Die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes aus archäologischer Sicht


Referat (Ausarbeitung), 2003

20 Seiten


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Siedlungsgeschichte Schleswig- Holsteins

3. Die Siedlungsgeschichte Mecklenburgs

4. Die Siedlungsgeschichte Niedersachsens

5. Zusammenfassung

Abbildungsverzeichnis

Literatur

1. Einleitung

Im Rahmen der Exkursion „Norddeutschland“ soll mit dieser Arbeit die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes aus archäologischer Sicht behandelt werden. Die Siedlungsarchäologie ist eine Wissenschaft, die in einem engeren Zusammenhang mit der Siedlungsgeografie und der Siedlungsgeschichte gesehen werden muss. Der Begriff Siedlungsarchäologie versteht sich dabei als die Erforschung des Ursprungs der Völker, somit als Stammeskunde. Mit der Siedlungsarchäologie können Besiedlungsvorgänge, d. h. die Be- und Entsiedlung sowie die Ansiedlung selbst erforscht werden. Besiedlungsprobleme können dabei aber nur unter Berücksichtigung der naturräumlichen Gegebenheiten erfasst werden. Als Grundlage einer Forschung aus archäologischer Sicht dienen Grabfunde, Ansiedlungen, Spuren landwirtschaftlicher Produktion, Hinterlassenschaften der Rohstoffgewinnung und -verarbeitung, Burgen sowie Depotfunde, Heiligtümer und Opferplätze. All dies sind siedlungsanzeigende Funde, Monumente und Befunde (Jankuhn 1977). Auf der Basis dieser siedlungsarchäologischen Quellen soll auch im Folgenden die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes dargestellt werden.

2. Die Siedlungsgeschichte Schleswig- Holsteins

Im Hinblick auf die historische Entwicklung Schleswig- Holsteins, ist dieses Gebiet einem Kulturkreis zuzuordnen, der alle nordischen Länder und weite Teile des Norddeutschen Tieflandes umfasst. Aufgrund der günstigen Lage des Landes spielt es für die Beziehungen zu anderen europäischen Gebieten eine wichtige Rolle. Die Fundplätze, die eine altpaläozoische Besiedlung Schleswig- Holsteins bezeugen, beruhen auf eingehenden Analysen und Erkundungen der eiszeitlichen Ablagerungen. Im Jahre 1932 wurde in Meiendorf, welches nordöstlich von Hamburg liegt, ein Fundplatz entdeckt, der auf ca. 15000- 20000 Jahre zu datieren ist und eine Lagerstätte eiszeitlicher Rentierjäger darstellt. Diese Ausgrabung und die Analyse einer Fundschicht von Stellmoor, die mit dem gleichen Alter belegt wird, lassen erkennen, dass der frühe Mensch in diesem tundrenartigen Gebiet während des Sommers von der Rentierjagd gelebt und in der kalten Jahreszeit mildere Landschaften aufgesucht hat. Eine Vielzahl von Geweih- und Knochenresten bezeugen dies. Die Feuersteingeräte, die hier gefunden wurden, sind in einen Kulturkreis einzuordnen, der sich über weite Teile Europas (Frankreich, Holland, Norddeutschland, Südrussland) erstreckt hat. Diese Periode ist das Magdalénien, benannt nach einem Fundplatz in Frankreich. Ein weiterer Fundort ist der von Ahrensberg (nordöstlich von Hamburg), der ebenfalls Rentierjäger nachweist. Belegt ist dies durch Ausgrabungen, die grobe Pfeilspitzen aus Flint (Feuerstein) oder Beile aus Rengeweih zum Vorschein gebracht haben (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Jagdwaffen der Rentierjäger (aus: Hirte 1996, S. 13)

Charakteristisch für Wohnplätze dieser Epoche sind ovale Hüttengrundrisse. Die nächste Periode, die sogenannte Ancyclus- Zeit, zeichnet sich durch Wohnstätten aus, die an Binnengewässern oder auf Inseln gelegen waren. Reste von Baumrinden, die gefunden wurden, dienten wahrscheinlich als „Isoliermatten“ auf dem feuchten Untergrund. Feuerstellen sind durch Sandaufschüttungen belegt. Innerhalb dieser Epoche ist auch eine Verschiebung der Ernährungsgrundlage zu verzeichnen. Aufgrund des Vordringens des Waldes, wurde dieser mit seiner Tierwelt, ebenso wie das Wasser, zur Nahrungsgrundlage. Im Benutzen von Boden ist vielleicht der Grundstein zur Sesshaftigkeit zu sehen, weil die Menschen jetzt an das Wasser gebunden waren und damit die Freizügigkeit des Altpaläolithikums verloren gegangen ist. Die Litorina- Zeit ist die Epoche aus der die ältesten Bestattungen bekannt sind. Die Toten wurden hier mit Steinen umsetzt. Weiterhin wurden Tongefäße, Knochenreste vom Ur, was auf eine Großwildjagd schließen lässt, sowie Muschelhaufen, die Mies- und Herzmuscheln enthielten, gefunden. Diese Muschelhaufen sind Zeugen der Ernährungsgrundlage und von Siedlungsschwerpunkten an Küsten. Solch ein Muschelhaufen wurden z. B. in der Nähe von Ellerbeck in der Kieler Förde bei Ausgrabungen gefunden. In der nun folgenden Jungsteinzeit fand aufgrund der Einführung der Viehzucht und des Ackerbaus eine große Veränderung in der Lebensweise der Menschen statt. Der Ackerbau entwickelte sich bereits im 7. und 8. Jahrtausend v. Chr. im Bereich des Vorderen Orients und erreichte durch die Ausbreitung über Südost- und Mitteleuropa etwa zu Beginn des 4. Jahrtausends v. Chr. das Gebiet des Norddeutschen Tieflandes. Über C14 Untersuchungen wurden die Zeitansätze der Ackerkultur in etwa bestimmt. Für die Epoche des Neolithikums wurden verschiedene Kulturkreise nachgewiesen (Brandt 1957). Zum einen gab es die Megalith- oder Trichterbecherkultur, zum anderen die Einzelgrabkultur. Über die Siedlungsweise der Menschen der Megalithkultur ist bekannt, das es einzelne Pfostenbauten gab, die einen rechteckigen oder langovalen Grundriss hatten. Die Wände dieser Wohnbauten waren aus Lehmbewurf oder lockerem Flechtwerk erstellt. Weiterhin wurden auch Häuser gefunden, die, ähnlich den späteren Grubenhäusern, einen unregelmäßig rundlichen Umriss aufwiesen. Kennzeichnend und namensgebend für die Megalithkultur waren die Riesengräber (Abb. 2). Diese bestanden aus einer Kammer, die durch einen Gang erreichbar war und durch weitere Steinreihen eingerahmt sein konnte.

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Abb. 2: Riesengrab der Megalithkultur (aus: Hirte 1996, S. 19)

Derartige Zeugen monumentaler Architektur stellten keine Primärgräber dar, sondern waren eher als Beinhäuser zu bezeichnen, in denen die Überreste der Toten hineinkamen, nachdem ihre Weichteile bereits vergangen waren (Hirte 1996, S. 18f).

Weiterhin wurden Grabbeigaben entdeckt, bei denen es sich um Steinkeulen, Bernsteinperlen, verzierte Tongefäße, Felssteinäxte und Feuersteinbeile handelt (Brandt 1957). Gefunden wurden derartige charakteristische Zeugen der Megalithkultur z. B. in Blankensee in der Nähe von Lübeck, in Wenningstedt auf Sylt und in Karlsmünden (Hirte 1996, S. 19). Im Laufe der Zeit besiedelte diese Kultur auch die inneren Teile des Landes und leitete somit einen ersten großen binnenkolonisatorischen Landausbau ein. Die Herkunft der Einzelgrabkultur, die im 3. Jahrtausend v. Chr. auftrat, ist noch weitgehend unklar. Vorzufinden sind Siedlungsplätze u. a. in der Nähe von Itzehoe. Allgemein kann gesagt werden, dass sich diese Kultur im Bereich der leichteren Sandböden niedergelassen hat. Im Gegensatz dazu die Megalithkultur, die auf den schweren Moränenböden siedelte. Charakteristisch sind, wie schon der Name sagt, Einzelgräber, in denen die Toten unter flachen Hügeln in Hockerlage bestattet wurden. Als Grabbeigaben wurden Feuersteindolche, Streitäxte, Becher und in wenigen Fällen Bernsteinschmuck gefunden. Aufgrund dieser Beigaben wird diese Kultur auch als Streitaxt- oder Becherkultur benannt. Nach der Verzierungsart der Tongefäße gehört diese Gruppe zum Kulturkreis der Schnurkeramik (Brandt 1957). Über die Siedlungs- und Wohnweise ist nur soviel bekannt, dass die Menschen dieser Kultur wohl in Behausungen gelebt haben, die zeltähnlich waren und somit an eine nomadische Tradition anlehnten. Der Ausgleich der mittelneolithischen Kulturgruppen fand in der sogenannten Dolchzeit, dem Spätneolithikum, statt und bildete den Übergang zur Bronzezeit (Hirte 1996, S. 21f). In der älteren Bronzezeit setzte sich dieser Prozess fort und endete im Auftreten einer einheitlichen nordischen Bronzekultur, die die künstlerische Seite aus der Megalith- und den Grabbau aus der Einzelgrabkultur übernommen hatte. Die Entwicklung dieses Volkes erfolgte ohne größere Einwanderungen fremder Kulturen (Brandt 1957). Angesiedelt hatte sich diese Bronzekultur vor allem im Sachsenwald südwestlich von Hamburg, im Altmoränengebiet Westholsteins, im Bereich der Jungmoräne im östlichen Holstein sowie auf den Nordfriesischen Inseln. Die Wohnstätten bildeten rechteckige, langgestreckte Pfostenhäuser, wobei in der jüngeren Bronzezeit die Basis größerer Siedlungseinheiten zu finden ist (Hirte 1996, S. 26). Auf der Insel Amrum konnte ein solches Haus näher untersucht werden (Brandt 1957). Bestattet wurden bei diesem Volk die Skelette unter einem Erdhügel, wobei sich ab dem 13. Jahrhundert v. Chr. die Brandbestattung durchsetzte. Ursachen hierfür werden in der religiösen Um- und Neuorientierung gesehen (Hirte 1996, S. 27ff). Die auf verschiedenen Bronzegeräten, Grabsteinen und Felsen entdeckten bildlichen Grafiken, lassen die Vorstellung persönlicher Gottheiten erkennen. Bei der Anlage der Gräber wurden neue Grabstätten in manchen Fällen so nah an bereits bestehende angelegt, dass die einzelnen Grabhügel zu einem großen zusammengewachsen waren. Ein Beispiel hierfür ist der sogenannte „Galgenberg“ in der Nähe von Itzehoe unter dem sich 10 älterbronzezeitliche Gräber befinden. Die Grabbeigaben wie Schmuck, Tracht und Holzgeräte geben Aufschlüsse z. B. über die Viehzucht und die Lebensweise. So lassen die gefundenen Trachten aus Wollstoffen auf eine entwickelte Schafzucht und der Schmuck auf einen hohen Wohlstand schließen (Brandt 1957). Weitere wichtige archäologische Quellen sind die Depotfunde aus der Bronzezeit. Hierbei wurden Werkzeuge zur Holz-, Leder- oder Metallverarbeitung und zur Feldarbeit sowie Waffen, Schmuck und Kulturgegenstände in Horten gefunden (Hirte 1996, S. 27). Im Verlauf der Bronzezeit dehnte sich der Besiedlungsraum der Bronzekultur auf das gesamte Norddeutsche Tiefland aus (Brandt 1957). Zu Beginn der Eisenzeit entwickelte sich das bronzezeitliche Pfostenhaus zu einem dreischiffigen Hallenhaus, in dem Wohn- und Stallbereich getrennt war. Die sogenannten Celtic Fields bezeichnen dorfartige Gehöftgruppen aus solchen Häusern und zusätzlich funktional getrennten Nebengebäuden. Eingegrenzt waren diese Gehöftgruppen oftmals von Stein- und Erdwällen sowie Gräben. Um 500 v. Chr., also während der älteren Eisenzeit, wanderten die Sueben in das norddeutsche Gebiet ein und besiedelten dort vor allem das südliche Holstein und das östliche Niedersachsen (Hirte 1996, S. 32). Während der ersten 400 Jahre n. Chr. sind im Gebiet von Schleswig- Holstein 4 unterschiedliche Gebiete bevorzugt besiedelt worden. In diesem Bereich vereinen sich somit verschiedene Völker- und Kulturkreise. Als erstes gab es im östlichen Holstein den Fuhlsbütteler Kreis, der nach einem Grabfeld nahe Hamburg benannt wurde. Die sogenannte Westgruppe siedelte in Nordfriesland, Dithmarschen und im westlichen Holstein. Aus dem Norden ist der Oberjersdaler Kreis bekannt, für den ein Gräberfeld südwestlich von Hadersleben namensgebend war. Die 4. Gruppe ist der Thorsberger Kreis, der den Südteil der Insel Fünen und die Landschaft von Angeln besiedelte. Ortsnamen sind historische Quellen, die für eine Siedlungsgeschichte relevant sind. Namen die auf –stedt, -ing, oder -leben enden sind in diese Zeit einzuordnen. Weiterhin charakteristisch für die Siedlungsstruktur jener Zeit ist der Beginn der Marschbesiedlung (Abb. 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Siedlungsbau in der Marsch (aus: Hirte 1996, S. 35)

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Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes aus archäologischer Sicht
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Geographie)
Veranstaltung
Exkursion
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V20421
ISBN (eBook)
9783638242981
Dateigröße
1579 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Siedlungsgeschichte, Norddeutschen, Tieflandes, Sicht, Exkursion
Arbeit zitieren
Susann Kupke (Autor), 2003, Die Siedlungsgeschichte des Norddeutschen Tieflandes aus archäologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20421

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