„Voir notre existence c`est nous voir en situation dans notre histoire, dans notre quotidien, dans notre réel.“
Zu sein, bedeutet nach Jean Bernabé, Patrick Chamoiseau und Raphaël Confiant, den drei wichtigen Vertreter der Creolité, sich vor dem Hintergrund der Geschichte, der Vergangenheit im Hier und Jetzt zu sehen. Im Zusammenhang einer individuellen Identität setzt sich jede Person, bewusst wie unbewusst, mit Werten, Normen und Regeln, den eigenen Erwartungen und denen des Gegenübers auseinander. Eine Identität zeichnet damit jede Persönlichkeit ganz besonders aus und ist durch dessen Aussehen, Charakter, soziales Umfeld und andere Einflussgrößen wie Beruf, Bildungsstandard individuell gekennzeichnet. Aufgrund dessen ist die Formung einer eigenen Identität auch stets mit Problemen, Schwierigkeiten und Konfrontationen mit anderen Identitäten, differenten Erwartungen und unterschiedlichen Verhaltensmustern behaftet. Der innerhalb dieser Bachelorarbeit analysierte Roman Un dimanche au cachot stellt eben diese Probleme und Schwierigkeiten in den Fokus des Lesers. Zwei junge Frauen, die Hauptfiguren des Romans von Patrick Chamoiseau, kämpfen in einem cachot, welches sich auf einer ehemaligen Zuckerrohrplantage Martiniques befindet, um ihre Identität. Die als Kinder misshandelten Frauen repräsentieren den schweren Weg der Selbstfindung, der Auseinandersetzung mit äußeren Einflüssen, in Konfrontation mit vergangenen Erlebnissen und einer fragwürdigen Zukunft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Identitätsproblematik im Raum der französischen Antillen
2.1. Auswirkungen der Kolonialzeit
2.2. Zwischen Entfremdung und Selbstfindungsprozess
2.3. Auf der Suche nach einer eigenen Identität
3. Exemplarische Analyse der Identitätsfindung anhand des Romans
Un dimanche au cachot
3.1. Inhaltsangabe des Romans
3.2. Die Langsamkeit als Katalysator für den Selbstfindungsprozess
3.3. Der cachot - zwischen Befangenheit und Seelenheil
3.4. Identifizierung mit der Vergangenheit als Weg zu einer eigenen Identität
4. Zusammenfassung und Ausblick
Literaturverzeichnis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dem Roman „Un dimanche au cachot“?
Der Roman von Patrick Chamoiseau thematisiert die Identitätssuche zweier junger Frauen auf einer ehemaligen Zuckerrohrplantage auf Martinique im Kontext ihrer Geschichte.
Was bedeutet der Begriff „Creolité“?
Creolité ist eine literarische und kulturelle Bewegung, die die karibische Identität aus der Vermengung verschiedener Kulturen und der eigenen Kolonialgeschichte definiert.
Welche Rolle spielt der „cachot“ (Kerker) im Roman?
Der Kerker dient als Ort der Befangenheit, aber auch als Katalysator für den Selbstfindungsprozess, in dem sich die Figuren mit ihrer Vergangenheit auseinandersetzen.
Wie beeinflusst die Kolonialzeit die Identität im frankoantillischen Raum?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen von Entfremdung und den schweren Weg der Selbstfindung als Folge der historischen Unterdrückung und Sklaverei.
Warum ist die Identifizierung mit der Vergangenheit so wichtig?
Nach Chamoiseau bedeutet Existenz, sich in seiner Geschichte und seinem Realen zu sehen; nur durch die Auseinandersetzung mit der Herkunft kann eine eigene Identität entstehen.
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- Claudia Könitzer (Author), 2010, Die Identitätssuche im frankoantillischen Raum – Eine Analyse anhand des Romans "Un dimanche au cachot" von Patrick Chamoiseau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203846