Der Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist die Darstellung der inzestuösen Beziehungen in der deutschsprachigen Literatur. Diese Problematik wird am Beispiel von zwei Werken analysiert, "Der Erwählte" von Thomas Mann und "Homo Faber" von Max Frisch. Es wird also analysiert, was an moralischem Einverständnis möglich war, um den Inzest zu begehen. Meine Arbeit ist also ein Versuch die Motive und die Ursachen von der Blutschande zu zeigen.
Ich versuche auch die These zu bestätigen, dass der Inzest ein populäres Motiv in der deutschsprachigen Literatur ist und obwohl er ein Tabuthema ist, wird er durch viele Autoren neu bearbeitet.
Das Ziel meiner Arbeit ist es auch, den Ursprung des Inzestmotivs in der europäischen Literatur und Kultur zu zeigen. Ich knüpfe also kurz an dem Ödipus-Mythos und dem Ödipus-Komplex an. Der Mythos des Ödipus stellt eine Geschichte von Mord und Inzest dar. Es wurde gezeigt, wie Inzest- und Generationenschranken verletzen werden.
Der erste Teil meiner Arbeit umfasst, allgemein die Problematik des Tabus und des Inzests. Es wurde auch die Ödipus-Sage und der Ödipus-Komplex erwähnt. Im zweiten Kapitel beschäftige ich mich mit der Problematik des Inzest im Roman "Homo Faber" von Max Frisch. Der dritte Teil umfasst die Problematik der inzestuösen Beziehungen im Werk "Der Erwählte" von Thomas Mann.
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Kapitel I
Inzestproblematik. Eine Einführung
1.1.Tabubegriff
1.2.Die Bedeutung des Inzestproblems
1.3.Inzesttheorien nach Claude Lévi Strauss, Sigmund Freud und Bronisław Malinowski
1.3.1.Claude Lévi Strauss und Die elementaren Strukturen der Verwandtschaft
1.3.2.Das Geschlechtslebender Wilden in Nord-West-Melanesien von Bronisław Malinowski
1.3.3.Sigmund Freuds Totem und Tabu
1.4.Ödipus – Mythos und Inzest
1.5.Der Ödipus-Komplex nach Freud
Kapitel II
Die Problematik des Inzests im Roman Homo Faber von Max Frisch
2.1.Walter Faber – die Darstellung der Hauptfigur
2.2.Fabers Verhältnis zu Männern
2.3.Fabers Verhältnis zu Frauen
2.4.Inzestuöse Beziehung Fabers zu Sabeth
2.5.Anspielungen auf die griechische Mythologie
2.6.Fazit
Kapitel III
Die Problematik der inzestuösen Beziehungen im Werk Der Erwählte von Thomas Mann
3.1. Der Begriff der Sünde
3.2. Der erste Inzest
3.3. Der zweite Inzest
3.4. Die Sünde des Gregorius
3.5. Die Sünde der Mutter
3.6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und psychologische sowie moralische Bedeutung von Inzest in der deutschsprachigen Literatur, analysiert anhand der Romane Homo Faber von Max Frisch und Der Erwählte von Thomas Mann. Dabei wird erforscht, welche Motive und Ursachen zu inzestuösen Beziehungen führen und wie die Autoren das klassische Ödipus-Motiv im jeweiligen literarischen Kontext neu interpretieren.
- Analyse der Inzestproblematik als literarisches Motiv
- Gegenüberstellung der psychoanalytischen und mythologischen Grundlagen
- Untersuchung der Identitätsfindung der Protagonisten in Bezug auf Inzest
- Vergleich der zerstörerischen Folgen bei Frisch und der Hoffnung auf Gnade bei Mann
Auszug aus dem Buch
2.4.Inzestuöse Beziehung Fabers zu Sabeth
Elisabeth ist die Tochter von Hanna und Walter. Mit Walter trafen sich auf dem Schiff, während Sabeths Rückreise zu ihrer Mutter, ohne es zu wissen, dass sie verwandtschaftlich sind. Elisabeth war ein zwanzig Jahre alt, hat ein Semester in Yale, in Amerika studiert und möchte auf dem Weg noch Station in Paris und Rom machen. Das Mädchen beginnt das Gespräch und lässt sie sich von Faber durch die Maschinenräume des Schiffs führen. Sie findet ihn und seine Darlegungen komisch. Besonders mitfühlend ist sie Faber gegenüber. Unter dem Panzer, den Walter Faber sich zugelegt hat, werden die untergründigen Wünsche und Bedürfnisse erkennbar, die er lange verdrängte. Sie gibt ihm den Rat, dass er heiraten soll und ist so überrascht, als er ihr einen Heiratsantrag macht. Von ihrer Antwort wird abhängigen, was in der Zukunft geschieht und mehr noch, inwieweit seine Vergangenheit eingeholt wird.
Dieser Antrag steht in Gegensatz zu allen Grundsätzen, die Faber vertreten hat, auch zu Erfahrungen mit Ivy. Aber was war eine Ursache dieses Schritts? Vielleicht nicht Sabeths Jugendlichkeit oder Aussehen. Walter Faber sprach mit dem fremden Mädchen Sabeth und sah Hanna. Sie haben sich zwar nicht verheiratet aber die Reise durch Frankreich, Italien und Griechenland gemacht. Auf der Reise durch Frankreich merkt er das Mädchen, das ich bisher für ein Kind hielt, in mich verliebt war. Max Frisch stellt dem Leser die Tragik dessen, was kommen wird, ganz deutlich dar.
Auf dem Schiff, in die Gestalt des Mädchens Sabeth, erreicht Walter Faber sein Schicksal. Nach Sybille Heidenreich: Hätte er sich nicht interessiert, er hätte sie nicht weiter kennenlernen müssen. Er kann keinem Zufall das Schicksal geben, sondern nur sich selbst. Der Zufall ist nach der Autorin, dass Sabeths Pferdeschwanz immer vor Fabers Gesicht baumelt. Es fehlt Walter ihre Jugend auf, die im Gegensatz zu allen anderen Passagieren steht. Aus Zeitvertrieb versucht er sein Gesicht zu erraten.
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel I: Dieses Kapitel führt in die theoretischen Grundlagen des Tabubegriffs und der Inzestproblematik ein, gestützt auf die Analysen von Lévi-Strauss, Freud und Malinowski, und beleuchtet das Ödipus-Motiv.
Kapitel II: Die Untersuchung konzentriert sich auf Max Frischs Homo Faber, wobei die Hauptfigur Walter Faber als Techniker charakterisiert und seine inzestuöse Beziehung zu seiner Tochter Sabeth analysiert wird.
Kapitel III: Hier wird Thomas Manns Der Erwählte untersucht, insbesondere die Humanisierung der Gregorius-Legende und die Frage von Sünde, Schuld und göttlicher Gnade bei inzestuösen Verhältnissen.
Schlüsselwörter
Inzest, Tabu, Homo Faber, Der Erwählte, Ödipus-Komplex, Max Frisch, Thomas Mann, Literaturanalyse, Blutschande, Identität, Psychologie, Mythologie, Sünde, Gnade, Identitätsfindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das literarische Motiv des Inzests in den Romanen Homo Faber von Max Frisch und Der Erwählte von Thomas Mann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Inzesttabu, der Ödipus-Mythos, die Darstellung der Protagonisten als Suchende nach Identität sowie der Kontrast zwischen schicksalhafter Zerstörung und religiöser Vergebung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Motive und Ursachen für inzestuöse Beziehungen in diesen beiden Werken zu ergründen und aufzuzeigen, wie das Inzesttabu durch Frisch und Mann literarisch neu bearbeitet wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse sowie psychologische und kulturwissenschaftliche Ansätze, insbesondere Theorien von Freud und Lévi-Strauss.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen erarbeitet, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Romanfiguren Walter Faber und Gregorius sowie deren jeweiligem Umgang mit der Inzestproblematik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Inzest, Tabu, Identität, Ödipus-Mythos, Sünde, Gnade und psychologische Rollenbilder.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Inzests bei Frisch und Mann?
Während Frisch den Inzest als zerstörerische, tragische Konsequenz einer fehlgeleiteten Weltsicht (Technikglaube) darstellt, nutzt Mann den Stoff, um Themen wie Sünde, Reue und die Erlangung göttlicher Gnade zu verhandeln.
Welche Rolle spielt der Ödipus-Mythos für die Autoren?
Beide Autoren greifen auf das Ödipus-Motiv zurück, variieren es jedoch: Während bei Frisch der Vatermord wegfällt, ersetzt Mann diesen durch einen Doppelinzest, um die Problematik zu humanisieren.
- Arbeit zitieren
- Malgorzata Menczak (Autor:in), 2012, Die Problematik des Inzests in der deutschsprachigen Literatur. "Homo Faber" von Max Frisch und "Der Erwählte" von Thomas Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203917