Neologismen in der deutschen Gegenwartssprache


Hausarbeit (Hauptseminar), 2003

24 Seiten, Note: Sehr Gut


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wortgeschichte
2.1. Neologismus in der französischen Sprache
2.2. Neologismus in der deutschen Sprache

3. Neologismen in der deutschen Gegenwartssprache
3.1. Terminologie
3.1.1. Das Neulexem
3.1.2. Die Neubdedeutung
3.1.3. Zusamenfassung des Terminus Neologismus
3.2. Die Produktion von Neologismen

4. Neologismenlexikographie
4.1. Neologismen als markierte Teilmenge des allgemeinen Wortschatzes
4.2. Erste Versuche deutscher Neologismenlexikographie
4.3. Zukünftige Aufgaben deutscher Neologismenlexikographie
4.4. Der Neuheitseffet von Neologismen

5. Schlusswort

6. Literaturverzeichnis
6.1. Forschungsliteratur
6.2. Wörterbücher
6.3. Internetquellen

1. Einleitung:

Wie in jeder Sprache, ist auch im Deutschen der allgemeine Sprachwortschatz von einem ständigen Verschwinden und Aufkommen neuer Wörter geprägt. Anhand von aktuellen Wörterbüchern lässt sich feststellen, dass deutlich mehr Wörter in diese neu aufgenommen werden, als verschwinden. Man kann den Wortschatz also als ein offenes System betrachten, in dem ein ständiger Austausch von verschwindenden und neu aufkommenden Wörtern stattfindet.

„Kommunikationsbedürfnisse schaffen ständigen Sprachwandel. Neues tritt auf, verdrängt ältere Zeichen.“[1]

Man spricht davon, dass Sprache aus Zentrum und Peripherie konstituiert ist, das heißt „peripheres Wortgut [...] kann allmählich ins Zentrum rücken, umgekehrt veraltenWörter, werden ungebräuchlich und gelangen so in die Peripherie.“[2]

Diese Arbeit widmet sich den neuen Wörtern der deutschen Sprache – den Neologismen.

Der erste Teil beschäftigt sich mit der Wortherkunft von Neologismus und bisherigen Überlegungen zur Terminologie.

Im zweiten Abschnitt gehe ich auf die in der deutschen Sprache so vernachlässigte Neologismenlexikographie ein und versuche die Probleme, sowie auch Möglichkeiten lexikographischer Bemühungen von Neologismen darzustellen.

2. Wortgeschichte:

Das deutsche Wort Neologismus ist eine Entlehnung aus dem Französischen, übernommen etwa Mitte des 18. Jahrhunderts. Vor Erklärung der Wortbedeutung und Wortgeschichte im Deutschen ist es sinnvoll die Entwicklung der Wortfamilie in ihrer Ursprungssprache kurz zu skizzieren.

2.1. Neologismus in der französischen Sprache

Der französische Begriff néologisme ist „eine neoklassische Lehnwortbildung (also ohne direktes griechisches Pendant)“[3][4], und war seit seiner Entstehung mit der einfachen Bedeutung Neuwort im sprachwissenschaftlichen Umfeld verankert. Das Aufkommen der Wortfamilie begründet sich durch die bis ins 19. Jahrhundert von Wissenschaft und Öffentlichkeit geführte Diskussion über das Für und Wider gegenüber sprachlichen Neuerungen. Einerseits existierte seit dem 17. Jahrhundert eine konservative sprachpuristische Einstellung, die sprachliche Innovationen jeder Art strikt verweigerte. Die Vertreter dieser Haltung betrachteten Sprachneuerungen als Paradigma für den nationalen und kulturellen Verfall. Lexikographen dieser Interessensgruppe verhinderten Aufnahmen neuer Lexeme in die allgemeinen Wörterbücher.

Auf der anderen Seite gab es auch Befürworter der sprachlichen Neuerung. Diese betrachteten Sprachinnovationen als Bereicherung für die Sprache und respektierten eine natürliche Sprachentwicklung. Vertreter dieser Richtung fand man unter Aufklärern, sowie auch während der Französischen Revolution.

Abhängig von positiver oder negativer Bewertung sprachlicher Innovation ergaben sich also unterschiedliche Wertungen des Neuworts. So entstand im Frankreich des 18. Jahrhunderts eine Unterscheidung „zwischen néologie als Bezeichnung für die berechtigte, sinnvolle sprachliche Innovation und néologisme für die mißbräuchliche, abzulehnende sprachliche Neuerung“[5].

Ute Helfrich meint zur Wortgeschichte des Neologismus:

„Traditionell scheint der Neologismus also ein Konfliktpotential zu verkörpern. Der Einsicht in das Bedürfnis nach lexikalischem enrichessement auf der einen Seite stehen sprachlicher Purismus und sprachnormierende Bestrebungen auf der anderen Seite gegenüber“.[6]

2.2. Neologismus in der deutschen Sprache

Bei den ersten lexikalischen Einträgen der Wortfamilie des Neologismus in deutschen Wörterbüchern Anfang des 19. Jahrhunderts fällt auf, dass die Wortbedeutung von Neologismus entweder noch gar keinen Bezug zur Sprache aufweist oder dieser untergeordnet ist.

Unter dem Eintrag Neologie findet man in Wörterbüchern der Jahre 1804-1817[7] die Bedeutungen „,a. Neulehre, Lehrneuerung; b. Neuerungssucht in Glaubenssachen’“, oder auch „,Neuerungssucht, Neusüchtigkeit (bes. in der Sprache und in Glaubenssachen), Neu- oder Irrglaübigkeit’“.

Der Neologismus wird als „,Neuerungssucht’“ bezeichnet, der Audruck neologisch steht für „,neuerungssüchtig, neulehrig, neugläubig’“, manchmal mit der zweiten Bedeutung „neue Wörter erklärend“.

Die Bezugnahme der Wörterbücher auf sprachliche Phänomene ist nur selten dominant Im Falle des Eintrags Neologismen: „,Neuwörter, neue (bes. fehlerhaft neugebildete) Wörter und Redensarten’“ ist es jedoch so.

Die Wortfamilie des Neologismus war im Deutschen anfangs im Gegensatz zum Französischen deutlich über das Beziehungsfeld Sprache hinausweisend, nämlich im Sinne von Lehre und Religion. Dabei ist auffällig, dass die Begriffe großteils negativ konnotiert waren, „vor allem auch durch die Andeutung der Normabweichung bei der Bezugnahme auf sprachliche Erscheinungen“[8], wie zum Beispiel der Eintrag „Neuerungssüchtigkeit bes. in der Erfindung und dem Gebrauch neuer ungewöhnlicher Wörter“ zeigt.

Ende des 18. Jahrhunderts veröffentlichte Christoph Otto Freiherr von Schönaich ein Buch mit dem Titel Die ganze Ästhetik einer Nuss oder Neologisches Wörterbuch. Dabei handelte es sich jedoch nicht um ein traditionelles Wörterbuch, sondern um eine Art Schmähschrift, in der sich der Autor spöttelnd über diverse Wortneuprägungen, hauptsächlich Okkasionalismen (Ad-Hoc-Bildungen, Individualbildungen) lustig machte. Sein Buch ist aus einer „sprachpuristischen Anti-Haltung“[9] gegenüber sprachlichen Neuerungen entstanden. Vorbild dafür dürfte das erste französische Neologismenwörterbuch gewesen sein, das ebenfalls neumodische Wörter auflistete und diese höhnisch-kritisch kommentierte.

Dieser eindeutig negativ besetzte Wortgebrauch von Neologismus bleibt bis ins 20. Jh. erhalten. Dieter Herberg fasst diese Tendenz in einem Satz treffend zusammen:

„Der Neologismus ist das unschöne, überflüssige, die edle deutsche Sprache verunreinigende neue Wort.“[10]

Ähnliche Definitionen kann man vereinzelt auch heute noch finden. In einem Wörterbuch von 1986 findet man unter Neologismen den Eintrag: „,verkrampfte Wortneubildung’“. Heutzutage sind allerdings wertneutrale Definitionen für Neologismus als neu aufkommendes oder aufgekommenes Wort die Regel.

Zum Terminus der Lexikographie wurde Neologismus erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts – und bis heute zeigen Definitionen von Neologismus in der Fachliteratur und linguistischen Spezialwörterbüchern eine auffällige Unfestigkeit und Uneinheitlichkeit.

3. Neologismen in der deutschen Gegenwartssprache

3.1. Terminologie:

Die Frage, wie man einen Neologismus von bereits im Allgemeinwortschatz etablierten Wörtern definitiv abgrenzen kann, ist in der Forschung bisher oft gestellt worden, es ist jedoch nocht nicht gelungen, sie zufriedenstellend oder einheitlich zu beantworten.

Bei den terminologischen Überlegungen stütze ich mich auf Michael Kinne[11], der sich mit der bisher vorliegenden Forschung der Neologismenterminologie und deren Schwierigkeiten intensiv beschäftigte.

Herbert Wiegand beispielsweise charakterisiert den Neologismus 1989 als „,notorisch schwer zu definierenden Terminus’“[12]. Gerade deshalb verweist Kinne auf die Notwendigkeit neuer definitorischer Bemühungen.

[...]


[1] Schippan, Thea: Lexikologie der deutschen Gegenwartssprache. Tübingen: Niemeyer, 1992. S. 78.

[2] Ebd.

[3] Vgl. Kinne, Michael: Der lange Weg zum deutschen Neologismenwörterbuch. Neologismus und Neologismenlexikographie im Deutschen: zur Forschungsgeschichte und zur Terminologie, über Vorbilder und Aufgaben. In: Neologie und Korpus. Hrg. V. Wolfgang Teubert. (=Studien zur deutschen Sprache; Bd 11) Thübingen: Narr, 1998. S. 68ff.

[4] Kinne, 1998. S. 68.

[5] Kinne, 1998. S. 69.

[6] Helfrich Uta: Neologismen auf dem Prüfstand. Ein Modell zur Ermittlung der Akzeptanz französischer Neologismen. Wilhelmsfeld: Egert, 1993. S.6.

[7] Vgl. Kinne, 1998. S. 71-72.: Alle Wörterbucheinträge zur Wortfamilie des Neologismus wurden aus dieser Quelle zitiert.

[8] Kinne, 1998. S. 72.

[9] Kinne, 1998. S. 70.

[10] Herberg, Dieter/Kinne, Michael: Neologismen. (=Studienbibliographien Sprachwissenschaft. Bd 23.) Heidelberg: Groos, 1998. S.1.

[11] Kinne 1998. S. 81ff.

[12] Vgl. Kinne, 1998.: Wiegand wurde aus dieser Quelle zitiert, da das Werk nicht auffindbar war.

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Details

Titel
Neologismen in der deutschen Gegenwartssprache
Hochschule
Universität Wien  (Germanistik Wien)
Veranstaltung
Seminar
Note
Sehr Gut
Autor
Jahr
2003
Seiten
24
Katalognummer
V20406
ISBN (eBook)
9783638242875
Dateigröße
527 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Neologismen, Gegenwartssprache, Seminar
Arbeit zitieren
Maria Gstöttner (Autor), 2003, Neologismen in der deutschen Gegenwartssprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20406

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