Zunächst möchte ich den Neorealismus und seine Kernthesen bezogen auf relevante Aspekte der Arbeit vorstellen. Anschließend werden die Begriffe Kalter Krieg, Nato und Warschauer Pakt erläutert, um eine Übersicht darüber zu liefern, welche Blocksysteme sich wie gegenüberstanden. Ferner möchte ich die Kernthesen des Neorealismus, auch in Bezug zum Realismus, auf diversen Ebenen der Ost-West-Polarität anwenden, um die Anwendbarkeit der Annahmen zu überprüfen und so die Stärken und Schwächen dieses Theorieansatzes aufzuzeigen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Der Neorealismus
1.1 Die Entstehungsgeschichte des Neorealismus
1.2 Grundlagen und Kernthesen des Neorealismus
2. Der Ost-West-Konflikt
2.1 Der Ost-West-Konflikt als „Kalter Krieg“
2.2 Die NATO
2.3 Der Warschauer Pakt
3. Die Ost-West-Polarität
3.1 Vorstellung der politischen und wirtschaftlichen Systeme
3.2 Eine Zeit der relativen Entspannung?
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwieweit die Theorien des Neorealismus nach Kenneth Waltz geeignet sind, die Phänomene und das Verhalten der Akteure während des Kalten Krieges (ca. 1945-1989) zu erklären und zu interpretieren.
- Theoretische Grundlagen des strukturellen Neorealismus.
- Analyse des Ost-West-Konflikts als bipolares System.
- Vergleich der sicherheitspolitischen Strategien von NATO und Warschauer Pakt.
- Untersuchung der Machtmittel (capabilities) und des Sicherheitsdilemmas.
- Evaluierung der Anwendbarkeit neorealistischer Annahmen auf die historische Realität.
Auszug aus dem Buch
1.2 Grundlagen und Kernthesen des Neorealismus
Der Neorealismus zeichnet ein archaisches und finsteres Bild der internationalen Politik, da es gewaltbereite Staaten gibt, die sich die Unterwerfung und Unterdrückung anderer Staaten zum Ziel gemacht haben. Demzufolge ist kein Staat vor einem aggressiven, bedrohlichen Gewaltakt seitens eines anderen Staates sicher und das Ziel eines jeden Staates ist es, seinen Fortbestand zu sichern und sich selbst verteidigungsbereit zu halten. Die Ursache für dieses Phänomen innerhalb internationaler Beziehungen ist die Anarchie, ein Ordnungsprinzip des internationalen Systems, bei dem es weder Instanzen noch Sanktionen zur Regelung zwischenstaatlicher Interaktionen gibt. Um autonom und souverän zu bleiben, muss ein Staat sich durch eigene Wehrhaftigkeit und/oder Bündnisse gegen eine einstweilige Bedrohung schützen.
Dient sich der Neorealismus häufig der Analogien zur ökonomischen Rational Choice-Theorie, indem er die Situation der Staaten mit denen von Unternehmen vergleicht, die sich auf den Märkten als konkurrenzfähig und rational handelnd zeigen müssen, wollen sie wettbewerbsfähig bleiben und vor feindlichen Übernahmen sicher sein (Krell 2006, S.157-160). Der Neorealismus unterscheidet sich somit deutlich vom Realismus, der die zentralen Handlungsmotive internationaler Politik in einem Streben nach Macht auf Grund der Natur des Menschen sowie der Wahrung eigener Interessen sieht (Jacobs 2010, S.48). Auch wenn der Neorealismus spezifische Interessen bei der Analyse internationaler Politik unbeachtet lässt, da sie sich in einer „black box“ befinden, so ist doch das Überleben des Staates seine herausragende Präferenz und sein vorrangiges Bedürfnis, die von ihm anhand von Entscheidungen nach den Gesichtspunkten einer Zweck-Mittel-Rationalität verfolgt werden (Schörnig 2010, S.72).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung stellt die historische Zäsur des Kalten Krieges dar und formuliert die Forschungsfrage zur Anwendbarkeit des Neorealismus nach Waltz.
1. Der Neorealismus: Es werden die theoretischen Wurzeln des Neorealismus, seine Abgrenzung zum klassischen Realismus sowie die zentralen Konzepte wie Anarchie und Capabilities erläutert.
2. Der Ost-West-Konflikt: Dieses Kapitel analysiert den Kalten Krieg als bipolare Konstellation und vergleicht die Bündnissysteme NATO und Warschauer Pakt hinsichtlich ihrer Strukturen.
3. Die Ost-West-Polarität: Hier wird der systemische Gegensatz zwischen den politischen und wirtschaftlichen Systemen beleuchtet und die Phase der relativen Entspannung kritisch reflektiert.
4. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Bewertung der neorealistischen Theorie ab, wobei Stärken in der strukturellen Erklärung sowie Schwächen bei der Einbeziehung ideologischer Faktoren hervorgehoben werden.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Kalter Krieg, Internationale Beziehungen, Bipolarität, Anarchie, Sicherheitsdilemma, NATO, Warschauer Pakt, Balance of Power, Capabilities, Außenpolitik, Systemtheorie, Machtgleichgewicht, Sowjetunion, USA.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die historische Epoche des Kalten Krieges unter der theoretischen Linse des neorealistischen Ansatzes nach Kenneth Waltz.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Struktur des internationalen Systems, der Dynamik von Bündnisbildungen und dem rationalen Verhalten von Staaten zur Sicherung ihres Überlebens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die abstrakten Annahmen des Neorealismus ausreichen, um die komplexen politischen Phänomene des Ost-West-Konflikts zu erklären.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine theoriegeleitete Analyse angewandt, die neorealistische Konzepte wie Anarchie und Balance of Power auf die tatsächliche historische Entwicklung zwischen 1945 und 1991 überträgt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der neorealistischen Theorie, eine detaillierte Betrachtung des Kalten Krieges und der Bündnisstrukturen sowie eine Untersuchung der systemischen Polarisierung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich das Werk charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Neorealismus, Bipolarität, Sicherheitsdilemma, Anarchie, Balance of Power und Capabilities.
Warum spielt die Anarchie laut dem Autor eine so große Rolle im internationalen System?
Nach neorealistischer Lesart existiert keine übergeordnete Weltinstanz, die Sicherheit garantieren könnte, weshalb Staaten gezwungen sind, sich durch Aufrüstung und Bündnisse selbst zu schützen.
Welche Schwächen des Neorealismus arbeitet der Verfasser im Fazit heraus?
Kritisiert wird insbesondere das "Black-box-Konzept", das Ideologien und individuelle Akteure ausblendet, sowie die unzureichende Berücksichtigung neuer Akteure wie globaler Konzerne.
- Arbeit zitieren
- Olaf Borgmeier (Autor:in), 2011, Der Ost-West-Konflikt aus der Perspektive des Neorealismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204656