Freundschaften im Jugendalter. Entwicklungspsychologische Betrachtungen


Zwischenprüfungsarbeit, 2002

24 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Das Jugendalter
1.1. Identitätsfindung im Jugendalter
1.2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

2. Freundschaften
2.1. Freundschaft – Was ist das überhaupt?
2.2. Der Freundschaftsbegriff bei Kindern
2.3. Der Freundschaftsbegriff bei Jugendlichen
2.4. Grundlagen für die Auswahl von Freunden

3. Selman’s fünf Entwicklungsstufen des Freundschaftskonzeptes

4. Die Bedeutung von Gleichaltrigen.
4.1. Peer-Groups
4.1.1. Funktionen
4.1.2. Formen von Peer-Groups
4.1.3. Cliquen
4.2. Freundschaften zu Gleichaltrigen
4.2.1. Was ist das besondere Lernpotenzial in Freundschaftsbeziehungen?
4.3. Kontakt zum anderen Geschlecht

5. Zusammenfassung

6. Literaturverzeichnis

Einleitung

„Friendship are crucial to children’s well-being and happiness and lay important foundations upon which later relationships in adolescence and adulthood are built.”

(Phil Erwin 1998)

Freundschaft ist entscheidend für das Wohlbefinden und Glücklichsein von Kindern und legt wichtige Grundsteine, auf denen spätere Beziehungen im Jugendalter und Erwachsenalter aufgebaut werden. Somit gehört Freundschaft zu den essentiellen Dingen im Leben.

Auch für mich ist Freundschaft von großer Bedeutung. Im meiner Schulzeit habe ich sowohl positive und negative Erfahrungen gemacht, habe ich Freundschaften geschlossen oder wieder gelöst. Heute ist es mir nicht mehr so wichtig viele Freunde zu haben, vielmehr ist die Intimität in einer Freundschaft von großer Bedeutung. Unsere Gesellschaft ist oft sehr oberflächlich und echte Freunde können da Geborgenheit und den nötigen Halt geben. Durch das Seminar „Entwicklung im Schulkind- und Jugendalter“ ist die Motivation zu dieser Arbeit „Freundschaften im Jugendalter“ entstanden.

Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Freundschaften im Jugendalter. Zu Beginn der Arbeit gehe ich auf das Jugendalter ein, die Zeit in der aus Kindern Erwachsene werden. In diese Zeit ist Freundschaft für die Entwicklung des Heranwachsenden sehr prägend. Freundschaft kann helfen, die verschiedenen Entwicklungsaufgaben zu bewältigen. Was Freundschaft bedeutet und wie Kinder und Jugendliche den Freundschaftsbegriff sehen wird im Abschnitt 2 dargestellt. Um Freundschaften schließen zu können, muss man fähig sein, von sich selbst abzusehen und Dinge aus dem Blickwinkel des anderen zu sehen. Diesen Aspekt untersuchte der Amerikaner Robert Selman und entwickelte ein Freundschaftskonzept in fünf Stufen, welches im Teil 3 der Arbeit erklärt wird.

Der letzte Abschnitt hat zum Ziel die Beutung von Freundschaften unter Gleichaltrigen aufzuzeigen. Dabei steht die Peer-Group im Mittelpunkt der Betrachtung. Bedeutung, Funktionen und Formen der Peer-Group werden geklärt. Wichtig dabei ist auch der Kontaktaufbau zum anderen Geschlecht. Dabei gehe ich auf das Stufenmodell von Dexter C. Dunphy ein, der den Entwicklungsprozess der Zusammenführung der Geschlechter in fünf Schritten darstellt.

1. Das Jugendalter

Das Jugendalter ist die Zeit, die die Veränderung des Kindes zum Jugendlichen und des Jugendlichen zum Erwachsenen beschreibt. Nach traditioneller Auffassung ist das Jugendalter eine einzigartige wildbewegte Lebensphase, die durch extreme Stimmungsschwankungen sowie durch ein unberechenbares, problematisches Verhalten gekennzeichnet ist: „Sturm und Drang“ (vgl. Zimbardo 1999: S.493). Diese Auffassung vertrat zu Beginn des Jahrhunderts G. Stanley Hall (1904) und später sah Erik H. Erikson (1966) das Jugendalter als eine abgeschlossene Entwicklungsstufe, in der es eine stufenspezifische Krise erfolgreich zu meistern gilt, wird seit Mitte der 60er Jahre unter der Perspektive der Entwicklung über die Lebensspanne das Jugendalter als „Musterfalle“ für das Zusammenspiel biologischer, sozialer und psychischer Veränderungen , wie es in verschiedenen Lebensaltern vorkommt, betrachtet (vgl. Kracke 1993: S.4). Das Jugendalter beschreibt nicht nur den Zustand des Zusammenwirkens körperlicher, sozialer und psychischer Veränderungen, sondern ist auch charakterisiert durch typische Entwicklungsaufgaben wie die Bewältigung der körperlichen Veränderung von einer kindlichen zu einer erwachsenen Erscheinung, den Aufbau gleich- und gegengeschlechtlicher Freundschaften, die Ablösung vom Elternhaus und die Vorbereitung auf das Berufsleben.

Der Heranwachsende befindet sich in einer Phase, in der er in manchen Situationen noch gänzlich Kind ist, in anderen wiederum Verhaltensweisen Erwachsener zeigt.
Diese Phase kann als Adoleszenz beschrieben werden. Sie umfasst auf der einen Seite die Zeit der Pubertät. Da es sich auch hier um einen Prozess handelt, lassen sich der Beginn und das Ende nicht näher feststellen. Man geht aber davon aus, dass sie im Durchschnitt etwa ab dem dreizehnten Lebensjahr eintritt. Der Beginn und vor allem die Dauer der Pubertät sind jedoch abhängig von der physischen und psychischen Konstitution und der Fähigkeit zur Entwicklung der einzelnen Person. Eine Beschränkung der Entwicklung dieser Phase auf die Pubertät reicht jedoch nicht aus, denn die Pubertät beschreibt nur die somatische Reifung des Heranwachsenden.

1.1. Identitätsfindung im Jugendalter

Sehr häufig ist zu beobachten, dass während der Pubertät die Heranwachsenden mehr und mehr Wert auf ihr Äußeres legen. Sie beschäftigen sich nun verstärkt mit sich selbst und ihrer Rolle in ihrer Umgebung. Nun beschränkt sich das Mit-Sich-Selbst-Beschäftigen nicht nur auf das Aussehen der Heranwachsenden. Es ist aber ein sicheres Zeichen für den beginnenden Prozess der Selbst- oder Identitätsfindung. Identität enthält die Beschreibung des Menschen, der durch die Einwirkungen der sozialen Umwelt und durch das Individuum selbst zu einem unverwechselbaren und individuellen Wesen wird.

Hierbei geht man von zwei Identitätsebenen aus. Einen Teil der Identität stellt die persönliche Identität oder Ich-Identität dar. Man ist die Person, für die man sich selbst hält. Im Gegensatz dazu steht der andere Teil der Identität, die soziale Identität oder Rollenidentität. Sie beschreibt die Person, für die sie von anderen gehalten wird. Man kann auch von der subjektiven Identität (Ich-Identität) sprechen, wobei die Frage nach dem eigenen Sein im Mittelpunkt steht. Die soziale oder Rollenidentität kann auch als die zugeschriebene Identität betrachtet werden, wobei es hier der Person um die Frage geht, für wen sie gehalten wird.
Ein ganz entscheidender Aspekt der Identität ist die Fähigkeit des Heranwachsenden, sich selbst zu reflektieren. Diese Fähigkeit muss er jedoch erst erlernen, da er am Anfang seine Identität durch Nachahmen von Vorbildern oder Gleichaltrigen (z.B. in der Peer-Group) zu finden glaubt. Erst später erreicht er die Fähigkeit, sich und seiner Umwelt, kritisch zu beurteilen, und findet so zu sich selbst. Hier könnte man eine dritte Identitätsebene anschließen. Zur persönlichen, bzw. sozialen Identität kann man die „gewünschte Identität“ anfügen, wobei sich hier der Heranwachsende nicht nur damit auseinandersetzt, wie er ist, sondern auch, wie er sein möchte. Er macht sich selbst Gedanken wie er den Anspruch der Rolle in der Gesellschaft und dem eigenen Sein gerecht werden kann . Dadurch das der Heranwachsende Veränderungen vollzieht, um mit seiner (sozialen) Umwelt zurecht zukommen, kann er seine Identität leichter finden.

Die Identitätsfindung verlangt vom Jugendlichen im Endeffekt, dass er unabhängige Konzeptionen von seinen Rechten und Pflichten abbaut. Diese sollen einerseits offen und empfänglich für die Vorstellung der Eltern und der Peers, andererseits aber nicht nur deren Abbild sein. Es ist wichtig, dass die Jugendlichen sich darauf verlassen können, in ihrer Lebenswelt eindeutige Anhalspunkte für Unterstützung zu finden. Diese Unterstützung wird sie in die Lage versetzen, ihre Zukunft zu planen.

1.2. Entwicklungsaufgaben im Jugendalter

Schon in den 50er Jahren entwickelte der Amerikaner R. J. Havighurst (1982) das Konzept von Entwicklungsaufgaben, die den verschiedenen Altersstufen zugeordnet sind und von den Angehörigen dieser Altersgruppen bewältigt werden sollen. Das folgende Diagramm zeigt Entwicklungsaufgaben, die Havighurst der Adoleszenz zugeschrieben hat.

Diagramm: Entwicklungsaufgaben nach R. J. Havighurst (1982)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Schenk-Danzinger 1991: S. 357

Havighurst meint, dass erfolgreiche Bewältigung zur Zufriedenheit und zum Erfolg bei späteren Aufgaben führt, Versagen aber zu persönlicher Unzufriedenheit, zu Ablehnung durch die Gesellschaft und zu Misserfolg bei weiteren Aufgaben (vgl. Schenk-Danzinger 1991: S. 357). Die Forderungen der Umwelt an das Kind sind als Entwicklungsaufgaben zu verstehen. Die Kultur, die das heranwachsende Kind umgibt, stellt es immer wieder vor neue Aufgaben und prägt deren Reifeprozess.

2. Freundschaften

2.1. Freundschaft - was ist das überhaupt?

Freundschaften sind eine Form zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie erfüllen sehr unterschiedliche Funktionen und sind so verschieden wie die daran beteiligten Personen. Dennoch gibt es einige Charakteristika, die in allen Freundschaften gleich sind. Es fällt nicht allzu schwer, einen Freund von einem Nicht-Freund zu unterscheiden. Demnach besitzt jedes Individuum eine bewusste oder unbewusste Freundschaftsdefinition.

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Freundschaften im Jugendalter. Entwicklungspsychologische Betrachtungen
Hochschule
Universität Potsdam  (Psychologie)
Note
2,3
Autor
Jahr
2002
Seiten
24
Katalognummer
V20387
ISBN (eBook)
9783638242738
Dateigröße
936 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freundschaften, Jugendalter, Entwicklungspsychologische, Betrachtungen
Arbeit zitieren
Robert Nemitz (Autor), 2002, Freundschaften im Jugendalter. Entwicklungspsychologische Betrachtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20387

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