Auszug aus der Einleitung:
[..] Was ist theoretische Bezugsrahmen dieser Theorie? Im weitesten Sinne zumindest steht diese im Zusammenhang mit dem Konstrukt der sozialen Bezugsnorm. In der Lehr-und Lernpsychologie gibt es zahlreiche Gründe, von dieser Abstand zu nehmen und stattdessen die sachliche, bzw. noch präferierter, die individuelle Bezugsnorm im Umgang mit Lernenden anzuwenden. Ein Grund für die übereinstimmende Ablehnung der Wissenschaft dieser Norm ist exakt diese Theorie des Frog-Pond Effekts. Im Zentrum der Leistungsreflexion steht nämlich hier der Vergleich mit der engsten bekannten sozialen Referenzgruppe und nicht die mit den eigenen, vorhergehenden Leistungen, Schwächen und noch verfügbaren Potenzialen zur Steigerung. [...]
Eine Beschäftigung und Weiterführung dieser, im Kern, trivialen Theorie ist daher von großer Bedeutung, um die immer wiederkehrenden Fehler im alltäglichen Lehr-Alltag immer tiefgründiger zu überdenken.
Besonders bedeutsam wird dieser Frog-Pond Effekt, da es um die eine der hauptsächlichsten Begründung geht, warum die Anwendung der sozialen Bezugsnorm abzulehnen ist: das eigene Fähigkeitskonzept wird, abhängig von der jeweiligen eigenen Position in einer starken oder schwachen Bezugsgruppe, signifikant beeinflusst.
Wie bereits einführend deutlich geworden ist, ordnet sich das fokussierte Phänomen in einen bestimmten Theorierahmen ein. Besonders die Erkenntnisse Marsh´s (1984/1987) waren grundlegend für die weitere Forschung, was sowohl die Erkenntnisse, als auch dessen Methodik zur Untersuchung des big-fish-little-pond-effects (BFLPE) betrifft. Im weiteren Verlauf der vorgelegten Arbeit steht zunächst einmal die Erhebung der empirischen Befunde im Mittelpunkt, die die Grundlage fortfolgender Überlegungen bilden. Dabei befinden sich Studien von Buehler/McFarland (1995) im Fokus, die den Einfluss eines Kollektiv-Selbstbewusstseins auf die Verarbeitung von Feedback im Hinblick auf den BFLPE untersuchten. Den Abschluss der Arbeit bilden Anwendungen der gewonnenen Erkenntnisse auf die Praxis der Schule. Dabei liegt der Fokus auf den Prämissen jener sich bestätigenden Hypothesen, die mit dem besseren Umgang mit verschiedenen Arten von Feedback verknüpft sind. Da jene positiv mit dem Vorhandensein eines Kollektiv-Selbstbewusstsein korrelieren, gilt es, Handlungsanweisungen zu formulieren, die genau ein solches Verständnis der Schüler fördern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Bemerkungen
2. Theoretischer Hintergrund
3. Empirischer Erkenntnisstand
3.1. Studie 1
3.2. Studie 2
4. Schlussfolgerungen für Lehr- und Lernkontexte
4.1. Einordnung und Übertragung der Ergebnisse auf die Schul-Praxis
4.2. Schlussfolgerungen für die Schul-Praxis
4.2.1. Individueller Wert eines Einzelnen für die Gruppe/-nleistung
4.2.2. Zufriedenheit mit der eigenen Gruppe
4.2.3. Zufriedenheit mit dem Ansehen der eigenen Gruppe in den Augen anderer
4.2.4. Einfluss der In-Group auf die eigene Persönlichkeit und Selbstbild
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss des collective self-esteem auf die Wirkungsweise des Big-Fish-Little-Pond-Effekts (BFLPE) und analysiert, wie das kollektive Selbstbewusstsein die Verarbeitung von Leistungsfeedback sowie das akademische Selbstkonzept von Schülern moderiert.
- Big-Fish-Little-Pond-Effekt (BFLPE) und soziale Bezugsnorm
- Moderierende Wirkung von Collective self-esteem
- Experimentelle Befunde zur Feedbackverarbeitung
- Pädagogische Implikationen für Lehr- und Lernkontexte
- Förderung kollektiver Selbstkonzepte im Schulalltag
Auszug aus dem Buch
3.1. Studie 1
Wie bereits erwähnt, bedienen sich Buehler/ McFarland in drei von vier Fällen hier dem charakteristischen Versuchsaufbau in der BFLPE-Forschung insofern, dass die Probanden zufällig einem Spitzenresultat einer leistungsschwachen oder einem schlechten Ergebnis der Gruppe mit besserer Leistung zugeordnet werden. Einmal jedoch, und das wird während den weiteren Ausführungen zu Studie 1 deutlich werden, ist diese Hierarchisierung innerhalb der In-Group nicht notwendig, da sich das Interesse auf die Zugehörigkeit zur eigenen Gruppe bzw. auf den Vergleich mit einer anderen sozialen Out-Group generell richtet.
Ehe eine Zusammenfassung der Studien erfolgen wird, erscheint es am sinnvollsten, jede der beiden Untersuchungen zunächst einmal für sich selbst zu betrachten.
Studie 1 stellt zu Beginn folgende Forschungshypothesen in den Raum:
Hypothese 1: Individuen mit stärker ausgeprägtem collective self-esteem2 zeigen stärker polarisierte Reaktionen — sowohl in emotionaler Hinsicht als auch bezüglich der Evaluation ihrer eigenen Fähigkeiten.
Hypothese 2: Deutlich geringere Unterschiede hinsichtlich der abhängigen Variablen, der Reaktion der Probanden, werden für Individuen mit geringem collective self-esteem erwartet, da — und das wird durch einen Blick auf die Indikatoren dessen des Kollektiv-Selbstbewusstseins deutlich — die Probanden die Zugehörigkeit zu dieser sozialen Gruppe aus den diversesten aufgeführten Gründen nicht als derart wichtig erachten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Bemerkungen: Einführung in den Frog-Pond-Effekt und die Relevanz des akademischen Selbstkonzepts im universitären und schulischen Kontext.
2. Theoretischer Hintergrund: Darstellung der theoretischen Grundlagen des Bezugsgruppeneffekts und Einführung des Konstrukts Collective self-esteem nach Crocker/Luhtanen.
3. Empirischer Erkenntnisstand: Detaillierte Analyse zweier Studien von Buehler und McFarland zur Wirkung von Feedback in Abhängigkeit vom kollektiven Selbstbewusstsein.
4. Schlussfolgerungen für Lehr- und Lernkontexte: Übertragung der empirischen Befunde auf die schulische Praxis und Ableitung konkreter pädagogischer Handlungsempfehlungen.
5. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Bedeutung von Kontextbedingungen und der Förderung des Gruppengefühls für die schulische Feedbackverarbeitung.
Schlüsselwörter
Big-Fish-Little-Pond-Effekt, Collective self-esteem, soziale Bezugsnorm, Feedbackverarbeitung, akademisches Selbstkonzept, Kollektiv-Selbstbewusstsein, In-Group, Schulpraxis, Leistungsfeedback, Sozialpsychologie, Differenzierung, Identität, Gruppenidentifikation, Leistungsreflexion, Selbstbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das "Collective self-esteem" (kollektives Selbstbewusstsein) beeinflusst, wie Individuen auf Leistungsfeedback innerhalb ihrer sozialen Bezugsgruppe reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen den Big-Fish-Little-Pond-Effekt (BFLPE), die Theorie der sozialen Bezugsnorm, psychologische Aspekte der Gruppenidentifikation und die Anwendung dieser Erkenntnisse im pädagogischen Kontext.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie unterschiedliche Ausprägungen des kollektiven Selbstbewusstseins als Moderator für die Verarbeitung von positivem oder negativem Feedback fungieren und welche praktischen Schlussfolgerungen sich daraus für Lehrende ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse und Zusammenfassung experimenteller Studien (insbesondere von Buehler und McFarland), die mit standardisierten Skalen (wie der von Crocker/Luhtanen) durchgeführt wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden der theoretische Rahmen, der aktuelle empirische Erkenntnisstand durch zwei spezifische Studien sowie die direkte Übertragung der Ergebnisse auf die Schul-Praxis detailliert diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Big-Fish-Little-Pond-Effekt, Collective self-esteem, akademisches Selbstkonzept und Feedbackverarbeitung.
Wie unterscheidet sich die Reaktion von Personen mit hohem gegenüber niedrigem Collective self-esteem auf Feedback?
Personen mit hohem kollektiven Selbstbewusstsein zeigen laut Studie stärker polarisierte Reaktionen und sind stärker von ihrem Status innerhalb der In-Group betroffen als Personen mit niedrigen Werten.
Warum ist die Förderung des Collective self-esteem im Unterricht relevant?
Die Förderung ist relevant, da sie Schülern helfen kann, Feedback (insbesondere negatives) emotional und motivational günstiger zu verarbeiten und das Zugehörigkeitsgefühl zur Lerngruppe zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Sebastian Ketting (Autor:in), 2012, Der Einfluss von collective self-esteem auf die Wirkungsweise des big-fish-little-pond-effects, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204413