Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Geschichte


Praktikumsbericht / -arbeit, 2012

62 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Vorstellung der Praktikumsschule und eigene Unterrichtsversuche
1.1 Portrait des Max-Mustermann-Gymnasium
1.2 Fachlehrerschaft, Mentorin und Übersicht über eigene Unterrichtsversuche

3. Stundenentwurf: Niccolò Machiavellis Il Principe ( dt. Der Fürst) - Ausdruck humanistischer Gesinnung? – 27.02.2012 – GK2 Klasse 11 – Herr Mustermann – Doppelstunde
3.1 Bedingungsfeldanalyse
3.2 Didaktische Profilierung
3.3 Kompetenzbezüge
3.4 Methodische Entscheidungen und ihre Begründung
3.4.1 Einstieg
3.4.2 Erste Erarbeitungsphase
3.4.3 Erste Ergebnissicherung
3.4.4 Zweite Erarbeitungsphase
3.4.5 Zweite Ergebnissicherung
3.5 Kooperationsformen
3.6 Medien
3.7 Literaturangaben
3.8 Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde
3.9 Arbeitsblätter, Quellen, Tafelbilder und weitere Materialien
3.10 Reflexion zur Unterrichtsstunde „Niccolò Machiavellis Il Principe ( dt. Der Fürst) – Ausdruck humanistischer Gesinnung?“

4. Stundenentwurf: Entnazifizierung in den Besatzungszonen – Vergangenheitsbewältigung über Umwege? – 15.03.2012 – GK2 Klasse 13 – Frau Musterfrau – Doppelstunde
4.1 Bedingungsfeldanalyse
4.2 Didaktische Profilierung
4.3 Kompetenzbezüge
4.4 Methodische Entscheidungen und ihre Begründung
4.4.1 Einstieg
4.4.2 Erste Erarbeitungsphase
4.4.3 Erste Ergebnissicherung
4.4.4 Zweite Erarbeitungsphase
4.4.5 Zweite Ergebnissicherung
4.5 Kooperationsformen
4.6 Medien
4.7 Literaturangaben
4.8 Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde
4.9 Arbeitsblätter, Quellen, Tafelbilder und weitere Materialien
4.10 Reflexion zur Unterrichtsstunde „Entnazifizierung in den Besatzungszonen – Vergangenheitsbewältigung über Umwege?“

5. Formen der Ergebnissicherung im Geschichtsunterricht – Theorie und Praxiserfahrungen

6. Reflexion des Moduls „ME_01 – Schulpraktische Studien im Fach Geschichte“

7. Literaturverzeichnis

1. Vorstellung der Praktikumsschule und eigene Unterrichtsversuche

1.1 Portrait des Max-Mustermann-Gymnasium

Das Max-Mustermann-Gymnasium wurde 1947 gegründet und ist heute mit fast 700 Schülerinnen und Schülern und über 60 Lehrerinnen und Lehrern eines der größten Gymnasien im Landkreis Muster. Das zweistöckige Hauptgebäude beinhaltet dabei eine Aula, die Platz für bis zu 200 Personen bietet, eine Theaterwerkstatt, zwei Computerräume, eine Schulkantine sowie eine Cafeteria. Das Hauptgebäude wird zusätzlich durch 2 Ergänzungsgebäude erweitert, die jeweils 8 Unterrichtsräume sowie einen Aufenthaltsraum für die Lehrkräfte beinhalten und sich ebenfalls auf dem Schulgelände befinden.

Ende des Jahres 2011 erhielt das Gymnasium im Rahmen einer Förderinitiative des Landes Musterland als Modellschule eine größere Menge an Fördergeldern (circa 6 Mio. EUR), die sowohl für den Neubau einer Grundschule inklusive Sporthalle und Sportplatz in unmittelbarer Nähe zum Max-Mustermann-Gymnasium als auch die die Neuausstattung und Renovierung des Hauptgebäudes verwendet wurden. Diese Maßnahmen sahen dabei insbesondere die Ausrüstung aller Unterrichtsträume des Hauptgebäudes sowie der 2 Ergänzungsgebäude (mehr als 35 Unterrichtsräume) mit elektronischen Smart Boards (digitale Whiteboards) vor, außerdem wurden raumakustische und schallisolierende Verbesserungen sowie eine Reihe von Baumodernisierungen (Fassade sowie Schulgelände) vorgenommen. Alle gebäudeinternen Modernisierungsmaßnahmen wurden fristgerecht zum Ende der Winterferien Anfang 2012 fertiggestellt, die technischen Modernisierungen wurden von Schülerinnen und Schülern wie auch Lehrerinnen und Lehrern sehr positiv aufgenommen und verbessern somit das Arbeits- und Lernklima am Max-Mustermann-Gymnasium.

Das Max-Mustermann-Gymnasium versteht sich als Schule mit sprachlich-künstlerischem Fokus. So bietet die Schule unter anderem Leistungskurse in den Fächern Kunst, Musik, Englisch, Spanisch, Französisch und Latein sowie Darstellendem Spiel an und veranstaltet regelmäßig Theateraufführungen, Kunstaustellungen und Musikabende. Im Hinblick auf die gesellschaftswissenschaftlichen Fächer nehmen die Schülerinnen und Schüler regelmäßig an Projekten der aktiven Auseinandersetzung mit Politik und Geschichte teil, etwa dem Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, oder organisieren Spendenaktionen für Krisenregionen. Einmal jährlich bietet das Gymnasium zudem die Möglichkeit, innerhalb einer einwöchigen Projektwoche unterschiedliche Themengebiete selbstständig zu bearbeiten und die Arbeitsergebnisse im Rahmen einer Ausstellung zu präsentieren.

Innerhalb der Schule herrscht ein freundliches und offenes Arbeits- und Lernklima. Die Schülerinnen und Schüler sehen sich als wichtigen Teil der Schule, ihre eigene Handschrift ziert das Gebäude an nahezu jeder Stelle. Im Eingangsbereich des Gymnasiums werden aktuelle Kunstprojekte vorgestellt, der Pausenhof ist mit Wandkunstwerken von den Schülerinnen und Schülern zum Teil selbst gestaltet worden und in den Fluren finden sich Poster und Projektarbeiten unterschiedlicher Schülergruppen. Die so geschaffene Atmosphäre spiegelt sich im Miteinander und Arbeitsklima wider. Während der Pause herrscht auf den Fluren kaum Hektik, das großzügige Schulgelände sowie verschiedene Pausen- und Aufenthaltsräume bieten zudem Rückzugsmöglichkeiten zwischen den Stunden. Insgesamt kann somit sowohl die Ausstattung der Schule als auch das Lern- und Arbeitsklima als vorbildlich, schülerorientiert und modern bezeichnet werden.

1.2 Fachlehrerschaft, Mentorin und Übersicht über eigene Unterrichtsversuche

Insgesamt arbeiten derzeit 4 Lehrerinnen (Frau Musterhausen, Frau Musterfrau, Frau Muster sowie Frau Musterschnitt) und 2 Referendare (Herr Mustermann, Herr Mustername) im Fachbereich Geschichte des Max-Mustermann-Gymnasium. Die Fachlehrerinnen und Referendare decken dabei vier 7. und 8. Klassen, drei 9. und zwei 10. Klassen sowie je drei Grundkurse Geschichte in Klasse 11 und Klasse 13 ab. Dabei führte ich über 30 Hospitationsstunden abwechselnd vornehmlich in den unterschiedlichen Klassenstufen von Frau Musterfrau, Frau Musterhausen sowie Herrn Mustermann durch (siehe Anlage über hospitierte Stunden).

Während meines vierwöchigen Unterrichtspraktikums im Fach Geschichte am Max-Mustermann-Gymnasium (20.02.2012 – 16.03.2012, insgesamt 4 Schulwochen) fungierte Frau Musterfrau in Absprache mit dem Schulleiter Herrn Musterberg als meine Mentorin. Frau Musterfrau arbeitet seit mehr als 2 Jahren am Max-Mustermann-Gymnasium (zuvor Barnim Gymnasium) und ist Fachlehrerin für Geschichte, Deutsch und Lebensgestaltung-Ethik-Religionskunde (L-E-R). Frau Musterfrau unterrichtete dabei im Schuljahr 2011/2012 alle achten Klassen, beide zehnte Klassen sowie einen Grundkurs Geschichte Klasse 13 (GK2/13) und deckte somit innerhalb des Kollegiums der Geschichtslehrerinnen und Geschichtsreferendare einen großen thematischen und altersspezifischen Rahmen ab. Somit erlaubten mir vor allem die Hospitationen sowie die Durchführung meiner eigenen Unterrichtsversuche in ihren Klassen einen möglichst umfassenden Eindruck vom thematischen Umfang und dem geforderten Leistungsniveau der Sekundarstufe I und II zu gewinnen.

Im Rahmen des Unterrichtspraktikums führte ich sieben Unterrichtsstunden selbst durch, davon zwei Doppelstunden und drei Einzelstunden im Zeitraum vom 27.02.2012 bis 15.03.2012:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Im Folgenden werden die grau hervorgehobenen Doppelstunden vom 27.02.2012 (Niccolò Machiavellis Il Principe) und 15.03.2012 (Entnazifizierung in den Besatzungszonen) dokumentiert und im Rahmen einer komplexen Stundenplanung vorgestellt, analysiert und reflektiert.

3. Stundenentwurf: Niccolò Machiavellis Il Principe ( dt. Der Fürst) - Ausdruck humanistischer Gesinnung? – 27.02.2012 – GK2 Klasse 11 – Herr Mustermann – Doppelstunde

3.1 Bedingungsfeldanalyse

Bei der Klasse handelt es sich um eine 11. Klasse im Grundkurs Geschichte des Gymnasiums Wandlitz (GK2/11), die von Frau Musterhausen betreut und vom Referendar Herrn Mustermann unterrichtet wird. Der Grundkurs setzt sich aus 14 Schülerinnen und 10 Schülern zusammen und stellt damit eine übliche Größe für einen Grundkurs der gymnasialen Oberstufe dar. Alle Schülerinnen und Schüler sprechen Deutsch als Muttersprache.

Die Schülerinnen und Schüler sind geübt im Umgang mit schriftlichen, bildlichen und audiovisuellen Quellen und besitzen gute Methodenkenntnisse. In der vorausgegangenen Stunde „Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – ein funktionierender Staat?“ stand das „Verfassungssystem“ sowie die starke Partikulargewalt innerhalb des Herrschaftsbereiches im Zentrum der Betrachtung und sollte auf das Spannungsgefüge zwischen Kaiser und Fürsten hinweisen. Zentrale mittelalterliche Begriffe wie Reichsstände, Augsburger Religionsfrieden und Konzepte wie „Territorialisierung“ wurden in der vorausgehenden Stunde eingeführt und sind den Schülerinnen und Schülern in ihrer Bedeutung bekannt. Weiterhin haben die Schülerinnen und Schüler in den vorherigen Stunden Aspekte der mittelalterlichen Stadt rekapituliert und einflussreiche Machtgruppen innerhalb der mittelalterlichen Ständeordnung identifiziert. Die vorausgegangene Stunde sollte demnach als Bindeglied zwischen dem beendeten Themenfeld „Die Grundlegung der modernen Welt im Mittelalter“ (ge-1/GE-1) und dem nun beginnenden Themengebiet „Gesellschaft und Staat im Zeitalter der Aufklärung“ (Themenfeld in „Die Herausbildung moderner Strukturen in Gesellschaft und Staat von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert“ (ge-2/GE-2)) fungieren, welches in die frühneuzeitlichen Staatstheorien von Machiavelli, Hobbes, Locke, Montesquieu und Rousseau einführen soll. Die nun folgende Stunde „Niccolò Machiavellis Il Principe ( dt. Der Fürst) - Ausdruck humanistischer Gesinnung?“ soll dieses Themenfeld durch eine Einführung in Humanismus und Renaissance, die Person Niccolò Machiavellis sowie zentrale Aspekten seines Menschen- und Herrscherbildes eröffnen.

3.2 Didaktische Profilierung

Das Themengebiet „Gesellschaft und Staat im Zeitalter der Aufklärung“ beschäftigt sich mit den frühneuzeitlichen Philosophien und Staatstheoremen von Kant, Locke, Rousseau und auch Montesquieu und blickt im weiteren Verlauf auf den preußischen wie französischen Absolutismus. Weiterhin bieten sich innerhalb dieser Themenbereiche diverse Vergleichsmöglichkeiten, die Fragen nach prinzipieller Vergleichbarkeit und unterschiedlichem Herrschaftsverständnis erlauben. Insgesamt bietet das Themengebiet durch seine Bezugspunkte, etwa im Hinblick auf moderne Staatsverständnisse und Herrschaftsstrukturen, thematisch höchst interessante und für Schülerinnen und Schüler lebensweltlich relevante Ansatzpunkte.

Zum einen bietet die sich die Beschäftigung mit Niccolò Machiavellis Herrscher- und Menschenbild, wie bereits angesprochen, als Einstieg in die thematischen Komplexe von Humanismus und Renaissance an und bietet zudem die Möglichkeit der Vorstellung spezifischer Vertreter und Idealbilder dieser Zeit. Die Schülerinnen und Schüler werden somit in dieser Einführungsstunde zunächst mit wichtigen Konzepten der frühen Neuzeit bekannt gemacht, um in den folgenden Stunden auf diese Konzepte und Ideen zurückgreifen zu können und ihre Herkunft und Bedeutung vertieft zu bearbeiten.

Des Weiteren stellt Machiavellis Herrschaftsverständnis und sein Menschenbild in „Der Fürst“ eine thematische Basis für die Bearbeitung essentieller Staatstheorien der frühen Neuzeit, etwa von Kant, Locke, Rousseau oder auch Montesquieu, dar. So bieten die Stundenergebnisse eine gute Ausgangslage für weitere Betrachtungen hinsichtlich der Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Bezug auf die Rollen von Staatlichkeit, Herrscherpersönlichkeit und Individuum. Im Kern der späteren Auseinandersetzung mit verschiedenen Staats- und Herrschaftstheorien könnte so einerseits deren zeitlicher und räumlicher Entstehungshintergrund als auch das spezifische Selbstverständnis der einzelnen historischen Persönlichkeiten stehen.

Außerdem bietet insbesondere der zeitliche Kontext bei der Betrachtung von Machiavellis „Der Fürst“ und seiner Kernthesen eine spannende Vergleichsmöglichkeit zwischen Mittelalter und früher Neuzeit. So kann Niccolò Machiavellis Biographie stellvertretend für die Veränderungen in Geisteshaltung und Menschenbild der beginnenden frühen Neuzeit stehen und damit das Spannungsgefüge des Übergangs zwischen Mittelalter und früher Neuzeit besonders eindringlich verdeutlichen. Schülerinnen und Schüler müssen sich vor allem mit der Frage auseinandersetzen, woher diese neuen Strömungen kommen und vor welchem historischen Hintergrund diese neuen Ideale populär werden können.

Schließlich stellt die Biographie Niccolò Machiavellis ebenso wie sein spezifisches Herrscher- und Menschenbild am Beispiel von „Der Fürst“ eine Form des exemplarischen Erzählens[1] dar. Anhand des Auszuges aus seinem Werk wird ein spezifisches Herrschaftsverständnis der frühen Neuzeit deutlich – stark geprägt durch die politischen Umstände und gesellschaftlichen Voraussetzungen des frühneuzeitlichen Florenz, dem dortigen Einfluss der Medici-Familie sowie Machiavellis politischen Vorbildern (etwa Cesare Borgia). Insofern wird durch die Beschäftigung mit Machiavellis Vita als aus seines Menschen- und Herrscherbildes in „Der Fürst“ ein weiteres Mal die Standortabhängigkeit historischer Entwicklungen und ihre zeitliche Abhängigkeit deutlich und am Beispiel Machiavellis nachgezeichnet. Die Schülerinnen und Schüler erhalten so Einblick in die Entstehungshintergründe frühneuzeitlicher Staatstheorien und deren komplexe Einbettung in soziale, kulturelle und temporale Gefüge.

3.3 Kompetenzbezüge

Grobziel: Die Schülerinnen und Schüler erwerben Kenntnisse über das frühneuzeitliche Herrscher- und Menschenbild in Niccolò Machiavellis „Der Fürst“. Sie gewinnen außerdem Eindrücke von den Spezifika des Humanismus sowie der Renaissance und bewerten/vergleichen das vorgestellte Menschenbild Machiavellis im Hinblick auf Kernaspekte des Humanismus kritisch.

Feinziele: Die Schülerinnen und Schüler

1. aktivieren ihr Vorwissen über das Herrschafts- und Gesellschaftsverständnis des Mittelalters und stellen Vermutungen zum Leben Niccolò Machiavellis und dessen zeitlicher und politischer Verortung an. (Deutungs- und Analysekompetenz)
2. lernen die Grundzüge der frühneuzeitlichen Bildungsbewegungen des Humanismus und der Renaissance kennen und stellen Verbindungen zum Stundenthema her. (Vermittlung historischen Faktenwissens/Deutungs- und Analysekompetenz)
3. erarbeiten und systematisieren anhand des vorliegenden Quellenausschnitts aus Machiavellis „Der Fürst“ Grundzüge des dargestellten Herrscher- und Menschenbildes und des zugrundeliegenden Gesellschaftsverständnisses. (Deutungs- und Analysekompetenz)
4. üben durch die Quellenanalyse des Auszugs aus Machiavellis „Der Fürst“ die Schritte der Quelleninterpretation und greifen auf vorhandenes Methodenwissen zurück. (Methodenkompetenz)
5. vergleichen das dargestellte Herrscher- und Menschenbild Machiavellis kriteriengeleitet anhand des vorliegenden Quellenausschnitts aus „Der Fürst“ mit Kernidealen des humanistischen Weltbildes. (Deutungs- und Analysekompetenz)
6. diskutieren und erörtern fachgerecht ausgewählte Aspekte Machiavellis Herrscher- und Menschenbildes mit ihren Mitschülerinnen und Mitschülern und erarbeiten ein gemeinsames Sach- und Werturteil. (Methodenkompetenz/Urteils- und Orientierungskompetenz)
7. bewerten Machiavellis Herrscher- und Menschenbild mit Bezug auf die Ideale des Humanismus und der Renaissance kritisch und setzen ihr Urteil ansatzweis in Relation zu sozialen, politischen und kulturellen Bedingungen der frühen Neuzeit. (Urteils- und Orientierungskompetenz)
8. begründen und vertreten ihre Werturteile zum Herrscher- und Menschenbild in Machiavellis „Der Fürst“ in der Plenumsdiskussion und hinterfragen/überprüfen Werturteile anderer Schülerinnen und Schüler kritisch. (Deutungs- und Analysekompetenz/Urteils- und Orientierungskompetenz)

3.4 Methodische Entscheidungen und ihre Begründung

3.4.1 Einstieg

Zu Beginn der Doppelstunde startet die Lehrkraft die PowerPoint-Präsentation (PPT-Präsentation) zum Stundenthema „Niccolò Machiavellis Il Principe ( dt. Der Fürst) - Ausdruck humanistischer Gesinnung?“ am Smart Board, welche die Schülerinnen und Schüler als eine Art „Stundenfahrplan“ durch die Stunde führt, wichtige Aspekte visualisiert und die jeweilige Stundenphase begleitet. Zunächst erfolgt eine Reaktivierungsphase, in der das vorherige Stundenthema „Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation – ein funktionierender Staat?“ und die Frage nach den Gründen für die starke Partikulargewalt sowie das skrupellose Verhalten der Fürsten erneut aufgeworfen wird. Die Lehrkraft stellt die Verbindung zwischen dem vorherigen Stundenthema und dem neuen Thema rund um Machiavelli her und gibt eine kurze Einführung zum Wirken und Leben Machiavellis sowie Machiavellis Werk „Il Principe ( dt. Der Fürst)“, wobei die Hauptaspekte durch die Folie der PPT-Präsentation zusammengefasst werden und von den Schülerinnen und Schülern als spätere Arbeitsgrundlage in die Hefter übernommen werden sollen. Die Lehrkraft weist dabei insbesondere auf Machiavellis Bedeutung als „Humanist“ hin – ein Aspekt, der für die spätere Diskussion über Herrscher- und Menschenbild im Machiavellis „Der Fürst“ essentiell sein wird.

Die Klasse soll nun spekulieren, welchen möglichen Zusammenhang es zwischen dem Thema der letzten Stunde, der Person Machiavellis und seiner Rolle als Humanist geben könnte. In einem kurzen Lehrer-Schüler-Gespräch sollen Eindrücke der Vita Machiavellis geschildert werden und eine mögliche Verbindung mit der zurückliegenden Stunde hergestellt werden. Dabei steht insbesondere die Herstellung eines Klärungsbedarfs bei Schülerinnen und Schülern im Vordergrund – Welchen Ursachenzusammenhang gibt es zwischen dem Verhalten der Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation und Machiavellis Person und seinen Thesen? Abschließend erläutert die Lehrkraft kurz den weiteren Verlauf der Stunde und die zu erreichenden Arbeitsziele (Erarbeitung Hauptaspekte Renaissance & Humanismus; Vergleich Menschen- und Herrscherbild in Quellenausschnitt; Plenumsdiskussion).

3.4.2 Erste Erarbeitungsphase

Die Lehrkraft teilt zunächst Text 1 (T1 Wichtige Aspekte von Humanismus und Renaissance im Überblick) an die Schülerinnen und Schüler aus, legt die Kooperationsform fest (Partnerarbeit), gibt den konkreten Zeitrahmen zur Bearbeitung vor (ca. 12 Minuten) und weist auf die drei zu lesenden Abschnitte hin (Aufgabenstellung A1).

Die Schülerinnen und Schüler sollen dabei die Abschnitte „Wandel des Menschenbildes“, „Rückkehr zu den antiken Quellen“ und „Die Erneuerung des Wissens“ des doppelseitigen Arbeitsblattes lesen und deren Inhalt in maximal 5 Kernaussagen schriftlich fixieren. Dabei soll vor allem die Konzentration auf wichtige Aspekte der Renaissance und der Bildungsbewegung des Humanismus im Vordergrund stehen. Weiterhin soll der Umgang der Schülerinnen und Schüler mit bearbeitetem Text (in diesem Fall zwei Ausschnitte aus Lehrwerken) geübt werden, indem längere Textabschnitte sinnvoll verkürzt und pointiert werden.

3.4.3 Erste Ergebnissicherung

Die Zweiergruppen sollen sich schließlich mündlich über die Formulierung ihrer Hauptaussagen verständigen, anschließend folgen eine gemeinsame Auswertung in Form eines mündlichen Lehrer-Schüler-Austauschs und ein Vergleich der Kernideen der Abschnitte. Die Ergebnisse dieser Sammlung werden durch die Lehrkraft schriftlich in der PPT-Präsentation festgehalten (ähnlich wie auf einer OHP-Folie) und im Anschluss durch die Schülerinnen und Schüler in ihre Hefter übernommen. Die 5 Kernaspekte zu Renaissance und Humanismus sollen im weiteren Verlauf des Themenfeldes zur Reaktivierung und als vertiefende Arbeits- und Vergleichsgrundlage genutzt werden.

3.4.4 Zweite Erarbeitungsphase

Im zweiten Teil der Doppelstunde steht nun die Bearbeitung des Quellenausschnitts aus Machiavellis Werk „Il Principe ( dt. Der Fürst)“ im Vordergrund. Der vorbereitete und gekürzte Quellenausschnitt Q1 (Niccolò Machiavelli, Der Fürst, 1513) wird dabei an die Schülerinnen und Schüler ausgeteilt, diese sollen den Quellenausschnitt in 6 Gruppen zu je 4 Schülerinnen/Schülern bearbeiten, wobei je 3 Gruppen das Menschenbild und je 3 Gruppen das Herrscherbild, welches im Ausschnitt deutlich wird, thesenförmig herausarbeiten sollen. Das vorbereitete Arbeitsblatt (Aufgabenstellungen A2 und A3) enthält dabei sowohl die gruppenspezifischen Arbeitsaufträge als auch eine vorgefertigte Tabelle für die Zusammentragung der Bearbeitungsergebnisse (Bearbeitungszeit ca. 20 Minuten) und wird nun ebenfalls an die Schülerinnen und Schüler ausgeteilt. Die Lehrkraft unterstützt die Gruppen dabei bei Fragen und Problemen, hält sich aber weitgehend im Hintergrund und unterstützt somit das selbstständige und eigenverantwortliche Arbeiten der Gruppen.

Während der Bearbeitung und Analyse der Quelle steht erneut die pointierte und thesenförmige Herausarbeitung wichtige Aspekte des dargestellten Menschen- und Herrscherbildes in Machiavellis „Der Fürst“ im Vordergrund. So erscheint Machiavellis Menschenbild im Quellenausschnitt vornehmlich negativ konnotiert – die Untertanen seien eine wankelmütige und niederträchtige Masse, die, stets auf ihren eigenen Vorteil besonnen, klare Machtverhältnisse brauche, um unter Kontrolle gehalten werden zu können. Im Gegensatz dazu erscheint Machiavellis Konstruktion einer idealen Herrscherperson fast zwiespältig – einerseits unbarmherzig und gerissen, andererseits den eigenen Untertanen zugeneigt, stets mit dem Ziel des bedingungslosen Machterhalts. Insbesondere dieser Gegensatz wie auch spezifische Aspekte der Quelle – etwa Sprache, Argumentationsstil und Standortgebundenheit – sollen in der abschließenden Diskussion (Ergebnissicherung) hervortreten und durch Quellenanalyse und Vergleich beider Darstellungen von den Schülerinnen und Schülern zunächst wahrgenommen werden.

Dabei sollen sich die Schülerinnen und Schüler der jeweiligen Gruppen gezielt auf diese Aspekte konzentrieren und die Quelle systematisch und kriteriengeleitet analysieren. Jeweils eine Gruppe pro Themengebiet (Menschenbild/Herrscherbild) erhält dabei zusätzlich eine OHP-Folie und soll ihre Arbeitsergebnisse auf dieser Folie festhalten. Die Ergebnisse aller Gruppen (inklusive Zeilenangaben) sollen dabei in der vorgefertigten Tabelle festhalten werden und im Anschluss an die Erarbeitungsphase von einzelnen Mitgliedern der Gruppen, die eine Folie erhalten haben, vor der Klasse vorgestellt werden.

3.4.5 Zweite Ergebnissicherung

In der nun folgenden zweiten Ergebnissicherungsphase der Doppelstunde werden die Ergebnisse jeweils einer Themengruppe (Menschenbild/Herrscherbild) in kurzen Referaten vorgestellt und durch die restlichen Kontrollgruppen ergänzt und gegebenenfalls korrigiert. Die Lehrkraft leitet dabei die Zusammentragung der Ergebnisse, unterstützt bei Formulierungsschwierigkeiten und ergänzt eventuell fehlende Stichpunkte. Die Schülerinnen und Schüler übernehmen während der Vorstellung fehlende Aspekte der eigenen Themengruppe und Arbeitsergebnisse der anderen Themengruppe in die vorgefertigte Tabelle auf ihrem Arbeitsblatt. So erhalten sie eine übersichtliche Gegenüberstellung des Menschen- und Herrscherbildes im Quellenausschnitt Machiavellis, die als Grundlage für die nun anschließende Reflexions- und Urteilsphase dienen soll.

Die Lehrkraft weist die Schülerinnen und Schüler auf Aufgabe A3 des Arbeitsblatts hin (Bearbeitungszeit ca. 10 Minuten) – sie sollen die zusammengetragenen Aspekte des Menschen- und Herrscherbildes nun mit Kernaspekten des humanistischen Menschenbildes sowie der Ausgangsfrage der Stunde nach einem „Ausdruck humanistischer Gesinnung“ in Machiavellis Quellenausschnitt in Verbindung bringen. Die Lehrkraft verweist dabei, mit Bezug auf den Stundeneinstieg, auf die moderne Bezeichnung Machiavellis als Humanist hin und stellt diese Rolle mit Bezug auf das dargestellte Menschen- und Herrscherbild in Frage. Zur Diskussionsanregung werden auf der PPT-Präsentation einige Leitfragen für die folgende Diskussion eingeblendet.

Die Schülerinnen und Schüler sollen nun anhand von Aufgabe A3 Aspekte der Gegenüberstellung diskutieren und anhand von fünf Idealen des humanistischen Menschenbildes gruppenintern zu einem Sach- und Werturteil bezüglich der Gültigkeit der Bezeichnung Machiavellis als Humanist treffen. Dieses Urteil sollen sie anschließend lehrergeleitet im Plenum diskutieren und ihre unterschiedlichen Positionen argumentbasiert vertreten und verteidigen können. Der Lehrkraft kommt dabei vor allem die Rolle der Diskussionsleitung zu, die Schülerinnen und Schülern angemessenen Raum für ihre Argumentationen zugesteht, auf eine ausgewogene Beitragslänge sowie auf die Einhaltung vereinbarter Diskussionsnormen achtet. Sie fasst zum Abschluss der Diskussionsphase wichtige Positionen noch einmal kurz zusammen, gibt einen Ausblick auf die Themen der kommenden Stunde (Humanismus, Staatstheorien der frühen Neuzeit) und schließt die Stunde.

3.5 Kooperationsformen

- Partnerarbeit
- Gruppenarbeit
- Lehrer-Schüler-Gespräch/Frontalunterricht
- Plenumsdiskussion (lehrergeleitet)

3.6 Medien

- PPT-Präsentation inkl. Stundenablauf zum Stundenthema „Niccolò Machiavellis Il Principe (dt. Der Fürst) - Ausdruck humanistischer Gesinnung?“
- Überblickstexte zu Humanismus und Renaissance (je eine Seite) (S. 147 aus: Kursbuch Geschichte – Neue Ausgabe; S. 116 aus: Histoire / Geschichte – Europa und die Welt von der Antike bis 1815)
- Tafelbild (in PPT-Präsentation) mit Ergebnissen der Partnerarbeit (Aspekte des Humanismus und der Renaissance)
- Quellenausschnitt aus Niccolò Machiavellis „Der Fürst“ (1513) (aus: Niccolò Machiavelli. Politische Schriften, S. 25f.)
- Geteiltes Tafelbild mit Ergebnissen der Gruppenzusammentragungen (Vergleich Herrscher- und Menschenbild)

3.7 Literaturangaben

Bendick, Rainer/Geiss, Peter/Henri, Daniel/Le Quintrec, Guillaume (Hrsg.): Histoire / Geschichte – Europa und die Welt von der Antike bis 1815, Stuttgart 2011.

Laschewski-Müller, Karin/Rauh, Robert: Kursbuch Geschichte – Neue Ausgabe. Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 2009.

Münkler, Herfried: Niccolò Machiavelli. Politische Schriften, Frankfurt am Main 1990.

Rohlfes, Joachim/Völker, Peter: Historisch-politische Weltkunde - Der frühmoderne Staat: Kursmaterialien Geschichte Sekundarstufe II, Stuttgart 1993.

Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Sport Berlin (Hrsg.): Rahmenlehrplan für die gymnasiale Oberstufe, Gymnasien, Gesamtschulen mit gymnasialer Oberstufe, Berufliche Gymnasien, Kollegs, Abendgymnasien – Geschichte. Berlin 2006.

3.8 Verlaufsplanung der Unterrichtsstunde

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


[1] Rüsen, Jörn: Historisches Lernen. Grundlagen und Paradigmen, Köln/Weimar/Wien/Böhlau 1994, S. 38-40.

Ende der Leseprobe aus 62 Seiten

Details

Titel
Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Geschichte
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
ME_01 – Schulpraktische Studien im Fach Geschichte
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
62
Katalognummer
V203935
ISBN (eBook)
9783656346210
ISBN (Buch)
9783656346814
Dateigröße
1088 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unterrichtspraktikum, Geschichte, Schulpraktikum, Portfolio, Geschichtsunterricht, Ergebnissicherung, Schulpraktische Studien, Schulpraxis, Unterrichtsportfolio, Unterrichtsversuch, Geschichtsdidaktik
Arbeit zitieren
B.A. Thomas Schulze (Autor), 2012, Portfolio zum Unterrichtspraktikum im Fach Geschichte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/203935

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