Sprachkultur - Sprachpflege - Sprachloyalität - Grundzüge und Kritik verschiedener Einstellungen zur Sprache


Hausarbeit, 2001

22 Seiten, Note: 2+


Leseprobe

Inhaltsübersicht

1. Fragestellung

2. Sprache im Wandel

3. Sprachpflege-Sprachkultur

4. Überblick
4.1. 17. Jahrhundert
4.2. 18. und 19. Jahrhundert
4.3. 19. Jahrhundert
4.4. 1919 bis 1949

5. Die Gegenwart
5.1 Anglizismen und die Bedeutung der englischen Sprache
5.2. Vergleich mit Frankreich

6. Institutionen zum Erhalt der deutschen Sprache
6.1. Die Dudenredaktion
6.2. Gesellschaft für deutsche Sprache ( GfdS )
6.3. Institut für deutsche Sprache ( IDS )
6.4. Verein für deutsche Sprache ( VdS )

7. Anglizismen-eine Gefahr ?

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Lehrbücher:

- A. Greule/ F. Lebesanft, Europäische Sprachkultur und Sprachpflege, gnv-Verlag, Tübingen, 1998

- V. M. Strocka, Die Deutschen und ihre Sprache – Reflexionen über ein unsicheres Verhältnis, Hempen Verlag, Bremen, 2000

- R. Fallenstein/ T. J. Ropeid, Sprachpflege in europäischen Ländern, Germanistisches Institut Universität Bergen, 1989

- GfdS/ IDS, Förderung der Sprachkultur in Deutschland – eine Bestandsaufnahme, Wiesbaden, 1999

- D. Zimmer, Deutsch und anders – die Sprache im Modernisierungsfieber, rororo Sachbuch, Hamburg 1997

- A. Greule/ E. Ahlvers-Liebel, Germanistische Sprachpflege, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1986

Lexika:

- dtv-Atlas Deutsche Sprache, München, dtv Verlag, 1998

Internet:

- Dr. Gerd Schramm, Prof. Dr. H.H. Dieter, Dieter Föhr, Kurt Gawlitta „Denglisch“ http://www.vds-ev.de/denglisch

- http://www.ids-mannheim.de/Abteilungen/html

1. Fragestellung

„Sprachkultur“, „Sprachpflege“, „Sprachloyalität“. Diese drei Schlagworte bezeichnen ein riesiges Spektrum. Im Folgenden werden wir uns auf die deutsche Sprache in der Bundesrepublik Deutschland beschränken. Da Sprache unterschiedliche Ebenen hat (Wortschatz, Grammatik usw..) möchten wir uns auf den Einfluss von Anglizismen in unserem Wortschatz beschränken. Anhand des Fremdworteinflusses, insbesondere des gegenwärtigen Einfluss von Anglizismen, möchten wir darstellen, welche Fragen sich stellen, wenn eine Sprache sich verändert. Soll man die „alte“ Sprachkultur, unser sprachkulturelles Erbe, schützen und erhalten? Sind harte Gegenmaßnahmen erforderlich? Und wenn man den Wandel zulässt, sollte man nicht doch leicht lenkend auf ihn einwirken? Je nach Standpunkt, Blickwinkel und Interesse variieren hier die Meinungen und Vorschläge.

Der Fremdworteinfluss auf die deutsche Sprache ist jedoch nichts Neues, daher möchten wir die Geschichte der „Sprachpflege“ in groben Zügen darstellen, und dabei besonderes Augenmerk auf die Ursache und den Einfluss von Fremdwörtern sowie den jeweiligen Umgang mit der Fremdwortfrage richten. Wir werden Institutionen vorstellen, die sich um einen Beitrag zur Sprachkultur bemühen und versuchen die deutsche Sprache zu pflegen.

2. Sprache im Wandel

Sprache ist das wichtigste Kommunikationsmittel des Menschen. Man geht davon aus, dass

Auf der Welt zwischen 3000 und 5000 Sprachen gesprochen werden, wobei es jedoch schwierig ist, die Varietäten von einer Sprache zu unterscheiden, da die Übergänge häufig fließend sind und die Kriterien zur Klassifizierung der Sprachen unterschiedlich sind.[1] Einige Sprachen sterben aus, andere hingegen geraten in einen – oder mehrere Sprachwandel im Laufe der Zeit. Sprache ist nicht statisch, sie verändert sich unaufhaltsam. Ständig werden neue Worte eingeführt, andere Worte sterben aus oder verändern ihre ursprüngliche Bedeutung.

3. Sprachpflege – Sprachkultur Zunächst möchten wir zunächst einmal die Begriffe der Sprachkultur und Sprachpflege erläutern. Schon bei der Definition von Sprachpflege und Sprachkultur gehen die Meinungen stark auseinander. Es gibt verschiedene Vorstellungen darüber, was Sprachpflege genau beinhalten soll, und ob sie überhaupt notwendig ist. Auch der Begriff der Sprachkultur ist ein vielschichtiger Begriff.

Eine relativ allgemeine neutrale Definition von Sprachpflege und Sprachkultur möchten wir hier in einem Zitat von Helmut von Faber wiedergeben:

„(..) Gewöhnlich tritt der Gedanke eine Sprache zu pflegen dann auf, wenn sie bereits ausgeformt in Gebrauch ist, sich jedoch der Notwendigkeit gegenübersieht, die ihr eigenen Formen, Inhalte und Wirkungen vor dem Einfluss innerer oder äußerer Umstände bewahren zu müssen. Mehr oder minder feste Größen bei der Pflege einer Sprache sind die Normen und Regeln, nach denen die jeweiligen Sprachen in geschriebener und gesprochener Form gehandhabt werden. Normen können entweder durch Gebrauch auf natürliche Weise entstanden sein, oder sich durch Konventionen und bewusste Setzungen gebildet haben. Zu den gesetzten Kodifizierungen zählen beispielsweise für das Deutsche die Festlegung der Rechtschreibung gegen Ende des 19. Jahrhunderts sowie, wenn auch in Abschwächung der Verordnungsform, die Normen der an der Bühnensprache orientierten deutschen Hochlauten von Theodor Siebs. Solche durch Gebrauch oder Setzungen entstandenen sprachlichen Normen, Konventionen, Regeln, Anweisungen, Vorschläge lassen sich grob in die unzweideutig Richtig-Falsch-Opposition und die weniger normstrenge Gruppe der Angemessenheit-Nichtangemessenheit unterteilen. Normen, von denen man sagen kann, sie seien so und nicht anders anzuwenden, betreffen meist Grammatik, grundlegende Wortbildungsregularitäten sowie Erscheinungsformen des Sprachwandels, die eine größere Toleranz in der Sprachverwendung im Hinblick auf situative Differenzierungen und Texttypen offen halten. (..)

Sprachpflege hat mit Sprachbeobachtung, -bewertung, -kritik, -planung, -lenkung zu tun, wobei sich dieses Tun auf das breite Spektrum zwischen rigider Behandlung der Setzungen bis zur bloßen Beobachtung und Feststellung des Sprachzustandes in der Wirklichkeit erstrecken kann. Allerdings ist der Begriff der Sprachpflege durch puristische Übertreibungen in der Vergangenheit, insbesondere durch rigorose Ablehnung des Gebrauchs von Fremdwörtern, immer noch, trotz unbestreitbar positiver Aspekte, mit negativen Assoziationen belastet, so dass man neuerdings statt von Sprachpflege lieber von Bemühungen um einen kultivierten Sprachgebrauch spricht. Damit wird jedoch als weiteres Reizwort der Begriff der Sprachkultur in die Diskussion um Wert und Unwert von Sprachpflege hineingetragen. Denn er erweckt auf Seiten der Benutzer im öffentlichen und halböffentlichen Sprachgebrauch wiederum Befürchtungen, dass damit einem elitären Kulturbegriff mit seinen sozialen Abgrenzungen das Wort geredet und die Demokratisierung einer sich abzeichnenden Vielzwecksprache behindert werde.

In den Definitionen zur „Sprachkultur“ spielt die von Wilhelm von Humboldt beschriebene Dialektik der Sprache zwischen statischem Produkt (ergon) und dynamischen Prozeß (energeia) eine wichtige Rolle. Daraus folgt, dass Normen den Anspruch, möglichst unveränderlich zu sein, nicht mehr in dieser Ausschließlichkeit aufrechterhalten, sondern im Wandel lebendiger Sprachentwicklung eine gewisse Flexibilität annehmen können. Diese sowie andere Anregungen aufnehmend und weiterführend haben die Mitglieder des Prager Linguistenkreises S. Trubetzkoi, R. Jacobsen, V. Mathesius und B. Havrànek den Begriff der Sprachkultur seiner elitären Stabilität entkleidet mit ihrer Forderung, dass sich die Hoch- und Literatursprache den kommunikativen Bedürfnissen der modernen Gesellschaft zu öffnen und dem damit verbundenen Wandel sprachlicher Normen, Regeln und Traditionen Rechnung zu tragen habe. Ziel der Sprachpflege ist für sie wie auch für ihre Anhänger und Nachfolger eine Sprachkultur, die sich nicht mehr allein einer abgehobenen Literatursprache verpflichtet fühlt, sondern sich darüber hinaus „auf Systeme von Normen (bezieht), die in einer Gesellschaft zu einer gegebenen Zeit zur Lösung kommunikativer Aufgaben zur Verfügung stehen. Insofern ist Sprachkultur am Niveau des Umgangs mit solchen Normen zu beurteilen“. Damit soll einem willkürlichem Wandel keineswegs das Wort geredet werden. (...) Es kann jedoch geschehen, dass harte Normen in die Peripherie weicher Normen abwandern und umgekehrt weiche Normen in die Kernzonen harter Normen gelangen.“[2]

4. Überblick der Sprachentwicklung vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Bevor wir auf den Einfluss der Anglizismen auf die deutsche Sprache eingehen, betrachten wir zunächst die Entwicklung der deutschen Sprache mit dem Schwerpunkt auf „Sprachpflegegeschichte“ und „Fremdworteinfluss“, um festzustellen, ob es schon früher fremdsprachliche Einflüsse auf das Deutsche gab und wie man damit umging.

Hierbei stützen wir uns hauptsächlich auf die Darstellung von Albrecht Greule und Elisabeth Ahlvers-Liebel.[3]

4.1. 17. Jahrhundert

Die Muttersprache wird in dieser Zeit hoch geschätzt, und das Deutsch wird auf eine Ebene mit den anderen „Hauptsprachen“ gestellt (Hebräisch, Griechisch und Latein). Dieser Stolz entsprach aber keineswegs dem damaligen Zustand der deutschen Sprache,

es existierte keine Nationalsprache. Die Sprache Luthers und das damit identifizierte Meißnische hatte zwar bei den ostmitteldeutschen und niederdeutschen Gelehrten und Dichtern Vorbildcharakter; aber es war nicht die über allen Mundarten stehende Einheitssprache.

Die Gefahr, dass sich das Deutsche stark mit Fremdwörtern vermischte und eventuell sogar völlig verdrängt werden könnte war Ende des Jahrhunderts nicht mehr ausgeschlossen, da der Dreißigjährige Krieg durch den Einzug fremder Truppen nach Deutschland den Fremdwörtern Eintritt in alle Schichten der Gesellschaft verschaffte.

Es konstituierten sich Sprachgesellschaften, die sich der Pflege der deutschen Sprache annahmen. Die bekannteste und bedeutendste von ihnen ist der sogenannte „Palmorden“. Er wurde 1617 von Fürst Ludwig van Anhalt-Köthen in Weimar gegründet. Zu seinen 890 (zum großen Teil Adelige) Mitgliedern gehörten im Laufe des 17. Jahrhunderts Dichter wie A.Gryphius, G. Ph. Harsdörfer, F.v. Logau, J.M. Moscherosch, M. Opitz, J.Rist, Ph. v. Zesen, sowie die Grammatiker Ch. Gueintz und J.G. Schottel. . Zum Ziel hatten sie sich die Förderung der deutschen Sprache gesetzt und stellten die „Pflege der gesprochenen deutschen Sprache“ gleichrangig neben die „Pflege der geschriebenen Sprache“. Man wollte das Deutsche als Literatursprache hoffähig machen. Dichter sollten dazu bewegt werden ihre Muttersprache zu gebrauchen. Außerdem versuchte man die deutsche Sprache von „ausländischen“ Wörtern zu reinigen und sie durch deutsche Wörter zu ersetzen. Dadurch entstand oft die sogenannte „Verdeutschung“ (Neuprägung mit den Mitteln der eigenen Sprache). Harsdörfer ersetzte zum Beispiel das Wort „Chronographicon“ durch „Zeitschrift“. Zahlreiche Termini der Grammatik wurden deutsch geprägt. Es entstand die Grammatik von J.G. Schottel. Er ersetzte z. B. die Bezeichnung „Semikolon“ durch „Strichpunkt“. Philip von Zesen verdanken wir Neuprägungen wie z.B. „Anschrift“ für „Adresse“, „Mundart“ für „Dialekt“ und „Nachruf“ für „Nekrolog“, allerdings schossen seine Versuche in seinem Verdeutschungseifer „Nase“ durch „Gesichtserker“ bzw. „Löschhorn“ zu ersetzen über das Ziel hinaus.

[...]


[1] vgl. Microsoft Encarta 98

[2] R. Fallenstein/ T. J. Ropeid, Sprachpflege in europäischen Ländern, Germanistisches Institut Universität Bergen, 1989, S. 49-51

[3] A. Greule/ E. Ahlvers-Liebel, Germanistische Sprachpflege, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt, 1986

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Sprachkultur - Sprachpflege - Sprachloyalität - Grundzüge und Kritik verschiedener Einstellungen zur Sprache
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main  (Fachbereich Germanistik)
Veranstaltung
Einführung in die Sprachwissenschaft (historisch)
Note
2+
Autor
Jahr
2001
Seiten
22
Katalognummer
V2044
ISBN (eBook)
9783638112567
Dateigröße
520 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Darstellung der Sprachpflegegeschichte mit Blick auf den Fremdworteinfluss, danach Blick auf heutige Einflüsse auf die deutsche Sprache, insbesondere der Anglizismen. Es werden auch Institutionen vorgestellt, die sich um die Pflege der deutschen Sprache bemühen. 288 KB
Schlagworte
Sprachpflege Sprachkultur Sprachloyalität Sprachpflegegeschichte Anglizismen
Arbeit zitieren
Julia Wittke (Autor), 2001, Sprachkultur - Sprachpflege - Sprachloyalität - Grundzüge und Kritik verschiedener Einstellungen zur Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2044

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