Galaterbrief 2,1-10: Die Anerkennung des Pauls durch die anderen Apostel


Hausarbeit, 2003

19 Seiten, Note: gut


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Kontext
2.1 Absender
2.2 Wer sind die Adressaten?
2.3 Abfassungszeit und Abfassungsort

3. Bibelkundlicher Kontext

4. Literarkritik

5. Formgeschichte

6. Übersetzungsvergleich

7. Einzelexegese
Exkurs: Paulus
Exkurs: Barnabas
Exkurs: Titus
Exkurs: Petrus/ Kephas
Exkurs: Jakobus, der Bruder des Herrn
Exkurs: Johannes, der Apostel

8. Abkürzungsverzeichnis

9. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Dieser Exegese liegt die Bibelstelle Gal 2, 1-10 aus der Lutherübersetzung zugrunde.

Paulus beschreibt in diesem Abschnitt kein Konzil[1] im Sinn der Kirchengeschichte, sondern das Zustandekommen und den Inhalt eines Abkommens zwischen den Gemeinden von Jerusalem und Antiochia.[2] Auf dem Konzil kam es zur Anerkennung von Paulus und seines gesetzesfreien Evangeliums durch die anderen Apostel. Es ist wichtig zu wissen, dass der Apostelkonzil zugleich auch in der Apostelgeschichte 15, 1-35 geschildert wird. Wobei die Berichte mehrheitlich übereinstimmend sind.

Ich werde damit beginnen den bibelkundlichen Kontext herzustellen, indem ich den Inhalt des Galaterbriefes zusammenfassend wiedergebe und für den untersuchten Ausschnitt eine Gliederung vornehme. Dann versuche ich den historischen Kontext, in dem der Brief entstanden ist, darzustellen. Diesen Abschnitt habe ich in drei Unterpunkte unterteilt und zwar in Absender, Adressat und Ort und Zeit der Abfassung. Der nächste Abschnitt befasst sich mit der Literaturkritik, indem ich unter anderem die beiden Berichte über den Apostelkonzil miteinander vergleiche. Im fünften Abschnitt folgt ein Übersetzungsvergleich zwischen der Lutherübersetzung, der Elberfelder Bibel und der Einheitsübersetzung. Anschließend folgt die Formgeschichte, wo die äußere Form des Textes untersucht wird.

Als letztes folgt der Hauptteil, die Einzelexegese, in der der Text Vers für Vers untersucht wird. Zu den einzelnen vorkommenden Personen gibt es kurze Exkurse.

2. Historischer Kontext

2.1 Absender

Es ist in der Forschungsgeschichte bislang nur ganz selten bezweifelt worden, dass der Galaterbrief ein echter und einheitlicher Paulusbrief ist. Wer Paulus den Brief absprechen will, müsste gleichzeitig den Römerbrief für unecht erklären, weil er dann mit den biografischen Teilen in Gal 1,11 bis 2,21; 4,12 bis 20 unüberwindbare Probleme bekäme. Die neuere Diskussion um die Epistologische und Rhetorische Form des Briefes ist sich bei aller unterschiedlichen Bewertung der Literarischen Abschnitte im Einzelnen darin einig, dass der Galaterbrief als ein einheitlicher Brief zu verstehen ist.[3]

2.2 Wer sind die Adressaten?

Die Galater sind Nachkommen jener Kelten, die um 400 vor Chr. von Norden her in Italien eingefallen sind, im Jahr 387 Rom eroberten und ein Jahrhundert später auch Griechenland heimgesucht haben. Von dort wieder vertrieben, ließen sie sich im Herzen Kleinasiens, etwa im Umkreis des heutigen Ankara, nieder. Als Landplage gefürchtet, doch als Söldner begehrt, hatten sie dort eine bewegte Geschichte, bis schließlich Augustus im Jahre 25 v.Chr. ihre und noch weitere Gebiete zu einer römischen Provinz zusammenschloss.[4]

In dem sog. Galatien bestehen zur Zeit des Galaterbriefes mehrere Gemeinden an ungenannten Orten (Gal 1,2). Es gibt zwei Thesen darüber, wo die Galater genau gelebt haben. Die sog. „Südgalatische“ und „Nordgalatische“ Theorie.

Die „Südgalatische Hypothese“, genauer gesagt „Provinzhypothese“, verweist auf die in Pisidien und Lykaonin auf der 1. Missionsreise gegründeten Gemeinden Antiochien, Lystra, Derbe, Ikonium (Apg 13.14). Die Paulus auf der 2. Missionsreise wieder besucht hat (Apg 16,1ff). Ein Hauptargument dieser Theorie ist, dass Paulus bei seinen Bezeichnungen der durchreisten Länder die römischen Provinznamen zu gebrauchen pflegte und nicht die Namen der Landschaften. Lykaonien und Pisidien gehörten aber zur Provinz Galatien.

Die „Nordgalatische Hypothese“, besser ausgedrückt „Landschaftshypothese“, sucht die Adressaten des Briefes im eigentlichen Galaterlande, in der Landschaft Galatien. Dadurch das in Apg 18,23 dort Gemeinen vorrausgesetzt werden, wird angenommen, dass Paulus bei seiner Durchreise während der 2. Missionsreise durch das Galatische Land (Apg 16,6) den Anstoß zur Gründung dieser Gemeinde gegeben hat.[5] Ein Argument dieser Hypothese ist, dass Paulus unmöglich Lykaonier oder Pisidier mit „o ihr Galater“ (Gal 3,1) angeredet haben konnte, zumal dieser Sprachgebrauch überhaupt nicht belegt ist. Der Sprachgebrauch in der Apg und bei zeitgenössischen Schriftstellern, die die Galater deutlich von ihren Nachbarstämmen unterscheiden, muss auch bei dem Kleinasiaten Paulus vorausgesetzt, werden. So geht diese Landschaftshypothese davon aus, dass die Adressaten die im Inneren Kleinasiens wohnhaften Galater, die Paulus der 2. und 3. Missionsreise besucht hat, sind.[6]

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bislang noch keine genauen Adressaten festgelegt werden konnten. Am ehesten würde ich zur Landschaftshypothese tendieren, weil diese auch den Sprachgebrauch der Apostelgeschichte mitberücksichtigt.

2.3 Abfassungszeit und Abfassungsort

Die Abfassungszeit und der Abfassungsort des Galerterbriefes lassen sich schwer genau bestimmen. Die Südgalatische Theorie kann zurück gehen bis in die zweite Missionsreise (um 50-52). Nach der Nordgalatischen Theorie kann der Galaterbrief frühestens während des dreijährigen Aufenthaltes des Apostels in Ephesus geschrieben sein (um 54 – 56).[7] Eine Datierung in die spätere Zeit des Ephesinischen Aufenthaltes ist ebenso möglich wie die Annahme, der Gal sei wie der 2. Kor in Mazedonien abgefasst.[8]

Damit würde sich eine Datierungsmöglichkeit von etwa 50 bis 56 für die Abfassung des Gal in Ephesus oder Mazedonien ergeben.

3. Bibelkundlicher Kontext

Der Anlass für die Verfassung des Galaterbriefes war, dass Gegner („falsche Brüder“) die ein „anderes Evangelium“ verkündeten in die Gemeinde eingedrungen waren. Diese forderten die Einhaltung der Tora und die Beschneidung der Heidenchristen. Den Brief benutzt Paulus als Verteidigung der christlichen Freiheit.

Der Brief beginnt mit dem Präskipt Gal 1, 1-5. Danach beschreibt Paulus in Gal 1,6-10 die bedrohte Lage des Evangeliums bei den Galatern.

Folgend erklärt Paulus in Gal 1,11-24, dass das Evangelium nicht von menschlicher Art ist, sondern das er es durch eine Offenbarung von Jesus Christi empfangen hat. Darauf folgt die Hinwendung von Paulus zum „Glauben“ und seine erste Missionstätigkeit. Die Anerkennung des paulinischen Evangeliums auf dem Apostelkonvent folgt in Gal 2, 1-10.

Im ersten Vers erzählt Paulus das er wiederholt eine Reise nach Jerusalem macht und Barnabas und Titus mit sich nimmt. Im zweiten Vers erläutert er den Anlass dieser Reise, nämlich den „Angesehenen“ sein Evangelium vorzulegen. Der dritte Vers verdeutlicht das der Wegbegleiter Titus (ein Grieche) nicht gezwungen wird sich beschneiden zu lassen. Was ansonsten das Scheitern von Paulus seinem Anliegen bedeutet hätte. In den Versen vier und fünf berichtet Paulus über die „falschen Brüder“ und seine Standhaftigkeit ihnen gegenüber. Sie haben sich in die Gemeinde eingeschlichen, um die Freiheit des Evangeliums auszukundschaften. In Vers 6 bekräftigt er, dass die Jerusalemer ihn nicht zur Beschneidung des Titus gezwungen haben. In den nächsten beiden Versen stellt Paulus sein Evangelium auf die selbe Stufe wie das, welches Petrus predigt. Paulus verkündet das Evangelium an die Heiden und Petrus an die Juden. Paulus schildert in Vers 9 seine Anerkennung von Jakobus, Kephas und Johannes durch die Erkenntnis, dass ihn die Gnade Gottes zuteil geworden war. Im letzten Vers 10 appelliert Paulus auch an die Armen in der Gemeinde zu denken.

Bei dem Besuch des Petrus in Antiochia Gal 2,11- 21 hat Paulus dem führenden Urapostel gegenüber dessen Abhängigkeit von Menschen gezeigt und die Wahrheit des gesetzesfreien Evangelium verteidigt.

Darauf folgt in Gal 3,1-5,12 eine Beschreibung der Notwendigkeit von Freiheit vom Gesetz. Der Glaube erlangt das Heil, nicht die Werke. Die Gerechtigkeit ist nicht durch die Erfüllung des Gesetzes, sondern an die Verheißung geknüpft. Durch Christus ist das Gesetz abgetan Gal 3,15- 24 und die Zeit der freien Gotteskundschaft angebrochen 3,25- 4,7.[9] Das Gesetz selbst lehrt an den beiden Frauen Abrahams, dass die Christen frei vom Gesetz sind Gal 4, 21-31. Nachfolgend in Gal 5, 1-12 ein erneuter Appell zum Verbleiben in der Freiheit des Glaubens bzw. eine Warnung vor der Sklaverei des Gesetzes.

Die Ethik der Freiheit in Liebe und Geist schließt sich in Gal 5, 13- 6,10 an.

Der Brief endet durch ein eigenhändiges Postskript des Paulus Gal 6,11-18, mit einer Polemik gegen die Beschneidungsprediger und Appell an die Galater.

[...]


[1] Def.Brockhaus: Konzil, christliche Kirchen: die Versammlung von kirchlichen Repräsentanten zur Beratung und Entscheidung (gesamt)kirchlicher Angelegenheiten.

[2] Vgl. Radl 29.

[3] Vgl. J. Becker und – U. Luz 9.

[4] Vgl. Radl 10.

[5] Vgl. Kümmel 258.

[6] Vgl. Kümmel 259/ 260.

[7] Vgl. Zerwick 8.

[8] Vgl. Kümmel 265.

[9] Kümmel 257.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Galaterbrief 2,1-10: Die Anerkennung des Pauls durch die anderen Apostel
Hochschule
Technische Universität Dortmund  (Fachbereich ev. Theologie)
Note
gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
19
Katalognummer
V20370
ISBN (eBook)
9783638242592
ISBN (Buch)
9783638747363
Dateigröße
502 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Komplette Exegese zum Galaterbrief 2,1-10: Die Anerkennung des Pauls durch die anderen Apostel
Schlagworte
Galaterbrief, Anerkennung, Pauls, Apostel
Arbeit zitieren
Stefanie Bratke (Autor:in), 2003, Galaterbrief 2,1-10: Die Anerkennung des Pauls durch die anderen Apostel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20370

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