Die Villa Almerico Capra von Andrea Palladio - Ein architektonischer Überblick


Hausarbeit, 2011
20 Seiten, Note: 1,8 (13 Punkte, 1-)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Funktion der Villa

3. Lage und Umgebung

4. Grundriss

5. Äußere Gestaltung

6. Innere Gestaltung

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

Anhang: Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

„Vielleicht hat die Baukunst ihren Luxus niemals höher getrieben1 “ urteilte schon Goe- the, als er den Renaissance-Prachtbau im italienischen Vicenza, ein Gebäude mit nahezu perfekten Proportionen, quadratischem Grundriss, gigantischen Säulen und einem über- kuppelten Hauptsaal erblickte. Zweifelsohne kann die Villa Almerico Capra, heute bes- ser bekannt unter dem Namen „La Rotonda“, als Meisterwerk des berühmten italieni- schen Architekten Andrea Palladio angesehen werden, welches die Leitgedanken der Renaissance-Architektur verkörpert und gleichzeitig neu entdeckt. Erschaffen wurde die Villa für Paolo Almerico, einen hohen Beamten des päpstlichen Hofstaates. Nach dessen Tod wurde sie an Odorcia Capra verkauft.

Palladio begann im Jahre 1566 mit den Entwürfen und hatte den Bau im We- sentlichen bis 1569 fertiggestellt, vollendet wurde er nach seinem Tod von Vincenzo Scamozzi, einem Schüler Palladios. Palladio, der die Architektur des klassischen Alter- tums studierte und die daraus abgeleiteten Prinzipien in seinen „Vier Büchern zur Ar- chitektur“ festhielt, setzte ebendiese Prinzipien beim Bau der Villa Rotonda in die Tat um, sodass eine majestätische, äußerlich an einen antiken Tempel erinnernde Villa ent- stand. Ein wiederkehrendes Motiv ist neben antiken Elementen vor allem das deutlich erkennbare Streben nach Perfektion und nach idealen, harmonischen Proportionen, wel- che die Villa für lange Zeit stilbildend machten.

Um das Bauwerk in seiner beeindruckenden Gesamtheit und Wirkung erfassen zu können, skizziert diese Arbeit zunächst die Funktion sowie die Lage der Villa, die deren Ausgestaltung mit beeinflusst haben. Darauf aufbauend wird im Folgenden zu- nächst die Außenansicht der Villa einschließlich ihrer architektonischen Stilmittel er- fasst und erläutert, um schließlich zur inneren Gestaltung des Gebäudes überzuleiten und damit eine differenzierte, facettenreiche Beschreibung der Architektur, ihrer Be- standteile sowie ihrer Wirkung und Bedeutung zueinander zu ermöglichen.

2. Funktion der Villa

In der Renaissance entdeckte man nicht nur Elemente der Antike, sondern auch die Schönheit der Landschaft wieder und besann man sich auf das einfache Leben auf dem Land zurück, das als Ergänzung zum Stadtleben betrachtet wurde. Aus diesem Grund diente die Villa nicht mehr als bewirtschafteter Landsitz im Sinne einer „Villa rustica“, sondern eher als „Villa suburbana“, als Ort der Erholung und der Zerstreuung auf dem Lande. Wie auch die übrigen Villen Palladios sollte die Rotonda von hohem Nutzen und gleichzeitig von großer Schönheit sein und als Rückzugsort fungieren, an dem „Arbeit und Vergnügen, Körper und Geist, Ökonomie und Ästhetik zu einem neuen Bund zu- sammenfinden2.“ Da Palladios Bauherren wie Almerico dem Großbürgertum oder Adel angehörten, waren sie folglich vielseitig gebildete Menschen, die das Ideal eines huma- nistisch geprägten Lebens auf dem Land verwirklichen wollten. Die Villa Rotonda kann somit als Ausdruck eines völlig neuen Selbstverständnisses des allseits harmonisch ge- bildeten Menschen angesehen werden.

Der Kuppelsaal, der zentrale und wichtigste Raum der Villa, hatte eine repräsen- tative Funktion inne und diente zum Ausrichten von gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Festen, Aufführungen oder Zusammenkünften. Die Villa wurde auch als Sommer- wohnsitz genutzt, wenngleich die Gemächer im Obergeschoss und um den Kuppelsaal zu dauerhaften Wohnzwecken weniger geeignet waren, da ihre funktionale Anordnung im abstrakten Architekturkonzept an seine Grenzen stieß. Folglich war weitaus wichti- ger als die Praktikabilität und die Nutzbarkeit des Gebäudes dessen ästhetische Funktion und die damit verbundene Erschaffung eines idealen Gebäudes nach antikem Vorbild; Palladio erschuf somit kein Wohngebäude im herkömmlichen Sinn, sondern vielmehr ein Ideal. Die Wohnlichkeit musste zugunsten der architektonischen Grundidee zurück- treten.

3. Lage und Umgebung

Im Gegensatz zu anderen Architekten der Renaissance versuchte Palladio nicht, die Vil- la der Landschaft unterzuordnen. Vielmehr scheint die einzeln auf einer Anhöhe am Stadtrand der norditalienischen Stadt Vicenza liegende Villa nahezu aus der Landschaft herauszuwachsen und diese als weithin sichtbare Zierde zu krönen (Bsp.: Abb1). Palla- dio nutzte die freie Lage, die die gewählte, noch unbebaute Anhöhe bot, um eine har- monische Verbindung zwischen Landschaft und Bauwerk zu schaffen. Die an allen vier Seiten gleichmäßig mit einem Portikus ausgestatteten Fassaden nehmen in ihren Trep- penläufen den Anstieg des umgebenden Geländes auf und betten das Bauwerk in die umliegende Natur ein. Die offene Fassade der vier Portiken, deren Freitreppen in den Park führen, ermöglicht in alle vier Himmelsrichtungen einen Rundblick auf das land- schaftliche Panorama Veneziens.

Die Hügellage, die Palladio als Standpunkt für sein Bauwerk wählte, ist an die Lage antiker Bauwerke wie etwa den römischen Tempel in Verona angelehnt. Der höchste Geländepunkt wurde in der Antike von einem pantheonartigem Tempel ge- krönt3. Dadurch, dass Palladio die Villa Rotonda, die mit deutlich hervortretenden anti- ken Elementen ausgestattet ist, auf diese Anhöhe platzierte, wird der tempelartige, erha- bene Erscheinungscharakter der Villa betont und das Sinnbild der „architektonischen Synthese aus einem klassischem Tempel und einer suburbanen Villa4 “ verstärkt.

4. Grundriss

Bei der Grundrissgestaltung der Villa bediente sich Palladio strenger Geometrie sowie zweier einfacher idealschöner Formen: Des Quadrates und des Kreises, die dem Leitbild rationaler geometrischer Renaissance-Architektur entsprechen. So ist der Hauptbau der Villa auf einem quadratischen Grundschema entwickelt, dessen vier Ecken genau den vier Himmelsrichtungen entsprechen. Der kubische Hauptbau, dem ein zentraler Kreis eingeschrieben ist, über dem sich eine mächtige Tambourkuppel erhebt, weist an jeder Seite je einen Säulenportikus mit vorgelagerter Freitreppe auf, die den Gesamtgrundriss durch ihre zwei sich rechtwinklig kreuzenden Achsen in Form eines griechischen Kreu- zes erweitern und als richtungslosen Zentralbau erscheinen lassen (Bsp: Abb.2).

Die Villa gliedert sich in drei Geschosse: das Untergeschoss (Panterreno) unter- halb des Saales und der Portiken mit den Wirtschaftsräumen und den Zimmern für das Personal, das Erdgeschoss und gleichzeitige Hauptgeschoss, auch Piano nobile genannt, mit den repräsentativen Räumen sowie das Halbgeschoss (Piano attico) darüber, in dem die Wohnräume lagen. Das Erdgeschoss ist achsensymmetrisch aufgebaut mit dem kreisrunden Kuppelsaal, dessen Durchmesser der Breite der Säulenvorhallen entspricht, in der Mitte. Die beiden rechtwinklig verlaufenden schmalen Verbindungskorridore, die von den vier Vorhallen ausgehend auf den Hauptsaal zuführen, teilen den Grundriss in vier gleichgroße symmetrische Teile, die je aus einem kleineren sowie einem größeren Raum bestehen. Hierbei ist der kleinere Raum niedriger als der größere. Im Oberge- schoss ist dies umgekehrt. In der Mittelachse der vier sich kreuzenden tonnengewölbten Gänge befindet sich der über kreisrundem Grundriss errichtete Saal. Um diesen zentral gelegenen Kuppelraum sind die acht rechteckigen Zimmer in gleichmäßiger, symmetri- scher Folge angeordnet. Das Obergeschoss war ursprünglich nicht unterteilt, sondern als offener, weitläufiger Komplex gestaltet.

Um den runden Kuppelsaal harmonisch mit den ihn umgebenden rechteckigen Räumen zu verbinden, ordnete Palladio den Kreis des Hauptraums in ein Vierungsquad- rat ein, um das sich die einzelnen Räume gruppieren. In den so entstandenen vier Eck- zwickeln zwischen dem Quadrat und dem von ihm eingefassten Kuppelsaal befinden sich schmale Wendeltreppen, die die einzelnen Geschosse miteinander verbinden.

[...]


1 Burger, Fritz (1909): Die Villen des Andrea Palladio - Ein Beitrag zur Entwicklungsgeschichte der Renaissance-Architektur. Leipzig: Klinkhardt & Biermann , S. 54.

2 Rauterberg, Hanno: Der Traum vom idealen Haus. In: http://www.zeit.de/2008/40/Palladio-Jubilaeum (Abruf am 27.07.2011).

3 Boucher, Bruce (1994): Palladio- Der Architekt in seiner Zeit. München: Hirmer Verlag, S.298.

4 Ebd. S.290.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Die Villa Almerico Capra von Andrea Palladio - Ein architektonischer Überblick
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Kunstpädagogik)
Veranstaltung
Einführung in die Architekturgeschichte
Note
1,8 (13 Punkte, 1-)
Autor
Jahr
2011
Seiten
20
Katalognummer
V204612
ISBN (eBook)
9783656315438
ISBN (Buch)
9783656315568
Dateigröße
1747 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kunst, Architektur, Villa Rotonda, Rotonda, Almerico Capra, Palladio, Andrea Palladio, Renaissance
Arbeit zitieren
Anne Volkmer (Autor), 2011, Die Villa Almerico Capra von Andrea Palladio - Ein architektonischer Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204612

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Villa Almerico Capra von Andrea Palladio - Ein architektonischer Überblick


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden