Zweckrationalität am Beispiel der Kamikaze-Einsätze im 2. Weltkrieg


Hausarbeit, 2011

9 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie und Hypothesenbildung
2.1 Theorie
2.2 Hypothesenbildung

3 Empirische Ergebnisse

4 Abschließende Betrachtung

Literatur

1 Einleitung

Der Selbstmord ist seit den ersten Überlegungen von Emile Durkheim ein soziales Phänomen sowie ein zentrales Thema der Soziologie (Ahrens 2004: 20). Wir möchten uns im Folgenden mit dem Selbstmord auseinandersetzen, insbesondere der Suizid von Soldaten in der Schlacht. Dieser ist seit Jahrhunderten in der japanischen Tradition des Bushido (Weg der Samurai) gefestigt und findet durch wirtschaftliche Unterlegenheit gegen Ende des Krieges gegen die westlichen Alliierten ihren Höhepunkt (Croitoru 2006: 15).

2 Theorie und Hypothesenbildung

2.1 Theorie

Wesentliche Aspekte von unserem gewählten Beispiel, wie der uneingeschränkte Kaiserkult, der Shinto, Erziehungsmethoden oder die allgegenwärtige mediale Inszenierung der japanischen Kamikaze-Piloten spielen eine Rolle, sind aber in dieser Arbeit zu vernachlässigen. Der Fokus wird auf den Aspekt der wirtschaftlichen Unterlegenheit gegen Ende des Krieges gesetzt. Diese Unterlegenheit machte die Instrumentalisierung des Selbstmordattentats japanischer Soldaten als Kriegstaktik erst zur Notwendigkeit. Im Folgenden möchten wir diesen Tatbestand mit der Rational Choice Theorie erläutern. Zuerst sei zu klären, was unter Rationalität zu verstehen ist. Rationalität, bezogen auf die betriebswirtschaftliche Entscheidungstheorie, besagt, dass die Akteure die Handlungsoptionen nach dem Erwartungswert auswählen, der die höchste Auszahlung verspricht (Eisenführ et al. 2010: 250). Wenn eine Alternative effektiver und kostengünstiger ist als eine andere, dann muss diese auserwählt werden, andernfalls handelt dieser irrational (Laux 2007: 105). Wir gehen deshalb von zweckrationalen Akteuren aus, da wir davon ausgehen, dass eine Militärführung eine bestimmte Handlung ausführt, um wirtschaftlich rational, also zweckrational für das eigene Land, zu handeln, welche einen höher erwarteten Nutzen hat als den erwarteten Nutzen aller anderen Handlungsmöglichkeiten (bzw. die erwarteten Kosten niedriger liegen, als die Kosten anderer Handlungsalternativen) (Schnell et al. 2008: 313). Einen Ansatz von Zweckrationalität findet man in Max Webers Grundbegriffen der Soziologie. „Zweckrational handelt, wer sein Handeln nach Zweck, Mittel und Nebenfolgen orientiert und dabei sowohl die Mittel gegen die Zwecke, wie die Zwecke gegen die Nebenfolgen, wie endlich auch die verschiedenen möglichen Zwecke gegeneinander rational abwägt“ (Weber 1972: 44-45). Des Weiteren sind theoretische Ideen von Restriktionen und Ressourcen zu betrachten, die unter anderem die Grundlagen für die Entscheidung der Selbstmordmissionen begründet. Nach Homann und Suchanek sind Ressourcen und Restriktionen für das rationale Handeln von Bedeutung, wobei die Ressourcen die verfügbaren Handlungsalternativen darstellen. Präferenzen, die durch Nutzenfunktionen dargestellt werden können, können die Nutzenmaximierung der Alternativen darstellen. Einschränkungen setzen der Verwirklichung von Wünschen Grenzen, sie beschränken die Menge verfügbarer Handlungsalternativen wie z. B. Budgetrestriktionen wie Geld oder auch technische Restriktionen wie z. B. militärische Unterlegenheit (Homann & Suchanek 2000: 30-32). Dieser Aspekt wird im Weiteren jedoch nicht weiter betrachtet, da wir unsere Analyse der empirischen Daten auf die Zweckrationalität der Akteure begrenzen.

2.2 Hypothesenbildung

Unsere Hypothese, die sich durch unser gewähltes Beispiel der Kamikaze-Einsätze ableiten lässt, ist: Je aussichtsloser die jeweilige Situation ist, desto höher ist die Bereitschaft irrational zu handeln. Dass diese Hypothese nicht zwangsläufig bedingt an gesellschaftliche und kultu- relle Begebenheiten gekoppelt ist, zeigt sich unter anderem an dem Beispiel der Selbstmord- attentate deutscher Kampfflieger am 16. und 19. April 1945. Kampfflieger, die mit Spreng- stoff beladen waren, haben nach japanischen Vorbild die Brücken der Oder und Neiße zer- stört, um einen Vormarsch der gegnerischen Truppen zu verhindern (Croitoru 2006: 68-70).

3 Empirische Ergebnisse

Zu klären ist nun, ob das Handeln der einzelnen, führenden Akteure, welche das Thema Selbstmordeinsätze befürworteten, zweckrational im Sinne Webers ist. Um die ersten Selbstmordattentate zeitlich einzuordnen, ist es wichtig zu wissen, was zuvor geschah. Zu Beginn des Krieges, war die Luftwaffe Japans der seiner Gegner überlegen, in der Ausbildung der Piloten sowie der Konstruktion ihrer Flugzeuge. Im Juni 1942, in der Schlacht um Midway, glich sich diese anfängliche Überlegenheit aus (Gambetta 2005: 3). Japan verlor vier Flugzeugträger samt vieler, sehr erfahrener Piloten, welche durch weniger gut ausgebildete ersetzt werden mussten. Das Flugtraining dieser Piloten wurde von einst 500 Stunden auf 130 Stunden reduziert. In den USA wurde währenddessen ein neues Kampfflugzeug eingeführt, die Grumman F6F Hellcat, welche dem japanischen Jagdflugzeug überlegen war. Sakai, ein 4 japanisches Fliegerass, schilderte die Situation so, dass es zu Anfang des Krieges in China japanische Jagdflieger genossen haben, feindliche Piloten abzuschießen. Am Ende des Krieges verhielt es sich umgekehrt (Sakai 2000: 138). Die ersten Selbstmord-Einsätze auf amerikanische Boote wurden im Oktober 1944 durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt war die japanische Kriegsflotte fast vollständig vernichtet. Die Japaner mussten weite Teile Südostasiens und große Teile des Pazifiks aufgeben (Croitoru 2006: 15-16). Zu dieser Zeit „…wurde der heroische Selbstmordangriff des Admirals Arima, von der militärischen Elite mit Begeisterung aufgenommen…“ (Croitoru 2006: 16). Es wurde das Gefühl verbreitet, mit Hilfe Japans geistiger Stärke den materiellen und wissenschaftlichen Vorsprung seitens der Amerikaner entgegenzuwirken. Es gab ursprünglich drei Gründe, warum Selbstmord-Einsätze einst abgelehnt wurden. Erstens waren die Kosten zu hoch, um einen ausgebildeten Piloten und sein Flugzeug in einer einzigen Mission zu opfern. Zweitens fehlte es einem Flugzeug an Kraft, um einen Flugzeugträger zu zerstören. Um überhaupt bedeutsamen Schaden zu verursachen, müssten Kamikaze-Piloten den Flugzeugträger attackieren, wenn das Deck vollständig mit Flugzeugen besetzt wäre. Durch den Tod der Piloten im Einsatz wäre es darüber hinaus schwierig, den Erfolg der jeweiligen Mission im Nachhinein zu beurteilen. Gleichzeitig wären die Befehlshabenden dazu geneigt, die Erfolgsrate der im Einsatz umgekommenen Piloten zu überschätzen (Yokoi 1986: 455). Diese Gründe schienen im Oktober 1944 allerdings vergessen zu sein. Sie sahen sich nun selbst „...als eine menschliche Bombe, die einen bestimmten Teil der feindlichen Flotte zerstören würde...“(O' Neill 1999: 130). Um die tatsächliche Wirkung dieser Kamikaze-Attacken festzuhalten, zeigen wir eine Tabelle, welche die Aktionen in den Philippinen vom Oktober 1944 bis Januar 1945 (Tab. 1) aufführt, sowie ein Diagramm (Abb. 1), das die Anzahl der Kamikaze-Flugeinsätze ebenfalls für den oben genannten Zeitraum darstellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Zweckrationalität am Beispiel der Kamikaze-Einsätze im 2. Weltkrieg
Hochschule
Universität Leipzig  (Soziologie)
Veranstaltung
Grundzüge der Soziologie 2
Note
1,7
Autoren
Jahr
2011
Seiten
9
Katalognummer
V204048
ISBN (eBook)
9783656301127
ISBN (Buch)
9783656301691
Dateigröße
489 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zweckrationalität, beispiel, kamikaze-einsätze, weltkrieg
Arbeit zitieren
Andreas Schulz (Autor)Johnny Hartmann (Autor), 2011, Zweckrationalität am Beispiel der Kamikaze-Einsätze im 2. Weltkrieg, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204048

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