Alexander Calder ist einer der wichtigsten Innovatoren in der Skulptur des 20. Jahrhunderts. Er machte Bewegung und Farbe zu den Hauptelementen seiner Plastik. Sein Werk ist charakterisiert durch Schlagworte wie Überschwang, Heiterkeit, Energie aber auch Witz und Humor. Hinzu kommt seine Sensibilität für Materialien sowie ein unstillbares Interesse an neuen Gestaltungstechniken. Sein bevorzugtes Material war Metall, welches er direkt bearbeitete durch schneiden, hämmern, verbiegen oder zusammensetzen verschiedener Stücke. Er vermied jegliches Modellieren und war sehr sparsam in seinen Mitteln - er verwendete fast ausschließlich gebogene Drähte und Metallscheiben. Daraus entstanden einfache Formen mit klaren Konturen.
Er machte als erster Mobilität und Veränderlichkeit zu einem ästhetischen Leitbild. Vor ihm gab es lediglich theoretische Vorausgriffe der Futuristen bzw. Hänge- und Rotationsexperimente von Rodtschenko und Duchamp. Den Aspekt der Mobilität und Bewegung realisierte er in seinen windgetriebenen „Mobiles“ in zahlreichen Größen und Formen, mit denen er Weltruhm erlangte. Er gestaltete „mobile“ Skulpturen und wurde zum Pionier und führenden Vertreter der kinetischen Plastik. Parallel dazu entstanden auch statische Plastiken aus verschraubten Metallplatten – die sog. „Stabiles“. In seiner Spätzeit steigerte er dann sowohl die Mobiles als auch die Stabiles ins Monumentale.
Neben diesen beiden Hauptgruppen seines Oeuvres betätigte sich Calder auch als Maler und Illustrator, er fertigte humorvolle Spielzeuge, Schmuck sowie Wandteppiche und Haushaltsgeräte und bemalte auch Autos und Flugzeuge. Sein Werk umfasst über 16.000 Objekte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes
2. Biographische Daten zu Alexander Calder
3. Anfänge 1898-1930
3.1 Kindheit und Jugend
3.2 Ausbildung
3.3 Paris
3.4 Cirque Calder
3.5 Drahtskulpturen
3.6 USA – Paris – USA
4. Abstraktion 1930-1936
4.1 Der Einfluss Mondrians
4.2 Mobiles
4.3 Stabiles
4.4 Wieder zurück in den USA
4.5 Choreographie und Bühnenbilder
5. Kriegsjahre 1937-1945
5.1 Mercury Fountain
5.2 Neue Projekte
5.3 Weiterentwicklung der Mobiles und Stabiles
5.4 Constellations
5.5 Modellierte Werke
5.6 Gouachen
6. Produktive Jahre 1945-1953
6.1 Pendeln zwischen USA und Frankreich
6.2 Kleine Mobiles bzw. Stabiles und Fischmobiles
6.3 Stabile-Mobiles
6.4 Mobiles und Stabiles
6.5 Reisen nach Südamerika, Gouachen, Film
6.6 Groß-Mobiles
6.7 Gongs & Towers
6.8 Biennale, Aula Magna, Nucléa
7. Spätwerk 1953-1976
7.1 Monumentale Mobiles und Stabile-Mobiles
7.2 Monumentale Stabiles
7.3 Vögel, Fische und Critters
7.4 Kleinere Werke, Bemalung von Flugzeugen und Autos
7.5 Calders Universum
8. Abschließendes
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das künstlerische Schaffen von Alexander Calder unter besonderer Berücksichtigung seiner technischen Innovationen, insbesondere der Entwicklung kinetischer Skulpturen. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, wie Calder Bewegung und Farbe zu fundamentalen Kompositionselementen in der modernen Plastik erhob und wie sein hybrider Ansatz zwischen Ingenieurwesen und künstlerischer Intuition sein Gesamtwerk prägte.
- Evolution der kinetischen Plastik und Erfindung der "Mobiles"
- Die statische Gegenbewegung: Entwicklung und Bedeutung der "Stabiles"
- Einfluss technischer Ausbildung und Ingenieurskunst auf die künstlerische Praxis
- Die Rolle von Humor, Farbe und biomorphen Formen im Schaffen Calders
- Verbindung von Kunst, Theater und Choreographie
Auszug aus dem Buch
3.4 Cirque Calder
Auf Basis der experimentellen Konstruktion der Spielzeuge und aufgrund seiner Begeisterung für den Zirkus entstand nach und nach von 1926-1930 seine erste bedeutende künstlerische Produktion – sein berühmter Miniaturzirkus „Cirque Calder“. Es handelte sich dabei um einen Zirkus in Mini-Format, der von Calder betätigt wurde – zuerst noch für ihn selbst als Zeitvertreib. Die verschiedenen kleinen Figuren, welche aus Draht, Holz, Stoff und diversem Abfallmaterial gefertigt waren, konstruierte er als ausgeklügelte Gebilde, die er von Hand antreiben und in Bewegung versetzen konnte. Calder agierte somit als Zirkusdirektor unter den Figurinen. So saß er wie ein Kind zwischen seinem „Spielzeug“ und erweckte die Clowns, Seiltänzer, Musiker und Tiere mit Geräuschen und Handgriffen zum Leben. Eine solche Vorstellung in seinem Atelier, welche er vor kleinem und auch vor großem Publikum vorführte, konnte mehrere Stunden dauern. Über einen Großteil der Vorführung hatte Calder die Kontrolle, doch er überließ auch manche Dinge einfach dem Zufall. So aktivierte er zwar die Akrobaten und bewegte sie, aber es gab keine Garantie, dass sie wieder heil auf ihren Füßen landen würden. Und dieses Risiko des Scheiterns, dieses Unvorhersehbare, machte es für das Publikum so spannend, die Vorführungen des Cirque Calder wie in einem echten Zirkus zu verfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes: Einführung in Alexander Calders Bedeutung als Innovator der Skulptur des 20. Jahrhunderts und Darstellung seiner zentralen Gestaltungselemente Bewegung und Farbe.
2. Biographische Daten zu Alexander Calder: Chronologischer Überblick über die wichtigsten Lebensstationen und beruflichen Meilensteine des Künstlers von der Geburt bis zum Tod.
3. Anfänge 1898-1930: Analyse der frühen Jahre, der familiären Prägung, der Ingenieursausbildung und der ersten künstlerischen Versuche, die im "Cirque Calder" kulminieren.
4. Abstraktion 1930-1936: Untersuchung des Übergangs zur Abstraktion nach dem Kontakt mit Piet Mondrian und der systematischen Entwicklung der kinetischen Skulpturen.
5. Kriegsjahre 1937-1945: Darstellung der Schaffensperiode während des Zweiten Weltkriegs, geprägt durch die "Mercury Fountain", Constellations und die Arbeit mit neuen Materialien.
6. Produktive Jahre 1945-1953: Beleuchtung der Phase intensiver Reisetätigkeit und der stetigen Weiterentwicklung von Mobiles, Stabiles und multimedialen Projekten.
7. Spätwerk 1953-1976: Dokumentation der monumentalen Phase des Künstlers, in der er großformatige Stabiles und Mobiles für den öffentlichen Raum schuf.
8. Abschließendes: Fazit über die Kontinuität von Calders Grundkonzepten und seine dauerhafte Wirkung als Neuerer der Kunst des 20. Jahrhunderts.
Schlüsselwörter
Alexander Calder, Kinetische Kunst, Mobiles, Stabiles, Drahtskulpturen, Abstraktion, Bewegung, Skulptur, Cirque Calder, Metallplastik, Moderne Kunst, Ingenieurskunst, Installation, Monumentalkunst, Zeitgenössische Bildhauerei.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Seminararbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das künstlerische Lebenswerk von Alexander Calder und analysiert, wie er die Bewegung als konstitutives Element in die moderne Plastik einführte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert auf die Entwicklung der Mobiles, der statischen Stabiles, den Einfluss von Technik und Ingenieurwesen sowie die Bedeutung von Humor und Leichtigkeit in Calders Ästhetik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Entwicklung von Calders skulpturalem Verständnis darzulegen und aufzuzeigen, wie er durch seine einzigartige Synthese aus Intuition und technischer Präzision die Grenzen der Bildhauerei erweiterte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine biographisch-chronologische Analyse sowie kunstwissenschaftliche Einordnung basierend auf Primärtexten und Werkbetrachtungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert das Schaffen Calders chronologisch in Phasen – von den Anfängen und der Zirkus-Zeit über die Abstraktionsphase bis hin zur monumentalen Spätphase.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten über Begriffe wie kinetische Kunst, Mobiles, Stabiles, Innovation, Bewegung und moderne Plastik erschließen.
Welchen Einfluss hatte der "Cirque Calder" auf sein späteres Werk?
Der "Cirque Calder" legte den Grundstein für Calders Verständnis von Zufall, Risiko und Performanz, die später zentrale Merkmale seiner kinetischen Mobiles wurden.
Wie unterscheidet Calder in seiner Arbeit zwischen Mobiles und Stabiles?
Das Mobile steht für dynamische, durch Luft oder Motor bewegte Kunst, während das Stabile eine statische, aber durch ihre Form und Materialität ebenfalls dynamisch wirkende Skulpturenform darstellt.
Welche Bedeutung hatte die Ingenieursausbildung für seine Kunst?
Sie lieferte ihm das technische Fundament, um komplexe kinetische Systeme zu konstruieren, und ermöglichte ihm den souveränen Umgang mit Materialien wie Stahl und Draht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2011, Alexander Calder - sein Leben und Werk, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203638