Die zunehmende Flexibilisierung und Komplexität der Arbeit haben dazu beigetragen, dass der Leistungsdruck in der Arbeitswelt stetig ansteigt. Das Gros der Beschäftigten (in Betrieben) steht permanent unter hohem Zeit- und Leistungsdruck; viele Mitarbeiter sind überarbeitet und leiden an Überforderung, da sie die Menge an Arbeit oft nicht mehr bewältigen können. Es scheint, dass nur noch diejenigen erfolgreich in der Arbeitswelt bestehen können, die über ein hohes Maß an kognitiven und psychischen Ressourcen wie etwa schnelle Auffassungsgabe, fokussierte Aufmerksamkeit und Stressresistenz verfügen. Wissenschaftliche Studien (bspw. DAK Gesundheitsreport 2009) haben gezeigt, dass es bereits jeder fünfte Beschäftigte in der Bundesrepublik für vertretbar hält, die Arbeitsleistung mit verschreibungspflichtigen Medikamenten zu steigern. 1,5% der Befragten nehmen solche Medikamente, primär vorgesehen für die Therapie von Alzheimer, Depressionen, Aufmerksamkeits- und Schlafstörungen, bereits regelmäßig ein.
Dieser „Trend“ wird auch von den Medien durch eine verstärkte Berichterstattung in den letzten Monaten beachtet; es werden kontroverse Diskussionen in der Öffentlichkeit wie in der Wissenschaft geführt über Phänomene wie "Doping am Arbeitsplatz", "Gehirndoping" oder auch das sogenannte "Psycho- und Neuro-Enhancement". Während der Gebrauch bzw. Missbrauch von Aufputschmitteln verschiedener Art sowie konzentrationsfördernden Präparaten („Leistungssteigerung“) groß teils von Männern betrieben wird, neigen Frauen meist dazu, beruhigende und stimmungsaufhellende Mittel gegen depressive Verstimmungen oder Ängste einzunehmen. Oft werden solche Mittel auch dann regelmäßig und über Jahre hinweg eingenommen, wenn gar keine medizinische Indikation vorliegt.
Aufgrund dieses Tatbestandes erscheint es unerlässlich, sich mit dem wachsenden Trend des „Gehirndopings“ in der Arbeitswelt auseinander zu setzen und der Frage nach zu gehen, ob und inwieweit dieses polarisierende Thema zu einem neuen Aufgabenfeld in der betrieblichen Suchtarbeit und somit auch im Betrieblichen Gesundheitsmanagement werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Arbeitswelt im Wandel
2.1 Begriffsdefinition: Doping
2.2 Doping am Arbeitsplatz – was bedeutet das?
3 Ursachen für Doping am Arbeitsplatz
3.1 Präsentismus – Ein neues Phänomen?
4 Betriebliche Strategien gegen Suchtmittelmissbrauch und Doping am Arbeitsplatz
4.1 Gesunde Führung als Wegweiser?
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das wachsende Phänomen des "Neuro-Enhancements" bzw. "Dopings am Arbeitsplatz" vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Arbeitswelt, die durch zunehmenden Leistungsdruck und Flexibilisierungsanforderungen geprägt ist. Dabei wird analysiert, inwiefern der Einsatz psychoaktiver Substanzen zur Leistungssteigerung bei gesunden Beschäftigten ein neues Aufgabenfeld für das Betriebliche Gesundheitsmanagement darstellt.
- Entwicklung und Dynamik der modernen Arbeitswelt als Stressfaktor
- Definition und Formen des Medikamentendopings am Arbeitsplatz
- Ursachenforschung: Die Rolle von Leistungsdruck, Präsentismus und Arbeitsverdichtung
- Strategien der betrieblichen Suchtprävention und Gesundheitsförderung
- Die Bedeutung einer gesundheitsorientierten Führungskultur
Auszug aus dem Buch
2.2 DOPING AM ARBEITSPLATZ – WAS BEDEUTET DAS?
Wie bereits dargelegt, lässt sich die Zunahme psychischer Erkrankungen und auch Suchterkrankungen groß teils mit dem Wandel der Arbeitswelt wie auch der Lebenswelt an sich erklären. Die Arbeitsintensität hat eine zunehmende Erhöhung erfahren; Menschen leiden während der Arbeit zunehmend unter Stress und permanentem Leistungsdruck.
Viele Erwerbstätige sind daher bereits dazu übergangen, stimmungsaufhellende und/ oder konzentrationsfördernde Medikamente einzunehmen, um bei der Arbeit weiterhin leistungsfähig zu sein. Lässt sich dies noch auf eine Stufe mit dem „unproblematischen“ Konsum von Genussmitteln wie beispielsweise Espresso setzen oder aber lässt sich ein solches, gesellschaftlich weit verbreitetes Verhalten bereits als Doping am Arbeitsplatz bezeichnen? Ab wann spricht man nun tatsächlich von „Doping am Arbeitsplatz“? Sich an der Definition der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA (s. 2.1) orientierend, spricht der DAK Gesundheitsreport dann von Doping bei der Arbeit, wenn eine „systematische Einnahme körperfremder Substanzen [vorliegt], um eine Leistungssteigerung bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit zu erreichen“.
Ein solches Verhalten unterliegt, anders als im Leistungssport, (noch) keinen Sanktionen. "Doping am Arbeitsplatz" ist im Rahmen des DAK-Gesundheitsreports 2009 gleichzusetzen mit Medikamentendoping - und zwar insbesondere mit verschreibungspflichtigen Arzneimitteln. Dabei wird meist auf Psycho- und Neuro-Pharmaka, welche ursprünglich zur Therapie von alters- und krankheitsbedingten kognitiven Beeinträchtigungen zugelassen wurden, zurückgegriffen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den steigenden Leistungsdruck in der Arbeitswelt und führt in die Problematik des Neuro-Enhancements bei gesunden Beschäftigten ein.
2 Die Arbeitswelt im Wandel: Dieses Kapitel beschreibt, wie technologische und strukturelle Veränderungen der Arbeitswelt psychische Belastungen erhöhen und den Griff zu leistungssteigernden Substanzen begünstigen.
3 Ursachen für Doping am Arbeitsplatz: Hier werden die Gründe für den Medikamentenmissbrauch analysiert, wobei insbesondere der Zusammenhang zwischen dem Phänomen des Präsentismus und steigendem Leistungsdruck im Fokus steht.
4 Betriebliche Strategien gegen Suchtmittelmissbrauch und Doping am Arbeitsplatz: Das Kapitel diskutiert Interventionsmöglichkeiten, Präventionskonzepte und die zentrale Rolle der Führungskräfte für eine suchtmittelfreie Betriebskultur.
5 Fazit und Ausblick: Abschließend wird die betriebliche Suchtprävention als essenzieller Teil eines ganzheitlichen Gesundheitsmanagements bewertet und die Notwendigkeit einer interdisziplinären Vernetzung hervorgehoben.
Schlüsselwörter
Doping am Arbeitsplatz, Neuro-Enhancement, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Leistungsdruck, Präsentismus, Medikamentenmissbrauch, Suchtprävention, Arbeitswelt, Gesundheitsförderung, Psychopharmaka, Arbeitsverdichtung, Führungskultur, Leistungssteigerung, Stressprävention, Arbeitsunfähigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik des "Neuro-Enhancements", also der Einnahme von Medikamenten zur Steigerung kognitiver Leistungsfähigkeit am Arbeitsplatz durch gesunde Erwerbstätige.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören der Wandel der Arbeitswelt, die Ursachen von Medikamentenmissbrauch, das Phänomen des Präsentismus sowie Strategien des Betrieblichen Gesundheitsmanagements.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob das Thema "Gehirndoping" ein notwendiges neues Aufgabenfeld für die betriebliche Suchtarbeit und das Gesundheitsmanagement in modernen Unternehmen darstellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, die auf wissenschaftliche Berichte (z.B. DAK-Gesundheitsreport) und Expertenmeinungen aus den Bereichen Soziologie und Medizin zurückgreift.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die soziologischen und ökonomischen Treiber des Leistungsdrucks, die Definition von Doping am Arbeitsplatz und konkrete präventive Handlungsansätze für Unternehmen untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Neuro-Enhancement, Präsentismus, Arbeitsverdichtung und Gesundheitsorientiertes Führen geprägt.
Was versteht die Autorin unter dem Begriff "Präsentismus"?
Präsentismus bezeichnet das Verhalten von Arbeitnehmern, trotz Krankheit am Arbeitsplatz zu erscheinen, oft bedingt durch Existenzängste oder ein zu hohes Pflichtgefühl.
Welche Rolle spielen Führungskräfte laut der Arbeit?
Führungskräfte haben eine Vorbildfunktion und tragen durch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen maßgeblich zur Gesundheit oder Überlastung der Belegschaft bei.
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- Bachelor of Arts Valerie Grimm (Author), 2012, Neuro-Enhancer. Doping am Arbeitsplatz, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203894