Das Liebesverhältnis zwischen Abaelard und Heloise


Seminararbeit, 2001

11 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhalt:

1. Die Liebesdarstellung
1.1 Die Liebesdarstellung von Abaelard
1.2 Die Liebesdarstellung von Heioise
1.3 Die Darstellung Abaelard’s von Heloise
1.4 Die Darstellung Heloises’ von Abaelard

2. Bildung der Frau im Mittelalter
2.1 Allgemeine Darstellung
2.2 Der heilige Hieronymus: Über die Kindererziehung
2.3 Die Verbindung von Bildung und Kirche

3. Ehe im Mittelalter
3.1 Allgemeine Darstellung
3.2 Die Ehe zwischen Heloise und Abaelard
3.3 Heloise Aussagen zur Ehe
3.4 Ehe und Klosterleben

Zusammenfas sung

Literaturverzeichnis

Einleitung:

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Liebesverhältnis zwischen Abaelard und Heloise, dass in seiner Zeit ohne Beispiel bleibt. Zunächst wird im ersten Abschnitt versucht, die Liebesdarstellung sowohl von Abealard als auch von Heloise anhand von Zitaten aus dem Briefwechsel, welcher für diese Arbeit selbstverständlich als wichtigste Quelle anzusehen ist, zu beschreiben.

Danach wird, ebenfalls hauptsächlich auf der Basis des Briefwechsels, eine Wiedergabe und Interpretation der prägnantesten gegenseitigen „sachlichen“ Darstellungen von Abaelard und Heloise versucht.

Heloise als gebildete Frau ist für die behandelte Zeit sicherlich die auffallendere Person, weswegen im zweiten Abschnitt die Bildung der Frau im Mittelalter gesondert behandelt wird, um durch den Bezug zu Heloise wiederum ihre herausragende Persönlichkeit zu kennzeichnen.

Und ebenfalls wichtig für das allgemeine Verständnis von Liebe im Mittelalter ist das Thema Ehe, welches nach einer allgemeinen Beschreibung ebenfalls in Bezug zu Abaelard und Heloise gesetzt werden soll; hierbei ist besonders die Haltung Heloises’ als Frau des Mittelalters herauszuheben.

Diese drei Hauptthematiken bieten sich an, durch den Bezug zu dem Liebespaar durch. Zitate aus dem Briefwechsel den Rahmen für die Behandlung des Themas bilden.

ì. Die Liebesda rs teihin g X.Í Die Liebesdarstellung von Abaelard

Zunächst soll hier die Liebesdarstellung von Abaelard beschrieben werden. Hierbei ist zu beachten, dass sich seine Zuneigung Heloise gegenüber durch Liebesbekenntnisse im Verlauf der Briefe ändert; Der erste Brief beinhaltet zwar Zitate, welche noch, aufgeführt werden sollen, in denen Abaelard auch im heutigen Verständnis edite Zuneigung und Hingabe verspürt. Aber schon im dritten Brief, seinem ersten Antwortbrief auf Heloise’s v ersten Brief, kann von jeglicher liebesdarstellung nicht mehr gesprochen werden bis hin zum fünften Brief, der von Selbstherabsetzung und Schuldbekenntnissen geprägt ist.

Gleichzeitig ist zu bemerken, wie leicht sich doch auch meistens fast sofort direkt vor, nach oder sogar in der entsprechenden Liebesbekundung Aussagen finden, die auf Egoismus Abaelard’s und Objekthaftigkeit der Heloise schliessen lassen. Schon direkt, als Abaelard in seinem 12. Absatz Heloise erstmals zu beschreiben beginnt, kann man lesen: „Sie [Heloise], gedachte ich mm, da sie eher willfährig war, zur Liebe an mich zu fesseln und meinte, am leichtesten könne ich dies. Mein Name war damals so hoch gefeiert,so dass ich keine Zurückweisung fürchten zu müssen glaubte, wenn ich eine Frau meiner Liebe würdigte, mochte sie sein, wer sie wollte.“1

Mit heutigen Moralvorstellungen betrachtet, sprechen Passagen wie „gedachte ich nun“, „und meinte, am leichtesten könne ich dies“, „wenn ich eine Frau meiner Liebe würdigte“ doch ganz klar gegen jegliche echte Zuneigung, vielmehr für die eigenen Interessen, da das wechselseitige Interesse Heloises nicht einmal in Betracht gezogen wird. Und am meisten für die oben schon erwähnte mögliche These der Objekthaftigkeit Heloises’ spricht ganz klar der Ausspruch „mochte sie sein, wer sie wollte.“ Danach zu urteilen, hätte anstelle von Heloise auch jede andere Frau stehen können.

Und auch viel später, im fünften Brief., kann man lesen: „Es war also nur gerecht, dass das Glied getroffen wurde, das an mir das Ganze begangen hatte und dass es durch seine Leiden sühne, was es durch seine Freuden verschuldet hatte: dies hat mich an Leib und Seele von aller Unreinheit abgeschnitten, in die ich versunken war wie in einen Sumpf...“2 Und weiter: „Wenn mich also die göttliche Gnade von diesen verächtlichen Gliedem[.,...]eher gereinigt als mich ihrer beraubt hat: was tat sie da anderes, als alles Schmutzige und Verächtliche zu entfernen, um Reinheit und Keuschheit zu retten.“3 Diese gefühllosen Sätze kennzeichnet die gleiche kühle Distanz, mit welcher Abaelard seine Pläne zur Eroberung Heloise'b darlegt und wie sie im folgenden zitiert werden.

„In Liebe zu diesem Mädchen vollkommen entflammt, suchte ich nach einer Gelegenheit, um sie durch täglichen Verkehr in ihrem Hause mir vertraut zu machen und sie leichter zur Hingabe zu verleiten,4 „Zur Hingabe zu verleiten“; auch diese Passage würde man nach heutigen Wertvorstellungen als berechnend bezeichnen, ebenso wie Abaelards Beschreibung des Verhaltens von Fulbert, dem Onkel der Heloise, während seines Bemühens um sie einige Zitate beinhaltet, die für sein strategisches Handeln stehen: „Ich musste sehr staunen, wie gross seine Einfalt war und ich war bei mir nicht weniger entsetzt, als wenn er das unschuldige Lamm dem hungrigen Wolf anvertraute.5 “J Mit dieser sehr bildlichen und drastischen Darstellung der Situation offenbart Abaelard recht genau seine Absichten und auch sein eigenes Bewusstsein des auf den eigenen Vorteil bedachten Handelns.

Zwar gibt es einige folgende Zitate, die ein tiefes Empfinden beiderseits nahe legen: „Zuerst ein Haus, dann ein Herz und eine Seele verbinden uns. Unter dem Deckmantel der Unterweisung gaben wir uns ganz der Liebe hin« und unsere Beschäftigung mit Lektüre bot uns die stille Abgeschiedenheit, die unsere Liebe sich wünschte.“6 Und direkt anschliessend findet sich ein weiteres, noch deutlicheres .Zitat der Zweisamkeit; „Kurz, keine Stufe der Liebe Hessen wir Leidenschaftlichen aus, und wo die Liebe etwas Ungeheuerliches erfinden konnte, wurde es mitgenommen.“7 „Allein die körperliche Trennung war das stärkste Band unserer Seelen, und unsere Liebe wurde umso glühender, je mehr die Erfüllung ihr versagt war,“8 Diese drei Passagen sind die einzigen, welche mir von Seiten Abaelard^ bekannt sind und welche auf kein eigenes Verlangen schliessen lassen. Schon ein anderes Zitat in diesem Zusammenhang lässt wieder Abaerlardfs Einseitig durchscheinen: „In Liebe zu diesem Mädchen vollkommen entflammt [,.,]9, auch hier kann man lediglich den Bezug auf die eigenen Gefühle interpretieren.

Abaelard gebraucht hier mehrfach das Wort „Liebe“ und nicht „Begierde“; „[...]und als Professor der Logik war er niemand, der mit Worten leichtfertigen Umgang trieb.“10 An dieser Stelle der Darlegung des Liebesverhältnisses stellt sich dann die Frage, inwiefern man das Liebesverständnis des 12. Jhd. mit dem heutigen vergleichen kann: Da werden einerseits, wie in den ersten Beispielen gezeigt, höchst fragwürdige und doppeldeutige Zeilen verfasst und dennoch äussert sich Abaelard auch so, wie in den Zitaten sechs, sieben und acht.

Dies legt meiner Meinung nach die Vermutung nahe, dass in einer absoluten Eliteschicht, in diesem Falle der Bildungsschicht, einige herausragende Frauen von den Männern durchaus mit Respekt und gleichberechtigt behandelt wurden, ganz im Gegensatz zur Realität des späten Hochmittelalters, in welchem Frauen in der absolut überwiegenden Mehrheit unter der „natürlichen“ Autorität des Mannes standen und ihre rechtliche Situation immer in Bezug auf den Mann definiert war.

Aber zwischen diesen letztgenannten Zitaten findet sich ein weiteres, welches sogar als Vergewaltigung gedeutet werden kann: „[...jija, um jeden Verdacht unmöglich zu machen, gab es einige Male Schläge.“[11] Diese Stelle wird von Abaelard nicht näher ausgeführt, weswegen man hier nur mutmassen kann, inwieweit er jene erteilte Erlaubnis der Züchtigung von Heloise durch den Onkel für sich und sein Verlangen wahrgenommen hat An späterer Stelle im fünften Brief beschreibt er sein brutales Verhalten Heloise gegenüber jedoch detaillierter: „Ja, mehr als einmal habe ich dich, selbst wenn du nicht wolltest, obwohl du ja von Natur schwächer warst, mit Drohungen und Schlägen gezwungen, mir zu Willen zu sein, auch wenn du, so sehr du konntest, dich sträubtest und widersprachst.12 Dieses Zitat spricht doch sehr deutlich für die Lustbefriedigung von Abaelard ohne Rücksicht auf Heloise. Wie schon oben erwähnt, ist man mit der Wechselhaftigkeit der Aussagen Abaelard’s zum Liebesverhältnis ständig einem Meinungskonflikt über Abaelard ausgesetzt mir war allzeit reizender die Bezeichnung „Geliebte“, oder gar- verarg’ es mir nicht- deine „Konkubine“, deine Dirne.“21

Dies mag auch durch den Umstand zu erklären sein, dass der Altersunterschied zwischen Abaelard und Heloise beträchtlich ist; während er auf die Vierziger zugeht, ist Heloise sechzehn oder siebzehn Jahre alt. Dies darf bei der Untersuchung des Liebesverhältnisses nicht vergessen werden, denn obwohl uns heute ein solcher Altersunterschied sicherlich bedeutsamer vorkommt als im Mittelalter, wo in Adelskreisen beispielsweise Ehen für Mädchen schon unter fünf Jahren ausgehandelt wurden22, so ist durch ihn doch eine Besonderheit in der Beziehung gegeben.

Dass Heloise eine andere Liebe empfindet, erweist sich schon in der „Historia calamitatimi“: Abaelard beschreibt ihr Verhalten nach ihrer Schwängerung: „Bald darauf fühlte Heloisa, dass sie empfangen hatte; in der höchsten Freude benachrichtigte sie mich davonf...]“23 Während man ähnliche Begeisterung bei ihm nicht feststellen kann, entspricht Heloise gerade dem heutigen Verständnis der wahren Liebe, sofern man dieses (auch) durch gewollten Nachwuchs definiert. Wobei dann allerdings auffällig ist, dass sowohl Heloise als auch Abaelard dem gemeinsamen Sohn Astrolabius im Briefwechsel keinerlei Bedeutung mehr zukommen lassen.

1.3 Die Darstellung Abaelards von Heloise

Bei dieser Fragestellung ist zu bemerken, wie schwierig es ist, geeignete Zitate anzuführen, welche sich auch wirklich in den ersten Briefen der Heloise finden lassen, in welchen sich das Liebesverhältnis abspielt. Ein für Heloise überaus sachliches Kommentar über Abaelard lautet; : „Denn welcher Vorzug des Körpers und des Geistes zierte nicht deine Jugend?“24 Mit dieser Beschreibung Abaelard’s (schön und klug) fällt es leicht, sich vorzustellen, warum sich Heloise ihm so bedingungslos hingibt Gleichzeitig macht sie dadurch auch ihre Ansprüche geltend: Die beiden Komponenten „klug“ und „schön“, deren Kombination im Mittelalter bei der schon beschriebenen minimalen bevölkerungsanteiligen Bildungs schiebt sicherlich nicht allzu häufig anzutreffen war, stellen dar, warum sich Heloise in Abaelard verliebt,

1.4 Die Darstellung Helmses ' von Abaelard

Hier soll kurz anhand von zwei Zitaten versucht werden, den Eindruck Abaelards von Heloise wiederzugeben. „Gehörte sie schon ihrem Äusseren nach nicht zu den letzten, so war sie durch den Reichtum ihrer Bildung weitaus die erste.“25 “ Diese Zitat ist nach der obigen Betrachtung der Liebesdarstellung sehr bedeutend: Während dort in den meisten Zitaten auch jene kühle Distanz und Objekthaftigkeit der Heloise zu lesen war, muss man, dieses Zitat isoliert betrachtet, davon ausgehen, dass Abaelard’s grösseres Interesse der geistigen Verbindung gilt. Während er Heloise’s Aussehen relativ und unbestimmt darstellt, definiert er sie nach ihrem Wissen doch sehr genau: weitaus die erste.

Und auch das zweite Zitat, welches hier für die Darstellung von Heloise angeführt werden soll, bezieht sich auf ihre Bildung: „Von diesem Mädchen aber glaubte ich, dass sie sich mir umso lieber hingeben werde, als sie wissenschaftliche Bildung besass und schätzte, wie ich wusste.“26

[...]


1 J H.~W. Kraute (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989. S.14

2 1 И.-W. Kraute (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.104

3 H.-W, Kraute (Hrsg,): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.105

4 H.-W, Kraute (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.15

5 H.-W. Kraute (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.15

6 H.-W, Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S. 16

7 H.-W. Kraute (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.16

8 H.-W. Krautz (Hrsg.); „Abaelard; Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.17

9 H,-W. Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.15

10 Mariateresa Fumagalli Beonio Brocchieri in: „Heloise und ilve Schwestern“, Ferruccio Bert ini (Hrsg.), 1991, S.167

11 H.-W. Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.16

12 H.-W. Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.104

21 H.-W. Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Öer Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.64

22 C. Opitz: „Frauenalltag im Mittelalter“, 1985, S.76

23 H.-W. Krautz (Hrsg,): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989, S.17

24 H.-W, Krautz (Hrsg,): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989,8.66

25 Krautz (Hrsg,): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989,8,14

26 H.-W. Krautz (Hrsg.): „Abaelard: Der Briefwechsel mit Heloisa“, 1989,8,14

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Das Liebesverhältnis zwischen Abaelard und Heloise
Note
1,5
Autor
Jahr
2001
Seiten
11
Katalognummer
V204352
ISBN (eBook)
9783668135567
Dateigröße
5037 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mittelalter, Abaelard, Heloise, Liebesverhältnis im Mittelalter, Ehe im Mittelalter, Bildung der Frau im Mittelalter
Arbeit zitieren
Paul Langner (Autor), 2001, Das Liebesverhältnis zwischen Abaelard und Heloise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204352

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