Der Nordirlandkonflikt. Eine Retrospektive von den Anfängen bis zum Jahr 1969


Studienarbeit, 2003

19 Seiten, Note: Sehr gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Geografische Einführung

Irland – die historische Entwicklung bis 1921
Der Beginn des englischen Einflusses
Versuche der Anglisierung
„Plantation of Ulster“
Die “Home-Rule-Bill”
Die Entstehung der Konfliktparteien im
historischen Kontext
Der Osteraufstand

Getrennte Wege – Geschichte 1921 – 1969
Die Teilung der Insel
Irland
Nordirland
Der Kern des Konfliktes
Der Ausbruch des Konfliktes

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Ich möchte mich auf den folgenden Seiten dem Konflikt in Nordirland widmen. Ich arbeite an diesem Thema in „Arbeitsteilung“ mit einem Kollegen, weswegen ich hier vor allem auf die geschichtliche Entwicklung bis 1969 eingehen werde. Aus diesem Grund ist diese Arbeit auch nicht als vollständige Analyse zu sehen, sondern vielmehr als der erste Teil eines Zweiteilers.

Ich habe diesen Konflikt gewählt, weil ich immer schon sehr an Irland – und der Nordirland-Problematik im Speziellen – interessiert war. Nicht zuletzt auch der politischen Situation wegen. Zusätzlich motiviert haben mich – so banal das klingen mag – Spielfilme wie „Vertrauter Feind“ oder „Im Namen des Vaters“. Da diese Filme leider nur auf kleine Teilbereiche des Nordirland-Problems hinweisen, habe ich beschlossen, der Sache auf den Grund zu gehen und herauszufinden, worum es tatsächlich bei diesem Konflikt geht. Wir leben in der sogenannten „westlichen, zivilisierten Welt“ und doch findet seit Jahren mitten unter uns ein – offensichtlich – religiös motivierter Konflikt statt.

Hier eröffnet sich auch schon die erste Frage, der ich nachgehen möchte. Handelt es sich beim Nordirland-Konflikt tatsächlich um einen „konfessionellen Konflikt“ oder ist dies doch nur ein Teilaspekt der Thematik. Nun, ich bin sehr schnell dahintergekommen, dass man den Nordirland-Konflikt – so wie jeden anderen Konflikt – nicht allein dadurch lösen kann, indem man an seinen Anfang geht, also ins Jahr 1969. Vielmehr muss man schon viele hundert Jahre früher beginnen, um die tatsächlichen Hintergründe nur ansatzweise verstehen zu können. Konkret wird mein geschichtlicher Rückblick um 1155 beginnen. Schon damals – so meine Meinung – hat das eigentliche Problem seinen Anfang genommen. Ich hoffe durch meine folgenden Ausführungen den Umfang meiner historischen Retrospektive rechtfertigen zu können.

Wie und warum es also zu diesem Konflikt kommen konnte, wird sich – so hoffe ich – durch die Analyse der historischen Entwicklung beleuchten lassen. Natürlich ist es im Zuge dieser Untersuchung auch erforderlich festzustellen, wer die Konfliktparteien sind und welche Absichten sie verfolgen. Hier handelt es sich konkret um 3 große Parteien – die in sich natürlich mehrere Ebenen umfassen. Einige dieser Konfliktparteien – die Größeren nämlich – werde ich herausnehmen und gesondert vorstellen. Einige kleinere Konfliktgruppen, die sich häufig von den Größeren losgelöst haben, werde ich in die Darstellung des historischen Konfliktverlaufes einbinden.

Beginnen möchte ich aber mit einer kurzen Einführung in die geografische Besonderheiten von Irland als Ganzes und Nordirland.

Geografische Einführung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Grafik entnommen von: http://transpatent.com/land/karten/iekarte.html am 27.01.2002-01-29

Die sogenannte „grüne Insel“ hat eine Fläche von 84.252 Quadratkilometer[1]. 196 kleinere Inseln umgeben Irland. Diese haben einen Anteil von 638 Quadratkilometern an der Gesamtfläche und sind heute großteils unbewohnt. Irland besteht aus 32 Grafschaften. Von diesen 32 Grafschaften gehören 26 zum Freistaat Irland (seit 1922). Die restlichen 6 Grafschaften bilden Nordirland, welches zum Vereinigten Königreich gehört. Auf die näheren Umstände soll zu einem späteren Zeitpunkt genauer eingegangen werden.

Die Hauptstadt Irlands – Dublin – liegt an der Ostküste der Insel. Der Freistaat Irland hat rund 3.841.000 Einwohner[2] – vorwiegend Katholischen Glaubens (91,6% der Einwohner)[3]. Irlands Fläche beträgt rund 68.890 km², dazu kommen noch einige Quadratkilometer Meeresfläche. Irlands Wirtschaft[4] lebt vor allem von der Landwirtschaft. Mastviehzucht, Schafhaltung und Pferdezucht sind die wichtigsten Sektoren.

Die Hauptstadt Nordirlands – Belfast – liegt ebenfalls an der Ostküste – etwas nördlich von Dublin. Nordirland besteht aus 6 Grafschaften in der ehemaligen Provinz „Ulster“ und hat rund 1,7 Millionen Einwohner[5] auf einer Fläche von etwa 14.000 km². In der Hauptstadt Belfast leben rund 300.000 Menschen. Zirka 2/3 der Nordiren sind protestantischen Glaubens.

Nordirland lebt vor allem von seinem Industriezentrum rund um und in Belfast.

Die wirtschaftliche Entwicklung der beiden Teile der Insel lassen sich am besten anhand der historischen Entwicklung herleiten. Deshalb will ich nun etwas detaillierter auf die historische Entwicklung Irlands eingehen.

Irland – die historische Entwicklung bis 1921

Im ersten Teil möchte ich auf die geschichtliche Entwicklung von Irland bis 1922 eingehen. Ich stütze mich dabei vor allem auf das geschichtliche Lexikon „Der große Ploetz“[6], da mir dies als zuverlässigste Quelle – auch von einigen Historikern – empfohlen wurde.

Der Beginn des englischen Einflusses

Der Ausgangspunkt dieses Konflikts liegt wie schon Eingangs erwähnt etwa im Jahr 1155. Damals nämlich erhielt Heinrich II von England die päpstliche Erlaubnis, die irische Kirche zu reformieren. Etwa zur selben Zeit greifen die Kambro-Normannen (aus Wales) in einen Clan-Konflikt um die Hegemonie in Irland ein. Der irische König Dermot MacMurrough von Leinster (1134-1171) rief die Kämpfer aus Wales zu seiner Unterstützung gegen den Clan der O’Connors von Connacht. Im Jahre 1169 treffen die Kambro-Normannen in Irland ein und beginnen unter Gilbert fitz Richard – genannte Strongbow – mit der Eroberung Ost-Irlands.

Zwei Jahre später, also 1171 greift auch Heinrich II[7] selbst in diesen Konflikt ein und versucht, die Kambro-Normannen für sich zu gewinnen. Schon im darauf folgenden Jahr wird Heinrich II als Herrscher Irlands anerkannt (vgl. Synode von Cashel). In den folgenden Jahren versuchte Heinrich das Land in ein anglo-normannisches Gebiet unter seiner Herrschaft und ein irisches Gebiet unter O’Connor von Connacht zu teilen. Dieser Plan misslingt und so bestellt Heinrich seinen Sohn Johann zum „Lord“ von Irland. Dieser vergrößert kontinuierlich den Einfluss Englands auf der Insel. Bereits um 1250 haben die Iren den Einfluss über rund 2/3 ihres Landes verloren. Zu diesem Zeitpunkt ist der englische Einfluss am stärksten ausgeprägt, geht in den nächsten Jahren aber wieder zurück.

Versuche der Anglisierung

Im Jahre 1541 wird der englische König Heinrich VIII – aus dem Hause Tudor – auch König von Irland, und somit auch Oberhaupt der irischen Kirche. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Heinrich bereits von der römischen Kirche losgesagt und eine eigene anglikanische Kirche („church of England“) gegründet. In weiterer Folge wollte Heinrich auch Irland „anglisieren“ und so an England binden. Es entstand die sogenannte „church of Ireland“ – eine Art Pendant zur „church of England“. Die Gründe für diese gewünschte Bindung – sowohl politisch als auch konfessionell – waren einerseits wirtschaftlicher Natur, denn man wollte sich die irischen Zahlungen an England sichern. Andererseits spielt Irland auch in verteidigungspolitischer Hinsicht immer eine wichtige Rolle. Klaus Stadler meint dazu in seinem Buch „Nordirland. Analyse eines Bürgerkrieges“ wörtlich:

„Die Tudors wollten auch de facto Herrscher Irlands sein, sie wollten die Zahlungen der Iren an die englische Krone sichern und vor allem verhindern, dass die Nachbarinsel kontinentaleuropäischen Mächten als Aufmarschbasis für eine Invasion Englands dienen konnte.“[8]

Diese Anglisierung geschah neben der politischen auch auf kirchlicher Ebene und gelang zumindest politisch auch fast in ganz Irland. Ausnahme ist die Provinz Ulster, die erbitterten Widerstand leistete. Die „konfessionelle Anglisierung“ misslang in Irland fast zur Gänze. Wie ich schon in der geografischen Einführung angeführt habe, sind über 90% der Iren katholisch geblieben. Durch die enge Verknüpfung zwischen politischer und konfessioneller Sphäre kam es vermehrt zu Auseinandersetzungen. Zu dieser Zeit begann nun die kontinuierliche Benachteiligung der katholischen Bevölkerung Irlands und es begann die Entwicklung eines gewissen Sonderstatus der im Norden Irlands gelegenen Provinz Ulster. England musste nun befürchten, dass sich die Iren mit Spanien oder Frankreich verbünden würden, um so die Gegenreformation einzuleiten.

[...]


[1] Das aktuelle Länderlexikon: Geographie, Geschichte, Politik, Wirtschaft, Kunst, Kultur in Farbe. Delphin Verlag GmbH, München, 1989. S. 370

[2] http://www.odci.gov/cia/publications/factbook/geos/ei.html; gefunden am 26.01.2002

[3] ebenda

[4] Das aktuelle Länderlexikon, S. 371f

[5] http://www.donegal.de/Nordirland/nordirland.htm; gefunden am 26.01.2002

[6] Der große Ploetz: Die Daten-Enzyklopädie der Weltgeschichte. Daten, Fakten, Zusammenhänge. Begründet von Dr. Carl Ploetz. 32., neubearbeitete Auflage. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1998. S. 584f

[7] Ploetz: Lexikon der Weltgeschichte. Personen und Begriffe. Verlag Herder, Freiburg im Breisgau, 1996. S. 186

[8] STADLER, Klaus: Nordirland. Analyse eines Bürgerkrieges. Wilhelm Fink Verlag, München, 1979. S. 4

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Nordirlandkonflikt. Eine Retrospektive von den Anfängen bis zum Jahr 1969
Hochschule
Universität Wien  (Inst. f. Politikwissenschaften Wien)
Veranstaltung
Proseminar: Friedenssicherung
Note
Sehr gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V20360
ISBN (eBook)
9783638242523
ISBN (Buch)
9783668194328
Dateigröße
509 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Im Rahmen dieses Proseminares an der Universität Wien habe ich mich mit Konfliktforschung beschäftigt, im Konkreten anhand des Nordirlandkonfliktes.
Schlagworte
Nordirlandkonflikt, Anfängen, Proseminar, Friedenssicherung
Arbeit zitieren
Mag. Christian Rabl (Autor), 2003, Der Nordirlandkonflikt. Eine Retrospektive von den Anfängen bis zum Jahr 1969, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20360

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