Themen des Orientalismus in der europäischen Malerei mit Schwerpunkt: Frauenbilder


Hausarbeit, 2003

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Orient

3. Orientalismus

4. Themen des Orientalismus in der europäischen Malerei
4.1 Vom 15. – 17. Jahrhundert
4.2 Das 18. Jahrhundert
4.3 Das 19. Jahrhundert
4.4 Das 20. Jahrhundert

5. Die Frau im Orient
5.1 Der Mythos der orientalischen Frau
5.2 Die Entmystifizierung der orientalischen Frau

6. Zusammenfassung

1. Einleitung

Meine Hausarbeit setzt sich mit den Themen des Orientalismus in der europäischen Malerei, mit dem Schwerpunkt Frauenbilder, auseinander. Einführend gebe ich einen Überblick über den Orient im Allgemeinen und dem Begriff des Orientalismus. Danach beschäftige ich mich konkret mit den Themen der orientalistischen Malerei. Ich habe diesen Bereich in vier Punkte unterteilt, die jeweils einen bestimmten Zeitraum umfassen. Die Themen sind mit einzelnen Bildbeispielen belegt, um sie zu verdeutlichen und anschaulicher zu gestalten. Da der Schwerpunkt dieser Arbeit auf den Frauenbildern in der Malerei der Orientalisten liegt, wird zunächst geklärt, was die Frau im Orient darstellte. Einerseits existierte durch Unwissenheit der Mythos der sinnlichen Orientalin, der jedoch gleich darauf entmystifiziert werden soll. Hierzu verwendete ich Reiseberichte von Frauen, die den Orient besuchten, da diese das verklärte Bild der orientalischen Frau aufklärten und realistisch wiedergaben. Anschließend soll aufgezeigt werden, wie die orientalische Frau auf Gemälden europäischer Künstler dargestellt wurde.

2. Orient

Das Wort Orient leitet sich aus dem lateinischen Wort „(sol) oriens“ ab und bedeutet übersetzt „aufgehende Sonne“ bzw. Osten und Morgen(land). Die Europäer bezeichneten mit dem Orient die Länder östlich des Mittelmeeres. Der Orient, das Morgenland, steht im Gegensatz zum Okzident, dem Abendland. In diesem Fall war von Europa die Rede. In der Antike bezeichnete man die vorderasiatischen Räume als den Alten Orient, doch seit dem Mittelalter bezeichnet der Begriff Orient die Kulturen des Nahen Ostens und Nordafrikas (des Maghreb). Der Alte Orient brachte die „ersten großen Hoch- und Schriftkulturen mit städtischen Siedlungen und staatlicher Zentralgewalt“ hervor.[1] Die Beziehungen zwischen Europa und dem Orient waren teilweise zwar kriegerischer Art, aber es existierte auch Handel zwischen den beiden Welten.[2] Das Morgenland hatte zwischen dem 10. und 14. Jahrhundert einen enormen Einfluss auf Europa,[3] da die Kultur des Islam im 7./8. Jahrhundert schon viel weiter entwickelt war als die des Okzidents.[4] Das Wissen der Antike, das von der islamischen Kultur aufbewahrt und weiterentwickelt wurde, gelangte nach Europa. Dies hatte Auswirkungen auf die westliche Welt, da die moderne Natur- und Geisteswissenschaft hierdurch begründet wurde. Es war der Beginn der modernen Medizin.[5] Als das Osmanische Reich jedoch im 17./18. Jahrhundert zerfiel, verlor es damit auch seine „weltpolitische Bedeutung und kulturelle Ausstrahlung“.[6] Neben Zeiten des Friedens gab es Zeiten des Kriegs. Die Europäer konnten sich zwar das Wissen der islamischen Welt aneignen, doch die fremde Religion konnten sie nicht respektieren. Mit brutalen Kreuzzügen wollten sie sich diese neue Welt untertan machen und die bedrohliche Religion auslöschen.[7] Aus dem Wort Orient entwickelte sich der Begriff Orientalistik. Er bezeichnet die Wissenschaft von den orientalischen Sprachen, Literaturen und Kulturen. Orientalistik schließt auch die Ägyptologie, Altorientalistik, Semitistik, Hebraistik, Arabistik, Islamkunde, Iranistik, Indologie, Turkologie, Mongolistik, Sinologie, Japanologie, Südostasienwissenschaften und die Afrikanistik mit ein.[8]

3. Orientalismus

„Orientalismus zeigt die wechselhafte und spannende Entwicklung der Darstellung des Morgenlandes in der Malerei und beleuchtet damit gleichzeitig Kunst- und Gesellschaftsgeschichte.“[9]

Aus der Orientalistik leitete sich der Orientalismus ab, der für die Andersartigkeit des Orients steht. Wissenschaftler des Okzidents bereisten den Orient und analysierten die fremden Gebräuche und Sitten. Maler und Schriftsteller, die sogenannten Orientalisten, thematisierten den Orient in ihren Werken, wobei sie selten die Wirklichkeit darstellten. Vielmehr wurde aus dem Orient ein phantastischer Ort gemacht.[10] Die Bilder der orientalistischen Malerei sind nicht einfach nur Dokumente, die Orte oder Geschehnisse im Orient zeigen. Sie sind vielmehr Dokumente, die das damalige Weltbild Europas wiederspiegeln. In sie flossen Vorurteile, Meinungen und Phantasien mit ein, die jedoch selten der Realität entsprachen.[11] Durch dieses Bild wurde der Orient von der westlichen Welt unterdrückt. Sie machten dadurch die westliche Kultur zum universalen Maßstab. Die Wissenschaftler jener Zeit waren eigentlich keine, da sie nicht wissenschaftlich arbeiteten. Aufgrund der „Unfähigkeit der Orientalisten zur Analyse gehe ihre Arbeit nicht über die Aufzählung „islamischer Dinge“ hinaus“. Die Kategorie „Islam“ umfasst lediglich beobachtete Phänomene, die jedoch nicht hinterfragt werden. So entsteht kein wirklicher Zugewinn für Europa durch die Erforschung des Orients bis auf die Verbesserung der Details des Orientwissens.[12]

4. Themen des Orientalismus

4.1 Vom 15. bis zum 17. Jahrhundert

Im ausgehenden Mittelalter war die italienische Stadt Venedig das einzige maritime Tor in den Orient. Venedig war der einzige Hafen, in dem türkische Handelsschiffe in Zeiten des Friedens anlegen konnten. Die venezianische Malerei war somit beeinflusst durch die orientalischen Ankömmlinge, was sich beispielsweise in dem von Vittore Carpaccio im Jahre 1494 gemalten Bild „Das Wunder der Kreuzesreliquie“ und in einigen zwischen 1501 und 1505 entstandenen Porträts türkischer und arabischer See- und Kaufleute zeigt. Auch Albrecht Dürer malte 1511 eine „Türkische Familie“.[13] Gentile Bellini war so interessiert am orientalischen Leben, dass er soweit ging, den Eroberer Mehmed II. nach Konstantinopel zu begleiten. Dabei entstand auch das 1480 gemalte Porträt des Herrschers, aber auch eine Begeisterung für den Orient, die sein Werk fortwährend geprägt hat.[14] Die Themen der orientalistischen Malerei waren sehr oft Menschen und Bauten des Orients. Die Darstellungen richten sich hierbei an Dinge, die der Künstler selbst beobachten konnte, an Beschreibungen von Orient-Reisenden oder aber an Motiven, die sich in bereits bestehenden Bildern von anderen Künstlern finden.[15] Der Orient beherrschte mit der Zeit immer mehr die Bilderwelt, „aber eher sporadisch und ohne erkennbare Logik“[16]. Reisen in den Orient, um diese neue Welt selber kennen zu lernen, waren in der Anfangszeit des Orientalismus nicht verbreitet unter Künstlern.[17] Somit gaben sich die meisten von ihnen damit ab, „eine authentische Note in ihre Werke einzubringen, die dann viel Unwahrscheinliches und bloße Spekulationen glaubwürdig erscheinen ließ“[18]. Ein Beispiel hierfür ist Claude Vignon, der in seinem 1624 entstandenen Werk „Verkündigung“ weniger die Realität des Geschehens in den Vordergrund stellte, sondern sich eher darum bemühte, Gegenstände, wie den Schmuck und die Gewänder, realitätsnah darzustellen.[19] Auch war es in jener Epoche beliebt, jemanden als eine andere Person, als Orientalen, malen zu lassen oder den Handlungsort in eine fremde Gegend zu verlegen.[20] Englische Adlige ließen sich in Kostümen bekannter arabischer Herrscher abbilden.[21] Robert Shirley beispielsweise wurde von Van Dyck als Perser mit einem Turban gemalt. Der flämische Maler Frans Francken der Jüngere wählte als Hintergrund für sein Bild „Salomon und die Königin von Saba“ eine orientalische Kulisse.[22] Genauso groß wie die Faszination für den Orient war aber auch die Angst vor ihm. Das Thema der Kämpfe gegen die Osmanen war ein gängiges Motiv, das häufig als Dekoration von Palästen diente.[23] Die „Schlacht gegen die Türken“ von Andrea di Lione, das „Massaker deutscher Karthäusermönche“ von Vicente Carducho und das „Reitergefecht zwischen Türken und Christen“ sind einige Beispiele für die Angst der Gesellschaft vor den gefährlichen Orientalen. Die islamische Welt stellte aus der Sicht der Europäer eine Gefahr und Bedrohung dar. Einige Bilder, wie die „Übergabe von Sevilla“ von Francisco de Zubarán aus dem Jahre 1634, sollten die Menschen vor der orientalischen Welt warnen.[24]

Auch wenn viele orientalische Themen in die Kunst mit eingeflossen sind, so kann man dennoch nicht sagen, dass die Malerei „kulturelle Erscheinungen“ und die „immer noch prekäre politische Lage“ wirklich wiedergespiegelt hat. Selbst oder vor allem die Meister dieses Fachs „blieben bei der konventionellen Wiedergabe von Szenen aus dem Alten und Neuen Testament“. Die historische Wirklichkeit wurde oft außen vor gelassen.[25]

[...]


[1] Encarta Enzyklopädie 2002: Suchbegriff - Orient

[2] Gereon Sievernich & Hendrik Budde: Eine Annäherung. In: Europa und der Orient 800-1900, hg. Von Gereon Sievernich und Hendrik Budde, München, 1989, S. 16

[3] Ebd., S. 15

[4] Encarta Enzyklopädie 2002 : Suchbegriff - Orient

[5] Gereon Sievernich & Hendrik Budde: Eine Annäherung. In: Europa und der Orient 800-1900, hg. Von Gereon Sievernich und Hendrik Budde, München, 1989, S. 16 ff.

[6] Encarta Enzyklopädie 2002 : Suchbegriff - Orient

[7] Annemarie Schimmel: Die Wahrnehmung des islamischen Kulturraums Europas. In: Islam und Europa. Kulturelle Brücken, hg. Von Ulrich Zwiener, Jena, 2002, S. 20

[8] Brockhaus: Suchbegriff – Orientalistik

[9] http://www.orienttanz-luebeck.de/doku24a.html

[10] Isolde Kurz: Vom Umgang mit dem anderen. Die Orientalismus – Debatte zwischen Alteritätsdiskurs und interkultureller Kommunikation. Würzburg, 2000, S. 73

[11] http://www.orienttanz-luebeck.de/doku24a.html

[12] Isolde Kurz: Vom Umgang mit dem anderen. Die Orientalismus – Debatte zwischen Alteritätsdiskurs und interkultureller Kommunikation. Würzburg, 2000, S. 73

[13] Gérard-Georges Lemaire: Orientalismus. Das Bild des Morgenlandes in der Malerei, Köln, 2000, S. 20

[14] Ebd., S. 20 ff.

[15] Ebd., S. 24

[16] Ebd., S. 35

[17] Ebd., S. 32

[18] Ebd., S. 35

[19] Ebd., S. 35

[20] Ebd., S. 35

[21] Elke Heinemann: Babylonische Spiele. William Beckford und das Erwachen der modernen Imagination, München, 2000, S. 57

[22] Gérard-Georges Lemaire: Orientalismus. Das Bild des Morgenlandes in der Malerei, Köln, 2000, S. 35 ff.

[23] Ebd., S. 36 ff.

[24] Ebd., S. 37

[25] Ebd., S. 37 ff.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Themen des Orientalismus in der europäischen Malerei mit Schwerpunkt: Frauenbilder
Hochschule
Universität Karlsruhe (TH)  (Literaturwissenschaft)
Note
1,7
Autor
Jahr
2003
Seiten
18
Katalognummer
V20404
ISBN (eBook)
9783638242851
Dateigröße
495 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Themen, Orientalismus, Malerei, Schwerpunkt, Frauenbilder
Arbeit zitieren
Suzana Dulabic (Autor), 2003, Themen des Orientalismus in der europäischen Malerei mit Schwerpunkt: Frauenbilder, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20404

Kommentare

  • Gast am 26.10.2008

    islamische ernaehrung.

    sehr geehrte Damen und Herrn,
    es ist interessant ,was Sie ueber Orient geschrieben haben. Es wuerde besser ,wenn Sie ueber islamische Ernaehrung schreiben.Zur Zeit drueckt die Ernaehrung eins Volks seine kulturelle richtungen und Interessen.Ich warte auf diese Studien. vielen Dank fuer eine baldige Antwotr .

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