Diese Arbeit sucht Faktoren, die als Institutionen bezeichnet werden können und die positive Auswirkungen auf den Zusammenhalt in heterogenen Koalitionen haben. Die Bedeutung von politisch gleichen Zielen und Einstellungen vorausgesetzt, sucht diese Arbeit positive Instrumente die im möglichen Fall einer Koalition ohne solche geringe inhaltliche Distanzen, Stabilität sichert. Dabei werden zuerst Koalitionstheorien beleuchtet und die Bedeutung von politisch-inhaltlich geringer Distanz aufgezeigt. Darauf aufbauend durchleuchtet diese Arbeit den wissenschaftlichen Erkenntnisstand zu policy-heterogenen Koalition allgemein. Es werden verschiedene Ansätze dargestellt, welche sich mit der Auswirkung von oder auf solche Bündnisse beschäftigen. Dabei geht die Spannweite der Arbeiten von frühen Koalitionstheoretischen Arbeiten, über Aussagen über den Einfluss verschiedenster Institutionen auf Zusammenhalt in Koalitionen allgemein, bis hin zu den Wirkungen externer Einflusskräfte. Daraus ergibt sich ein Ergebnis, welches insbesondere den Einfluss der beteiligten Politiker hervorhebt als die Einflussmöglichkeiten verschiedener rechtlicher o.ä. Instrumente.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagentheorie
2.1 Minimal connected winning
2.2 Minimal Range
2.3 Einbettung policy-orientierter Theorien in die allgemeinen Koalitionstheorien
2.4 Empirische Bedeutung
3 Heterogene Gesellschaft und trotzdem stabile Systeme – die Konkordanzdemokratie
4 Heterogene Koalitionen in Konkurrenzdemokratien
4.1 Stärkere Koalitionstreue
4.2 Externe Zufallsereignisse
5 Institutionelle Faktoren mit positiver Wirkung auf heterogene Koalitionen
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht institutionelle Faktoren, die zur Stabilisierung von politisch-inhaltlich heterogenen Regierungskoalitionen beitragen können. Ziel ist es, in einem theoretisch konzeptionellen Ansatz zu ermitteln, welche Mechanismen den Zusammenhalt solcher Bündnisse über politischen Dissens hinweg sichern können, wenn eine inhaltliche Homogenität der Partner nicht gegeben ist.
- Grundlagentheorien der Koalitionsbildung und Policy-Orientierung
- Stabilität in Konkordanz- versus Konkurrenzdemokratien
- Faktoren zur Stärkung der Koalitionstreue
- Einfluss von externen Schocks und Bedrohungen auf Regierungskoalitionen
Auszug aus dem Buch
2.1 Minimal connected winning
Robert Axelrod (1970) formulierte in „Conflict of Interest“ seine Überlegungen so: „The hypotheses relating conflicts of interest to behaviour arethat the less conflict of interest there is a coalition, the more likely it will form and themoney likely will be durable if it does form“ (vgl. Axelrod 1970: 168).
„Demnach erleichtern geringere ideologische Gegensätze innerhalb einer Koalition deren Bildung und Erhalt“ (vgl. Müller 2004: 275). Hat eine Koalition eine geringere Spannweite der Politkinhalte, wie jede andere mögliche Mehrheitskoalition, nennt man sie „minimal connected winning“ Koalition. Die Spieler in dieser Koalition bilden also eine Mehrheitskoalition und sind inhaltlich-politische Nachbarn auf einer gedachten rechts-links Skala. Die Koalition ist geschlossen, d.h. zwischen den beiden äußersten Koalitionspartnern, sind alle Parteien auf der Skala zwingend Teil der Koalition. Solche Koalitionen enthalten keine zusätzliche Partei die nicht notwendig ist diese beiden Ansprüche zu erfüllen bzw. die das politisch-inhaltliche Spektrum erweitern würden. Sie gelten nach ihrer Bildung auch als stabil. Dabei spielt es für die Skalierung nach Axelrod keine Rolle, wie (unterschiedlich) weit die Parteien voneinander entfernt sind, es zählt nur die „Nachbarschaft“ (vgl. Axelrod 1970: 168). Diese Theorie hat sich empirisch immer wieder bestätigt und war auch Grundlage der später dargelegten empirischen Untersuchungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problemstellung ein, warum politisch heterogene Koalitionen weniger stabil sind und welche zentrale Forschungsfrage diese Arbeit zur Identifizierung von stabilisierenden Faktoren verfolgt.
2 Grundlagentheorie: Dieses Kapitel erläutert klassische Ansätze der Koalitionstheorie, darunter „minimal connected winning“ und „Minimal Range“, und diskutiert deren Bedeutung für die Regierungsbildung.
3 Heterogene Gesellschaft und trotzdem stabile Systeme – die Konkordanzdemokratie: Hier wird untersucht, wie Konkordanzdemokratien trotz gesellschaftlicher Fragmentierung politische Stabilität erreichen, im Gegensatz zu Konkurrenzdemokratien.
4 Heterogene Koalitionen in Konkurrenzdemokratien: Das Kapitel analysiert, wie Faktoren wie Koalitionstreue und externe Zufallsereignisse die Stabilität von Bündnissen in konkurrenzdemokratischen Systemen beeinflussen.
5 Institutionelle Faktoren mit positiver Wirkung auf heterogene Koalitionen: Hier werden spezifische Mechanismen identifiziert, die als „Koalitionsverstärker“ dienen können, wie etwa die personelle Besetzung oder formelle Verbindlichkeiten.
6 Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die identifizierten Stabilisierungsfaktoren und weist auf die theoretisch-konzeptionelle Natur der Arbeit hin.
Schlüsselwörter
Regierungskoalition, Policy-Heterogenität, Koalitionstheorie, Konkordanzdemokratie, Konkurrenzdemokratie, Koalitionstreue, Stabilität, politische Institutionen, Koalitionsbildung, Mehrheitskoalition, Vetospieler, politischer Zusammenhalt, Regierungsführung, Wahlsystem, Fraktionsdisziplin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche institutionellen Faktoren dazu beitragen können, politisch heterogene Regierungskoalitionen zu stabilisieren, wenn keine inhaltliche Übereinstimmung der Parteien vorliegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Koalitionstheorien, den Vergleich zwischen Konkordanz- und Konkurrenzdemokratien sowie Faktoren, die den Zusammenhalt innerhalb von Regierungsbündnissen stärken.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Frage lautet: Welche institutionellen Faktoren stabilisieren policy-heterogene Koalitionen beziehungsweise sichern deren Zusammenhalt über politischen Dissens hinweg?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch konzeptionelle Arbeit, die auf der Analyse existierender wissenschaftlicher Literatur und koalitionstheoretischer Ansätze basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden Koalitionstheorien dargelegt, die Stabilität in verschiedenen Demokratietypen untersucht sowie institutionelle Faktoren wie Koalitionstreue und der Umgang mit externen Ereignissen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Koalitionsstabilität, Policy-Heterogenität, Konkordanzdemokratie, Koalitionstreue und institutionelle Stabilisierungsfaktoren.
Inwiefern beeinflussen externe Zufallsereignisse eine Koalition?
Externe Ereignisse, wie wirtschaftliche Krisen oder Schocks, können die Verhandlungsmacht der Parteien verändern und die Wahrscheinlichkeit senken, dass eine Koalition bis zum Ende der Legislaturperiode zusammenhält.
Welche Rolle spielt die „Median Partei“ bei der Koalitionsbildung?
Koalitionen mit einer „Median Partei“, die sich in der Mitte der Policy-Dimension befindet, bilden sich oft leichter, da diese Partei inhaltlich keine Mehrheit gegen sich hat.
- Arbeit zitieren
- Anton Frick (Autor:in), 2011, Institutionelle Faktoren zur Unterstützung heterogener Regierungskoalitionen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204299