualifizierter und motivierter Arbeitskräfte in einem Land.

Eng mit dieser Entwicklung verbunden ist meist auch eine enorme Steigerung des Konsum- verhaltens sowie eine hohe Nachfrage bedingt durch Wiederaufbau und daraus resultierendem Nachholbedarf, vor allem nach Kriegen in Industrienationen oder auch in Entwicklungslän- dern.2

3. Ausgangslage

3.1. Deutschland nach dem 2. Weltkrieg

Seit September 1944 war das weitgehend zerstörte Deutschland durch alliierte Truppen be- setzt. Nach der Abtrennung von Gebieten, wie zum Beispiel Österreich, Polen und der Tsche- choslowakei, wurde Deutschland in vier Besatzungszonen, die den Siegermächten Frankreich, Großbritannien, der USA und der UdSSR zugeordnet wurden, geteilt. Die Hauptstadt Berlin erhielt hierbei eine Sonderstellung und wurde ebenfalls in vier Besatzungszonen unterteilt. So wurde Deutschland „zum bloßen Objekt der Politik der Siegermächte“3, die vor allem im Sinn hatten, Deutschland als potenziellen Kriegsgegner zu entmachten, das nationalsozialistische Regime zu beseitigen und eine demokratische und wirtschaftliche Ordnung aufzubauen.4 Die- se Ziele sollten von einem Alliierten Kontrollrat verfolgt werden, der allerdings schon in sei- nen ersten Zügen auf Grund von zu großen Differenzen entscheidungsunfähig wurde und so- mit die Entscheidungen über die Politik in jeder Besatzungszone verschieden war und sich vor allem an der Politik der jeweiligen Besatzungsmacht orientierte. Hieraus ergab sich folglich eine Auseinanderentwicklung der vier Teile Deutschlands, die die später durchgeführte Tei- lung begünstigen sollte.

Die wirtschaftliche Einheit wurde vor allem durch Frankreichs Veto-Stimmen gegen die Errichtung deutscher Zentralbehörden verhindert und auch der Vorschlag Amerikas eine gemeinsame Wirtschaftsverwaltung für die anderen drei Besatzungsmächte zu schaffen, wurde von den Britten und Sowjets abgelehnt. So schien die wirtschaftliche Einheit, gegen den im Potsdamer Abkommen verankerten Plan Deutschlands wirtschaftliche Einheit zu bewahren, vorerst nicht umzusetzen zu sein.5

3.2. Von der Bizone zur Bundesrepublik Deutschland

Trotz Rückschlägen in den Verhandlungen um die wirtschaftliche Einheit Deutschlands sah sich die USA, vor allem auf Grund der Versorgungskatastrophe im Winter 1945/46, dazu ge- zwungen, weiterhin nach einer akzeptablen Lösung zu suchen, um die enormen wirtschaftli- chen Probleme im besetzten Deutschland zu bewältigen. Während die UdSSR und Frankreich einen neuen Vertrag auf Basis des Potsdamer Abkommens ablehnten, stimmten die Britten im Juli 1946 zu. „Die damit eingeleitete Wende […] kam am deutlichsten in der berühmt gewor- denen Rede des amerikanischen Außenministers James F. Byrnes am 6. September 1946 in Stuttgart vor deutschen Politikern zum Ausdruck, in der Byrnes bei den Deutschen für die baldige Errichtung eines nichtkommunistischen deutschen Kernstaates warb.“6

In dieser Rede kündigte Byrnes ebenfalls an, eine vorläufige deutsche Regierung bilden zu wollen, die die Interessen der Deutschen besser vertreten und dennoch von den Besatzungs- mächten bezüglich demokratischer Grundsätze überwacht werden könnte. Außerdem versi- cherte er Deutschland, trotz der unzweifelhaften Kriegsschuld des nationalsozialistischen Deutschland, dass „das amerikanische Volk Deutschland helfen wolle, seinen Weg […] zu einem ehrenvollen Platz unter den freien und friedliebenden Nationen der Welt [zurückzufin- den].“7

Folglich gab Byrnes dem angeschlagenen Deutschland, im Gegensatz zu der Ausbeutung und den harten Reparationsleistungen nach dem Ersten Weltkrieg, die letztlich dem Aufkommen von radikalen Parteien Nährboden boten und die Machtergreifung Hitlers zur Folge hatten, eine Perspektive. Er legte mit seinem Maßnahmen, Deutschland nachhaltig zu unterstützen und einen Wiederaufbau zu fördern, einen vielversprechenden Grundstein für eine schnelle Regeneration Deutschlands. Aus der heutigen Zeit geurteilt, wählte er hierzu genau die richtigen Mittel und verhinderte somit eine erneute Isolation Deutschlands.

Frankreich trat der Bizone, trotz wiederholter Aufforderung der Britten und Amerikaner, erst am 8. April 1949 und komplettierte damit die Bildung der Trizone, die damit den Vorläufer der Bundesrepublik Deutschland verkörperten und den Deutschen eine positive wirtschaftliche Entwicklung unter der Kanzlerschaft Konrad Adenauers ermöglichten.

3.3. Die deutsche Mark

Durch die resultierend aus dem Zweiten Weltkrieg erhöhte Geldproduktion war im Nach- kriegsdeutschland eine riesige Geldmenge im Umlauf, der nur ein sehr geringes Angebot an Waren gegenüberstand. Folglich kam es zu einer immer stärker werdenden Inflation, die es schier unmöglich machte, faire Löhne zu zahlen und damit auch die Überlebensfähigkeit vie- ler Familien bedrohte. Somit blieb der einzige Zufluchtsort der meisten Deutschen der Schwarzmarkt, der zumindest die Grundnahrungsmittel durch Tauschgeschäfte sicherte.

Die Idee einer Währungsreform bestand unter den Westmächten schon lange, wurde allerdings immer wieder von der UdSSR abgeblockt. Nachdem diese am 20. März 1948 aus dem Alliierten Kontrollrat überraschend austraten, wurde der Plan der Währungsreform im Westen auf Basis der amerikanischen Ideen schleunigst umgesetzt.8 Dieses wurde am 19. Juni 1948 durch Rundfunk und Extrablätter bekanntgegeben.

Somit konnte am 20./21. Juni 1948 die lang ersehnte Währungsreform durchgeführt werden. „Jeder Bewohner der Westzone erhielt im Umtausch gegen 60 Reichsmark ein sogenanntes Kopfgeld von 40 Deutschen Mark, im August noch einmal 20 DM; […]. Löhne, Gehälter, Pensionen, Renten, Mieten und Pachtzinsen wurden im Verhältnis 1:1 umgestellt, die meisten anderen Verbindlichkeiten 10:1.“9 Während die Besitzer von Sparguthaben mit einem Tauschverhältnis von 100:6,5 besonders hart getroffen wurden, wurden die Besitzer von Grundstücken, Gebäuden und Produktionsbetrieben begünstigt.

Mit Einführung der Währungsreform kam es außerdem zum sogenannten „Schaufenstereffekt“, der die Bemühungen nach einer schnellen Vermehrung der Liquidität von Unternehmen verkörperte. So kam ein deutlich höheres Warenangebot zu Stande, das die Bedürfnisse der Bevölkerung viel besser decken konnte. Schwarzmarkthandel und Tauschgeschäfte verschwanden quasi über Nacht.10

[...]


1 Brockhaus: Enzyklopädie-Band 30, F.A. Brockhaus, 21. Auflage, Leipzig: 2006, Seite 194

2 vgl. Deutscher Bundestag: Fragen an die deutsche Geschichte, 12. Auflage, Bonn: 1987, Seite 377

3 ebd, Seite 338

4 vgl. Herbert Lilge: Deutschland 1945-1963, Edition Zeitgeschehen, 19. Auflage, Hannover: 1983, Seite 4 3

5 vgl. Fragen an die deutsche Geschichte, Seite 341

6 Müller, Helmut: Schlaglichter der deutschen Geschichte, Bundeszentrale für pol. Bildung, Bonn: 1987, Seite 319

7 http://www.byrnes-rede.de/index.php?id=3271 (Stand: 18.05.2012, 17:03 Uhr)

8 Vgl. www.bundesbank.de/Navigation/DE/Bundesbank/Aufgaben_und_Organisation/60_Jahre_Waehrungs- reform/60_jahre_waehrungsreform.html (Stand: 19.05.2012, 17:13 Uhr)

9 Schlaglichter der deutschen Geschichte, Seite 323

10 Vgl. Fragen an die deutsche Geschichte, Seite 358

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Deutsche Wirtschaftswunder - Wunder oder logische Folge?
Note
1+
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V203538
ISBN (eBook)
9783656339090
ISBN (Buch)
9783656580195
Dateigröße
657 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wirtschaftswunder, Geschi
Arbeit zitieren
David Imkamp (Autor), 2012, Das Deutsche Wirtschaftswunder - Wunder oder logische Folge?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203538

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