Varianten des Kapitalismus

Kapitalistische Theorien und Anwendungen im Wandel, Gründe und Ursachen eines deutschen Sonderwegs.


Ausarbeitung, 2008
23 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung.

2. Historische Entwicklung und Theorien des Kapitalismus.
2.1 Theorien und Gattung des Kapitalismus.
2.2 Kapitalistische Theorien und Anwendungen im Wandel.

3. Varianten des Kapitalismus und die Soziale Marktwirtschaft.
3.1 Funktionsweisen und Gattungen des Kapitalismus.
3.2 Die Soziale Marktwirtschaft und der koordinierte Kapitalismus.
3.3 Die Soziale Marktwirtschaft in der Realität.
3.4 Nationale und Transnationale Einflüsse.

4. Krise des Kapitalismus und Globalisierung.
4.1 Endogene und Exogene Faktoren der Krise.
4.2 Die größere Anfälligkeit des deutschen Modells.

5. Fazit.

6. Quellverzeichnis.

1. Einleitung.

In der nachfolgenden Ausarbeitung soll erarbeitet werden, wie sich kapitalistische Strukturen auf verschiedenen Arten und Weisen sich in bereits existierenden historisch- politischen Strukturen der jeweiligen Nationalstaaten, hier insbesondere in dem deutschen Beispiel, einfügten und auch selbst durch diese Strukturen beeinflusst wurden.

Der Aufbruch des Kapitalismus als ökonomisches Handlungsgeschehen kann zeitlich nicht genau datiert werden. Der Kapitalismus als Handlungsablauf auf dem Markt wurde jedoch entscheidend durch die Industrialisierung verstärkt und beeinflusst. Hierdurch folgten die kapitalistischen Strukturen den Industrialisierungsprozessen der Produktion und setzten sich zunächst auf der britischen Insel und im weiteren historischen Verlauf auch in Kontinentaleuropa durch. Aufgrund bereits etablierter historisch- politischer Strukturen in den jeweiligen Ländern musste sich der Kapitalismus den Begebenheiten der Länder anpassen. Beständig wurden zukunftsweisende Theorien zu der weiteren Entwicklung des Kapitalismus entworfen, welche sich oftmals als Irrwege herausstellten. Hierbei muss man jedoch auch erkennen, dass der Aufbau und der Verlauf des Kapitalismus zu Beginn wesentlich durch Theoretiker wie Adam Smith und David Ricardo bestimmt wurden. Mit der Anpassung kapitalistischer Handelstypologien an den Ländereigenschaften wurde der Kapitalismus selbst auch entscheidend verändert.

Der Hauptteil dieser Ausarbeitung durchleuchtet die aktuelle Entwicklung, hier erst ab dem Ende des zweiten Weltkrieges, und versucht diesbezüglich die theoretischen Grundgedanken führender Ökonomen der jeweiligen Länder, speziell aber in dem deutschen Beispiel, aufzuzeigen. Diesbezüglich soll erfasst werden, wie die zuletzt genannten Theorien sich auf die Praxis der jeweiligen Ökonomien auswirkten.

Der historische Verlauf brachte indes viele neue Varianten des Kapitalismus hervor, die wissenschaftliche Literatur unterscheidet zwei idealtypische Varianten. Die erste Variante bildet die Liberale Variante, welche verstärkt in den angelsächsischen Ländern anzutreffen ist, bei der zweiten Variante handelt es sich um die koordinierte Marktwirtschaft, welche jedoch stark von den jeweiligen Strukturen der Länder abhängig ist. Das deutsche Modell wird zu dem zweiten Idealtypus eingeordnet, unterscheidet sich jedoch wiederum durch eigene Strukturen und wird als “flexibel koordinierter Marktwirtschaft“ bezeichnet.

Die Hypothese im Hauptteil der Ausarbeitung ist dann, dass führende Ökonomen wie Ludwig Erhard und Alfred Armack die soziale Marktwirtschaft als Variante des Kapitalismus entscheidend geprägt und beeinflusst haben müssten.

Angrenzend soll untersucht werden wie die aktuelle Lage des deutschen Kapitalismus im Vergleich mit anderen Varianten ist. Hierbei stellt man in der öffentlichen Debatte nämlich schnell fest, dass der deutsche Kapitalismus schwer durch die aktuellen Entwicklungen betroffen zu sein scheint. Während andere kapitalistische Typologien sich besser mit der aktuellen Lage anfreunden könnten.

Am Ende soll das Augenmerkmal dann auf zukünftige Entwicklungen geworfen werden, diesbezüglich darf davon ausgegangen werden, dass das deutsche Modell eine Wandelung erfährt, welche nicht wie zu Beginn durch Theoretiker gekennzeichnet ist, sondern vielmehr durch die aktuelle Entwicklung in der Ökonomie geprägt wird.

2. Historische Entwicklung und Theorien des Kapitalismus.

In dem einführenden Teilbereich werden die historischen Ausführungen und die theoretischen Grundgedanken des Kapitalismus näher beleuchtet. Zunächst werden die theoretischen Grundgedanken der Ökonomie geschildert und dargestellt. Daneben soll Ausgehend vom „Manchester Kapitalismus“ aus dann der weitere Verlauf und die praktische Ausgestaltung beschrieben werden. Hiermit wird ein theoretisches und praktisches Grundgerüst aufgebaut, der für das weiter Verständnis und Analyse unabdingbar ist.

2.1 Theorien und Gattungen des Kapitalismus.

Die Geburtsstunde wirtschaftswissenschaftlicher Denkweisen lässt sich auf das Jahr 1758 zurückführen als der bedeutende Wirtschaftswissenschaftler Franqois Quesney, angetan durch die Entdeckung des Blutkreislaufs seiner Zeit, die Einkommens- und Güterströme in Frankreich mithilfe eines Kreislaufmodells darstellte (Blum Ulrich 2004, S. 47). Dies hatte jedoch keine Ähnlichkeiten mit dem heutigen Verständnis der Ökonomie, brachte jedoch die Möglichkeit mit sich ökonomische Ströme einfacher darstellen zu können.

Erst durch den weltbekannten Ökonomen Adam Smith wurde eine neue Etappe der Ökonomie eröffnet. Adam Smith stellte in seinen ca. 800 Seiten starken Band mit dem Namen „der Wohlstand der Nationen“ seine makroökonomische Wahrnehmung der Ökonomie dar. Sein Verständnis vom ökonomischen Handeln widerspricht seinen Zeitgenossen, welche den Merkantilismus, bei dem der starke Staat durch Schutzzölle und Exportquoten sich in das Wirtschaftsgeschehen einmischt, unterstützen. Smith hingegen postuliert den Freihandel und verlangt die Eindämmung staatlicher Zuwendung auf Verteidigung, Justiz und Öffentliche Einrichtungen bei denen der private Akteure keinen Gewinn abschöpfen könne (Smith Adam 1776, S. 710 ff.). Das Fehlen jeglicher Steuerung und Eingriffe durch den Staat bewirke dann einen freien Markt in dem die Menschen frei agieren können. Dies führe dazu, dass die Menschen ökonomisch effizienter und aktiver werden. Eine weitere Folge dieser Freiheit auf dem Markt sei, dass ein höherer Wohlstand für Alle erreicht werden könne. Jenes werde dann dadurch erreicht, indem die einzelnen Marktteilnehmer zunächst nur eigene Güterbedürfnisse befriedigen wollen. Hierdurch jedoch mithilfe der „unsichtbare Hand“[1] die Güterbefriedigung für alle Teilnehmer erreichen und hiermit einen unintendierten Wohlstand für Alle herbei konstruieren. Die Abläufe und Vergütungen auf dem freien Markt werden laut Adam Smith dann durch die Nachfrage und Angebot der Teilnehmer auf dem Markt bestimmt (Smith Adam 1776, S.59). Im Gegensatz zu seinen Zeitgenossen den „Merkantilisten“, welche den Wert einer Ökonomie durch Edelmetalle erfassten, schlug Smith die Einführung des Tauschmittels „Geld“ vor. Diese verringere die Transaktionskosten[2] dadurch, dass dieses zunächst allgemein akzeptiert, Kosten sparender und langlebig sei.

Erst ein halbes Jahrhundert später traute sich David Ricardo an die Theorie von Adam Smith heran und versuchte seine politische Ökonomie darzulegen. Im Gegensatz zu Smith geht Ricardo nicht von einer vollkommenen Gleichheit der Verhältnisse auf dem Markt aus. Dieser hebt in seiner im Jahre 1817 veröffentlichten Theorie „der politischen Ökonomie“ hervor, dass die Produktion eines Produkts von drei Gruppen gleichermaßen dominiert wird. Die drei Produktionsgruppen bestehen aus dem Landeigener, dem Kapitalgeber und dem Arbeiter, hierzu müsse zudem der Zusammenhang zwischen dem Lohn des Arbeiters, der Grundrente des Eigners und dem Profit des Kapitalgebers begriffen werden. Steige nun der Lohn innerhalb dieses Systems sinke der Profit oder und die Grundrente, bei einer Senkung des Lohns verfährt es sich ähnlich entgegengesetzt (Ricardo David 1817, S.51). Neben der oben geschilderten Arbeitswertlehre beschäftigte sich Ricardo auch mit der Außenhandelspolitik und stellte hierzu seine Theorie der komparativen Kostenvorteile auf. Hierbei könne ein Land, aufgrund der günstigeren Voraussetzungen in der Produktion, einen Gut kostengünstiger als ein anderes herstellen, dies führe dazu, dass dieses Land sich auf den Export dieser Wahre spezialisiere. Hiermit etablieren sich Spezialisierungstendenzen in den einzelnen Ländern (Ricardo David 1817, S.56).

Vergleichend mit der Realität der beiden oben ausgeführten Ökonomen ist schnell festzustellen, dass der Kapitalismus in dieser Zeit ein Wirtschaftssystem war, welches ähnlich der oben geschilderten theoretischen Regeln folgte und durch solche Ökonomen inspiriert wurde. Die Wirkungszeit der beiden Ökonomen liegt jedoch in einer zeitlichen Periode, welche durch einen historisch- politischen Übergang gekennzeichnet wurde. Der europäische Kontinent wurde während dieser Zeit durch revolutionäre Kriege beherrscht, die sich gegen die jeweiligen Monarchien als Machtkonstrukt richteten. Zudem brach in England die technische Revolution aus, welche die bis dahin geltenden Produktionsverfahren fundamental veränderte.

Divergent zur Theorie ist jedoch auch der Allokationszustand der Güter während der Transformation in Europa, der von beiden oben genannten Autoren vermieden wird, welcher aber die Machtverhältnisse dieser Zeit prägte. Hinzu kamen veränderte Produktionsmethoden in Verbindung mit fehlenden politischen Strukturen, welche die Menschen dieser Zeit zu „Arbeitssklaven“ machten. Der so genannte „Manchester Kapitalismus“[3] war das Ergebnis dieser Entwicklung und führte dazu, dass dieses in dieser Art durch die Menschen als neue Unterdrückungsmaßnahme der Obrigkeit, den neuen Kapitaleignern, verstanden wurde.

Karl Marx und Friedrich Engels wuchsen mit solchen Verhältnissen auf und beobachteten die Ausbeutung der damaligen Arbeiternehmer/innen. Die Ausbeutung des Arbeitnehmers stand Marx kritisch gegenüber, weil dieser die menschliche Arbeit als Hauptbestand der Ökonomie ansah (Marx Karl 1872, S. 473ff.). Hierzu verfasste Marx mithilfe von Engels seinen dreistufiges Band „das Kapital“, indem er die kapitalistischen Ideologien kritisierte.

In dieser Zeitperiode vollzog sich auch die Staatenbildung auf den europäischen und den nordamerikanischen Kontinent. Während in Frankreich, England und den USA, aufgrund geklärter Machtverhältnisse, die Staatenbildung in einer frühen Phase möglich wurde, war die Gründung eines Staates auf den deutschen Gebieten schwierig. Hinderlich für das deutsche Beispiel waren mehrere Einflussgrößen wie zwei gleich starke deutsche Staatengebilde mit Preußen und Österreich- Ungarn, kein klares Zentrum- Peripherie Verhältnis im Sinne Stein Rokkans und eine gescheiterte Revolution 1848/49. Die vorherrschenden dezentralen politischen Verhältnisse spiegelten sich auch auf die Wirtschaft wieder. Hierdurch konnte der Staat zwar ordnungspolitische Rahmen setzten, die Regulierung des wirtschaftlichen Ablaufs musste dieser jedoch autonom handelnden gesellschaftlichen Gruppen überlassen, welche durch die Justiz unterstützt wurden (Abelshauser Werner 2004, S. 53). Diese ordnungspolitische Art zählt damit zu der kooperativen Marktwirtschaft, bei der die Abläufe in der Wirtschaft größtenteils durch autonome gesellschaftliche Gruppen einhergehen, die jedoch durch den Staat als solche anerkannt sind.

Mit der Gründung des deutschen Reiches 1871 in Paris wurde nun auch aber verspätet ein deutscher Nationalstaat gegründet. Die „verspätete Nation“ stellte nun fest, dass diese Machtkapazitäten geschaffen hatte, welche es ihr ermöglichten eine hegemoniale Politik in Europa zu betreiben. Hiermit wurde eine neue Phase des Imperialismus eröffnet und man wollte sich hiermit „den Platz an der Sonne“ sichern. Mit dem Bewusstsein einer starken Unzufriedenheit bei der Bevölkerung und einer Gefahr der Revolution entschloss sich der Reichskanzler Otto von Bismarck die Sozialversicherungsgesetze für die Bevölkerung einzuführen.

Die in der klassischen Theorie der Wirtschaft ausgeführten Ideale einer staatlichen nicht Einmischung in der Ökonomie gewannen nach dem ersten Weltkrieg an Aufschwung und verliehen der damaligen Zeit eine Welle des Reichtums, welche auch als „die Goldenen Zwanziger“ bezeichnet wurden. Diese positive Entwicklung sollte jedoch durch die Weltwirtschaftskrise von 1929 mit einer protektionistischen Rundfahrt, welche den Welthandel eindämmte, beendet werden. Die Zuversicht einer bis dahin geltenden stabilen liberalen wirtschaftlichen Entwicklung war damit erledigt, nun machten sich die Staaten daran ihre Ökonomien zu kontrollieren. Der Staat war nun Machthaber in allen Lebensbereichen und wollte damit auch die Wirtschaft, welche diesem eine Handlungsfähigkeit verleiht, kontrollieren und zum eigenen Vorteil ausnutzen.

[...]


[1] Der ungestörte Waren- und Güteraustausch der einzelnen Wirtschaftssubjekte, welcher nicht durch den Nationalstaat gehindert wird, sorge automatisch dafür, dass alle Wirtschaftssubjekte auf dem Markt ihre Güternachfrage befriedigen und somit der Wohlstand für alle Beteiligten hergestellt werde.

[2] Transaktionskosten sind alle Kosten, die in direktem Zusammenhang mit einer Transaktion (z. B. Kauf, Verkauf) von Gütern entstehen. Die Transaktionskostentheorie (s. dort) besagt, dass alle Transaktionen auch Transaktionskosten verursachen (http://www.bwclub.de/finanzlexikon/t/transaktionskosten.htm vom 08.07.2008).

[3] Mit Manchesterkapitalismus werden die massiven sozialen Schieflagen in der Phase der industriellen Revolution in Großbritannien ab Mitte des 18. Jahrhunderts bezeichnet. Der Begriff wird in der Regel kapitalismuskritisch verwendet und oft verbunden mit einer Kritik am Laisser-faire-Liberalismus.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Varianten des Kapitalismus
Untertitel
Kapitalistische Theorien und Anwendungen im Wandel, Gründe und Ursachen eines deutschen Sonderwegs.
Hochschule
Universität Osnabrück
Veranstaltung
Varieties of Capitalism
Note
2,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
23
Katalognummer
V204138
ISBN (eBook)
9783656313236
ISBN (Buch)
9783656314455
Dateigröße
568 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
varianten, kapitalismus, kapitalistische, theorien, anwendungen, wandel, gründe, ursachen, sonderwegs
Arbeit zitieren
Master of Arts Valon Shabaj (Autor), 2008, Varianten des Kapitalismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204138

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