Fast zweihundert Jahre nach dem Tod des realen Dichters Lenz (1751-1792) erscheint 1981 der Text Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga in der Sammlung Gespräch über Balzacs Pferd. Vier Novellen von Gert Hofmann.
Es wird sowohl durch den Untertitel der Sammlung die Zugehörigkeit zur Gattung proklamiert wie auch im oben genannten Zitat, das mit dem für die Novelle typischen Attribut der »unerhörten Begebenheit« gekennzeichnet wird. Ebenso drängt sich in der Textstelle der
Hauptkonflikt zusammen, der zentral für den Text und für den Protagonisten ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Die Novelle - Untersuchungsparameter
2.1 Zur Renaissance der Novelle am Ende der 1970er Jahre
2.2 Das Scheitern des Protagonisten als Gattungsspezifikum
2.3 Vergleichbarkeit mit Büchners ›Lenz‹
3. Das (neuerliche) Scheitern des Dichters Lenz
3.1 Die Steigerung des Scheiterns
3.2 Der Höhepunkt des Scheiterns
4. ›Lenz‹ im Spiegel des Gattungsspezifikums
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern Gert Hofmanns Text "Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga" die Gattungsmerkmale einer Novelle erfüllt, insbesondere unter dem Aspekt des Scheiterns des Protagonisten im Konflikt mit seinem Vater. Dabei wird die Arbeit von Georg Büchners "Lenz" abgegrenzt, um Hofmanns spezifische novellistische Gestaltung herauszuarbeiten.
- Gattungstheorie der Novelle im 20. Jahrhundert
- Das Motiv des Scheiterns als zentrales Gattungsspezifikum
- Intertextualität und der Bezug zu Georg Büchners "Lenz"
- Analyse des Vater-Sohn-Konflikts als novellistischer Handlungskern
- Untersuchung der strukturellen Konzentration und Wiederholung
Auszug aus dem Buch
3. Das (neuerliche) Scheitern des Dichters Lenz
Gert Hofmanns Text folgt einem recht einfachem Handlungsschema: Lenz trägt selbstbewusst etwas vor, sei es eine Idee oder ein Anliegen, der bzw. dem er eine Argumentation folgen lässt, in deren Zuge er aber stets selbst mehr Gegenargumente findet – gegen seine Idee, gegen sein Anliegen, gegen sich. So kommt es, dass er sie selbst verwirft oder am Widerstand seines Gegenübers scheitert. Dabei spielt das Gegenüber, sein Antagonist eine wesentliche Rolle: es ist sein Vater, den er mit Gott gleichsetzt (»Wenn ich Gott wäre wie Sie«, Hofmann, S. 46). Lenzens Profilierungen und Pläne, die dieser übermenschlichen Projektion gegenübergestellt werden, sind womöglich deshalb schon zum Scheitern verurteilt. Hofmann gestaltet dies aber getreu der Novellencharakteristik als »gespannt zwischen den Polen sich stets ereignender Auflösung und der Einbindung des sich Auflösenden in die Form« (Freund, S. 298). Wie dicht und konzentriert sich das Scheitern entwickelt, in dem es sich bei Hofmann vor allem wiederholt, wird die Betrachtung einiger Textbeispiele zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in Gert Hofmanns Novelle "Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga" ein und stellt die zentrale Forschungsfrage nach deren Gattungszugehörigkeit.
2. Die Novelle - Untersuchungsparameter: Es werden theoretische Grundlagen zur Novelle der Gegenwart und das zentrale Motiv des Scheiterns als Gattungsspezifikum erarbeitet sowie die Vergleichbarkeit mit Büchners "Lenz" diskutiert.
3. Das (neuerliche) Scheitern des Dichters Lenz: Die Analyse untersucht anhand konkreter Textbeispiele, wie sich der Vater-Sohn-Konflikt als treibende Kraft für das Scheitern des Protagonisten gestaltet.
4. ›Lenz‹ im Spiegel des Gattungsspezifikums: Das Fazit stellt fest, dass Hofmanns Werk durch die Konzentration auf den Konflikt als Novelle klassifiziert werden kann und sich damit von Büchners "Gegennovelle" abgrenzt.
Schlüsselwörter
Gert Hofmann, Jakob Michael Reinhold Lenz, Novelle, Gattungsspezifikum, Scheitern, Vater-Sohn-Konflikt, Georg Büchner, Intertextualität, Literaturwissenschaft, Erzählstruktur, Novellen-Renaissance, Erzählkonzentration, Gegenwartsliteratur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Gert Hofmanns Novelle "Die Rückkehr des verlorenen Jakob Michael Reinhold Lenz nach Riga" hinsichtlich ihrer Zugehörigkeit zur Gattung der Novelle.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das literarische Motiv des Scheiterns, die Vater-Sohn-Beziehung, gattungstheoretische Bestimmungen der Novelle und der intertextuelle Bezug zu Georg Büchners "Lenz".
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Hofmann durch die Gestaltung des Scheiterns seines Protagonisten innerhalb eines Vaters-Sohn-Konflikts die novellistische Form im 20. Jahrhundert neu definiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die Gattungstheorien mit der detaillierten Untersuchung ausgewählter Textstellen verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Verortung der Novelle, der Definition von Scheitern als Gattungsmerkmal und der detaillierten Analyse des Handlungsverlaufs bei Hofmann.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gert Hofmann, Lenz, Novelle, Gattungsspezifikum, Scheitern, Intertextualität und Vater-Sohn-Konflikt.
Wie unterscheidet sich Hofmanns Lenz von Büchners Lenz?
Hofmann fokussiert das Scheitern auf einen konkreten, immer wiederkehrenden Konflikt mit dem Vater, während Büchner stärker die psychopathologische Innenwelt und die Krankheitssymptomatik ins Zentrum rückt.
Welche Bedeutung kommt dem Vater in der Erzählung zu?
Der Vater fungiert als "Gott-Ersatz" und Antagonist, dessen ständiges Schweigen und Verweigern jede Hoffnung des Sohnes auf Anerkennung oder Unterstützung zunichtemacht und somit das Scheitern forciert.
- Arbeit zitieren
- René Ferchland (Autor:in), 2011, Das (neuerliche) Scheitern des Dichters Lenz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203693