Mit dem Aufstieg der Ideologie des Nationalsozialmus entwickelte sich eine Theorie in der Disziplin der internationalen Politik heraus, die zu den bisher vorherrschenden idealistischen Konzepten eine Gegenbewegung darstellte: der Realismus. Dieser wurde vor allem von Hans-Joachim Morgenthau geprägt. Diese Theorie schien die internationalen Beziehungen besser und realitätsnäher zu charakterisieren. Mit der bedingungslosen Kapitulation des Nationalsozialismus veränderte sich jedoch die Struktur des internationalen Systems hin zum sogenannten Ost-West-Konflikt und konnte daher mit den herkömmlichen Theorien nur schwer analysiert werden. So begannen Wissenschaftler wie Kennetz N. Waltz ab den sechziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts eine Weiterentwicklung des bis dahin weit verbreiteten klassischen Realismus zu konstruieren. Es entstand der Neorealismus. Beide Theorien finden noch heute Anwendung und haben vieles gemeinsam, aber auch viele Unterschiede in ihrer Betrachtungsweise des internationalen Systems.
Diese Hausarbeit soll die Frage klären, welche Theorie von beiden besser dazu geeignet ist, die Ereignisse in der internationalen Politik zu verstehen. Ich möchte mich mit meiner Hausarbeit auf die Außenpolitik der DDR konzentrieren, da diese im Ost-West-Konflikt eine zentrale Rolle darstellte, da sie den wichtigsten Partner der Sowjetunion sowie die "Grenze" zum Westen darstellte. Vor allem die Jahre 1949 bis 1969 sollen dabei behandelt werden, da in diesem Zeitraum die Einsicht in die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des klassischen Realismus entstand. Diese Eingrenzung gibt auch insofern einen Rahmen, da 1949 die DDR gegründet wurde und ab 1969 mit der Aufnahme von diplomatischen Verhandlungen zwischen der Bundesrepublik und der Sowjetunion der Ost-West-Konflikt eine andere Stufe erreichte.
Zunächst sollen die beiden Begriffe "klassischer Realismus" und "Neorealismus" analysiert werden, um dann mit diesen Definitionen arbeiten zu können. So wird zuerst auf den Begriff des klassischen Realismus eingegangen, da der Neorealismus auf diesen aufbaut. Daraufhin wird auf die Beziehungen zur Sowjetunion, zur BRD sowie zu den restlichen "westlichen" Staaten des zweiten Weltkrieges eingegangen. Diese Einschränkung wird vorgenommen, weil diese Akteure ebenfalls zentrale Rollen während des Ost-West-Konfliktes eingenommen haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Klassischer Realismus
3. Neorealismus
4. Außenpolitik der DDR
4.1. Beziehungen zur Sowjetunion
4.2. Beziehungen mit der BRD
4.3. Beziehungen mit dem "Westen"
5. Schlussfolgerungen
6. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das außenpolitische Handeln der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) im Zeitraum von 1949 bis 1969. Ziel ist es zu klären, welche der beiden politikwissenschaftlichen Theorien – klassischer Realismus oder Neorealismus – besser geeignet ist, die Ereignisse und außenpolitischen Entscheidungen der DDR in diesem durch den Ost-West-Konflikt geprägten Zeitraum zu erklären.
- Gegenüberstellung von klassischem Realismus und Neorealismus.
- Analyse der DDR-Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion als zentralem Partner.
- Untersuchung der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD unter Berücksichtigung des Sicherheitsstrebens.
- Beleuchtung der Positionierung der DDR gegenüber den westlichen Staaten.
- Evaluation der analytischen Eignung beider Theorien für die komplexe Lage der DDR.
Auszug aus dem Buch
3. Neorealismus
Der Neorealismus wurde 1979 von Kennetz N. Waltz mit dem Buch "Theory of International Politics" begründet. Diese Theorie steht in der Tradition des klassischen Realismus, da ebenfalls davon ausgegangen wird, dass die internationale Politik eine anarchistische sei und durch Konflikte und Konkurrenz geprägt ist. So gibt es keine Instanz, die über den Staaten steht und so für die Einhaltung von gültigen Regeln sorgt.
Desweiteren hat der Neorealismus den Pessimismus des klassischen Realismus übernommen. Außerdem bedient sich auch der Neorealismus des Begriffs "Balance of Power", so wie der Realismus. Im Neorealismus wurde der Begriff um eine Komponente erweitert: dieses Balancing kann auch Mittels Bündnisbildung und nicht nur durch Aufrüstung erreicht werden.
Die Vertreter dieser Theorie beschäftigten sich vor allem mit zwei zentralen Fragen: "Zum einen [...] warum sich die bipolare und darüber hinaus hochgerüstete Welt des Ost-West-Konflikts [...] als erstaunlich stabil und kriegsabneigend erwiesen hatte. Zum anderen versuchte er angesichts des Niedergangs der amerikanischen Hegemonie [...] zu erklären, warum sich die Vormachtstellung der USA als nicht stabil erwiesen hatte."
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung der DDR-Außenpolitik mittels realistischer und neorealistischer Theorien zwischen 1949 und 1969.
2. Klassischer Realismus: Hier werden die Grundlagen des klassischen Realismus sowie dessen Fokus auf menschliche Natur, Machtstreben und das Konzept der "Balance of Power" dargestellt.
3. Neorealismus: Dieses Kapitel erläutert die neorealistische Theorie von Kenneth N. Waltz, die sich auf die Struktur des internationalen Systems anstelle anthropologischer Begründungen konzentriert.
4. Außenpolitik der DDR: Dieser Abschnitt analysiert das außenpolitische Handeln der DDR, gegliedert in die Beziehungen zur Sowjetunion, zur BRD und zu den westlichen Staaten.
4.1. Beziehungen zur Sowjetunion: Untersuchung der sicherheitspolitischen und vertraglichen Bindung der DDR an die Sowjetunion als zentralem Akteur.
4.2. Beziehungen mit der BRD: Analyse des Verhältnisses zur Bundesrepublik im Kontext des Sicherheitsstrebens und der militärischen Strategien beider deutscher Staaten.
4.3. Beziehungen mit dem "Westen": Betrachtung der Konfrontation mit dem US-amerikanisch geprägten Westen und der Einbindung in internationale Organisationen.
5. Schlussfolgerungen: Synthese der Ergebnisse, wobei festgestellt wird, dass der Neorealismus analytisch besser zur Erklärung der DDR-Außenpolitik geeignet ist.
6. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Außenpolitik der DDR, Neorealismus, Klassischer Realismus, Ost-West-Konflikt, Internationale Politik, Sowjetunion, BRD, Balance of Power, Anarchie, Sicherheit, Machtstreben, Bipolarität, Souveränität, Systemtheorie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit einer theoretischen Analyse der Außenpolitik der DDR zwischen 1949 und 1969 unter Anwendung der Theorien des klassischen Realismus und des Neorealismus.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Konzepte von Macht und Systemstruktur in den internationalen Beziehungen sowie deren Anwendung auf das diplomatische und sicherheitspolitische Handeln der DDR.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, welche der beiden realistischen Theorien – der klassische Realismus oder der Neorealismus – besser geeignet ist, die außenpolitischen Entscheidungen der DDR im gegebenen Zeitrahmen zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt ein theoretischer Vergleich zweier politikwissenschaftlicher Schulen, deren Konzepte anschließend auf empirische Einzelfakten aus der DDR-Außenpolitik angewendet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die beiden Theorien definiert, gefolgt von einer detaillierten Analyse der DDR-Außenpolitik gegenüber der Sowjetunion, der BRD und den westlichen Staaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen DDR-Außenpolitik, Neorealismus, klassischer Realismus, Machtpolitik, Bipolarität, Ost-West-Konflikt und Balance of Power.
Warum wird der Neorealismus als analytisch geeigneter bewertet?
Der Neorealismus bietet laut Autor einen besseren Erklärungsrahmen für das Verhalten der DDR, da er das Handeln aus der strukturellen Lage im bipolaren internationalen System ableitet, anstatt menschliche Faktoren zu priorisieren.
Wie bewertet der Autor die Bedeutung der Berliner Mauer im neorealistischen Kontext?
Die Mauer wird nicht nur als innenpolitisches Mittel, sondern als verteidigungsstrategische Reaktion im Rahmen des bipolaren Systems und des Strebens nach Sicherheit interpretiert.
- Arbeit zitieren
- Daniel Drescher (Autor:in), 2011, Die Außenpolitik der Deutschen Demokratischen Republik zwischen 1949 und 1969, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203664