Motivierender Unterricht

Theoriegeleitete Konstruktion und Analyse einer fiktiven Unterrichtssequenz in der Ausbildung zur/zum MediengestalterIn Digital und Print


Hausarbeit, 2012
33 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Ansatz
2.1 Definition und Formen von Motivation
2.2 Pädagogische Ansätze zur Gestaltung motivierenden Unterrichts
2.2.1 Problemorientierter Unterricht
2.2.2 Selbstgesteuertes und kooperatives Lernen
2.2.3 Entdeckendes Lernen
2.2.4 Sechs Möglichkeiten, Lernende zu demotivieren
2.2.5 Schematische Darstellung der theoretischen Überlegungen

3 Analyse einer fiktiven Unterrichtssequenz
3.1 Inhaltliche Schwerpunktsetzung (didaktische Transformation)
3.2 Intentionen/Lernziele
3.3 Erkenntnisschritte und Lernhandlungen
3.4 Sinnliche Erschließung des Lerngegenstandes
3.5 Lernerfolgssicherung und Lernerfolgskontrolle

4 Zusammenfassung und Ausblick

Anhang A: Material zur Verdeutlichung der Unterrichtssequenz

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Abstufung von Formen der Lernmotivation. Quelle: Prenzel 1997: 35

Abbildung 2: Pädagogische Ansätze zur Gestaltung motivierenden Unterrichts. Eigene Abbildung

1 Einleitung

Motivation stellt seit jeher ein zentrales Thema in der Lernpsychologie sowie Pädagogik dar. Vor allem im alltäglichen Schulunterricht spielt die Motivation der Schülerinnen und Schüler sowie die Motivationsförderung von Seiten der Lehrkraft eine bedeutende Rolle im Sinne „guten“ Unterrichts, welcher zum Lernen anregen und selbiges erleichtern soll. Doch trotz wissenschaftlicher Erkenntnisse stehen nicht nur viele Lehramtsstudierende, sondern auch erfahrene Lehrkräfte regelmäßig vor der Herausforderung, motivierenden Unterricht zu konzipieren und durchzuführen. Diese Hausarbeit beschäftigt sich speziell mit der Frage „ Wie gestalte ich Unterricht, damit er für die Lernenden motivierend ist?

Im Zentrum der Arbeit steht die theoriegeleitete Konzeption und Analyse einer fiktiven Unterrichtssequenz, welche die Motivation der Lernenden in den Mittelpunkt der Überlegungen rückt. Ausgangspunkt des erdachten Szenarios bildet dabei eine Berufsschulklasse von Mediengestalterinnen/-gestaltern Digital und Print am Anfang ihres zweiten Lehrjahres. Die Klasse beschäftigt sich derzeit in Form von dreiwöchigem Blockunterricht mit dem Lernfeld 6 des Rahmenlehrplans für Mediengestalter/-innen Digital und Print: „Bilder gestalten, erfassen und bearbeiten“. Die ersten zwei Schultage behandelten bereits erste Lerninhalte des Lernfeldes in sehr lehrerzentrierter, darbietender Form, wobei sich die Schülerinnen und Schüler als äußerst unmotiviert und deren Mitarbeit als sehr gering beschreiben ließen. Im Sinne einer didaktisch-methodischen Umgestaltung des ursprünglich geplanten, weiteren Schulblockverlaufs knüpft hier die Konzeption und Analyse der fiktiven Unterrichtssequenz, welche aus14 Unterrichtsstunden besteht, an.

Zu Beginn dieser Hausarbeit erfolgt eine Erörterung des Begriffs „Motivation“ sowie eine Darstellung unterschiedlicher Formen von Motivation, um eine fachlich und begrifflich fundierte Grundlage für weitere Diskussionen zu bilden. Anschließend werden theoretische Ansätze zur Gestaltung motivierenden Unterrichts vorgestellt. Dies geschieht unter Berücksichtigung des Rahmenlehrplans der Kultusministerkonferenz (KMK), welcher die Entwicklung von Handlungskompetenz in einem handlungsorientierten Unterricht fordert (vgl. KMK 2011: 3-4). Die Schwerpunkte der theoretischen Betrachtung liegen dabei auf problemorientiertem Unterricht, selbstgesteuertem und kooperativem Lernen sowie entdeckendem Lernen, da hier in besonderem Maße der Stellenwert von Motivation sowie deren Steigerung hervorgehoben wird.

Im Hauptteil der Arbeit werden alle didaktisch-methodischen Entscheidungen, die dem fiktiven Unterrichtsentwurf zugrunde liegen, dezidiert und im Hinblick auf die theoretischen Betrachtungen des vorangehenden Kapitels beschrieben und analysiert. Der Vollständigkeit und Übersichtlichkeit halber befindet sich im Anhang der Hausarbeit ein Unterrichts(sequenz)entwurf, der den Gang des Unterrichts sowie didaktisch-methodische Entscheidungen darstellt.

Den Abschluss der Hausarbeit bildet eine zusammenfassende Betrachtung im Hinblick auf die Umsetzbarkeit der theoretischen Grundlagen. Gleichzeitig soll ein Ausblick auf zukünftige Planungsentscheidungen im Zuge einer lehrtätigen Professionalisierung stattfinden.

2 Theoretischer Ansatz

Im Folgenden wird zunächst der Begriff „Motivation“ definiert, auf den alle weiteren Betrachtungen dieser Arbeit aufbauen. Zudem erfolgt eine Vorstellung verschiedener Formen von Motivation, die speziell im Zuge von Unterrichtsplanung von Bedeutung sind. Schließlich werden ausgewählte pädagogische Ansätze zur Gestaltung motivierenden Unterrichts erörtert, welche die Grundlage für die Konzeption einer Unterrichtssequenz (siehe Anhang) sowie deren Analyse (siehe Kapitel 3) darstellen.

2.1 Definition und Formen von Motivation

Gemäß einer Definition von Zimbardo & Gerrig (2004: 503) ist Motivation „der allgemeine Begriff für alle Prozesse, die der Initiierung, der Richtungsgebung und der Aufrechterhaltung physischer und psychischer Aktivitäten dienen.“ Ferner erwähnen sie, dass sich alle Organismen auf bestimmte Reize und Aktivitäten zu- oder von ihnen wegbewegen, je nach Ausprägung ihrer Vorlieben und Abneigungen (vgl. ebd.).

Um die Art bzw. Qualität von Motivation genauer zu spezifizieren, wird allgemein zwischen extrinsischer und intrinsischer Motivation unterschieden. So bezeichnen etwa Deci & Ryan (vgl. 1993: 225) intrinsisch motivierte Verhaltensweisen als interessenbestimmte Handlungen, „deren Aufrechterhaltung keine vom Handlungs-geschehen ‚separierbaren’ Konsequenzen erfordert, d.h. keine externen oder intrapsychischen Anstöße, Versprechungen oder Drohungen“. In diesem Sinne beinhaltet intrinsische Motivation „Neugier, Exploration, Spontaneität und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der Umwelt“ (ebd.).

Extrinsische Motivation zeichnet sich hingegen durch Verhaltensweisen aus, die „mit instrumenteller Absicht durchgeführt werden, um eine von der Handlung separierbare Konsequenz zu erlangen“ (ebd.). Im Gegensatz zur intrinsischen Motivation tritt hier die Spontaneität der Handlung in den Hintergrund – das Verhalten wird vielmehr darauf ausgerichtet, einer Aufforderung nachzukommen, die eine (positive) Bekräftigung erwarten lässt.

Während in der Vergangenheit oft geäußert wurde, dass sich intrinsische Handlungen als selbstbestimmt und extrinsische als nicht-selbstbestimmt charakterisieren lassen, verweisen Deci & Ryan darauf, dass eine differenziertere Betrachtung von extrinsischer und intrinsischer Motivation nötig sei (vgl. ebd.: 226). Dies führte zu einer Taxonomie der menschlichen Motivation, welche extrinsische Motivation in externale (duch Kontingenzen regulierte Verhaltensweise; von äußeren Anregung- und Steuerungsfaktoren abhängig), introjizierte (Verhaltensweisen, die internen Anstößen und innerem Druck folgen; für die Selbstachtung relevant), identifizierte (Verhaltensweise vom Selbst als persönlich wichtig oder wertvoll anerkannt) und integrierte Motivation (eigenständigste Form der extrinsischen Motivation; bildet mit der intrinsischen Motivation die Basis des selbstbestimmten Handelns; besitzt noch instrumentelle Funktion) unterscheidet (vgl. Deci & Ryan 1993: 227-228 und Deci & Ryan 2000: 61). Übertragen auf eine pädagogische Perspektive legt Prenzel (vgl. 1997: 35) eine ähnliche Abstufung von Formen der Lernmotivation zugrunde (vgl. Abbildung 1), die sich am Ausmaß der Selbstbestimmung sowie der wahrgenommenen Anreize bzw. Bedeutung der Lerninhalte orientiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Abstufung von Formen der Lernmotivation. Quelle: Prenzel 1997: 35.

Bezogen auf das Lernen des Individuums und auf Grundlage einer „Selbstbestimmungstheorie der Motivation“ schlussfolgern Deci & Ryan (vgl. 1993: 235-236), dass äußere Kontrolle und Einschränkungen in der Selbstbestimmung nicht nur die Effektivität des Lernens beeinträchtigen, sondern gleichzeitig die Entwicklung des individuellen Selbst behindern. Ferner postulieren sie, dass sowohl für intrinsische als auch extrinsische Motivation drei angeborene psychologische Bedürfnisse relevant sind: Das Bedürfnis nach Kompetenz oder Wirksamkeit, Autonomie oder Selbst-bestimmung sowie soziale Zugehörigkeit (vgl. ebd.: 229). Im Folgenden werden verschiedene pädagogische Ansätze zur Motivationssteigerung im Unterricht vorgestellt, bei denen die oben genannten psychologischen Bedürfnisse einen wichtigen Aspekt darstellen.

2.2 Pädagogische Ansätze zur Gestaltung motivierenden Unterrichts

Zur Gestaltung motivierenden Unterrichts gibt es unterschiedliche pädagogische Ansätze. Im Rahmen dieser Hausarbeit werden speziell problemorientierter Unterricht, selbstgesteuertes und kooperatives Lernen sowie entdeckendes Lernen als Grundlage zur Konstruktion und Analyse der fiktiven Unterrichtssequenz erörtert. Weiterhin erfolgt eine Betrachtung der „Sechs Möglichkeiten, Lernende zu demotivieren“ von Manfred Prenzel (1997) .

2.2.1 Problemorientierter Unterricht

Motivierende Aspekte schreiben Reinmann-Rothmeier & Mandl (1999) vor allem dem Konzept des „problemorientierten Unterrichts“ zu. Dieser zeichnet sich durch eine Integration instruktionaler Elemente aus kognitivistisch geprägtem Unterricht in schüleraktive, konstruktivistische Lernphasen aus (vgl. ebd.: 29). Der konstruk-tivistische Aspekt besteht beim problemorientierten Unterricht in der aktiven, situierten/kontextgebundenen und schülerzentrierten Auseinandersetzung mit einer authentischen Problemsituation. Da ein großer Kritikpunkt konstruktivistischen Unterrichts aber oft darin gesehen wird, dass die Lernenden bei zu wenig Orientierung bzw. Anleitung überfordert sind, soll der problemorientierte Unterricht durch sinnvolle Anleitung und Hilfestellungen ergänzt werden (vgl. ebd.), um Frustration und somit Motivationsverlust entgegenzuwirken.

Der Kerngedanke des problemorientierten Unterrichts besteht darin, authentische Probleme in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen, die zum einen eine Relevanz für die Lernenden aufweisen, zum anderen aber auch Aktualität und eine allgemeine oder persönliche Brisanz besitzen. Des Weiteren sollen die ausgewählten Problemstellungen Neugierde sowie Betroffenheit bei den Lernenden auslösen können (vgl. ebd.: 31). Gemäß Reinmann-Rothmeier & Mandl (vgl. ebd.: 32) sind Probleme in der Lage, das Interesse der Lernenden zu wecken, diese zur Erarbeitung von Lösungen zu motivieren und letztlich eine aktive Auseinandersetzung mit den neuen Inhalten zu ermöglichen. Neben dem motivationalen Aspekt bieten Probleme ferner die Möglichkeit, selbstgesteuert zu lernen (siehe auch Kapitel 2.2.2), metakognitive Fähigkeiten zu fördern, persönliche Erfahrungen zu nutzen und multiple Perspektiven auf Grundlage sozialer Austauschprozesse kennenzulernen.

Um das Erreichen komplexer Ziele zu erleichtern, beschreiben Reinmann-Rothmeier & Mandl (vgl. ebd.: 35) die Möglichkeit und den Nutzen vom Lernen in Lernzyklen. Dabei sollen Teilziele formuliert und das Anspruchsniveau allmählich erhöht werden. Am Anfang setzt sich der Lernende konkret mit der jeweiligen Herausforderung und ihrem Kontext auseinander und formuliert hierzu erforderliche Ziele („Look ahead“). Diese wirken „motivierend wie auch orientierend und fungieren als Kriterien für die spätere Selbstevaluation“ (ebd.). Im Zuge eines „Generating ideas“ sollen dann erste Antworten auf die gestellten Fragen gesucht und in der Gruppe geteilt werden, um verschiedene Perspektiven zu erfahren („Multiple perspectives“). Es schließt sich die Phase des „Research and Revise“ an, bei der auf unterschiedlichste Art und Weise und mithilfe instruktionaler Methoden und Materialien das Wissen der Lernenden entwickelt wird. „Test your mettle“ nennt sich der folgende Schritt, bei dem die Schülerinnen und Schüler ihr Wissen an der Realität erproben, bevor sie ihre Herangehensweise sowie Ergebnisse in der Gruppe präsentieren („Go public“) und schließlich die eigenen Lernfortschritte reflektieren („Reflect back“).

[...]

Ende der Leseprobe aus 33 Seiten

Details

Titel
Motivierender Unterricht
Untertitel
Theoriegeleitete Konstruktion und Analyse einer fiktiven Unterrichtssequenz in der Ausbildung zur/zum MediengestalterIn Digital und Print
Hochschule
Universität Hamburg  (Institut für Berufs- und Wirtschaftspädagogik )
Veranstaltung
Analyse und Konstruktion von Unterricht in der beruflichen Fachrichtung Medientechnik
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
33
Katalognummer
V203726
ISBN (eBook)
9783656298540
ISBN (Buch)
9783656299745
Dateigröße
2605 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Motivation, Motivierender Unterricht, Unterrichtsentwurf, Formen von Motivation, Definition von Motivation, Unterrichtssequenz, Mediengestalter, problemorientierter Unterricht, selbstgesteuertes lernen, kooperatives Lernen, entdeckendes Lernen, Demotivation, Fotografie Unterricht, didaktische Transformation, Lernerfolgssicherung, Lernerfolgskontrolle
Arbeit zitieren
Sebastian Baumann (Autor), 2012, Motivierender Unterricht , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203726

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Titel: Motivierender Unterricht


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