Der Attische Seebund: Hegemonie oder Arché der Athener?


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.) Einleitung

2.) Die Anfänge des Bundes
2.1) Struktur und Ziele des Bundes
2.2) Der Bund unter Kimon

3.) Der Bund als Arché
3.1) Die Demokratie
3.2) Konsolidierung des Bundes unter Perikles
3.3) Die Machtideologie der Athener

4.) Fazit und Ausblick

5.) Literaturverzeichnis

1.) Einleitung

Die Herrschaft der Athener im 5. Jahrhundert vor Christus ist ein Phänomen, das in der Forschung vielseitig thematisiert wird. Grundlage, auf der sich diese Macht entwickeln konnte, ist der 478/77 gegründete delisch-attische Seebund. Vielfach untersucht wird dieses Phänomen unter der Fragestellung, wann sich der Wandel von der Hegemonie zur Arché vollzogen hat, desweiteren auch, ob der Seebund Element einer imperialistischen Politik Athens war, oder nicht.

In dieser Arbeit soll die Entwicklung des Bundes unter der Fragestellung aufgezeigt werden, inwieweit der Begriff der Hegemonie angemessen erscheint und ob bereits bei der Gründung des Bundes von einer Arché gesprochen werden kann.

Zunächst werden die Ziele und die Struktur des Bundes vorgestellt, um anhand der Struktur die sich später entwickelnden Machtverhältnisse besser verstehen zu können und um zu sehen, inwieweit eine Arché bereits bei der Gründung des Bundes angelegt war.

Anschließend werden die ersten Unternehmungen des Bundes und seine weitere Entwicklung unter der Führung Kimons thematisiert und wie sich der Begriff der Hegemonie mit diesen Entwicklungen vereinbaren lässt.

Im dritten Kapitel wird zunächst die demokratische Herrschaftsform vorgestellt, da diese innenpolitische Entwicklung ebenfalls in Zusammenhang mit dem Seebund steht und daher nicht ausgelassen werden sollte. Daraufhin wird die Konsolidierungspolitik des Perikles behandelt, wobei auf die genaue Kriegsführung nicht eingegangen wird, da dies zu weit führen würde.

Abschließend wird auf die Machtideologie der Athener näher eingegangen: diese wird anhand der Rede der athenischen Gesandten in Sparta untersucht.

Die Arbeit endet mit der Politik des Perikles, auf die weitere Entwicklung bis zur Auflösung des Bundes kann an dieser Stelle nicht eingegangen werden, da dies ebenfalls zu weit führen würde.

Wichtige Quellen, die für diese Arbeit herangezogen wurden, sind zum einen die Historien des Herodot, der peloponnesische Krieg des Thukydides und die Vitae Parallelae des Plutarch: aus diesen wurden die Biographien des Kimon und des Perikles verwendet, um die Entwicklungen des Bundes zu belegen.

2.) Die Anfänge des Bundes

2.1) Struktur und Ziele des Bundes

Der delisch-attische Seebund wurde im Winter 478/77 von Aristeides und Themistokles gegründet.[1] Grund war das herrische Auftreten des spartanischen Feldherrn Pausanias, den die Ionier als Oberbefehlshaber nicht mehr duldeten. Aufgrund dessen baten sie die Athener, den Oberbefehl zu übernehmen. Diese Übernahme der Hegemonie wird in den Quellen auf verschiedene Art und Weise geschildert, Thukydides stellt sie folgendermaßen dar:

Aber schon begann sein herrisches Wesen die anderen Hellenen zu verdrießen, zumal die Ionier und alle, die eben erst von der Herrschaft des Großkönigs losgekommen waren. Sie wandten sich an die Athener und forderten sie auf, selber den Oberbefehl zu übernehmen, weil sie gleichen Stammes seien, und die Gewalttätigkeiten des Pausanias nicht länger zu dulden. Die Athener nahmen diesen Antrag an und zeigten sich entschlossen, einzugreifen und alles so einzurichten und zu leiten, wie sie es für das Beste hielten.[2]

Es war somit ein Wunsch der Ionier, dass die Athener die Führung übernahmen und den Seebund gründeten. Betrachtet man nun die Historien des Herodot, findet man eine andere Darstellung der Hegemonie-Übernahme:

Doch als sie den Perser zurückgeworfen hatten und nun schon den Kampf um sein Land führten, nahmen sie die Überheblichkeit des Pausanias zum Anlass und entrissen den Lakedaimoniern die Führung.[3]

Herodot stellt die Übernahme der Hegemonie eher als Taktik dar. Die Athener nutzten das herrische Auftreten des Pausanias, um den Oberbefehl an sich zu reißen. Ähnlich wie Herodot beurteilt auch Plutarch die Hegemonie-Übernahme Athens:

So gelang es, unvermerkt den Lakedaimoniern nicht sowohl durch Waffen, Flotten und Reiterei, als vielmehr durch Güte und politische Klugheit die Oberherrschaft zu entziehen.[4] Kann man schon zu dieser Zeit bei den Athenern erste Anzeichen machtpolitischen Denkens erkennen, oder handelt es sich um ein Bündnis, in dem Athen lediglich die Vormachtstellung, die Hegemonie innehat? Um diese Frage zu beantworten, ist es nötig, die Struktur des Bundes näher zu untersuchen.

Vorbild für die Gründung des attischen Seebundes war der peloponnesische Bund unter der Führung Spartas[5], der 550 v. Chr. als Schutzbündnis gegen die Heloten gegründet wurde. Er weist einige Gemeinsamkeiten mit dem attischen Seebund auf:

Bei beiden Bündnissen fanden Mitgliederversammlungen statt und auch die Symmachievertragsformel denselben Freund und denselben Feind zu haben, war identisch. Das Machtverhältnis zwischen dem jeweiligen Hegemon und den Bundesgenossen war allerdings in den beiden Bündnissen verschieden: Sparta war mit etwa gleich starken Bündnispartnern konfrontiert (z. B. Korinth), während dies bei Athen und seinen Bündnern nicht der Fall war.[6] Diese waren von Beginn des Bundes an auf den Schutz der Athener angewiesen und mussten Landtruppen, Kriegsschiffe oder Geld (sog. phoroi) stellen.[7] Die Bundeskasse befand sich auf Delos, dort fanden auch die Bundesversammlungen statt (Thuk. I 96,2).

Bei dem Bund handelte es sich um ein Bündnis vorwiegend militärischen Charakters (Thuk. I 96,1). Die Ziele des attischen Seebundes bestanden zunächst darin, die Perserkriege fortzusetzen und die kleinasiatischen Hellenen vor den Persern zu beschützen.[8] Jedoch kann man den Bund nicht nur als ein anti-persisches Bündnis betrachten: die Athener nennen als Motiv bzw. Ziel des Bundes, Rache an den Persern (Thuk.I 96,1). Der Eid denselben Freund und denselben Feind zu haben.[9], den Aristeides die Bündner schwören ließ (Plut. Arist. 25,1) zeigt, dass der attische Seebund ein zeitlich unbegrenztes Bündnis war und einen sehr weiten Handlungsspielraum zuließ, da sich die Freund-Feind Formel nicht zwangsläufig auf die Perser beziehen musste. Wäre das Bündnis nur gegen die Perser gerichtet gewesen, hätte es spätestens nach dem Kallias-Friede ein Ende finden müssen. Diese Formel bringt desweiteren die Unterordnung der Bündner gegenüber Athen zum Ausdruck, denn Athen legte fest, wer Freund bzw. Feind war.

Auch die Art der Verträge zeigt keine Gleichberechtigung: Athen schloss Symmachieverträge mit den Bündnern ab, so dass diese zwar alle mit Athen verbündet waren, untereinander aber nicht.[10] Bereits in der Bezeichnung des völkerrechtlichen Zusammenschlusses oi Athénaioi kai oi Symmachoi[11] zeigt sich die Vormachtstellung Athens: die Bundesgenossen werden im

Einzelnen nicht erwähnt, lediglich Athen wird als Hegemon namentlich an die erste Stelle gesetzt. Was ist nun unter einer Symmachie und einer Hegemonie zu verstehen?

Ehrenberg prägte den Begriff der „hegemonialen Symmachie“, worunter er den Dualismus zwischen Hegemon und Bündnern versteht. Durch das Fehlen eines Bundesbürgerrechts weist eine hegemoniale Symmachie die Tendenz auf, dass die Bundesgewalt vollständig auf den Hegemon übergeht.[12] Bei Thukydides werden Symmachieverträge mehrfach durch die Formel dieselben als Freunde und Feinde zu betrachten, gekennzeichnet (vgl. Thuk. III 70,6). Daraus ergibt sich die Verpflichtung des schwächeren Bündnispartners unbedingte Heeresfolge zu leisten, während der stärkere Partner Schutz des schwächeren garantiert.[13]

[...]


[1] Vgl. Franz Kiechle: Athens Politik nach der Abwehr der Perser, in: HZ 204 (1967), 266.

[2] Thuk. I 95,1-95,2.

[3] Hdt. Hist. VIII 3,2.

[4] Plut. Arist. 23,1.

[5] Vgl. Michael Steinbrecher: Der delisch-attische Seebund und die athenisch-spartanischen Beziehungen in der kimonischen Ära, Stuttgart 1985, 72 [im Folgenden zitiert als Steinbrecher, Der delisch-attische Seebund].

[6] Vgl. Ebd., 71 f.

[7] Wolfgang Schuller: Die Herrschaft der Athener im Ersten Attischen Seebund, Berlin/New York 1974, 142 [im Folgenden zitiert als Schuller, Die Herrschaft der Athener].

[8] Vgl. Steinbrecher, Der delisch-attische Seebund, 75.

[9] Vgl. Ebd., 53.

[10] Vgl. Schuller, Die Herrschaft der Athener, 101.

[11] Vgl. Steinbrecher: Der delisch-attische Seebund, 52.

[12] Schuller, Die Herrschaft der Athener, 198 f.

[13] Steinbrecher, Der delisch-attische Seebund, 57.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Der Attische Seebund: Hegemonie oder Arché der Athener?
Hochschule
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V203788
ISBN (eBook)
9783656305408
ISBN (Buch)
9783656306320
Dateigröße
529 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
attische, seebund, hegemonie, arché, athener
Arbeit zitieren
Caroline Walz (Autor), 2008, Der Attische Seebund: Hegemonie oder Arché der Athener? , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203788

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