Der amerikanische Bürgerkrieg. Vorgeschichte, Kriegsverlauf und Folgen


Seminararbeit, 2006
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1.1 Oie demographische und industrielle Entwicklung in den USA 2 ab 1800
1.2 Soziale Entwicklung in den USA ab 1800
1.3 Protektionismus vs. Liberalismus
1.4 Der wirtschaftliche Unterschied
1.5 Der soziale Unterschied
1.6 Die Geschieht© der Sklaverei in den USA

11.1 Beginn des Krieges
11.2 Reaktionen des Auslandes
11.3 Die ersten Kriegshandlungen
11.4 Die erste Schlacht bei Bull Run
ÍI.5 Die veränderte Kriegsführung
11.6 Der Kriegsverlauf

111.1 Ergebnisse und Folgen
111.2 Zusammenfassung
111.3 Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Der amerikanische Bürgerkrieg von 1861-1865 hatte nicht nur die Begründung der Vereinigten Staaten zur Folge, sondern war gleichzeitig auch der bis heute verlustreichste Krieg, den die USA jemals ausgetragen haben. Die Industrialisierung führte dázu, dass man diesen Krieg als den ersten modernen der Geschichte bezeichnen kann und deshalb auch als den ersten totalen Krieg im heutigen Sinn. Charakteristisch für den Bürgerkrieg sind erstens die Ahnungslosigkeit der beiden Kriegsparteien über die Art des Krieges. Niemand auf beiden Seiten konnte die Ausmaße dieses Konflikts abschätzen, weder personell, logistisch oder materiell. Und das zweite Charakteristikum ist die sich immer schneller entwickelnde Industrialisierung, die auf alte Kriegsstrategien trifft. Dies sind die beiden Hauptgründe für die mehr als 600 000 Opfer, die dieser Krieg forderte.

Die verschiedenen Faktoren, die letztendlich in den Krieg führten, sollen in dieser Arbeit im ersten Teil behandelt werden. Dazu gehören die demographische und wirtschaftliche Entwicklung in den USA seit 1800. Außerdem soll versucht werden, die grundsätzlichen Unterschiede zwischen den Nord- und Sjüdstaaten hervorzuheben. Und da der Krieg zumindest offiziell wegen der Sklaverei geführt wurde, soll eine Geschichte dieser und ihre politische Instrumentalisierung ebenfalls gesondert behandelt werden.

Im zweiten Teil der Arbeit wird der Bürgerkrieg direkt behandelt, wobei hier besonders der Beginn betont wurde. Ebenso die veränderte Kriegsführung erfuhr etwa im Vergleich zu den einzelnen Kämpfen eine ausführlichere Betrachtung. Der Krieg in seinen Einzelheiten, auch was das Behandeln einzelner Persönlichkeiten betrifft, wurde also bewusst vernachlässigt, vielmehr wurde versucht, den Krieg im Zusammenhang mit der industriellen Entwicklung hin zum totalen Krieg zu beschreiben. Dies ließ sich nicht zuletzt durch viele anschauliche Zeugenberichte machen.

Zur reichlich vorhandenen Literatur, die sich nur durch Eingrenzung zu verwerten ist, lässt sich sagen, dass die Forschermeinungen über die Fragen nach totalem Krieg, Kriegsursachen- und Folgen weitestgehend einig sind, zumindest stieß ich nicht auf völlige Gegensätze.

1.1 Die demographische und industrielle Entwicklung in den USA ab 1800

Ohne eine vollständige Bearbeitung dieses Themas beanspruchen zu können, muss vor einem Einstieg in den Kern der Hausarbeit doch ein Abriss über die wirtschaftliche und soziale Geschichte der USA vor dem Bürgerkrieg gegeben werden.

„Man muss den großen nationalen Konflikt zwischen Nord und Süd (...) im universalgeschichtüchen Zusammenhang sehen. (...) In seiner Intensität ünd seinen Ausmaßen wird der Konflikt erst begreiflich, wenn man die gesellschaftliche Entwicklung des Landes in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts betrachtet (,..)[1]

Das dieser Abriss hier nur bruchstückhaft und unter bewusster Vernachlässigung der politischen Entwicklung aus Gründen des Umfangs wiedergeben werden kann, ist dabei natürlich selbstverständlich.

Hervorzuheben äst unter wirtschaftlichem Aspekt zuerst die besondere Bedeutung der Industrialisierung in den USA ab Mitte des 19. Jahrhunderts.

Demographisch muss zunächst erwähnt werden, dass die amerikanische Bevölkerung seit 1800 viermal so schnell wie die europäische und sechsmal so schnell wie die Weltbevölkerung gewachsen war. Um 1860 lebten 31, 5 Mio. Menschen in den USA, davon 3,5 Mio. Sklaven.

„Die Bewegung war unaufhaltsam. Hie haben so viele Menschen in so kurzer Zeit so viel Land besetzt, besiedelt und bebaut."[2]

Um 1860 waren die USA damit flächen- und bevölkerungsmäßig auf der Welt lediglich Russland unterlegen. Parallel zur demographischen Entwicklung setzte ab ca.1830 auch eine deutliche Intensität der Industrialisierung ein. Aber schon vor 1830 hatten einige technische Neuerungen ein neues Zeitalter angedeutet. Diese betrafen besonders das Verkehrs- und Nachrichtenwesen. So wurde 1803 das erste Dampfboot in den USA in Betrieb genommen und 1814 das erste dampfgetriebene Kriegsschiff. 1825 nahm die weltweit erste Eisenbahn in Großbritannien die Fahrt auf und schon fünf Jahre später rollten in den USA die ersten Züge, noch bevor Deutschland mit dieser bedeutenden technischen Entwicklung gleichziehen konnte. Um die Bedeutung der Eisenbahn zu verdeutlichen, ist im folgenden eine Karte mit dem Ausbau des Eisenbahnnetzes zwischen 1850-1860 aufgeführt. Hier wird die Erschließung gewaltiger Landstriche in nur zehn Jahren sehr deutlich. Die hierangesprochene Entwicklung des Transportsystems durch die Eisenbahn ist als einer der wichtigsten Faktoren der Industrialisierung in den USA zu betrachten und wird deshalb von Wissenschaftlern bei einer umfassenden Behandlung des amerikanischen Bürgerkrieges einleitend behandelt:

The first and probably most important qualitative change came in transportation. The decades from 1800 to 1830 constituted the turnpike era in early American history. Construction crews built thousands of miles of new or improved allweather, macadamized roads, ( .... ) mostly in the northern states.3

Als anschaulicher Vergleich wäre an dieser Stelle anzuführen, dass bei Ausbruch des Amerikanischen Bürgerkriegs das Schienennetz mit 31000 Meilen in Nordamerika größer war als das der restlichen Welt zusammengenommen. Nicht zuletzt deshalb wurde der Sezessionskrieg auch als der erste Eisenbahnkrieg bezeichnet.

Aber auch eine andere Facette des Verkehrswesens trat deutlich hervor: Zwischen 1825 und 1850 wurden künstliche Wasserstrassen-, also Kanäle, in einer Gesamtlänge von 3700 Meilen angelegt, wobei sich auch diese wie die Eisenbahnen primär in den Nordstaaten befanden.[4] Um 1844 war auch die Ost- und Westküste durch die erste Telegraphenverbindung miteinander verbunden. Und auch in der Landwirtschaft gab es technische Neuerungen, wie etwa die Einführung neuer Pflüge aus Gusseisen, Mäh- und Dreschmaschinen, 1856 wurde der erste Dampfpflug entwickeit. Das diese einzelnen Faktoren des einsetzenden Industriezeitalters natürlich auch den dann ausbrechenden Bürgerkrieg maßgeblich und in bis dahin nicht bekannter Weise beeinflussten, ist naheliegend: Vor dem Krieg lebten 80% der Bevölkerung auf dem Land, durch die neu entwickelten Maschinen konnten deutlich mehr Menschen zum Dienst an die Waffe herangezogen werden.

1.2 Soziale Entwicklung in den USA ab 1800

All diese Entwicklungen treffen jedoch in den USA auf drei Charakteristika, di© hier besonders hervorgehoben werden müssen, da sie nicht zuletzt ein Wesensmerkmai der Gesellschaft und geographische Charakteristik des Landes waren: Die neuen technischen Strömungen trafen zunächst auf eine dafür sehr aufgeschlossene Bevölkerung, weiche die Dogmen der alten Welt in Europa abgeworfen und sich einer neuen Zukunft zugewandt hatte:

„Das alte Schemata der Einteilung in Stände passte auf diese Gesellschaft nicht, die auf dem Weg über den Atlantik und in den Kontinent hinein die europäische Geschichte abgeschütteit hatte."[5]

Die Menschen waren also bereit und auch darauf angewiesen, den technischen Fortschritt zu nutzen und diesen damit zu unterstützen.

„Unbelastet von alten Herkommen und überlieferten Gebräuchen, getrieben vom Zwang zum Überleben in der Wildnis um jeden Preis, entwickelten die Bewohner der Neu- Englandstaaten einen praktischen Sinn für alles Nützliche und Brauchbare in ihrem harten Lebenskampf.[6]

Sehr treffend zitiert Peter Bender bei der Charakterisierung der Bevölkerung auch Alexis de Tocqeville. Jener sah kein Volk auf Erden, das so rasche Fortschritte in Handel und Industrie erzielt hat wie die Amerikaner.“ Deren genialer Verstand praktischer Verstand entwickelte dann technische und ökonomische Verfahren, die erstmals Massenproduktion und Massenabsatz ermöglichten.“[7] Angewiesen waren die Menschen auf den technischen Fortschritt auch deshalb, und dies ist der zweite wichtige Faktor, weil vor den nach Westen drängenden Menschen ein Land von bis dahin unbekannten Ausmaßes lag. Es gab weder Zollschranken noch eine Verkehrsinfrastruktur, welche die Erschließung behindert oder unterstützt hätten. Die Geographie des Landes an sich forderte also zu seiner Erschließung bis dahin unbekannte Mittel und Wege, welche vor allen Dingen schnell eingesetzt werden mussten. Und dafür boten sich die neuen Errungenschaften des industriellen Zeitalters hervorragend an.

Und als letzter Faktor ist schließlich noch das Fehlen einer schon vorhandenen politischen Macht zu nennen. Die Ureinwohner Nordamerikas waren politisch nicht in dem Maße organisiert, als das sie eine eigene staatliche Macht im Sinne der Staaten in Europa dargestellt hätten.

„Dies Wachstum maß sich nicht an fremdem; stieß nicht ernsthaft gegen fremde, ältere Möchte, die in jenen Gegenden Jahrhunderte früher gewachsen waren.“[8]

Durch diese drei genannten Faktoren wird deutlich, was für eine Grundstimmung bezüglich Modernisierung sowie Freiheitsdrang- und Möglichkeiten in den USA vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs herrschte: mit diesen konnte man sich bewusst von der alten Welt in Europa unterscheiden.

Diesen Abschnitt der allgemeinen sozialen Entwicklung treffend zusammenfassend lässt sich Junkelmann zitieren:

„Weitab von den europäischen Machtkämpfen und unbelastet von überkommenen Strukturen, konnten sich die Vereinigten Staaten ais ein Volk von Individualisten ungestört entwickeln und alle Energien auf den Ausbau der Wirtschaft und die Erschließung der riesigen unberührten Gebiete an ihrer Westgrenze verwenden.“[9]

Um jedoch nun dem Kernthema dieser Arbeit näher zu kommen, sollen nun aus der obig grob skizzierten Bestandsaufnahme die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Nord- und Südstaaten herausgearbeitet werden, bevor dann mit einem Abschnitt Über die Sklaverei der erste Teil dieser Arbeit abgeschlossen wird.

1.3 Protektionismus vs. Liberalismus zwischen Nord- und Südstaaten Die Gegensätze zwischen Nord- und Südstaaten werden zwar im allgemeinen und zuerst auf die Sklaverei beschränkt, es waren jedoch ebenso wirtschaftliche und politische Differenzen vorhanden, weiche in den USA seit ihrer Gründung bestanden.

„Die innere Entwicklung des jungen Gemeinwesens trug von Anfang an den Keim der Spannung zwischen Nord und Süd durch die verschiedene wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen in sich."[10]

Es ist an dieser Stelle sinnvoll, eine weitere Karte mit einer geographischen Definition von Nord- und Südstaaten einzufügen, da diese beiden Begriffe im Verlauf der Arbeit häufig auftreten werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Aus: Parish, P.J.: „The American Civil War, London 1975, S. 18/19

I.4 Der wirtschaftliche Unterschied

Wenn man sich die auf der Karte angegebenen Maßstäbe in Erinnerung ruft, wird auch der klimatische Unterschied zwischen den Nord- und Südstaaten klar. Die Nordstaaten konnten und mussten auch deshalb früh Ansätze zum Aufbau einer industriellen Wirtschaft zeigen, da hier das Klima für Sklavenwirtschaft denkbar ungeeignet war, während der Süden vom Klima für den Baumwollanbau geradezu prädestiniert war und mit seinen großen Pflanzungen von Baumwolle, Reis und Tabak einseitig agrarisch blieb.

„(...) denn die Hauptfläche des Nebraskagebietes erstreckte sich im Nordwesten des Kontinents und war klimatisch völlig ungeeignet für die Sklavenwirtschaft und ihre Monokulturen 11

Der Begriff „King Cotton“ macht hierbei die besondere wirtschaftliche Bedeutung der Baumwolle deutlich. 1793 wurde die Baumwollentkömungsmaschine erfunden, die die Baumwoliwirtschaft erst wirklich rentabel machte.

„Gleichzeitig wuchs der Bedarf der Textilindustrien in England, Frankreich und den Nordstaaten ins ungeheure, ein Bedarf, der bis zum Bürgerkrieg fast ausschließlich mit den Exporten der Südstaaten gedeckt wurde."[12]

Die Produktion der Baumwolle war extrem arbeitsaufwendig, was ebenfalls einen Zusammenhang mit der Sklaverei und den damit verbundenen billigen Arbeitskräften liefert. Baumwolle wurde, wie obig erwähnt, besonders nach Großbritannien und Frankreich exportiert, weswegen die Südstaaten auch Verfechter des Freihandels waren.

[...]


[1] Dietrich, G.: „Abraham Lincoln und die Sklavenbefreiung“, in: Schriftenreihe der Niedersächsischen Landeszeniraie für Politische Bildung- Heft 4, Hannover 1985, S. 8

[2] Bender, P.: “Die Kraft der Siedler", in: "Geo Epoche“, Nr. 11 . Amerikas Weg zur Weltmacht“, Hamburg 2003, S. 26 ' ” '

[3] McPherson, J.: „Ordeal By Fire- The Civil War And Reconstruction’, New York 1982, 3.6

[4] McPherson, J.: „Ordeal By Fire- The Civil War And Reconstruction’, New York 1982, S.6

[5] Treue, W,: „Der Amerikanische Bürgerkrieg in Augenzeugenberichten“, Düsseldorf 1963, S. 13

[6] Franz-Wiiling. G.: „Der weltgeschichtliche Aufstieg der Vereinigten Staaten von Amerika“, Osnabrück 1979, S. 22

[7] Bender, P.: “Die Kraft der Siedler", in: “Geo Epoche", Nr. 11 „Amerikas Weg zur Weltmacht", Hamburg 2003, S. 27

[8] Mann, Golo: „Politische Entwicklung Europas und Amerikas 1815-1871“, Propyläen Weltgeschichte, Band 8, S.505

[9] Junkelmann, M.: „Morgenröte am Potomac- Der amerikanische Bürgerkrieg“, Zürich 1987, S.13

[10] Franz-WIHíng, G.: „Der »weltgeschichtliche Aufstieg der Vereinigten Staaten von Amerika“, Osnabrück 1979,8.22 ’ "

[11] Junkelmann, M.: „Morgenröte am Potomac- Oer amerikanische Bürgerkrieg“, Zürich 1987, S.55

[12] Junkelmann, M.: „Morgenröte am Potomac- Der amerikanische Bürgerkrieg“, Zürich 1987, S.31

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Der amerikanische Bürgerkrieg. Vorgeschichte, Kriegsverlauf und Folgen
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
29
Katalognummer
V203905
ISBN (eBook)
9783668134980
Dateigröße
10948 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bürgerkrieg, vorgeschichte, kriegsverlauf, folgen
Arbeit zitieren
Paul Langner (Autor), 2006, Der amerikanische Bürgerkrieg. Vorgeschichte, Kriegsverlauf und Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203905

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