Gewalt bei Kindern und Jugendlichen - Ursachen, Prävention und Intervention


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
14 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen

3. Gewalt- und Aggressionsfördernde Ursachen

4. Präventions- und Interventionsmöglichkeiten

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Internetquellen

1. Einleitung

Gewalt unter Kindern und Jugendlichen ist in den letzten Jahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Die Medien sind überfüllt mit Berichten über gewalttätige Kinder und Jugendliche. Aufgrund des steigenden gesellschaftlichen Interesses möchte ich mich mit der Gewalt bei Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen.

Ist ein Kind gewalttätig, wird zuerst kritisch das Erziehungsverhalten der Eltern hinterfragt. Aus diesem Grund wird in der vorliegenden Praxisarbeit untersucht, ob allein durch eine gute Erziehung eine Verringerung von Gewalt erreicht werden kann. Zur Beantwortung dieser Frage werde ich mit den unterschiedlichen Begriffsbestimmungen von Gewalt beginnen. Ebenso wird der Begriff der Aggression erklärt, da dieser in direktem Zusammenhang zur Gewalt steht. Im anschließenden Schwerpunkt werden die Ursachen von Gewalt vorgestellt und erläutert. Ich habe aus einer Vielzahl möglicher Ursachen vier ausgewählt, welche meiner Meinung nach für die Kinder der Heilpädagogischen Wohngruppe am ehesten zutreffend sind. In diesem Gliederungspunkt wird folgende These untersucht: „Gewalt entsteht durch verschiedene negative Einflüsse der Umwelt“. Abschließenden Schwerpunkt bilden die Gewaltpräventions- und Interventionsmöglichkeiten, mit Hauptaugenmerk auf die „richtige“ Erziehung.

Zur Erarbeitung der theoretischen Erkenntnisse verwendete ich vorrangig das Sammelwerk „Kinder mit aggressiven Verhalten“ von Prof. Dr. Manfred Cierpka, welches viele nützliche Beiträge verschiedener Autoren enthält.

2. Begriffsbestimmungen

Gewalt

Gewalt ist ein vielverwendeter Begriff, mit welchem in der Allgemeinheit die Zerstörung von Sachen oder die körperliche Verletzung von Personen bezeichnet wird. Der Begriff Gewalt ist in der Fachliteratur deutlich genauer eingeteilt.

1 Die physische Gewalt umfasst alle Arten von körperlichen Verletzungen unter Individuen (z.B. Tritte, Stiche).
2 Unter psychischer Gewalt werden Handlungen verstanden, welche den Interaktionspartner demütigen (z.B. Entzug von Vertrauen).
3 Die verbale Gewalt umfasst alle Arten von Aussagen, welche den Interaktionspartner erniedrigen.
4 Sexuelle Gewalt bezeichnet alle sexuellen Handlungen, welche das Opfer beeinträchtigen oder verletzen mit dem alleinigen Ziel der Befriedigung des Täters.
5 Frauenfeindliche Gewalt bezeichnet die Beeinträchtigung von weiblichen Individuen durch physische, psychische, verbale oder sexuelle Gewalt.
6 Rassistische Gewalt bezeichnet die Beeinträchtigung von Angehörigen einer anderen ethnischen Gruppe durch physische, psychische, verbale oder sexuelle Gewalt.

(vgl. Ratzke, 2002, S.15-16).

Aggression

In engem Zusammenhang zu Gewalt steht oftmals der Begriff der Aggression, welcher „die starken, inneren Erregungen und Gefühle“ (Ratzke, 2002, S.18) beinhaltet, welche zu aggressiven Verhaltensweisen führen können. Vorzugsweise wird dabei zwischen expressiver und instrumenteller Aggression unterschieden (vgl. Ratzke, 2002, S.17). Expressive Aggression wird durch „überwältigendem Druck und [darauffolgenden] Schuldgefühlen“ (Wölfl, 2001, S.135) verursacht. Im Gegensatz dazu ist instrumentelle Aggression „ein Mittel, Kontrolle über andere Menschen auszuüben“ (Wölfl, 2001, S.135). Beide Arten von Aggression können zu aggressiven Verhalten führen, einschließlich Gewalttätigkeit. Folgend wird neben Gewalt auf aggressives Verhalten eingegangen, in diesem Kontext jedoch ausschließlich mit gewalttätigen Elementen.

Prävention und Intervention

Prävention bezeichnet „Maßnahmen, die einsetzen, um Probleme bereits im Vorfeld zu vermeiden, so dass es gar nicht erst zu Störungen in der Entwicklung kommt“ (Schubarth, 2000, S.130). Bezogen auf Gewalt, wird der Begriff der Gewaltprävention jedoch auf Maßnahmen bezogen, welche Gewalthandlungen verringern sollen (vgl. Schubarth, 2000, S.136). Damit lässt sich der Gewaltprävention nur schwer von dem Begriff der präventiven Intervention trennen. Präventive Intervention hat die Aufgabe, Aggression und Gewalt frühzeitig zu erkennen und zu minimieren. Weiterhin gibt es die korrektiven Intervention, welche einsetzt, wenn Aggression und Gewalt bereits eingetreten sind (vgl. Schubarth, 2000, S.137).

3. Gewalt- und Aggressionsfördernde Ursachen

3.1. Gewaltfördernde Erziehung

Die Erziehung ist ein zentraler Faktor in der Ausprägung von gewalttätigen Verhalten (vgl. Ratzke, Cierpka, 2002, S.26). Es gibt verschiedene negative Einflüsse innerhalb der Familie, welche die Gewaltbereitschaft bei den Kindern fördern. Eltern sind für die Kinder von Anfang an Vorbilder. Die Kinder „lernen am Modell“ (Schubarth, 2000, S. 18).

Mitunter besitzen Eltern nicht genügen Erziehungskenntnis und benutzen Erziehungspraktiken mit Gewaltanwendung. Dies können beispielsweise ständiges Ignorieren des Kindes oder Schläge sein (vgl. Petermann, Petermann, 2005, S.69). Dadurch verteidigen die Eltern ihre autoritäre Stellung ohne jegliche Toleranz und Zuneigung gegenüber dem Kind. Die Eltern erscheinen den Kindern als furchteinflößend und zugleich machtvoll. Derartige Praktiken wenden diese Kinder gegenüber Schwächeren ebenso an, um ihre Machtposition zu verteidigen.

In Familien mit Aggressionspotential werden meist keine klaren Regeln aufgestellt und die Grenzsetzung fehlt. Dadurch kommt es zu einer verminderten „Übernahme von sozialen Normen“ (Petermann, Petermann, 2005, S.68). Entgegengesetzt kann es zu einer Ausbildung gewalttätigen Verhaltens kommen, wenn die Kontaktaufnahme mit dem Kind ausschließlich über Bestrafung schlechten Verhaltens erfolgt, da die dann die einzige Interessensbekundung am Kind ist (vgl. Petermann, Petermann, 2005, S.68). Kinder warten nur darauf, von ihren Eltern anerkannt zu werden. Ist gewalttätiges Verhalten die einzige Möglichkeit mit den Eltern in Kontakt zu treten, auch wenn dies Bestrafung oder Tadel seitens der Eltern ist, wird dieses Verhalten gestärkt.

3.2. Gewalt als Reaktion auf Frustration

Diesem Erklärungsansatz liegt die Hypothese zugrunde, dass Gewalt eine Folgereaktion ist, ausgelöst durch eine Situation, in welcher nicht das Ziel erreicht wird (vgl. Schubarth, 2000, S.16). Diese Situation löst Ärger aus, einhergehend mit Frustration. Tendenziell wird eine höhere Frustration erreicht, wenn der Anlass mit Personen verbunden ist, weniger bei sachbezogenen Ereignissen (vgl. Bierhoff, 1998, S.33). Studien fanden jedoch heraus, dass Gewalt verhältnismäßig selten als Reaktion auf ärgerliche Situationen verwendet wird (vgl. Bierhoff, 1998, S. 34; Schubarth, 2000, S.16). Andere Reaktionen auf Frustration sind beispielsweise das Erkennen der eigenen Fehler oder Resignation. Gewalt wird vergleichsweise häufig von Menschen eingesetzt, welche keine Aggressionshemmung haben oder Gewalt als Verhaltensweise gelernt haben (vgl. Schubarth, 2000, S.16). Bei Kindern und Jugendlichen steht die spontane, meist gewaltsame Antwort oft in keinem Verhältnis zu der Ursache.

3.3. Gewalt als Form männlicher Lebensbewältigung

Die Ursache für die Häufigkeit männlicher Gewalt ist in der Geschichte und der Gesellschaftsstruktur zu finden. Der Mann übernahm schon immer in den Bereichen Familie, Staat und Arbeit die dominante Rolle, beispielsweise durch Hervorheben der eigenen Potenz, die Hervorhebung des Mannes über die Frau in der Gesetzgebung oder die Abwertung von pflegerischen Tätigkeiten (vgl. Wölfl, 2001, S.26). Noch immer ist es für die Menschen ein Ereignis, wenn eine Frau eine zentrale Führungsposition einnimmt. Es war für jedermann eine Sensation, als Angela Merkel als erste Frau Bundeskanzlerin wurde. Gleichzeitig wird die Rolle der Frau zunehmend hervorgehoben. Die Emanzipation der Frau nimmt langsam zu (vgl. Wölfl, 2001, S.28). Dies wird beispielsweise durch die Politik unterstützt, welche über eine bestimmte Frauenquote in Unternehmen diskutiert. Trotz allem sind die meisten Führungskräfte Männer. Das Bild von Männlichkeit ist noch vorrangig von Merkmalen wie Stärke und Autorität geprägt. Jungen spielen nach wie vor Räuber und Gendarm und gehen auf den Fußballplatz, während Mädchen mit Puppen spielen und sich als Prinzessin verkleiden. Jungen werden zu „Hart im Nehmen“ erzogen und Tränen werden als Schwäche angesehen, währenddessen können sich Mädchen ohne Scham ausweinen. Actionhelden wie Sylvester Stallone oder Bruce Willis, welche keine Konkurrenten dulden und alles was sich ihnen in den Weg stellt in die Luft jagen werden oft zu Vorbildern und es wird versucht, deren Verhalten nachzuahmen. Die in der Gesellschaft herrschenden „Macht- und Herrschaftsstrukturen“ (Schubarth, 2000, S.56) führen zwangsläufig zu einer Unterwerfung von Schwächeren, meist Frauen. Dies ist nicht unbedingt mit Gewalt verbunden, basiert jedoch auf Abwertung (vgl. Schubarth, 2000, S.56). Dieses patriarchalische Gefüge (bedeutet, dass Männer die unumstrittenen Machthaber sind) zwängt männliche Jugendliche in ein Raster vorgegebener Männlichkeitsvorstellungen, z.B. Kenntnis in technischen Dingen. Diese, während der Sozialisation erworbenen typischen Männlichkeitsmerkmale, werden durch die langsam voranschreitende Modernisierung der Geschlechter verhältnisse in ihrer Ausprägung unterdrückt (vgl. Schubarth, 2000, S.56). Im Gegensatz dazu werden in den Medien die klassischen Geschlechtervorstellungen weiterhin zur Schau gestellt. Als Konsequenz befindet sich die „männliche Identitätsbildung“ (Schubarth, 2000, S.56) in einer Krisensituation. Dieser Krise wird von vielen Männern mit Gewalt begegnet, da dies „der scheinbar einzige subjektive Ausweg ist, in psychisch und sozial desolaten Situationen ein positives Selbstwertgefühl zu erlangen“ (Böhnisch, Winter, 1993, S.197).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Gewalt bei Kindern und Jugendlichen - Ursachen, Prävention und Intervention
Hochschule
Duale Hochschule Gera-Eisenach (ehem. Berufsakademie Thürigen in Gera)
Autor
Jahr
2011
Seiten
14
Katalognummer
V204166
ISBN (eBook)
9783656314974
ISBN (Buch)
9783656315506
Dateigröße
451 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gewalt, kindern, jugendlichen, ursachen, prävention, intervention
Arbeit zitieren
Sozialarbeiter/ Sozialpädagoge (B.A.) Samuel Rohn (Autor), 2011, Gewalt bei Kindern und Jugendlichen - Ursachen, Prävention und Intervention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204166

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