"Erlebnisgesellschaft" vs "Postindustrielle Gesellschaft"


Hausarbeit, 2011

13 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Einleitung

Die Soziologie ist die Wissenschaft, die sich mit den Strukturen des sozialen Handelns befasst und den sich daraus ergebenden Folgen. Ferner gehören soziale Prozesse, die unter anderem auch sozialen Wandel bewirken, in das Feld der Soziologie. Ein sozialer Wandel kann sich unterschiedlich äußern und wird durch bestimmte Faktoren bestimmt. Diese “Gesellschaftsdiagnosen” benötigen meistens einen ausführlicheren Blick, um diese richtig zu verstehen und in einen Kontext einzubetten.

In der vorliegenden Arbeit liegt der Schwerpunkt auf der Betrachtung zweier ausgewählter soziologischer Gesellschaftsmodelle. Hierbei handelt es sich um die “postindustrielle Gesellschaft” nach Daniel Bell und die “Erlebnisgesellschaft” nach Gerhard Schulze.

Zunächst werden beide Theorien mit ihren individuellen Thesen vorgestellt. Im Anschluss daran, werden im dritten Kapitel einige Kritikpunke herausgearbeitet und näher beleuchtet. Um den Übergang zur Sozialen Arbeit zu schaffen, wird diese anschließend definiert. An dieser Stelle sei bereits gesagt, dass es keine eindeutige und abschließende Definition von der professionellen Sozialen Arbeit gibt. Auf dieser Basis werden mögliche Folgen dieser Gesellschaftsmodelle für die Soziale Arbeit dargestellt. Anschließend widme ich mich der Sozialpolitik mit einer Definition und werde daraufhin auch die möglichen Folgen für die Sozialpolitik herausarbeiten. Im letzten Kapitel dieser Arbeit werde ich noch einmal einen Rückblick über das Gesagte geben, sowie diesen kritisch hinterfragen und versuchen einen Ausblick über den Wandel unserer Gesellschaft zu geben.

1. Zwei Theorien: Zehn Thesen

Seit mehreren Millionen von Jahren gibt es Menschen auf dieser Welt. Seit dieser Zeit hat sich einiges verändert, angefangen bei der Anatomie des Menschen, über die Entwicklung verschiedener Kulturen, bis hin zu der Entstehung moderner Gesellschaften. Anthony Giddens, ein britischer Soziologe, hat einmal gesagt:

“ Wenn wir uns die gesamte Menschheitsgeschichte als einen Tag vorstellen, dann wäre der Ackerbau vier Minuten vor Mitternacht erfunden worden; die Zivilisation wäre drei Minuten vor Mitternacht entstanden. Die Entwicklung moderner Gesellschaften hätte gar erst dreißig Sekunden vor Mitternacht eingesetzt! In den letzten dreißig Sekunden dieses Menschentages hat sich aber möglicherweise ebensoviel verändert wie seit der Stunde Null.”[1]

Dieses Kapitel widmet sich der Frage nach dem Ziel dieses sozialen Wandels. Es werden zwei unterschiedliche Perspektiven zu diesem Thema betrachtet. Die “postindustrielle Gesellschaft” nach Daniel Bell und die “Erlebnisgesellschaft” nach Gerhard Schulze. Beide Ausführungen laden offensichtlich zu Spekulationen ein, da die Soziologen auf die oben genannte Frage keine einstimmige Antwort geben.

1.1 Die “postindustrielle Gesellschaft”

Das umfassendste Porträt der “postindustriellen Gesellschaft” stammt von Daniel Bell in seinem Buch “Die nachindustrielle Gesellschaft”. Dieses Gesellschaftsmodell zeichnet sich durch eine Zunahme des Dienstleistungssektors und einer Abnahme des Produktionssektors aus. Die Begriffe “Wissen” und “Dienstleistung” erhalten hier eine zentrale Bedeutung. Diese Verschiebung bestätigt sich in unterschiedlichen Sektoren wieder.[2]

So kommt es im Bereich der Wirtschaft, die in den primären Sektor Landwirtschaft, den sekundären Sektor Industrie und den tertiären Dienstleistungssektor unterteilt ist, zu einem Übergang von der produzierenden zur Dienstleistungsgesellschaft. Durch eine hohe Wertschätzung der Dienstleistung stärkt sich dieser Sektor, wohingegen die anderen Sektoren an Stärke abnehmen. So kommt es, dass der “[…] Arbeiter, der in einer Fabrik oder in einer Werkstatt arbeitet, […] nicht mehr der wichtigste Typ des Arbeitnehmers [ist].”[3] Durch eine fortschreitende Industrialisierung zeigt sich eine Verschiebung der Bedeutung und der Anzahl der Beschäftigten erst in den industriellen Sektor und anschließend in den Dienstleistungssektor.

In der Berufsstruktur zeigt sich demnach, dass die Mehrzahl der Beschäftigen in Dienstleistungsberufen tätig ist. Innerhalb dieses Sektors nehmen die Bereiche Gesundheit, Erziehung, Forschung, Bildung und Verwaltung eine besondere Rolle ein.

“Die Menschen, die in höheren Angestelltenverhältnissen arbeiten, spezialisieren sich auf die Produktion von Information und Wissen.”[4] Diejenigen, die mit der Erzeugung dieser Ressource befasst sind, werden dadurch zur führenden sozialen Gruppe, ähnlich wie die Industrie- und Kleinunternehmer des alten Systems[5]. Dadurch entsteht eine neue soziale Ordnung, in der theoretisches Wissen, Forschung, Universitäten und wissenschaftliche Institutionen den Fokus der gesellschaftlichen Entwicklung einnehmen.

Das theoretische Wissen beeinflusst die “postindustrielle Gesellschaft” stark. Denn sie versucht mit Hilfe dieses Wissens den gesellschaftlichen Wandel unter Kontrolle zu bekommen, was zur Folge hat, dass ein gesellschaftlicher Aufstieg fast ausschließlich mit umfassender Bildung möglich ist (unter anderem an Universitäten).

Hinsichtlich der Zukunftsorientierung lässt sich dieses Wissen einsetzen, um technischen Fortschritt zu planen. Damit soll ein Wirtschaftswachstum bewirkt werden, das den Lebensstandard steigert. Durch eine vorausschauende Planung sollen diesbezüglich mögliche Gefahren erkannt und gebannt werden.

Diese technologische Weiterentwicklung bringt sowohl Chancen, als auch andere Folgen mit sich. Zum einen wird dadurch der Computer zum unverzichtbaren Werkzeug für die praktische Umsetzung, zum anderen können dadurch komplexe Systeme einfacher und besser geregelt werden. Dies hat nicht nur eine Klassenbildung zur Folge, sondern auch eine Verschiebung im Machtgefälle. Näheres dazu in der kritischen Betrachtung beider Perspektiven.

1.2 Die “Erlebnisgesellschaft”

Gerhard Schulze ist seit 1978 Professor für Methoden der empirischen Sozialforschung an der Universität Bamberg. Zudem veröffentlichte er 1992 sein Werk “Die Erlebnisgesellschaft”, in dem er die gleichnamige diagnostiziert und näher beleuchtet. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges veränderte sich die Sichtweise der Menschen auf Güter und Dienstleistungen. Seit der Nachkriegszeit liegt der Fokus nicht mehr auf dem Gebrauchswert eines Produkts, sondern auf seinem Erlebniswert.

“Produkte werden nicht mehr als Mittel zu einem bestimmen Zweck offeriert, sondern als Selbstzweck.”[6]

[...]


[1] Giddens Anthony: Soziologie S.689

[2] Aus Gründen der Verständlichkeit wird im Folgenden ausschließlich der Begriff „postindustrielle Gesellschaft“ verwendet.

[3] Giddens Anthony: Soziologie S.703

[4] Giddens Anthony: Soziologie S.703

[5] vgl. Industriezeitalter seit Mitte des 18. Jahrhunderts

[6] Schulze Gerhard: Die Erlebnisgesellschaft S.13

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Erlebnisgesellschaft" vs "Postindustrielle Gesellschaft"
Hochschule
Katholische Hochschule Freiburg, ehem. Katholische Fachhochschule Freiburg im Breisgau
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V204110
ISBN (eBook)
9783656310204
ISBN (Buch)
9783656313069
Dateigröße
501 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
erlebnisgesellschaft, postindustrielle, gesellschaft, soziologie, soziale arbeit
Arbeit zitieren
Matthias Hinderberger (Autor), 2011, "Erlebnisgesellschaft" vs "Postindustrielle Gesellschaft", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204110

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: "Erlebnisgesellschaft" vs "Postindustrielle Gesellschaft"



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden