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Die verdammten Fallstricke des Ost-West-Diskurses: Über die Vermeidung und Verstärkung von ansonsten bzw. ohnehin weiter bestehenden Stereotypen

Title: Die verdammten Fallstricke des Ost-West-Diskurses: Über die Vermeidung und Verstärkung von ansonsten bzw. ohnehin weiter bestehenden Stereotypen

Essay , 2008 , 5 Pages

Autor:in: StR Sener Saltürk (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Dass eine Mehrheitsgesellschaft -und Kultur früher oder später aus ihren ungeliebten Randzonen neue Impulse erhält und, mehr noch, ihrer Schützenhilfe bedarf, sobald ihre „eigene“ Literatur und Kunst auf den Hund zu kommen droht, ist kaum verwunderlich. Ein Blick über den Atlantik genügt, dorthin also, wo das „radikal Andere“ über Jahrhunderte aufgrund seiner vermeintlichen Abnormalität mit Gewalt und Unterdrückung dazu gezwungen wurde, den Inhabern der Hegemonie einen Spiegel vorzuhalten, in dem diese ihrer Überlegenheit frönen durften. Somit ist das Andere oder Fremde letztlich immer ein unverzichtbarer Teil des Selbst. Diese „Harmonie“ wird jedoch gestört, sobald sich das Fremde mit „eigenen“ Erzeugnissen zu Wort meldet – oder auch nur das Wort ergreift, indem es plötzlich mit neuen Klängen – dem Jazz, Gospel, Soul, Blues oder Hip Hop – aufwartet, an denen sich irgendwann auch die Mehrheitskultur erfreut. Freilich sind diese Erzeugnisse zu keiner Zeit allein auf das Fremde zurückzuführen, sondern entstehen immer aufgrund von Anleihen verschiedenster Art, nicht zuletzt auch bei der Hegemonialkultur, die es zu verändern gilt.

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Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Entwicklung der Gastarbeiterliteratur

3. Strategien der Identitätsdarstellung

3.1 Ansätze der Abgrenzung und Integration

3.2 Sprachliche Hybridität als Widerstand

4. Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle deutschsprachiger Migrationsliteratur bei der Dekonstruktion und Hinterfragung tradierter Ost-West-Stereotype. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie Autoren wie Zaimoğlu, Özdamar und Schami durch literarische Techniken das Bild des "Fremden" innerhalb der deutschen Mehrheitsgesellschaft reflektieren und transformieren.

  • Die historische Genese von der Gastarbeiterliteratur zur zeitgenössischen Migrationsliteratur
  • Die Problematik der Selbststilisierung und der heuchlerischen Rezeption
  • Literarische Strategien des „Writing Back“ gegen hegemoniale Diskurse
  • Sprachliche Experimente als Ausdruck kultureller Hybridität
  • Die Bedeutung der Literatur als Medium der Identitätsverhandlung

Auszug aus dem Buch

Die verdammten Fallstricke des Ost-West-Diskurses

Dass eine Mehrheitsgesellschaft -und Kultur früher oder später aus ihren ungeliebten Randzonen neue Impulse erhält und, mehr noch, ihrer Schützenhilfe bedarf, sobald ihre „eigene“ Literatur und Kunst auf den Hund zu kommen droht, ist kaum verwunderlich. Ein Blick über den Atlantik genügt, dorthin also, wo das „radikal Andere“ über Jahrhunderte aufgrund seiner vermeintlichen Abnormalität mit Gewalt und Unterdrückung dazu gezwungen wurde, den Inhabern der Hegemonie einen Spiegel vorzuhalten, in dem diese ihrer Überlegenheit frönen durften. Somit ist das Andere oder Fremde letztlich immer ein unverzichtbarer Teil des Selbst. Diese „Harmonie“ wird jedoch gestört, sobald sich das Fremde mit „eigenen“ Erzeugnissen zu Wort meldet – oder auch nur das Wort ergreift, indem es plötzlich mit neuen Klängen – dem Jazz, Gospel, Soul, Blues oder Hip Hop – aufwartet, an denen sich irgendwann auch die Mehrheitskultur erfreut. Freilich sind diese Erzeugnisse zu keiner Zeit allein auf das Fremde zurückzuführen, sondern entstehen immer aufgrund von Anleihen verschiedenster Art, nicht zuletzt auch bei der Hegemonialkultur, die es zu verändern gilt.

Dieses Phänomen hat selbstverständlich auch in der Literatur längst Tradition. Der einzige Segen, der vom westeuropäischen Imperialismus des vorletzten Jahrhunderts unbestritten (und gänzlich ohne Absicht seitens seiner Vertreter) ausging, ist die reiche und vielfältige Literatur, die das Prädikat postcolonial trägt und ohne die zumindest die anglophone Literatur um einiges schlechter dastünde. Mehr noch, aus Sicht der postcolonial literature offenbart sich jede Nationalliteratur mit Reinheitsprinzip als kanonisierte Anämie, von einigen Ausnahmen natürlich abgesehen. Hochkaräter von Weltrang wie Chinua Achebe, Ngugi wa Thiong’o, Toni Morrison oder Salman Rushdie hat die deutsche Literatur dennoch leider noch nicht hervorgebracht. Dabei unterscheidet sich das literarische Betätigungsfeld und das Spektrum dieser Autoren nicht wesentlich von denen deutscher Migrantenautoren, sind doch displacement und die verschiedenen Spielarten von Identität (das Selbst, das Fremde, das Hybride etc.) Gegenstand der von ihnen produzierten Literatur.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, wie Mehrheitsgesellschaften durch Impulse aus ihren Randzonen kulturell geformt werden und zieht Parallelen zwischen postkolonialer Literatur und der Situation von Migrantenautoren in Deutschland.

2. Die Entwicklung der Gastarbeiterliteratur: Hier wird der historische Kontext der frühen Gastarbeiterliteratur beleuchtet, die unter schwierigen sozialen Bedingungen entstand und sich auf realistische Daseinsbeschreibungen fokussierte.

3. Strategien der Identitätsdarstellung: Dieses Hauptkapitel analysiert verschiedene literarische Ansätze, von der Vermeidung der "Ausländerecke" bis hin zur bewussten sprachlichen Hybridität, um dem erstarrten Ost-West-Diskurs zu entgegnen.

4. Fazit und Ausblick: Der abschließende Teil reflektiert über das Potenzial der Literatur, das Bild des Anderen zu wandeln, und betont die prozesshafte Natur von Kultur, die durch diese Texte aktiv mitgestaltet wird.

Schlüsselwörter

Migrationsliteratur, Gastarbeiterliteratur, Ost-West-Diskurs, Identität, Interkulturalität, Fremdheit, Hegemonie, Kanon, Hybridität, Marginalisierung, Sprachliche Innovation, Postcolonial Literature, Selbststilisierung, Writing Back, Integration

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, wie zeitgenössische Migrationsliteratur in Deutschland bestehende Vorurteile und Stereotype innerhalb des gesellschaftlichen Ost-West-Diskurses kritisch hinterfragt und literarisch verarbeitet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den zentralen Feldern gehören die historische Entwicklung von der Gastarbeiterliteratur zur aktuellen Migrationsliteratur, die Dynamik zwischen Identität und Fremdheit sowie die Rolle der Sprache als Mittel des Widerstands gegen hegemoniale Strukturen.

Welches Ziel verfolgt der Autor mit dieser Untersuchung?

Das primäre Ziel ist es aufzuzeigen, wie Autoren durch ihre Werke das starre Bild des Anderen aufbrechen und damit einen Beitrag zur Veränderung des kulturellen Selbstverständnisses in Deutschland leisten können.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Untersuchung nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der Werke bedeutender Autoren wie Zaimoğlu, Özdamar und Schami im Hinblick auf ihre narrative Struktur und ihre sprachlichen Strategien untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Strategien der Autoren, mit interkulturellen Themen umzugehen, etwa durch das Aufbrechen von Klischees oder die Verwendung einer hybriden Kunstsprache, die sich gegen eine rein "betroffene" Darstellung wendet.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Publikation?

Die Arbeit wird wesentlich geprägt durch Begriffe wie Hybridität, Migrationserfahrung, hegemoniale Kultur, Postkolonialismus und die Dekonstruktion nationaler Reinheitsprinzipien.

Inwiefern unterscheidet sich die zweite Generation der Migrationsautoren laut der Arbeit von ihren Vorgängern?

Die zweite Generation hat laut Autor den Vorteil, dass Deutschland für sie von Beginn an der primäre Ausgangspunkt ihrer Wahrnehmung ist, wodurch die Frage nach der "eigentlichen" Heimat territorial nicht mehr auf ein Herkunftsland außerhalb der Bundesrepublik verweist.

Welche Kritik übt der Autor an der Rezeption interkultureller Literatur durch die deutsche Mehrheitsgesellschaft?

Der Autor bemängelt eine heuchlerische Rezeption, bei der oft die Selbststilisierung des Opferdaseins der Migranten im Vordergrund steht, anstatt die literarische Qualität oder die gesellschaftliche Relevanz der Texte unvoreingenommen anzuerkennen.

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Details

Title
Die verdammten Fallstricke des Ost-West-Diskurses: Über die Vermeidung und Verstärkung von ansonsten bzw. ohnehin weiter bestehenden Stereotypen
College
TU Dortmund
Course
Literatur und Migration
Author
StR Sener Saltürk (Author)
Publication Year
2008
Pages
5
Catalog Number
V204011
ISBN (eBook)
9783656301226
ISBN (Book)
9783656302810
Language
German
Tags
fallstricke ost-west-diskurses über vermeidung verstärkung stereotypen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
StR Sener Saltürk (Author), 2008, Die verdammten Fallstricke des Ost-West-Diskurses: Über die Vermeidung und Verstärkung von ansonsten bzw. ohnehin weiter bestehenden Stereotypen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204011
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