„Die Kinder von heute sind Tyrannen. Sie widersprechen ihren Eltern, kleckern mit dem
Essen und ärgern ihre Lehrer.“ (Sokrates)
Zitate wie dieses lassen sich über die Jahrhunderte immer wieder finden. Offensichtlich
hatten Eltern schon immer Probleme mit ihren Kindern, vor allem in Fragen der
Erziehung. Und obwohl sich die Bedingungen, in denen Kinder aufwachsen, in jeder
Generation stark verändern, scheinen die Probleme immer die gleichen zu bleiben. Es
stellt sich also die Frage, wie sich die Kindheit verändert hat und wie Eltern und Lehrer
angemessen darauf reagieren können.
In dieser Hausarbeit möchte ich zunächst den Begriff Kindheit klären und dessen
historische Entwicklung ab dem Mittelalter nachverfolgen. Anschließend werde ich auf
die heutige Bedeutung von Kindheit eingehen, darstellen inwiefern sie sich verändert
hat und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen. Vertiefend betrachte ich den Punkt
der Erziehungsnormen im Hinblick auf deren aktuellen Stand. Da Erziehungsratgeber
heute sehr populär sind und eine große Rolle spielen, werde ich am Beispiel von
Michael Winterhoff eine mögliche Sichtweise auf Erziehungsnormen analysieren. Zum
Abschluss versuche ich mögliche Konsequenzen für die Arbeit an Grundschulen zu
ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff Kindheit
3. Veränderte Kindheit
3.1 Historische Betrachtung von Kindheit
3.2 Heutige Kindheit und Veränderung in der familiären Lebenswelt
4. Veränderte Erziehungsnormen
4.1 Sichtweise nach Michael Winterhoff
4.2 Aktueller Stand der Erziehung nach der forsa – Studie
5. Änderungen in der Schule
6. Fazit
7. Literatur- und Quellenangaben
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht den historischen Wandel von Kindheit sowie die Veränderung gesellschaftlicher Erziehungsnormen. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der pessimistischen Sichtweise populärer Erziehungsratgeber und der empirischen Realität von Eltern in Deutschland zu analysieren sowie Konsequenzen für die pädagogische Praxis an Grundschulen abzuleiten.
- Historische Entwicklung des Kindheitsbegriffs
- Soziostrukturelle Veränderungen der familiären Lebenswelt
- Analyse der erziehungstheoretischen Positionen von Michael Winterhoff
- Empirische Einordnung durch die forsa-Studie
- Pädagogische Anforderungen an die moderne Grundschule
Auszug aus dem Buch
4.1 Sichtweise nach Michael Winterhoff
M. Winterhoff wollte eigentlich keinen Erziehungsratgeber schreiben, sondern er wollte, dass Lehrer, Eltern, etc. über ihre Erziehung reflektieren. Winterhoff ist Kinderpsychiater und berichtet in seinen Büchern wie er Erziehung in seinem Alltag erlebt. Allerdings muss man berücksichtigen, dass er sich hierbei auf keinerlei Studien und Statistiken beruft und somit nur von seinen subjektiven Erfahrungen berichtet.
Winterhoff schreibt in seinen Büchern, dass Kindheit nicht als solche gesehen wird. Nach seiner Ansicht sind Kinder in einer psychischen Phase fixiert. Die Machtumkehr verbaut dem Kind die Chance auf eine gesunde Entwicklung. Die psychische Entwicklung von Kindern müsse in der Erziehung in den Mittelpunkt gestellt werden. „Er sieht sie nicht als Subjekte mit eigenem Willen und eigenen Vorstellungen, sondern als beliebig programmierbare Objekte.“ (Quis, J. 2009) Wenn Kinder nicht wie eine Maschine reibungslos funktionieren, sind sie für ihn defekt. Winterhoff sieht die Gesellschaft sehr negativ: Wie einen Rennwagen, der sich in einem selbst generierten Crash- Test befindet und auf eine Mauer zufährt. Seit ungefähr 60 Jahren hat er diese rasante Geschwindigkeit. (vgl. Winterhoff 2008 S.171) Außerdem betrachtet er die Entwicklung der Gesellschaft als nicht zukunftsweisend. Sie befände sich in einer Angststarre. Er sieht einen Werteverfall durch den Wegfall „der guten alten Schule“, da es keine klaren Linien gibt und das Niveau kontinuierlich sinkt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Wandel von Kindheit und Erziehungsnormen, um zu klären, wie Eltern und Lehrer auf die sich ändernden Bedingungen reagieren können.
2. Der Begriff Kindheit: Dieser Abschnitt erläutert Kindheit als gesellschaftliches Konstrukt, das je nach Epoche und kulturellem Kontext variiert.
3. Veränderte Kindheit: Es wird der historische Wandel vom Mittelalter bis zur Gegenwart analysiert, wobei besonders die soziostrukturellen Veränderungen der familiären Lebenswelt heute beleuchtet werden.
4. Veränderte Erziehungsnormen: Hier werden aktuelle Erziehungsansätze kritisch hinterfragt, insbesondere die Thesen von Michael Winterhoff im Vergleich zur empirischen forsa-Studie.
5. Änderungen in der Schule: Das Kapitel diskutiert, wie die Grundschule auf die veränderte Kindheit reagieren muss und welche reformpädagogischen Ansätze für eine Neugestaltung des Unterrichts relevant sind.
6. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass sich die Rahmenbedingungen der Kindheit zwar gewandelt haben, aber eine ausbalancierte Sichtweise zwischen althergebrachten Werten und neuen pädagogischen Notwendigkeiten erforderlich ist.
Schlüsselwörter
Kindheit, Erziehungsnormen, Michael Winterhoff, forsa-Studie, Grundschule, Sozialisation, Familiäre Lebenswelt, Erziehungsratgeber, Pädagogische Beziehung, Schulreform, Kindesentwicklung, Gesellschaftlicher Wandel, Erziehungsstil, Autorität, Schulalltag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den historischen und gesellschaftlichen Wandel von Kindheit sowie die daraus resultierenden Veränderungen in den Erziehungsnormen und deren Auswirkungen auf die Grundschulpädagogik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen die historische Betrachtung von Kindheit, die aktuelle familiäre Lebenswelt, Erziehungsstile und die notwendige Reaktion des Grundschulsystems auf diese Veränderungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die oft dramatisierten Darstellungen in Erziehungsratgebern (am Beispiel von Michael Winterhoff) wissenschaftlich einzuordnen und der realen Situation von Eltern sowie den Anforderungen an die Schule gegenüberzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte (Ariès, de Mause) mit empirischen Ergebnissen (forsa-Studie) verknüpft, um eine fundierte pädagogische Schlussfolgerung zu ziehen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der historischen Entwicklung, den soziostrukturellen Bedingungen heutiger Familien, einer kritischen Analyse von Winterhoffs "Tyrannen"-These und der praktischen Umsetzung von Reformen in der Grundschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Kindheit, Erziehungsnormen, Grundschule, gesellschaftlicher Wandel, Erziehungsstile und pädagogische Professionalität.
Wie bewertet die Autorin die Thesen von Michael Winterhoff?
Die Autorin bewertet Winterhoffs Position kritisch als kulturpessimistisch; sie weist darauf hin, dass er sich auf subjektive Erfahrungen stützt und dabei wissenschaftliche Studien sowie die Vielfalt moderner Erziehungsstile vernachlässigt.
Welche Rolle spielt die Gemeinschaftsschule in der Arbeit?
Die Gemeinschaftsschule wird als ein Beispiel für eine moderne Schulform genannt, die durch Rhythmisierung, individuelle Förderung und einen Wechsel zwischen verschiedenen Lernformen besser auf die heutigen heterogenen Schülerstrukturen vorbereitet ist.
- Arbeit zitieren
- Julia Hanf (Autor:in), 2012, Veränderte Kindheit im Hinblick auf Erziehungsnormen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204439