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Die kulturhistorische Schule und ihre Relevanz für die Heilpädagogik - Grundlegende Betrachtungen von Theorie und Praxis

Title: Die kulturhistorische Schule und ihre Relevanz für die Heilpädagogik - Grundlegende Betrachtungen von Theorie und Praxis

Diploma Thesis , 2003 , 97 Pages , Grade: Sehr Gut

Autor:in: Andreas Liebeg (Author)

Psychology - Developmental Psychology
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Summary Excerpt Details

[...] Ich sah meine Aufgabe aber nicht darin, die Errungenschaften und Gedanken kulturhistorisch forschender Wissenschaftler aufzulisten. Vielmehr will ich in dieser
Arbeit ein Menschenbild konstruieren, ein Menschenbild, welches meine heilpädagogische
Tätigkeit leitet. Es ist so wohl eine abstrakte Arbeit, da sie den Versuch
darstellt, ein System aufzubauen, in welchem unterschiedlichste konkrete
Momente meiner vergangenen und zukünftigen Arbeit Platz finden. Beginnen will ich meine Arbeit mit der Offenlegung meiner philosophischen Basis.
Auch wenn ich diesem ersten Teil meiner Arbeit nur wenig Raum biete, ist er
unumgänglich, da in ihm axiomatische Aussagen getroffen werden.
Danach wende ich mich der Aufgabe zu, die Entwicklung des Psychischen im
Menschen zu begreifen. Das Psychische hierbei hervorzuheben, mag irritieren,
wenn der Mensch als bio-psycho-soziale Einheit begriffen wird. Ich will aber gerade
diese Einheit betrachten, allerdings mit dem Ziel, den Zustand des Menschen
in seiner spezifischen psychischen Ausprägung zu verstehen. Um mich diesem
Verstehen zu nähern beginne ich damit, die Entwicklung des Psychischen in seiner
phylogenetischen Geschichte zu durchleuchten. Danach versuche ich zu ergründen,
inwieweit der Mensch sich von den rein phylogenetischen Entwicklungsprinzipien
entfernt hat. Im Anschluss daran betrachte ich die Prinzipien,
nach denen der spezifische Mensch seine konkrete Wirklichkeit differenziert, um
letztlich noch auf die physiologischen Grundlagen der dargestellten Entwicklungstheorie
einzugehen.
Im dritten Teil der Arbeit soll das erarbeitete System in seiner Relevanz für die
heilpädagogische Arbeit bestehen. Die Ausführungen darin sind als konkrete
Form des abstrakten Systems zu verstehen. Ich will folglich in diesem Abschnitt
zeigen, wie die dargestellten Prinzipien in der Auseinandersetzung mit Praxis
Anwendung finden können. Dazu werde ich meine Überlegungen in drei Abschnitten
differenzieren. Beginnen werde ich mit ethischen Betrachtungen, da die
persönliche Ethik m.E. das Fundament von jeglicher Arbeit mit Menschen darstellt.
Danach wende ich mich der diagnostischen Tätigkeit zu, um letzten Endes
in der Intervention den Schluss meiner Arbeit zu finden. In diesem letzten Kapitel
werde ich ein kurzes Beispiel aus meiner praktischen Tätigkeit geben, um auch in
dieser Hinsicht mein theoretisches Fundament zu verdeutlichen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Philosophische Grundlegung

1.1. Monismus als notwendiges Fundament

1.2. Der dialektisch-historische Materialismus

1.3 Der Aufstieg vom Abstrakten zum Konkreten

1.4. Materialistischer Konstruktivismus

2. Die Entwicklung des Psychischen

2.1. Die phylogenetische Entwicklung des Psychischen

2.1.1. Das vorpsychische Stadium

2.1.2. Sensibilität – eine Ausgangsabstraktion des Psychischen

2.1.3. Wahrnehmung

2.1.4. Intellekt – die Endform des Psychischen beim Tier

2.1.5. Soziale Strukturen

2.1.6. Kultur

2.2. Der Bruch zur Phylogenese in der Entwicklung des Menschen

2.2.1. Die Hominiden

2.2.2. Der soziale Werkzeuggebrauch

2.3. Die kulturhistorische Entwicklung des Menschen

2.3.1. Das Zeichen als neue Form der Kommunikation

2.3.2. Die historische Erhaltung ontogenetischer Erfahrungen

2.3.3. Eine empirische Untersuchung zur kulturhistorischen Theorie

2.4. Die ontogenetische Entwicklung des Psychischen

2.4.1. Tätigkeit und Gegenstand

2.4.2. Tätigkeit und Bedürfnis

2.4.3. Der Kreis Tätigkeit – Operation - Handlung

2.4.4. Interiorisierung

2.4.5. Die Zone der nächsten Entwicklung

2.5. Physiologische Grundlagen der psychischen Entwicklung

2.5.1. Psychische Tätigkeit und Nervensystem

2.5.2. Der Organismus als funktionelles System

2.5.3. Äußere Komponenten des funktionellen Systems beim Menschen

3. Konsequenzen für die heilpädagogische Arbeit

3.1. Ethik

3.1.1. Die Vorstellung einer einheitlichen Welt

3.1.2. Über Sinn und Unsinn

3.1.3. Die Verantwortung des Heilpädagogen

3.2. Diagnostik

3.2.1 Historische Aspekte

3.2.2. Die Notwendigkeit empirischer Methoden

3.2.3. Der Dialog als Medium

3.2.4. Vom Syndrom zu den Symptomen

3.3. Intervention

3.3.1. Diagnostik - Intervention

3.3.2. Die vermittelnde Tätigkeit

3.3.3. Dialog

3.3.4. Kooperation

3.3.5. Dialogisch-Kooperative Beziehung – Ein Beispiel

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die Arbeit verfolgt das Ziel, ein wissenschaftlich fundiertes Menschenbild auf Basis der kulturhistorischen Schule zu konstruieren, das als theoretisches Fundament für die heilpädagogische Praxis dient. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie die Prinzipien dieser Theorie in der Auseinandersetzung mit der Praxis in ethischer, diagnostischer und interventiver Hinsicht Anwendung finden können.

  • Grundlegung eines monistisch-materialistischen Weltbildes
  • Analyse der phylogenetischen und ontogenetischen Entwicklung des Psychischen
  • Bedeutung der sozialen Umwelt und des kulturhistorischen Moments für das Individuum
  • Methodik des Aufstiegs vom Abstrakten zum Konkreten in der heilpädagogischen Arbeit
  • Relevanz der dialogisch-kooperativen Beziehung in der pädagogischen Intervention

Auszug aus dem Buch

3.3.5. Dialogisch-Kooperative Beziehung – Ein Beispiel

Das Medium jeglicher heilpädagogischen Arbeit ist folglich der Dialog und die Methode die Kooperation. Innerhalb des Tätigkeitsbegriff ausgedrückt: Einerseits muss die Tätigkeit des Gegenübers Gegenstand meiner Tätigkeit werden und umgekehrt, andererseits müssen beide Tätigkeiten einen gemeinsamen Gegenstand finden.

Der Ausdruck „dialogisch-kooperative Beziehung“ ist damit Quintessenz der Relevanz der vorgestellten Theorie der Entwicklung des Psychischen für heilpädagogische Arbeit. Er beinhaltet alle Momente, die ich die Bereiche Ethik, Diagnostik und Intervention betreffend erwähnt habe.

Ich will in diesem letzten Kapitel meiner Auseinandersetzungen ein praktisches Beispiel geben, welches auf andere Art und Weise verdeutlichen soll, wie heilpädagogische Tätigkeit unter Berücksichtigung der theoretischen Betrachtungen in dieser Arbeit aussehen kann. Die Ausführungen sollten dabei exemplarisch verstanden werden, denn dass Fundament lässt keine Rezepte zu. Auch kann die folgende Auseinandersetzung nicht quantitativ hoch ausfallen, da dies den Rahmen sprengen würde. Ich will allerdings Prinzipien meiner Arbeit aufzeigen und so die theoretischen Überlegungen bekräftigen.

Als Beispiel soll mir eine Person dienen, deren Schicksal mich während meines zweiten Praktikums stark bewegt hat. Da ich eigentlich nicht an ihrem Wohnort tätig war, konnte ich mich nur wenig und abseits meiner eigentlichen Aufgabenbereiche mit ihrem Fall beschäftigen, doch meine Gedanken drehten sich oft um Edith P.

Die folgenden Darstellungen sind Spuren in meinem Gedächtnis und folgen keinen Aufzeichnungen. Doch zur Darlegung des Inhaltes ist dies auch nicht wichtig. Das Beispiel soll nicht jeden Punkt meiner Arbeit in die Praxis transferieren. Dazu müsste ich erfinden. Es soll vielmehr zeigen, wie sich mein theoretisches Fundament ausdrücken kann.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Philosophische Grundlegung: Erläutert die Notwendigkeit eines monistischen Weltbildes und die Bedeutung des dialektisch-historischen Materialismus für die Psychologie.

2. Die Entwicklung des Psychischen: Analysiert den historischen Prozess der Psyche von der Phylogenese bis zur kulturhistorischen Entwicklung des Menschen.

3. Konsequenzen für die heilpädagogische Arbeit: Überträgt die erarbeitete Theorie auf die Praxis, indem ethische, diagnostische und interventive Handlungsprinzipien abgeleitet werden.

Schlüsselwörter

Kulturhistorische Schule, Heilpädagogik, Tätigkeitstheorie, Ontogenese, Phylogenese, Dialektischer Materialismus, Konstruktivismus, Diagnostik, Intervention, Dialog, Kooperation, Funktionelles System, Interiorisierung, Psychische Entwicklung, Autopoiese.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit der kulturhistorischen Schule und deren Relevanz für das Verständnis und die Gestaltung heilpädagogischer Praxis durch die Entwicklung einer fundierten anthropologischen Sichtweise.

Welches sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten zählen die philosophische Grundlegung, die entwicklungsgeschichtliche Betrachtung des Psychischen, die Methodik des Aufstiegs vom Abstrakten zum Konkreten sowie die praktische Umsetzung in Ethik, Diagnostik und Intervention.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Hauptziel ist es, ein Menschenbild zu konstruieren, das als theoretisches Fundament für heilpädagogisches Handeln dient und zeigt, wie man in der Auseinandersetzung mit der Praxis wissenschaftlich fundiert handeln kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Methode des Aufstiegs vom Abstrakten zum Konkreten, eine dialektisch-materialistische Herangehensweise, um komplexe Wirklichkeiten zu erfassen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil steht die Entwicklung des Psychischen im Vordergrund, von den phylogenetischen Voraussetzungen über den Bruch zur menschlichen Entwicklung bis hin zur ontogenetischen Ausprägung und den physiologischen Grundlagen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Tätigkeit, Interiorisierung, dialogisch-kooperative Beziehung, funktionelles System und kulturhistorische Entwicklung charakterisieren.

Wie definiert der Autor das Konzept der „dialogisch-kooperativen Beziehung“?

Der Autor versteht darunter eine Quintessenz der heilpädagogischen Arbeit, bei der das Gegenüber und dessen Tätigkeit zum Gegenstand der eigenen Tätigkeit wird, um einen gemeinsamen, konstruktiven Entwicklungsprozess zu ermöglichen.

Welchen Stellenwert nimmt die Diagnostik ein?

Diagnostik wird nicht als statische Bestandsaufnahme verstanden, sondern als ein Prozess im Dialog, der die systemische Bedingtheit des Gegenübers untersucht, um auf Basis eines syndromorientierten Ansatzes zu einem tieferen Verstehen zu gelangen.

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Details

Title
Die kulturhistorische Schule und ihre Relevanz für die Heilpädagogik - Grundlegende Betrachtungen von Theorie und Praxis
College
Neisse University Görlitz  (Sozialwesen)
Grade
Sehr Gut
Author
Andreas Liebeg (Author)
Publication Year
2003
Pages
97
Catalog Number
V20408
ISBN (eBook)
9783638242899
Language
German
Tags
Schule Relevanz Heilpädagogik Grundlegende Betrachtungen Theorie Praxis
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andreas Liebeg (Author), 2003, Die kulturhistorische Schule und ihre Relevanz für die Heilpädagogik - Grundlegende Betrachtungen von Theorie und Praxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20408
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