Fragestellung
„Sprachkultur“, „Sprachpflege“, „Sprachloyalität“. Diese drei Schlagworte bezeichnen ein riesiges Spektrum. Im Folgenden werden wir uns auf die deutsche Sprache in der Bundesrepublik Deutschland beschränken. Da Sprache unterschiedliche Ebenen hat (Wortschatz, Grammatik usw..) möchten wir uns auf den Einfluss von Anglizismen in
unserem Wortschatz beschränken. Anhand des Fremdworteinflusses, insbesondere des gegenwärtigen Einfluss von Anglizismen, möchten wir darstellen, welche Fragen sich stellen, wenn eine Sprache sich verändert. Soll man die „alte“ Sprachkultur, unser sprachkulturelles
Erbe, schützen und erhalten? Sind harte Gegenmaßnahmen erforderlich? Und wenn man den Wandel zulässt, sollte man nicht doch leicht lenkend auf ihn einwirken? Je nach Standpunkt, Blickwinkel und Interesse variieren hier die Meinungen und Vorschläge.
Der Fremdworteinfluss auf die deutsche Sprache ist jedoch nichts Neues, daher möchten wir die Geschichte der „Sprachpflege“ in groben Zügen darstellen, und dabei besonderes Augenmerk auf die Ursache und den Einfluss von Fremdwörtern sowie den jeweiligen Umgang mit der Fremdwortfrage richten. Wir werden Institutionen vorstellen, die sich um einen Beitrag zur Sprachkultur bemühen und versuchen die deutsche Sprache zu pflegen.
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Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung
2. Sprache im Wandel
3. Sprachpflege-Sprachkultur
4. Überblick
4.1. 17. Jahrhundert
4.2. 18. und 19. Jahrhundert
4.3. 19. Jahrhundert
4.4. 1919 bis 1949
5. Die Gegenwart
5.1 Anglizismen und die Bedeutung der englischen Sprache
5.2. Vergleich mit Frankreich
6. Institutionen zum Erhalt der deutschen Sprache
6.1. Die Dudenredaktion
6.2. Gesellschaft für deutsche Sprache ( GfdS )
6.3. Institut für deutsche Sprache ( IDS )
6.4. Verein für deutsche Sprache ( VdS )
7. Anglizismen-eine Gefahr ?
8. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel der deutschen Sprache unter besonderer Berücksichtigung des zunehmenden Einflusses von Anglizismen. Ziel ist es, historische Entwicklungen der Sprachpflege aufzuzeigen und kritisch zu hinterfragen, wie mit sprachlichen Veränderungen in der Gegenwart umgegangen werden kann, ohne das sprachkulturelle Erbe zu gefährden.
- Historische Entwicklung der Sprachpflege vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
- Analyse des Einflusses von Anglizismen auf den modernen deutschen Wortschatz.
- Vergleichende Betrachtung der Sprachpolitik in Deutschland und Frankreich.
- Vorstellung maßgeblicher Institutionen zur Pflege und Erhaltung der deutschen Sprache.
Auszug aus dem Buch
4.1. 17. Jahrhundert
Die Muttersprache wird in dieser Zeit hoch geschätzt, und das Deutsch wird auf eine Ebene mit den anderen „Hauptsprachen“ gestellt (Hebräisch, Griechisch und Latein). Dieser Stolz entsprach aber keineswegs dem damaligen Zustand der deutschen Sprache, es existierte keine Nationalsprache. Die Sprache Luthers und das damit identifizierte Meißnische hatte zwar bei den ostmitteldeutschen und niederdeutschen Gelehrten und Dichtern Vorbildcharakter; aber es war nicht die über allen Mundarten stehende Einheitssprache.
Die Gefahr, dass sich das Deutsche stark mit Fremdwörtern vermischte und eventuell sogar völlig verdrängt werden könnte war Ende des Jahrhunderts nicht mehr ausgeschlossen, da der Dreißigjährige Krieg durch den Einzug fremder Truppen nach Deutschland den Fremdwörtern Eintritt in alle Schichten der Gesellschaft verschaffte.
Es konstituierten sich Sprachgesellschaften, die sich der Pflege der deutschen Sprache annahmen. Die bekannteste und bedeutendste von ihnen ist der sogenannte „Palmorden“. Er wurde 1617 von Fürst Ludwig van Anhalt-Köthen in Weimar gegründet. Zu seinen 890 (zum großen Teil Adelige) Mitgliedern gehörten im Laufe des 17. Jahrhunderts Dichter wie A.Gryphius, G. Ph. Harsdörfer, F.v. Logau, J.M. Moscherosch, M. Opitz, J.Rist, Ph. v. Zesen, sowie die Grammatiker Ch. Gueintz und J.G. Schottel. . Zum Ziel hatten sie sich die Förderung der deutschen Sprache gesetzt und stellten die „Pflege der gesprochenen deutschen Sprache“ gleichrangig neben die „Pflege der geschriebenen Sprache“. Man wollte das Deutsche als Literatursprache hoffähig machen. Dichter sollten dazu bewegt werden ihre Muttersprache zu gebrauchen. Außerdem versuchte man die deutsche Sprache von „ausländischen“ Wörtern zu reinigen und sie durch deutsche Wörter zu ersetzen. Dadurch entstand oft die sogenannte „Verdeutschung“ (Neuprägung mit den Mitteln der eigenen Sprache).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung: Diese Einleitung umreißt die Thematik des Sprachwandels und den Fokus auf den Einfluss von Anglizismen in der Bundesrepublik Deutschland.
2. Sprache im Wandel: Das Kapitel erläutert den dynamischen Charakter von Sprache als Kommunikationsmittel, das ständigen Veränderungen unterliegt.
3. Sprachpflege-Sprachkultur: Hier werden die theoretischen Begriffe der Sprachpflege und Sprachkultur sowie deren unterschiedliche Interpretationen definiert.
4. Überblick: Dieses Kapitel liefert eine historische Analyse der Sprachpflegegeschichte vom 17. Jahrhundert bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.
5. Die Gegenwart: Der Fokus liegt auf der aktuellen, starken Zunahme von Anglizismen und dem damit verbundenen Identitätsdiskurs.
6. Institutionen zum Erhalt der deutschen Sprache: Es werden die Aufgaben und Ziele von Organisationen wie Dudenredaktion, GfdS, IDS und VdS dargestellt.
7. Anglizismen-eine Gefahr ?: Dieses Kapitel hinterfragt kritisch, ob der Einfluss des Englischen eine tatsächliche Bedrohung für das Deutsche darstellt.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über den lebendigen Organismus Sprache und die individuelle Verantwortung der Sprachbenutzer.
Schlüsselwörter
Sprachkultur, Sprachpflege, Sprachloyalität, Anglizismen, Sprachwandel, Sprachpurismus, Sprachberatung, Identitätskrise, Deutsche Sprache, Sprachgeschichte, Fremdworteinfluss, Sprachgesellschaften, Standardisierung, Sprachbewusstsein, Sprachnormen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den historischen und gegenwärtigen Umgang mit der deutschen Sprache, insbesondere im Kontext von Sprachpflege und dem Einfluss von Fremdwörtern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte der Sprachreinigung, der Rolle von Institutionen im Sprachwandel und der aktuellen Debatte um Anglizismen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, den Einfluss des Englischen zu analysieren und zu hinterfragen, wie eine Balance zwischen notwendiger Sprachentwicklung und dem Erhalt des sprachkulturellen Erbes aussehen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse historischer und aktueller Fachpublikationen sowie auf die Dokumentation der Aktivitäten sprachpflegerischer Institutionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen historischen Rückblick auf die deutsche Sprachpflege und eine Analyse der aktuellen Situation unter Einbeziehung des französischen Vergleichs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Sprachkultur, Sprachpflege, Anglizismen, Sprachwandel, Sprachnormen und institutionelle Sprachberatung.
Wie unterscheidet sich die deutsche Situation von der in Frankreich?
Während Frankreich staatliche Eingriffe und Gesetze zur Sprachreinhaltung nutzt, herrscht in Deutschland aufgrund historischer Erfahrungen eine größere Zurückhaltung gegenüber normativen Vorgaben.
Was ist die Kernbotschaft zum Thema "Anglizismen"?
Anglizismen werden als Teil eines stetigen Sprachwandels betrachtet; die Autorin plädiert für ein bewusstes Sprachverhalten, anstatt durch rigide Verbote in die Sprache einzugreifen.
- Quote paper
- Julia Wittke (Author), 2001, Sprachkultur - Sprachpflege - Sprachloyalität - Grundzüge und Kritik verschiedener Einstellungen zur Sprache, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/2044