László Moholy-Nagy "TYPOFOTO" - am Beispiel des Filmmanuskripts "Dynamik der Großstadt"


Seminararbeit, 2012
19 Seiten
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitendes

2. Zu den Visionen des Künstlers László Moholy-Nagy
2.1 Inspiration Moholy-Nagys zum Typofoto

3. Typofoto

4. Typofoto am Beispiel des Filmmanuskripts „Dynamik der Großstadt“
4.1 Allgemeines zum Manuskript
4.1.2 Die erste Filmskizze von 1921/22
4.1.3 Die zweite Version von 1925/27
4.1.4 Sujet/Inhalt
4.1.5 Layout
4.2 Darstellung der Dynamik durch die Interaktion von Foto und Text
4.2.1 Isolierte Betrachtung der Fotografie
4.2.2 Isolierte Betrachtung des Textes
4.2.3 Kombination von Text und Foto
4.2.4 Darstellung von Chaos und Hektik durch Foto-Text - Kombination
4.2.5 Dynamik, Bewegung, Geschwindigkeit
4.2.6 Dynamik durch Lichterscheinungen
4.3 Ziele und Wirkung des Typofotos

5. Rezeption

6. Abschließendes

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitendes

Die vorliegende Arbeit behandelt eine neue künstlerische Ausdrucksform, welche von László Moholy-Nagy entwickelt wurde. Er verband Typographie mit Fotografie und aus dieser Synthese entstand eine neue zweidimensionale Kunstform, die etwas Drittes erzeugt – nämlich Bewegung und Dynamik. Es handelte sich um eine neue Medienart, die der Kultur und der modernen Gesellschaft der 1920er Jahre entsprechen sollte. Text alleine reichte nicht mehr, nach der Meinung von Moholy-Nagy bedurfte es der Bilder, und zwar speziell Fotos, um den Inhalt besser transportieren zu können, damit er im Gedächtnis haften bleibt und die Botschaft eindringlicher wird.

Um das Phänomen „Typofoto“ besser zu verstehen und einordnen zu können, werde ich im ersten Teil eine kurze Charakterisierung des Künstlers Moholy-Nagy sowie seiner Ziele und Visionen im künstlerischen Schaffen vornehmen. Im Anschluss erfolgt eine Definition des Begriffes „Typofoto“ sowie dessen Erläuterung am Beispiel des Filmmanuskriptes „Dynamik der Großstadt“. Dabei werde ich die Interaktion von Foto und Text, deren individuelle Funktionsweise sowie deren Funktion im Zusammenspiel analysieren und dadurch aufzeigen, wie die Gestaltung zur Dynamisierung des zweidimensionalen Mediums beiträgt und quasi Kino im Kopf entsteht.

Zum Schluss wird noch kurz ein Hinweis auf die heutige Rezeption des typografischen Konzepts Moholy-Nagys gegeben, in welchen Bereichen sich seine Theorien niedergeschlagen haben.

2. Zu den Visionen des Künstlers László Moholy-Nagy

Dem ungarischen Künstler, Bauhaus-Lehrer und prominenten Theoretiker der „Neuen Fotografie“ László Moholy-Nagy (1895 – 1946) war es stets ein Anliegen, die Gesellschaft mit seinem künstlerischen Schaffen sozial umzugestalten. Die Zeit war allgemein geprägt von der Suche nach neuen Ausdrucksformen, „die den veränderten Bedingungen im Zeitalter der Industrialisierung gerecht wurden“[1].

László Moholy-Nagy kam 1919 über Wien nach Berlin, in das damalige pulsierende Zentrum politischer und künstlerischer Aktivitäten. Er war zu Beginn überwältigt vom Großstadttreiben. Ihn beschäftigen daher Themen wie Simultaneität, Geschwindigkeit, Bewegung, die im Zusammenhang mit dem rasant beschleunigten modernen Leben des Industriezeitalters standen.

Moholy-Nagy war sehr interessiert an allem Neuen und hat sich offen mit den verschiedenen künstlerischen Bewegungen seiner Zeit auseinandergesetzt, sowie viele Ansätze und neue Technologien in seine Arbeit einfließen lassen und kreativ weiterentwickelt. Im Zuge der Industrialisierung hatte sich das Leben nun sehr schnell verändert und war geprägt von Tempo, Reizüberflutung, Automatisierung und Entfremdung. Die gewohnten Wahrnehmungsmuster der Menschen waren überfordert und die Menschen schienen vor der Übermacht der Technik zu kapitulieren. Vor dieser Passivität warnte Moholy-Nagy. Er forderte eine Erziehung zur aktiven Auseinandersetzung mit den modernen Technologien. Er verstand den zivilisatorischen Fortschritt als ein kreatives Werkzeug für den Menschen. Es ging ihm um die Erziehung zu kreativen Menschen, die ihre Lebensumwelt aktiv wahrnehmen und gestalten. Der Kunst wurde dabei von Moholy-Nagy eine wichtige Rolle zugedacht. Er strebte eine Erziehung zum „Neuen Sehen“ an. Dadurch wollte er „die (bewusste oder unbewusste) Wahrnehmung der Menschen auf die Anforderungen einer modernen, industrialisierten Welt vorbereiten und einen objektiven, demokratischen, von kultureller und sozialer Prägung unabhängigen Zugang zu Information ermöglichen.“[2]

In diesem Bestreben war die Fotografie zentrales Thema und Moholy-Nagy experimentierte viel in diesem Medium. Er war sich bewusst, in einer zunehmend visuellen und schnelllebigen Kulturepoche zu leben und wollte darauf eingehen in seinem künstlerischen Schaffen. Er beschäftigte sich auch mit der Typographie, die sich seiner Meinung nach diesen neuen Bedingungen stellen und eine visuelle und dynamische Gestaltung miteinbeziehen musste.[3] Sein Ziel war es, Botschaften zu optimieren durch einen „visuell zubereiteten Text“, um der „optischen Einstellung“ seiner Zeit zu entsprechen.[4]

2.1 Inspiration Moholy-Nagys zum Typofoto

„Jede Zeit hat ihre eigene optische Einstellung. Unsere Zeit: die des Films, der Lichtreklame, der Simultanität sinnlich wahrnehmbarer Ereignisse. Sie hat für uns eine neue, sich ständig weiter entwickelnde Schaffensbasis auch in der Typografie hervorgebracht. Die Typografie Gutenbergs, die bis fast in unsere Tage reicht, bewegt sich in ausschließlich linearer Dimension. Durch die Einschaltung des fotografischen Verfahrens erweitert sie sich zu einer neuen, heute als total bekannten Dimensionalität. Die Anfangsarbeiten dazu wurden von den illustrierten Zeitungen, Plakaten, Akzidenzdrucken geleistet.“[5]

Moholy-Nagy war zu seiner Zeit ein Visionär in Bezug auf eine neue typografische Gestaltung. Heutzutage sind Interaktionen von Fotos und Texten etwas Alltägliches geworden und nichts Revolutionäres mehr. Doch diese Situation ist im Grunde auf Moholy-Nagys Vision zurückzuführen, dass Fotos nicht bloß den Text „illustrieren sollten, sondern mit ihm zu einer Einheit verschmelzen, ihn in ‚Fototexten’ vielleicht sogar einmal ersetzen könnten“[6].

Er bezog seine Inspirationen für seine neue Typografie-Theorie wie oben im Zitat genannt v.a. aus amerikanischen Magazinen und Plakaten, und somit künstlerisch gesehen aus dem „Low-Bereich“. Dort wurde schon viel mit Bild-Text-Kombinationen gearbeitet. Dies nahm er auf und transferierte es quasi in den „High-Bereich“, denn die neue visuelle Typografie sollte sich nicht nur im Werbe- und Anzeigenbereich abspielen, sondern seiner Meinung nach auf höherer Ebene auch auf philosophische Werke übertragen werden. Er strebte somit eine „typografisch-optisch-synoptische“ Gestaltung dieser Werke an.[7]

3. Typofoto

„Was ist Typofoto?

Typografie ist in Druck gestaltete Mitteilung.

Fotografie ist visuelle Darstellung des optisch Fassbaren.

Das Typofoto ist die visuell exaktest dargestellte Mitteilung.“[8]

Das „Typofoto“ entsteht durch die Synthese von Bild und Text. Moholy-Nagy kombinierte das geschriebene Wort mit der Fotografie durch typografische Gestaltungsmittel. Der Begriff bedeutet aber mehr als das bloße Einschalten von Fotos in Texte – es ging ihm darum, eine optisch sinnfällige Gestalt zu erreichen durch Addition oder Synthese von Bild und Text. Moholy-Nagy sah das Typofoto als die moderne Form funktionaler Typografie. Für ihn war es die optimale Verknüpfung des – mittelbar wirkenden – intellektuellen Textinhalts mit der – unmittelbar wirkenden – visuellen Mitteilung der Fotografie[9] zu einer „exaktest dargestellten Mitteilung“[10], die dem modernen Lebensstil entsprechen sollte. Die Fotografie sollte eine Verunklärung der Mitteilung durch individuelle Interpretationen und persönliche Assoziationen verhindern und Objektivität gewährleisten.[11]

„Aus den optischen und assoziativen Beziehungen baut sich die Gestaltung, die Darstellung auf: zu dem Typofoto als eindeutige Darstellung in optisch gültiger Gestalt.“[12]

Durch den Einsatz von Bildern lässt sich die Eindeutigkeit der Mitteilung steigern. Denn das, was gemeint ist, wird nicht nur gedruckt, sondern auch noch gezeigt – nach dem Motto „Der Begriff ist ohne die Anschauung blind, die Anschauung ohne Begriffe leer“[13].

[...]


[1] Prof. Dr. Hanne Bergius, Sehen und Gestalten: Zum fotografischen Konzept von László Moholy-Nagy am Beispiel von „Dynamik der Großstadt“ Skizze zu einem Film/Typofoto; Belegarbeit Kunstgeschichte,
Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein Halle,
2004; http://www.anketornow.de/images/stories/pdf/tornow_moholy-nagy_web.pdf; 31.10.2011

[2] ebd.

[3] Claudia Müller, Typofoto, Berlin, 1994, S. 73

[4] László Moholy-Nagy; Malerei, Fotografie, Film; Neue Bauhausbücher, hrsg. von Hans M. Wingler, Berlin 20003, S. 37

[5] Moholy-Nagy; 20003, S. 37

[6] Müller, 1994, S. 9

[7] Moholy-Nagy; 20003, S. 37

[8] Moholy-Nagy; 20003, S. 37

[9] http://www.anketornow.de/images/stories/pdf/tornow_moholy-nagy_web.pdf; 31.10.2011

[10] Moholy-Nagy; 20003, S. 37

[11] Müller, 1994, S. 75

[12] Moholy-Nagy; 20003, S. 38

[13] Müller, 1994, S. 79

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
László Moholy-Nagy "TYPOFOTO" - am Beispiel des Filmmanuskripts "Dynamik der Großstadt"
Jahr
2012
Seiten
19
Katalognummer
V203600
ISBN (eBook)
9783656303374
ISBN (Buch)
9783656303985
Dateigröße
490 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fotografie, Fotografie und Text, Bild und Text
Arbeit zitieren
Anonym, 2012, László Moholy-Nagy "TYPOFOTO" - am Beispiel des Filmmanuskripts "Dynamik der Großstadt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203600

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