Das Problem mit der Kommunikation

Zur aktuellen Betrachtung des Kommunikationsbegriffs anhand dreier Theorien


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kommunikationsverständnis nach Burkart
2.1 Kommunikation als soziales Verhalten
2.2 Kommunikation als soziales Handeln
2.3 Kommunikation als soziale Interaktion

3 Kommunikationsverständnis nach Watzlawick et al
3.1 Bedeutende Grundannahmen
3.2 Fünf pragmatische Axiome

4 Kommunikationsverständnis nach Schulz von Thun
4.1 Das Kommunikationsquadrat
4.2 Die Notwendigkeit der vier Ohren

5 Kommunikationsstörungen
5.1 Einseitige Kommunikationen
5.2 Störungen auf der Inhalts- und Beziehungsebene
5.3 Metakommunikation als mögliche Lösung

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis.

1 Einleitung

Um ein geeignetes Arbeitswerkzeug für diese Arbeit zu schaffen, muss zunächst der fundamentale Begriff „Kommunikation“ erläutert, und wenn möglich definiert werden. Dass sich dies als äußerst schwierig gestaltet, beweisen die bereits vorhandenen 160 Definitionen verschiedenster Wissenschaftler von „Kommunikation“, die sich bei Merten (vgl. 1977, S. 76ff.) wiederfinden. Deshalb soll das Augenmerk dieser Arbeit explizit auf drei ausgewählte Kommunikationstheorien, in welchen die menschliche Kommunikation als sozialer Prozess begriffen wird, das Augenmerk gelegt werden. Nach Beschreibung dieser in einem Theoriekapitel folgt eine kritische Betrachtungsweise der vorgestellten Theorien. Zunächst werden die kommunikationstheoretischen Ansichten Roland Burkarts vorgestellt, welche sich in drei Abschnitte gliedern, die systematisch durch die schrittweise Erweiterung des Kommunikationsbegriffes logisch aufeinander aufbauen. Im folgenden Abschnitt der Arbeit wird die Kommunikationstheorie nach Paul Watzlawick et al. dargestellt, welche durch deren fünf berühmten Axiome begründet wird. Nach der Klärung der Grundannahmen Watzlawicks et al. werden diese anschließend erläutert. Als dritte Theorie wird Friedemann Schulz von Thuns bekanntes Kommunikationsquadrat beschrieben. Dieses ist als eine Weiterentwicklung des Organon-Modells von Bühler (1934) in Kombination mit dem zweiten Axiom von Watzlawick et al. zu betrachten. Ebenfalls Schulz von Thuns Pendant zum Kommunikationsquadrat, der „Vierohrige Empfänger“ wird thematisiert. Das darauffolgende, kritische Diskussionskapitel behandelt Aspekte der bei allen drei Autoren vorgestellten Kommunikationsstörungen. Dabei wird vor allem auch auf Kritik seitens anderer Wissenschaftler an den Theorien verwiesen. Abschließend wird die Metakommunikation als eine Art der Lösung von Kommunikationsstörungen erläutert und ebenfalls kritisch hinterfragt. Das Ziel dieser Arbeit ist es, eine detaillierte Darstellung der Kommunikationstheorien nach Burkart, Watzlawick et al. und Schulz von Thun zu erarbeiten und diese dann mithilfe ausgewählter Diskussionsaspekte kritisch zu betrachten, um letztendlich die Erarbeitung einer eigenen Meinung zu schaffen.

2 Kommunikationsverständnis nach Burkart

Zu Beginn soll an dieser Stelle der Kommunikationsbegriff nach Roland Burkart erläutert und erklärt werden. Burkart erarbeitet ein Definitionsgeflecht, das „jene Dimensionen der Begriffsrealität herauszuarbeiten [versucht], welche die humanspezifischen Qualitäten dieses Prozesses zu fassen vermögen[…]“ (2002, S.20). Im Folgenden wird nun logisch aufeinander aufbauend Kommunikation als Verhalten, als Handlung und zuletzt als komplexe Interaktion erläutert und definiert. Grundlage für Burkarts Begriffserarbeitung ist dabei Maletzkes Sicht auf den Gegenstand: „Kommunikation ist die Bedeutungsvermittlung zwischen Lebewesen.“ (1998, S. 37). Somit wird der soziale Aspekt des Kommunikationsprozesses in das Blickfeld gerückt, das heißt „Nicht-Lebewesen“ werden aus den folgenden Erläuterungen ausgeschlossen.

2.1 Kommunikation als soziales Verhalten

Nach Burkart kann man den Terminus „Verhalten“ als „jede Regung eines Organismus“ (2002, S. 20) definieren. Darunter zählen einerseits die rein physischen Bewegungen eines Lebewesens als auch die psychischen, wie beispielsweise Gefühle und Gedanken. Sozial wird jenes Verhalten allerdings erst dann, wenn sich diese Organismen mit ihrem Verhalten aufeinander beziehen, das heißt, wenn das eigene Verhalten eine Reaktion auf das Verhalten eines anderen Lebewesens darstellt. Die Organismen können dabei miteinander als auch gegeneinander agieren (vgl. ebd., S. 21). Findet nun innerhalb dieses sozialen Verhaltens eine Vermittlung von Bedeutungen statt, erlangen diese Verhaltensweisen einen kommunikativen Charakter. Nach Burkart sei allerdings eine Gleichsetzung der Termini „Kommunikation“ und „Verhalten“ an dieser Stelle indiskutabel (vgl. ebd., S. 22). Das soziale Verhalten kann lediglich ein kommunikatives Potenzial besitzen, welches in Folge von Bedeutungsvermittlung zum kommunikativen Charakter erweitert wird. Dass dieser Vorgang genau genommen sich fast immer ereignet, wenn Individuen sich aufeinander beziehend verhalten, gibt Burkart zu (vgl. ebd., S. 21). Allerdings ist ein soziales Verhalten noch nicht Kommunikation, denn Verhalten ist allgegenwärtig. Kommunikation dagegen kann der Mensch, nach Burkarts Ansicht, willentlich und bewusst aufnehmen oder unterlassen (vgl. ebd., S. 22). Das soziale Verhalten kann somit als eine gewisse Vorstufe, die für das Zustandekommen einer Kommunikation nötig ist, gesehen werden.

2.2 Kommunikation als soziales Handeln

Um vom einfachen Verhalten zum Handeln zu gelangen, muss das entsprechende Lebewesen eine gewisse Intentionalität verfolgen. Somit ist Handeln also ein Sonderfall des alltäglichen Verhaltens, bei dem das Subjekt ein bestimmtes Ziel, eine Absicht verfolgt (vgl. Burkart, 2002, S. 23). Dabei unterscheidet sich menschliches Handeln ganz deutlich von beispielsweise tierischem. Während der Mensch stets bewusst handelt, werden tierische Verhaltensweisen vorwiegend von Instinkten geleitet. Nach Burkart ist ein menschliches Handeln zudem sozial, wenn es an anderen Menschen ausgerichtet wird, also in Bezug auf andere Menschen geschieht (vgl. ebd., S. 23). Dabei ist das Handeln bereits dann sozial, wenn lediglich das Vorhandensein einer anderen Person in das eigene Handeln mit einbezogen wird (vgl. ebd., S. 24). Anders verhält es sich, wenn nun als nächster Schritt die menschliche Kommunikation als soziales Handeln betrachtet werden soll. In diesem Fall genügt es nicht, den Kommunikationspartner lediglich „mitzudenken“. Eine kommunikative Handlung wird immer direkt und bewusst auf mindestens eine weitere Person ausgerichtet (vgl. ebd., S. 25). Diese kommunikativen Handlungen können nach zwei Kriterien charakterisiert werden: der Intention und dem Ziel des kommunikativ Handelnden. Nach Burkart gilt, dass mit der kommunikativen Handlung immer eine allgemeine Intention, nämlich die der Mitteilung, und darüber hinaus eine spezielle, die des bestimmten Interesses, verfolgt werden (vgl. ebd., S. 26). Die allgemeine Intention, etwas (mindestens) einer anderen Person mitteilen zu wollen, zielt auf das Erreichen des konstanten Ziels der Verständigung ab. Der kommunikativ Handelnde versucht seine vermittelten Bedeutungen während der kommunikativen Handlung mit (mindestens) einer anderen Person zu teilen, erst dann liegt Verständigung vor (vgl. ebd., S.26). Darüber hinaus verfolgt jeder kommunikativ Handelnde auch bestimmte Intentionen, welche das variable Ziel der Interessenrealisierung verfolgen und meist Anstoß jeglicher Kommunikationsversuche sind (vgl. ebd., S. 27). Nach Burkart kann das variable Ziel, welches Kommunikation initiiert, allerdings keineswegs ohne Verfolgung des konstanten Ziels der Verständigung realisiert werden (vgl. ebd., S.29). Abschließend muss jedoch konstatiert werden, dass eine kommunikative Handlung noch nicht Kommunikation ist, sondern lediglich der Anstoß zu jener darstellen kann.

2.3 Kommunikation als soziale Interaktion

Als letzten Schritt deklariert Burkart die menschliche Kommunikation als eine soziale Interaktion und vervollständigt somit seine Definition von Kommunikation. Eine Interaktion beschreibt immer einen Wechselprozess, der sich in Aktion und Reaktion gliedert, zwischen zwei oder mehreren Größen. Sozial wird eine Interaktion dann, wenn diese Größen Lebewesen sind (vgl. Burkart, 2002, S. 30). Findet nun eine kommunikative Handlung in sozialer Interaktion mit einer anderen statt, ist menschliche Kommunikation möglich. Allerdings kann erst endgültig von einer vollzogenen menschlichen Kommunikation die Rede sein, wenn „(mindestens zwei) Individuen ihre kommunikativen Handlungen nicht nur wechselseitig aufeinander richten, sondern darüber hinaus auch die allgemeine Intention […] verwirklichen können und damit das konstante Ziel […] erreichen.“ (Burkart, 2002, S. 32) Zusammengefasst bedeutet diese Definition, dass Burkart erst von Kommunikation spricht, wenn zwei kommunikativ Handelnde durch ihre Mitteilungen eine Verständigung erreichen wollen, das heißt beide wollen mit dem jeweils anderen die gleichen Bedeutungen teilen. Dabei werden natürlich auch weiterhin die speziellen Interessen der Akteure verfolgt, deren Durchsetzung jedoch variabel ist. Burkart bietet somit eine Definition, die ihr Hauptaugenmerk auf den dynamisch-sozialen Prozess legt, welcher die grundlegendste Voraussetzung für das Zustandekommen einer Kommunikation darstellt.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Problem mit der Kommunikation
Untertitel
Zur aktuellen Betrachtung des Kommunikationsbegriffs anhand dreier Theorien
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V204149
ISBN (eBook)
9783656309703
ISBN (Buch)
9783656310877
Dateigröße
486 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
problem, kommunikation, betrachtung, kommunikationsbegriffs, theorien
Arbeit zitieren
Juliane Noßack (Autor), 2012, Das Problem mit der Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204149

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