Wie erreichen wir unsere Jugend?

Homiletische Besonderheiten von Jugendpredigten


Seminararbeit, 2010

19 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmungen
2.1. Jugendliche
2.1.1. Definition
2.2.2. Jugendliche Lebenswelten
2.2. Predigtverständnis nach Ernst Lange
2.3. Jugendpredigt

3. Homiletische Besonderheiten von Jugendpredigten
3.1. Einfluss der Medienkultur - neue Predigtformen
3.2. Rhetorik und Sprache
3.3. Jugendliche Biographien und Lebenslagen - Identitätsfindung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Jahr 2010 ist wohl eines der schwierigsten für christliche Kirchen in Deutschland. Fast wöchentlich werden neue Missbrauchsfälle aufgedeckt - sehr wohl mehr auf Seiten der Katholischen Kirche - aber in einer Zeit, in der die Bevölkerung die Konfessionsgrenzen kaum noch wahrnimmt, treffen die „Pfeile der Anklage“ auch die Evangelische Kirche. Obwohl die Katholische Kirche durch den Einfluss und die Konzentration der Medien von erhöhten Austrittszahlen stark betroffen ist, leidet die Evangelische Kirche erstaunlicherweise kaum an Austritten. Trotzdem ist das Bild der Kirche schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die Evange-lische Kirche in Deutschland (EKD) versucht dabei, meist im Blick auf die Ausgetretenen, das Vertrauen der Bürger wiederzuerlangen und die Betroffenen zu unterstützen. Hinzukommt eine weitere problematische Entwicklung unserer Zeit; der demographische Wandel bei den Mitgliederzahlen, nur 11,7% der Mitglieder sind Kinder und Jugendliche.[1] Es stellt sich nun automatisch die Frage, ob nicht versucht werden sollte das Vertrauen der Jugendlichen wiederzugewinnen, damit unsere Kirche nicht, wie die Gesellschaft, als demographischer Alterspilz endet? Sollten nicht jenen, die als erste von den Missbrauchsfällen betroffen waren, der Glauben an die Kirche und an Gott wiedergegeben werden können? Unsere Aufgabe ist es dabei einen Zugang zu den Jugendlichen zu finden und ihnen den Weg zu Gott und zur Kirche zu zeigen. Doch auf welche Weise kann unsere Jugend erreicht werden? Welche Form der Predigt kommt bei den Jugendlichen überhaupt an und auf was sollte darin Bezug genommen werden? Um diese Fragen beantworten zu können, muss zuerst einmal der Kontext, bzw. die Basis einer Jugendpredigt geklärt werden. Deshalb fällt der erste Blick auf die Jugendlichen, ihr Selbstverständnis und ihre Lebenswelt. In einem zweiten Schritt soll die Predigt, ihre Aufgaben und Anwendungsformen genauer betrachtet werden. Dabei wird auf den Theologen Ernst Lange und sein Predigtverständnis Bezug genommen, da er großen Wert auf den Hörer und seine Lebenswirklichkeit legt. In einem letzten Schritt sollen nun die homiletischen Besonderheiten dargestellt werden, die sich einerseits als Ergebnis dieses Vergleiches herauskristallisiert haben und sich andererseits auf die ökumenischen Studien zur Predigt in dem Band „Jugend und Predigt“ beziehen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1. Jugendliche

2.1.1. Definition

Jugend ist altersspezifisch betrachtet die Zeitspanne zwischen Kindheit und Erwachsensein. Sie kann dabei von den 10-Jährigen bis zu den fast 25-Jährigen reichen und umfasst somit eine sehr lange Entwicklungsphase von circa 15 Jahren. Für Münchmeier ist die Jugend „ein Schonraum zur Selbstfindung und Selbsterprobung“ und gekennzeichnet von langen Ausbildungszeiten und somit einen längeren Abhängigkeit von den Eltern. Deshalb spricht er auch nicht mehr von einer Übergangsphase, sondern von einer eigenständigen Lebensphase,[2] welche man darüber hinaus als Lebensphase eines einzelnen Individuums oder auch als Lebensphase einer Gruppe bestimmter Menschen verstehen kann. Die Soziologen denken in dieser Richtung weiter und bezeichnen die Jugendlichen sogar als Subkultur, die zwischen Abnabelung und Identitätsfindung den gefestigten Gesellschafts-formen, wie Arbeit und Familie, als gesellschaftliche Teilkultur gegenüberstehen. Jugendliche befinden sich auf der Suche nach ihrem Platz im Leben, erst dann können sie sich selbst auch als Teil der Gesellschaft sehen. Blickt man nun genauer auf das Individuum, muss der Jugendliche in dieser Zeit große physische, psychische und soziale Veränderungen bewältigen, die auch als Entwicklungsaufgaben der Jugendphase bezeichnet werden und wie folgt dargestellt werden können: - Entwicklung einer intellektuellen und sozialen Kompetenz, um verantwortlich handeln und sich selbst eine ökonomische Existenz aufbauen zu können. Sie bildet sich dann zur sog. Berufsrolle im Erwachsenenalter aus. - Entwicklung des inneren Bildes der Geschlechtszugehörigkeit, um die eigene und auch fremde Sexualität zu erkennen und diese in Form einer Partnerschaft bis hin zur Ehe ausleben zu können, sog. Partner- und Familienrolle im Erwachsenenalter. - Entwicklung selbstständiger Handlungsmuster für die Nutzung des Konsumwarenmarktes, um zu Lernen mit Geld umzugehen und dieses bewusst zu nutzen , sog. Konsumentenrolle. - Entwicklung eines Werte- und Normsystems und eines ethischen und politischen Bewusst-seins, zur Reflexion des eigenen Verhaltens und der Übernahme gesellschaftlicher Partizi-pationsrollen, die in die sog. Rolle als politischer Bürger im Erwachsenenalter übergehen.[3] Erst wenn im öffentlichen und privaten Raum, d.h. im Bildungs- und Arbeiterbereich und im Familien- und Partnerschaftsbereich, ein vollständiger Grad an Autonomie geschaffen wurde, befindet sich der Jugendliche auf dem Weg ins Erwachsenenalter. Zusammengefasst kann man also sagen, dass sich Jugendlichen „auf dem biografischen und gesellschaftlichen Weg vom Kind zum Erwachsenen“ befinden.[4]

2.2.2. Jugendliche Lebenswelten

An dieser Stelle möchte ich noch den sehr wichtigen Punkt der „jugendlichen Lebenswelten und ihr Verhältnis zu Religion und Kirche“, die übersichtlich von Bernhard Spielberg an Hand der Sinusstudie dargestellt werden, mit in diese Arbeit aufnehmen, da ich der Überzeugung bin, dass eine Predigt, die auf die Bedürfnisse jugendlicher Hörer und den Versuch der Kommunikation mit diesen zielt, auch die Ansicht ihrer Lebenswelt im Blick haben sollte. Spielberg verweist dabei auf die drei am häufigsten vorkommenden Milieus, die in einem Modell zur Darstellung unterschiedlicher Lebenswelten in Deutschland durch die Heidelberg-er Sinus-Studie im Jahre 2007 erfasst wurden. Zu dem ersten Milieu, dem sog. „Modernen Performer“, zählen 25% der Jugendlichen, die sich gerne und schon früh mit den weitreichenden Möglichkeiten der medialen Welt befasst haben. Sein Leben ist sowohl beruflich, als auch Privat von Extremen geprägt und alle Wege und Optionen werden von ihm offen gehalten. Der „Moderne Performer“ verbindet materiellen Erfolg mit lustvollem Genuss. Er wird deshalb auch oft als egozentrisch, auffällig ehrgeizig und in vielen Fällen als arrogant wahrgenommen. Sein Verhältnis zu Religion und Kirche ist instrumenteller Natur und im weitesten Sinne nur auf Religion bezogen. Diese hat dann einen Nutzen, wenn sie ihn erstens persönlich weiterbringt und zweitens in seine moderne Weltanschauung hinein-passt. Die Kirche wird von dem „Modernen Performer“ einerseits als kaum präsent angesehen und andererseits als veraltet und zu konservativ. Die zweite Milieuform wird als „Experimentalisten“ (Sinus C2) bezeichnet und ihnen gehören 14% der Jugendlichen an. Sie haben Lust am Entdecken, Erleben und Erfinden von neuen Formen und Perspektiven und sind auf der Suche nach exotischen-exzentrischen Selbst-erfahrungsmöglichkeiten, was sich auch in ihren extremen biografischen Schwankungen wiederspiegelt. „Experimentalisten“ sind offen und tolerant für jegliche Art von Lebens-führung, solange sich nicht in Zwängen, sozialen Verpflichtungen oder sogar im spießbürg-erlichen Idyllen enden. Auf diese Weise ist ebenfalls ihr Verhältnis zu Religion und Kirche geprägt. Religion hat für sie einen starken spirituellen Charakter, der jedoch auch ohne institutionelle Bindung erlebt werden kann. Einerseits besitzen sie ein sehr hohes kreatives und spirituelles Potenzial, welches oft zu einer kirchlichen Distanz führen kann und andererseits suchen sie Grenz- und Sinnerfahrungen in profilierten kirchlichen Positionen. Von den meisten werden die „Experimentalisten“ als Künstler oder Designer gesehen, die kreativ und selbstbewusst ihr Leben führen. Die dritte Milieuform, welche mit 26% unter den Jugendlichen am meisten vertreten ist, wird als „Hedonisten“ (Sinus BC3) bezeichnet. Sie leben im Hier und Jetzt, wollen sich abgrenzen, sich widersetzen und sich nichts vorschreiben lassen. Ihr Leben ist definiert von beruflichen und gesellschaftlichen Verhaltenszwängen, denen ein nonkonformistisches Freizeitverhalten, basierend auf der „Leben ist Fun“-Devise, gegenübersteht. Sie grenzen sich klar von dem Spießbürgertum ab und versuchen sich von gesellschaftlichen Zwängen weitestgehend zu lösen. „Hedonisten“ werden für spontan und unkonventionell erachtet mit einem Hang zum Chaotischen. Ihr Verhältnis zur Kirche und Religion, die sie klar zu den Machtapparten der Gesellschaft zählen, ist distanziert und kritisch. Meistens wurde die Religion schon früh beiseitegelegt und auf religiöse Erfahrungen verzichtet. Kirche gehört zur langweiligen Welt des Spießbürgertums und wird von den „Hedonisten“ meist nur durch ihre Protagonisten, d.h. Pfarrer, Diakone, usw. wahrgenommen.[5]

2.2. Predigtverständnis nach Ernst Lange

Im Allgemeinen wird die christliche Predigt als „öffentliche sprachliche Kommunikation im Rahmen der Kirche verstanden, genauer die Verkündigung im Rahmen einer gottesdienst-lichen Feier.“[6] Ihre Inhalte erschließen sich deshalb auch aus der Predigtsituation, im Rahmen der Kirche. Es geht um die Geschichte Gottes mit den Menschen, wie sie in den Texten der Bibel grundgelegt und in der Geschichte des Christentums überliefert ist und sich im konkreten Leben der Menschen heute auf die von Gott verheißene Zukunft hin fortsetzt. Im Blick auf die Situation der Gegenwart sind die möglichen Themen sehr vielfältig und können in unterschiedlichen Formen dargelegt werden.[7] Rein theoretisch gesehen ist die Predigt, in Form einer öffentlichen Rede, Verkündigung in Wort und Sprache und vollzieht sich in der religiösen Kommunikation.

[...]


[1] EKD, Kinder und Jugend, S.2.

[2] Münchmeier, Jugend, S.286.

[3] Hurrelmann, Lebensphase, S.20-36.

[4] ebd., S.36.

[5] Vgl. Spielberg, Resignieren, S.23-38.

[6] Zerfass, Predigt, S.525.

[7] Vgl. Bitter, Predigt, S.262 - 296.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Wie erreichen wir unsere Jugend?
Untertitel
Homiletische Besonderheiten von Jugendpredigten
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Grundkurs Homiletik
Note
2,1
Autor
Jahr
2010
Seiten
19
Katalognummer
V204195
ISBN (eBook)
9783656303633
ISBN (Buch)
9783656305224
Dateigröße
523 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Homiletik, Jugend, Predigt
Arbeit zitieren
Julia Gleich (Autor), 2010, Wie erreichen wir unsere Jugend?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204195

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