Bischof Cyprian von Karthago - Krisenmanager oder Sektenführer?


Hausarbeit, 2005

13 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Cyprian und sein Verhältnis zum Staat

3 Die Christenverfolgungen unter Decius und Valerian

4 Christlicher Glaube als Krisenbewältigungsinstrument
4.1 Krisenangst und Weltuntergangsstimmung
4.2 Die christliche Gemeinde von Karthago: Profiteure oder Opfer der Krise
4.3 Der Bischof Cyprian und sein Verhältnis zur Macht

5 Zusammenfassung

6 Literaturliste

Einleitung

Cyprian war Bischof von Karthago ab 248 bis zu seiner Hinrichtung im Jahre 258. Sein umfangreiches Werk vor allem das kirchliche Leben in der christlichen Gemeinde Karthagos wieder , beinhaltet Vorschriften und Regeln und fordert die Einheit der Kirche. Es zeigt die Probleme und die Organisation der christlichen Gemeinde von Karthago. Weiterhin beschreibt es die innerchristlichen Verhältnisse in der afrikanischen Kirche und ihre Auseinandersetzungen mit Rom. Sein Traktat „De Ecclesiae Chatholicae unitate“ schrieb er im Sommer 251 zur Verteidigung der Einheit der Kirche. Es gilt als eines seiner wichtigsten Werke.

Die Amtszeit Cyprians fiel in die Periode der Soldatenkaiserzeit, in der sich grundlegende Veränderungen und ökonomische Probleme im Römischen Imperium zu entwickeln schienen. Die allgemeine Lage im Römischen Reich war nach Quellenlage zu Cyprians Zeit regional sehr unterschiedlich. In den Provinzen bestanden verschiedene Grenzkonflikte und es herrschten ständig wechselnde Soldatenkaiser (Kaiser vom Heer ausgerufen, oft ohne politischen Rückhalt in Rom). Es gab 70 Kaiser in 50 Jahren. Erst mit Diokletian konnte diese kritische Herrschaftsphase beendet werden.

Diese kritische Lage spiegelt sich vor allem in Cyprians Briefen wider. Kann man aber lediglich aus diesen Briefen auf eine Krise im Römischen Reich schließen, wie es Aföldy in seinem Aufsatz macht1, insbesondere, da sie nur wenig über weltliche Politik aussagen?

Konnte Cyprian, der über weitreichende Kontakte verfügt haben soll, und, wie Aföldy behauptet, „einen tiefen Einblick in die Notwendigkeiten des römischen Staates hatte - auch wenn er von den ,weltlichen Geschäften’ nur wenig hielt und das Leben [...] nur als einen Kampf für das ewige Leben betrachtet.“2, die Ökonomische Lage des Römischen Imperium Tatsächlich beurteilen? Leider ist die Quellenlage neben den Briefen Cyprians sehr dürftig, so dass eine Überprüfung seiner Aussagen schwierig ist.

In dieser Hausarbeit untersuche ich, welche Probleme Cyprian mit dem römischen Staat und seiner Kirche in der Krise, wenn man sie als eine solche annimmt, hatte. Welche Lösungen oder Auswege sah Cyprian? Hierbei beschränke ich mich auf den Zeitraum von seiner Wahl zum Bischof von Karthago bis zu seiner Hinrichtung.

Zum Verständnis der Situation in Karthago gehe ich auch auf die allgemeine Situation zur Zeit der Christenverfolgungen unter Decius und Valerian ein. Welche Rolle spielte in diesem Zusammenhang die karthagische und römische Gemeinde und ihre internen

Auseinandersetzungen? Wie ist Cyprian im Umgang mit seiner Gemeinde in Karthago zu bewerten? Welche Rolle spielt sein zeitweiliger Autoritätsverlustwährend seiner Abwesenheit aus Karthago für seine Haltung zu Kircheneinheit und Staat? Welche Möglichkeiten nutzt er, um seine Autorität zurückzugewinnen? War Cyprian ein Bischof, der seine Gemeinde in einer einigen Kirche aus einer internen oder weltlichen Krise führen wollte oder ein Sektenführer, der das Heil nur im Jenseits sah?

Cyprian und sein Verhältnis zum Staat

Thascius Caecilius Cyprianus, geboren um 200 und 246 getauft, wurde 248 zum Bischof von Karthago gewählt. Er stammte aus einer reichen Bürgerfamilie der Oberschicht Karthagos3. Er hatte eine gute Ausbildung, war bekannt als hervorragender Redner und erfolgreicher Advokat. Ostern 246 ließ er sich taufen und verschenkte seinen Besitz4. (Woher kam dann das Geld, das er aus dem aus dem Exil an die Gemeinde schickte?) In kürzester Zeit wurde er Priester und bereits zwei Jahre nach seiner Taufe von der christlichen Bevölkerung Karthagos zum Bischof gewählt, gegen den Willen des Klerus der Gemeinde.

Mit dem Bischofsamt in der Hauptstadt Nordafrikas wuchs Cyprian zugleich auch eine Vorrangstellung unter den rund 150 afrikanischen Bischöfen zu.

Für Cyprian waren der Bischof und dessen Kompetenzen sowie die Einheit der Kirche die wichtigsten Anliegen. Die theologische Ordnung steht für ihn über der weltlichen. Er vertritt einen hierarchischen Aufbau der Kirche mit klaren patriarchalischen Über- und Unterordnungen, wie man in allen seinen Schriften feststellen kann. Hoffmann meint, dass Cyprian sein christlich-biblisches Denken mit den Ordnungsvorstellungen und dem Beamtendenken der römischen Gesellschaft verband und deshalb eine starke Konzentration der Kompetenzen auf das Bischofsamt vertrat.5 Der Kaiser als weltlicher und der Bischof als geistiger Herrscher?

Alföldy dagegen behauptet, dass Cyprian völlig illusionslos gegenüber dem Staat gewesen sei und ihn für heillos krank hielt6. Er begründet dies mit Cyprians Sätzen zur Lage des Reiches7 Cyprian beschrieb, wie Missernten sich häufen, die Naturschätze erschöpft sind und Bevölkerungsrückgang sowie Misswirtschaft der Obrigkeit in die Krise führen8. Handelt es sich hier um eine objektive Beschreibung der Zustände im Römischen Reich, oder um die subjektive Einschätzung Cyprians und seine Art der Werbung für das Christentum als alternative Erlöserreligion?

Cyprian trat sein Amt in einer Zeit an, die von ständig wechselnden Kaisern und einem mächtigen Militär bestimmt war. Man kann davon ausgehen, dass ihm die Spannungen zwischen Kaiser und Militär auf der einen Seite und der wachsende ökonomischen Druck auf Stadt und Land auf der anderen Seite aufgrund seiner Bildung und sozialen Stellung bewusst waren. Er nutzte dies Wissen in seinen Aussagen über die Probleme und Missstände im Staat geschickt, um seiner Gemeinde klarzumachen, dass nicht das Vertrauen auf den Staat wichtig ist, sondern die Hoffnung auf das Jenseits und das Leben nach dem Tode. Sommer stellt die Frage nach der Glaubwürdigkeit des Textes Cyprians und ob diese Klagen über alle Lebensbereiche nicht vielmehr in einem Denken entstanden, wo man das Weltende erwartete und einen verklärten Jüngsten Tag mit einer neuen Zukunft9.

Cyprian gehörte der oberen sozialen Schicht Karthagos an. Da gerade diese unter steigenden Abgaben litt, konnte Cyprian mit seiner Krisenbeschreibung auch dort neue Anhänger finden mit dem Hinweis auf die Gewinnung eines ewigen Lebens nach dem Tode. Die Gemeinschaft der Bischöfe garantiere die wahre Lehre innerhalb der Kirche. Cyprian stellte diese an die Stelle des Staates im römischen Weltbild, meint Burns10. Kurz nach Cyprians Bischofswahl trat das Opferedikt des Decius in Kraft. Soziale Spannungen traten in Karthago auf. Zwischen Staat und Gesellschaft kam es zu Konfrontationen, für die die Christen verantwortlich gemacht werden. Cyprian flüchtet zunächst ins Exil.

Indem sich Cyprian am Ende wieder der staatlichen Ordnung widersetzt und den Märtyrertod stirbt, demonstriert er seiner Gemeinde , dass die christliche Ordnung über der staatlichen stehe.

Die Christenverfolgungen unter Decius und Valerian

Zwischen 250 und 259 n.Chr. kam es unter Decius und Valerian zu weitreichenden Christenverfolgungen. Warum wurden gerade die Christen verfolgt? Sie haben weder zu Aufständen gegen den römischen Staat oder Kaiser aufgerufen, noch haben sie soziale Unruhen gegen die Reichen geschürt. Ihre Hoffnungen und ihr Glaube richten sich auf das Reich nach der Wiederkehr Christi11, also ein himmlisches und kein weltliches Reich. Aber gerade das machte sie verdächtig. Ihre der Bevölkerung fremden Riten machten sie zu idealen Sündenböcken für auftauchende Probleme oder Fehlentwicklungen, zu Fremdkörpern in der römischen Gesellschaft.

Die Amtszeit Decius ist geprägt von Grenzproblemen im Osten des Römischen Reiches und der verheerenden Pestepidemie.

Cyprian war erst kurze Zeit im Amt, als 250 n.Chr. Decius nach seiner Machtübernahme den Befehl erteilt, dass alle Reichsbewohner den Göttern ein Opfer bringen müssen. Welche Ziele verfolgte der Kaiser mit seinem Edikt?

Man kann die dekische Verfolgung nur bedingt als ein gegen die Christen gerichtetes Verfolgungsedikt ansehen, vielmehr war es ein Opferedikt, das die Einhaltung der Opferriten einforderte, um die Götter milde zu stimmen in Zeiten, da das Reich sich von außen bedroht fühlte.

Cyprian flüchtete aus Karthago und leitete die Gemeinden mit Briefen aus seinem Versteck. In seinem Brief an den römischen Klerus, der seine Flucht missbilligt hatte, rechtfertigte Cyprian seine Flucht damit, dass ihm nicht seine persönliche Sicherheit wichtig gewesen sei, als die aufgebrachten Volksmassen seinen Tod forderten, sondern dass er durch seine Flucht die Situation für seine Glaubensbrüder beruhigen wollte.12. Cyprians Brief zeigt, dass durchaus auch große Teile der Bevölkerung Karthagos die Christen für Missstände verantwortlich machten. In dieser Zeit fielen zahlreiche Christen vom Glauben ab und brachten die geforderten Opfer, um nach kurzer Zeit wieder um Aufnahme in die Kirchengemeinde zu bitten.

Als die Verfolgungen 251 nach dem Tod von Decius unter Kaiser Gallus endeten, musste die Kirche entscheiden, wie man mit diesen Abgefallenen verfahren sollte. Hieraus entwickelte sich in Karthago wie auch in Rom ein Streit, der die Kirche an den Rand der Spaltung brachte. Zwischen der römischen Gemeinde unter Novatian und der karthargischen Gemeinde Cyprians fand hierüber ein reger Schriftverkehrstatt. Sie wollten eine endgültige Entscheidung der Frühjahrssynode 251 überlassen13. Cyprian kehrt nach Karthago zurück und setzt auf der direkt darauf einberufenen Synode der afrikanischen Bischöfe seinen Standpunkt in der Gefallenenfrage durch stärkt damit seine Position als Bischof.

Valerian, römischer Kaiser von 253 - 260 n. Chr., wurde in den ersten Jahren seiner Herrschaft eine christenfreundliche Haltung nachgesagt. Dies änderte sich mit zunehmenden Finanzproblemen, Münzverschlechterungen und militärischen Auseinandersetzungen an den Reichsgrenzen. Schuldige wurden in denen gesucht, die nicht den staatlichen Göttern opfern wollten.

Die beiden Christengesetze Valerians unterscheiden sich lediglich in der Methode. Beide verfolgten dasselbe Ziel: die christlichen Gemeinden, die auf dem Vormarsch waren, zu schwächen und ihre weitere Ausbreitung durch Versammlungsverbote zu verhindern.14 Das erste Edikt Valerians 257 n. Chr. verlangte von Bischöfen, Presbytern und Diakonen. öffentlich den Göttern Opfer darzubringen. Öffentliche christliche Versammlungen waren verboten. Heimliche Versammlungen wurden aber nicht verfolgt.

In seinem zweiten Edikt, das Valerianus 258 n.Chr. erlässt, wurde die Todesstrafe für den Klerus für den Fall festgesetzt, das dieser nicht abschwor und opferte. Senatoren, Ritter und andere hochrangige römische Bürger, die sich zum Christentum bekannten und nicht abschworen, verloren ihre Würde und ihre Güter wurden zugunsten der Staatskasse eingezogen. Bei Beharren auf dem Christentum drohte die Verurteilung zum Tode oder Zwangsarbeit. Frauen verloren ihre Güter und wurden verbannt.

Dieses Edikt war nicht regional begrenzt, sondern galt für das gesamte römische Reich. Die Edikte Valerians hatten zum Ziel die christlichen Gemeinden, die auf dem Vormarsch waren, zu schwächen und ihre weitere Ausbreitung durch Versammlungsverbote zu verhindern.

Unter Valerian wurde Cyprian nach dem 1.Edikt 257 nach Curubis verbannt und dann zurückgeholt. Als er sich weigerte, dem Christlichen Glauben abzuschwören, wurde er in Karthago verurteilt und enthauptet. Bis zuletzt versuchten einflussreiche nichtchristliche Freunde, ihn zum Einlenken oder zur Flucht zu überreden.

Christlicher Glaube als Krisenbewältigungsinstrument

War zu Cyprians Amtszeit in der Mitte des 3. Jahrhunderts das römische Reich in einer Krise? Welcher Art waren die Krisenerscheinungen? Eine schwere Heimsuchung stellte sicher die Pest dar, die die Bevölkerung stark dezimierte und durch die fehlenden Arbeitskräfte zu wirtschaftlichen Problemen führte.

[...]


1 Vgl. Alföldy 1989, S.481.

2 dito.

3 RE, Bd.4, Sp. 1938-1941.

4 Pontius, vita Cypr. 2.

5 Vgl. Hoffmann, A., S.33.

6 Vgl. Alföldy 1989, S.430.

7 Cypr., Ad Demetrianum 3ff. „Im Winter gibt es keinen Überfluss an Regen mehr für die Aussaat, im Sommer nicht mehr die übliche Wärme, damit sie reifen kann, und weder ist das Frühjahr heiter, noch reich an Ernte der Herbst. Erlahmt ist in den erschöpften Minen die Förderung von Silber und Gold und erlahmt die Produktion von Marmor. Ausgebeutet liefern die Adern von Tag zu Tag weniger. Es fehlt der Bauer auf den Feldern, der der Seemann auf den Meeren, der Soldat in den Kasernen, auf dem Forum die Ehrlichkeit, vor Gericht die Gerechtigkeit, in der Freundschaft die Solidarität, in den Künsten die Erfahrung, in der Kleidung die Diziplin“.

8 Cypr., Ad Demetrianum 3

9 Vgl. Sommer 2004, S.86

10 Vgl. Burns, 2002

11 Vgl. Dahlheim 1997. S.300.

12 Cypr. Ep. 20,1,2.

13 Vgl. Gülzow 1975, S.

14 Vgl. Schwarte 1989, S. 103ff.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Bischof Cyprian von Karthago - Krisenmanager oder Sektenführer?
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Institut für Geschichtswissenschaften)
Veranstaltung
Proseminar
Note
2.0
Autor
Jahr
2005
Seiten
13
Katalognummer
V204411
ISBN (eBook)
9783656310372
ISBN (Buch)
9783656311485
Dateigröße
393 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christliche Bischöfe, Krise des 3, Jahrhunderts;, Kartago und Rom, Märtyrer, Schisma
Arbeit zitieren
M. A. Gisela Seels (Autor:in), 2005, Bischof Cyprian von Karthago - Krisenmanager oder Sektenführer?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204411

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