Konfrontiert mit einem unbekannten Phänomen, hat der Mensch auf lange Sicht zwei
Möglichkeiten: Er ordnet es in ein ihm bekanntes System ein oder er entwirft ein neues System, in
das sich das Phänomen einordnen lässt.
Nach Kevin Kelly
ist das Phänomen, mit dem sich diese Arbeit beschäftigt, eines der größten,
komplexesten, und somit wichtigsten der Menschheitsgeschichte. Es bezeichnet die globale
Vernetzung menschlichen Wissens und die damit neue Form des Textes: der Hypertext. Diese Arbeit
behandelt die Begriffsdefinition, ausgehend von der seit den frühen 1990-er Jahren einsetzenden
theoretischen Reflexion.
Dazu werden einige Ansichten von Theoretikern wie George Landow,
Espen Aarseth und Uwe Wirth zitiert. Ihre Standpunkte teilen sich in zwei Gruppen: Auf der einen
Seite finden sich jene, die im Hypertext eine Bestätigung vorhandener Theorien sehen und eine
Einordnung in darauf basierende Systeme vornehmen. Auf der anderen Seite stehen die, die den
Hypertext als einen eigenständigen Bereich ansehen oder die für die bisherige Literaturanalyse
angewendeten Verfahren und Begriffe als nicht auf ihn anwendbar.
Obwohl diese Arbeit eine Stellungnahmen beinhaltet, bleibt die Diskussion, ob der Hypertext sich
in das bestehende theoretische Werk einordnet oder nicht, weiter offen. Dabei sind sich aber die
meisten Wissenschaftler einig, dass die neuen Dynamiken des Hypertextes wie erhöhte
Komplexibilität, Variabilität zwischen Textteilen und Beschleunigung leseaktiver Vorgänge ein
wichtiger Beitrag zur Charakterisierung menschlicher Kommunikation, und somit zur
Charakterisierung menschlichen Denkens sind. Landow spricht in diesem Zusammenhang von
einem „human metacode“.
Diese Strukturen werden mit der Theorie der neuronalen Gruppenselektion verglichen, einer 1978
von Gerald M. Edelman aufgestellten Bewusstseinstheorie. Ich werde untersuchen, inwieweit die
spezifischen Entstehungs- und Funktionsprozesse des menschlichen Bewusstseins im Hypertext
wiederzufinden sind und ob durch das Studium eines Bereichs Erkenntnisse über den anderen
möglich sind.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Thesen
2.1 Hypertext
2.2 Theorie der neuronalen Gruppenselektion
3 Hypertext
3.1 Definition
3.2. Grundlagen: Vannevar Bush und die Memex
3.3 Zwei theoretische Ansätze
3.3.1 George P. Landow
3.3.2 Espen J. Aarseth
3.4 Fazit I
4 Theorie der neuronalen Gruppenselektion
4.1 Definition
4.2 Aufbau des Gehirns
4.3 Neuronaler Darwinismus: Entwicklung neuronaler Strukturen
4.4 Kombination
4.5 Qualia
4.6 Identität
5 Strukturvergleich
5.1 Bisherige Ansätze
5.2 Die Narrative als Gemeinsamkeit zwischen Bewusstsein und Hypertext
5.3 Enzyklopädisches Schreiben
5.4 Links
5.5 Das Bewusstsein: Selektionismus, Logik und epistemische Grenzen
5.6 „Différancielles“ Potenzial im Bewusstsein
5.7 Übergreifende Strukturierungen des Bewusstseins und des Hypertexts
5.7.1 Das Zentrum
5.7.2 Das Parergon
6 Ausblick
7 Fazit II
8 Bibliografie
Häufig gestellte Fragen
Was ist der zentrale Strukturvergleich dieser Arbeit?
Die Arbeit vergleicht die Strukturen des menschlichen Bewusstseins (nach Gerald M. Edelmans Theorie der neuronalen Gruppenselektion) mit denen des Hypertexts.
Wie wird der Begriff "Hypertext" definiert?
Hypertext bezeichnet die globale, digitale Vernetzung von Wissen, die durch Dynamiken wie Komplexität, Variabilität und Beschleunigung der Leseaktivität geprägt ist.
Was ist die Theorie der neuronalen Gruppenselektion?
Diese 1978 von Gerald M. Edelman aufgestellte Theorie beschreibt die Entwicklung und Funktionsweise des Bewusstseins als selektiven, darwinistischen Prozess im Gehirn.
Welche Gemeinsamkeiten haben Bewusstsein und Hypertext?
Beide nutzen narrative Strukturen, basieren auf Verknüpfungen (Links) und weisen selektionistische Prozesse sowie epistemische Grenzen auf.
Wer sind die wichtigsten Theoretiker im Bereich Hypertext in dieser Arbeit?
Die Arbeit zitiert und analysiert die Standpunkte von George Landow, Espen Aarseth, Uwe Wirth und Vannevar Bush (Memex).
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- Anton Freibacher (Autor), 2008, Das Menschliche Bewusstsein und der Hypertext - ein Strukturvergleich, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204616