Engl. mouse ist im deutschen Sprachraum sowohl als Begriff für das `grauhaarige Nagetier´ als auch für das `graphische Zeigegerät´ bekannt. Dieses Phänomen steht repräsentativ für den Schwerpunkt in der Hausarbeit: semantische Innovation. Das Konzept `Maus´ trägt nach dem Wandel neben der Primärbedeutung eine zweite, die des graphischen Zeigeräts (cf. Blank 2001:71-72).
Als eine der ältesten Forschungstradition der sprachwissenschaftlichen Semantik beschäftigt sich die Historische Semantik mit dieser zentralen Thematik. Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Klassifikation verschiedener Verfahren des Bedeutungswandels und den entsprechenden Motiven, die eine semantische Reduktion oder Innovation auslösen (cf. Blank 2001:69).
Der Sprachwissenschaftler Andreas Blank bereitete in diesem Kontext im 20. Jahrhundert „den Ertrag des Strukturalismus für eine (…) onomasiologisch und kognitiv orientierte Historische Semantik auf.“(Lebsanft/Gleßgen 2004:1). Diese versucht Sprachdaten optimal zu segmentieren und zu vernetzen, ein Beziehungsgefüge zu erstellen. Die kognitiv-linguistische Forschung setzt ihren Schwerpunkt auf menschlich-universelle kognitive Strukturen als Basis für Austausch und Verarbeitung von Informationen. Die kreativ-ökonomische Verarbeitung von Sprachdaten stellt zugleich eines der Hauptmotive des Bedeutungswandels dar (cf. Völker 2004:166-167).
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEDEUTUNGSWANDEL - SEMANTISCHE INNOVATIONEN
2.1 Semantische Grundlagen: komplexes semiotisches Modell
2.2 Motive für semantische Innovationen
2.3 Verfahren des innovativen Bedeutungswandels
2.3.1 Metapher: Similaritätsprinzip
2.3.2 Metonymie: Kontiguitätsprinzip
3. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, die Prozesse, Motive und Verfahren des Bedeutungswandels in der historischen Semantik zu analysieren. Dabei wird insbesondere der Frage nachgegangen, ob Metapher und Metonymie als die zentralen Primärverfahren der semantischen Innovation zu bewerten sind und wie diese auf kognitiven Mechanismen basieren.
- Grundlagen der historischen Semantik und des semiotischen Modells
- Analyse der Motive für semantische Innovationen im Sprachgebrauch
- Klassifizierung der Primär- und Sekundärverfahren des Bedeutungswandels
- Detaillierte Untersuchung des Similaritätsprinzips bei Metaphern
- Untersuchung des Kontiguitätsprinzips bei Metonymien
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Metapher: Similaritätsprinzip
„Die Metapher ist der am meisten beachtete Typ des Bedeutungswandels und gilt als der wichtigste.“, so Blank (Blank 1997:157). Interessant ist dabei, dass die Metapher im Alltag oft ganz unbewusst eingesetzt wird. Auch hier sticht das Bedürfnis nach ökonomischer Kommunikation hervor, denn der Sprecher/die Sprecherin nutzt die Metapher, um den jeweiligen Sachverhalt treffender (oft illustrativer) auszudrücken (cf. Blank 1997:159).
Ein signifikantes Beispiel für einen metaphorischen innovativen Prozess ist das eingangs angeführte engl. mouse mit seinen zwei Bedeutungen. Hierbei handelt es sich um eine Metapher erster Güte, da das Nagetier und das Zeigegerät nicht auf gemeinsame Seme zurückgeführt werden können, maximal auf das Sem [physisches Objekt] (cf. Blank 2001:70-71). Die tatsächliche Verbindung basiert auf einer perzeptuellen Similarität der Designate. Das heißt, dass das Kabel der Computer-Maus und der Schwanz des Nagetiers eine vergleichbare Optik haben (cf. Blank 1997:160-162).
Im Fokus der Similarität stehen demzufolge zumeist periphere, funktionelle oder perzeptuelle Merkmale, wobei diese häufig eine subjektiv empfundene Ähnlichkeit darstellen. Blank führt darüber hinaus noch den Aspekt der „[…] Designatsorientiertheit der Metapher (an), da der Bildspender in jedem Fall als Designat verstanden werden muss.“ (Blank 1997:161). Der Bildspender muss demzufolge kein realer Prototyp sein, um eine Assoziation herstellen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Die Einleitung führt in das Thema der semantischen Innovation ein und erläutert anhand von Beispielen wie "Maus" die Relevanz der historischen Semantik für die Sprachwissenschaft.
2. BEDEUTUNGSWANDEL - SEMANTISCHE INNOVATIONEN: Dieses Kapitel definiert Bedeutungswandel als innovativen Prozess und grenzt diesen von reduktiven Prozessen ab.
2.1 Semantische Grundlagen: komplexes semiotisches Modell: Hier wird das semiotische Modell erläutert, welches als theoretische Basis zur Charakterisierung von Konzepten und Bedeutung dient.
2.2 Motive für semantische Innovationen: Es werden die verschiedenen Ursachen und Motivgruppen für sprachliche Neuerungen, insbesondere das Streben nach ökonomischer Effizienz, dargestellt.
2.3 Verfahren des innovativen Bedeutungswandels: Dieser Abschnitt bietet eine Übersicht der dreizehn spezifischen Verfahren, wobei der Fokus auf den prototypischen Primärverfahren liegt.
2.3.1 Metapher: Similaritätsprinzip: Das Kapitel analysiert die Metapher als zentrales Verfahren, das auf der perzeptuellen Ähnlichkeit zwischen Konzepten beruht.
2.3.2 Metonymie: Kontiguitätsprinzip: Hier wird die Metonymie als Verfahren untersucht, das auf realen Verbindungen und Rahmen (Frames) innerhalb eines Konzeptbereichs basiert.
3. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSBETRACHTUNG: Die Arbeit schließt mit einer Bestätigung der Eingangsthese ab und reflektiert die herausragende Stellung von Metapher und Metonymie in der Sprachwissenschaft.
Schlüsselwörter
Bedeutungswandel, Semantische Innovation, Historische Semantik, Metapher, Metonymie, Similaritätsprinzip, Kontiguitätsprinzip, Semiotisches Modell, Kognitive Linguistik, Sprachökonomie, Lexikalisierung, Konzeptualisierung, Onomasiologie, Sprachwandel, Prototypentheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Bedeutungswandel in der Sprache, wobei sie sich primär auf semantische Innovationen und deren kognitive sowie sprachliche Hintergründe konzentriert.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder sind die historische Semantik, die Klassifizierung von Veränderungsprozessen im Wortschatz und die Rolle von Assoziationsmechanismen wie Ähnlichkeit und Kontiguität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu untersuchen, ob Metapher und Metonymie tatsächlich die primären Verfahren darstellen, durch die sich Bedeutungen in einer Sprache innovativ erweitern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse kognitiv-linguistischer Ansätze, insbesondere die Modelle von Andreas Blank, und wendet diese auf ausgewählte Beispiele des Bedeutungswandels an.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des semiotischen Modells, die Analyse der Motive für Innovationen und die detaillierte Beschreibung der Verfahren Metapher und Metonymie.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Bedeutungswandel, Semantische Innovation, Metapher, Metonymie sowie die assoziationspsychologischen Prinzipien der Similarität und Kontiguität.
Was genau ist unter dem "Kippeffekt" bei einer Metapher zu verstehen?
Der Kippeffekt beschreibt den kognitiven Moment, in dem ein Zieldesignat (z. B. ein Muskel) durch die Ähnlichkeit zum Herkunftsdesignat (z. B. das Nagetier) in seiner neuen metaphorischen Bedeutung wahrgenommen wird.
Wie unterscheidet sich die Metonymie grundlegend von der Metapher?
Während die Metapher auf einer subjektiv empfundenen Similarität zwischen zwei Konzepten basiert, beruht die Metonymie auf einem essentiellen, realen Zusammenhang, meist innerhalb desselben Begriffsfeldes oder Rahmens (Frame).
- Arbeit zitieren
- Claudia Könitzer (Autor:in), 2009, Bedeutungswandel: Eine Analyse der Prozesse, Motive und Verfahren, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203848