Alternative Möglichkeiten der Besteuerung des Umsatzes


Seminararbeit, 2012
15 Seiten, Note: 13

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung – Geschichtliche Entwicklung der Umsatzsteuer

B. Hauptteil – Systematik der Umsatzsteuer
I. Wahl der steuerpflichtigen Unternehmungen
1. Allphasenumsatzsteuer
2. Einphasenumsatzsteuer
a) Großhandelsteuer
b) Einzelhandelsteuer
3. Mehrphasenumsatzsteuer
II. Wahl der Bemessungsgrundlage
1. Bruttoumsatzsteuer
2. Nettoumsatzsteuer
III. Wahl des Bemessungszeitpunkts – vereinnahmte / vereinbarte Entgelte
IV. Vermeidung der Kumulationswirkung bei All- (und Mehr-) phasensteuersystemen - Mehrwertsteuersystem
1. Vorumsatzabzugsverfahren
2. Vorsteuerabzugsverfahren
V. Relevante Umsatzsteuersysteme
1. Bruttoallphasenumsatzsteuer ohne Vorsteuerabzug
a) allgemein
b) Berechnungsbeispiele
(1) Steuerbelastung bei 4 Leistungsstufen und 4 Unternehmen
(2) Steuerbelastung bei 4 Leistungsstufen und 1 Unternehmen
(3) Optische Darstellung
2. Indirekte nichtkumulative Nettoallphasenumsatzsteuer mit Vorsteuerabzug
a) allgemein
b) Berechnungsbeispiel

C. Schluss – Zusammenfassung und Vergleich

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

A. Einleitung – Geschichtliche Entwicklung der Umsatzsteuer

Mögliche Alternativen der Besteuerung des Umsatzes gibt es zahlreiche. Eine grundlegende Einteilung erfolgt durch die Wahl der Bemessungsgrundlage. Die deutsche Umsatzsteuer hat bis heute die beiden grundlegenden Systeme durchlaufen. Fast 50 Jahre basierte die Besteuerung des Umsatzes in Deutschland auf einem Bruttoallphasensystem.[1] Seit dem 1.1.1968 erfolgt die Besteuerung nach einem Nettoallphasensystem.[2]

„Die Umstände ihrer Geburt waren [jedoch] keine Glücklichen.“[3] Aufgrund der immensen Kosten des erstenWeltkrieges sah sich das deutsche Kaiserreich nicht mehr finanzierbar und führte zur Deckung ihrer Kosten eine, nach dem damaligen Willen nur vorübergehende, allgemeine Besteuerung des Umsatzes ein.[4] Diese als Gesetz über den Warenumsatzstempel vom 26.6.1916 (RGBl 639) erlassene Steuer, gilt allgemein als Vorläufer und Initiator der späteren Umsatzsteuer.[5] Der Steuersatz betrug 0,1%.[6]

Durch das am 26.06.1918 erlassene Umsatzsteuergesetz wurde die Besteuerung des Umsatzes sodann endgültiger Bestandteil des deutschen Steuersystems.[7] Der Steuersatz wurde auf 0,5% angehoben.[8] Der Einführung einer Umsatzsteuer folgten, um nur die ersten Nachfolger zu nennen, 1919 Italien, 1920 Frankreich und 1921 Belgien.[9]

Bereits im Jahr 1918 wurde der Steuersatz weiter auf 1,5% angehoben.[10] Schon zu dieser Zeit wurde auf die Schwächen, insbesondere auf die sich aus dem System der Bruttoallphasensteuer ergebende Wettbewerbsverzerrung und auf die Möglichkeit eines Vorsteuerabzugsverfahrens hingewiesen.[11] Dennoch dauerte es noch rund 50 Jahre, bis dieser Gedanke sodann in Deutschland in die Tat umgesetzt wurde. Bis dahin versuchte man durch gezielte Sonderregelungen[12] die Wettbewerbsverzerrungen abzumildern.[13]

Nach langer Diskussion wurde, insbesondere aufgrund eines Richtlinienentwurfs der Kommission der EWG,[14] am 29.05.1967 das neue Umsatzsteuergesetz verkündet, welches am 01.01.1968 in Kraft trat.[15] Die neue Umsatzsteuer wurde Mehrwertsteuer genannt.[16] Die heute geltende Mehrwertsteuer[17] ist als eine indirekte, nicht kumulative Nettoallphasenumsatzsteuer mit Vorsteuerabzug ausgestaltet.[18]

B.Hauptteil – Systematik der Umsatzsteuer

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: (Dziadkowski 1990, S. 5)

I. Wahl der steuerpflichtigen Unternehmungen

Alle Güter durchlaufen auf ihrem Weg von der Urproduktion bis hin zur Konsumreife verschiedene Leistungsphasen und erfahren damit eine ständig anwachsende Wertschöpfung. Beispielhaft ergeben sich vereinfacht dargestellt folgende Leistungsphasen. Zuerst werden die Rohstoffe geborgen. Diese werden verarbeitet und zusammengebaut, bis am Ende das Produkt als solches das Werk verlässt. Folglich wird das Produkt gegebenenfalls an einen Großhändler weitergegeben, dieser verkauft es weiter an den Einzelhändler, welcher es wiederum an den Endverbraucher weitergibt. Möchte man nun diesen Güterumsatz besteuern, so stellt sich die Frage, auf welcher Leistungsstufe anzusetzen ist.

Die Systematisierung erfolgt dabei nach der Auswahl der steuerpflichtigen Unternehmen. Man unterscheidet zwischen Einphasen-, Mehrphasen- und Allphasenumsatzsteuern.

1. Allphasenumsatzsteuer

Im System der Allphasenumsatzsteuer wird jede Leistungsphase von der Urproduktion bis hin zur Konsumreife besteuert.[19] Auf jeder einzelnen Leistungsphase wird die volle Umsatzsteuer erhoben. Somit nimmt die endgültige Steuerbelastung entsprechend der Anzahl der Wirtschaftsstufen vom Hersteller bis zum Endverbraucher zu. Zudem wird die bereits aus einer vorherigen Produktionsstufe erhobene Umsatzsteuer Bestandteil ihrer eigenen Bemessungsgrundlage.

2. Einphasenumsatzsteuer

Im System der Einphasenumsatzsteuer dagegen, wird das Gut ab dem ersten Unternehmer bis hin zum Verbraucher grundsätzlich nur einmal steuerlich belastet.[20] Das Problem der „richtigen“ Besteuerung liegt darin, die steuerpflichtigen von den steuerfreien Umsätzen zu trennen.[21] In der Regel sind die meisten Umsätze aufgrund von Befreiungstatbeständen von der Steuerbelastung freigestellt. Kann für einen Umsatz eine Steuerbefreiung nicht buchmäßig aufgezeigt werden, so bleibt dieser steuerpflichtig und ist damit der Umsatzsteuer unterworfen.[22] Zwei typische Varianten der allgemeinen Steuerbefreiung sind die Großhandelsteuer und die Einzelhandelsteuer.

a) Großhandelsteuer

Die Umsetzung einer Großhandelsteuer beinhaltet typischerweise ein erforderliches Registrierungsverfahren. Dadurch wird die Produktionsstufe bestimmt, auf der eine Einphasenumsatzsteuer erhoben wird.[23] Für die Registrierung kommen typischerweise bestimmte Unternehmenstypen, wie beispielsweise industrielle und handwerkliche Erzeugerstufen oder der Großhandel in Betracht.[24] Die Erhebung der Umsatzsteuer kommt nur dann in Betracht, wenn ein registriertes Unternehmen an ein nichtregistriertes Unternehmen oder an einen Nichtunternehmer leistet. Leistungen innerhalb registrierter Unternehmungen, bzw. zwischen nichtregistrierten Unternehmungen bleiben steuerfrei.[25] Die Großhandelsteuer war bis 01.01.1995 das Umsatzsteuersystem der Schweiz.

[...]


[1] Weiss, UR 1993, S. 329, 329.

[2] Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 9.

[3] Weiss, UR 1993, S. 329, 329.

[4] Weiss, UR 1993, S. 329, 329; Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 6 f..

[5] Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 8; Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 7.

[6] Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 3; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 8; Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 7.

[7] Weiss, UR 1993, S. 329, 329; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 8; Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 7.

[8] Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 3; Weiss, UR 1993, S. 329, 329; Weitemeyer, Einführung in die Umsatzsteuer, S. 7.

[9] weitere Länder mit Jahreszahlen bei Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 656, mit Verweis auf: G. Schmölders: Organische Steuerreform. Grundlagen, Vorarbeiten, Gesetzesentwürfe, Berlin-Frankfurt/Main 1953, S. 567.

[10] Detaillierte Aufzählung der weiteren Entwicklung siehe: Birkenfeld, UR 1993, S. 321, 322 f.

[11] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 686 mit Verweis auf C. F. von Siemens: Veredelte Umsatzsteuer (1919), Siemensstadt (1920); Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 8.

[12] Ausführlich: Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 657 ff..

[13] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 671; Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 3.

[14] Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 4; Weiss, UR 1993, S. 329, 329; ausführlich dazu: Birkenfeld, UR 1993, S. 321, 326 f..

[15] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 657; Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 4; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 9.

[16] Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 4; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 9; kritisch zur Identität der Begriffe Nettoumsatzsteuer und Mehrwertsteuer: Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 661.

[17] Zu weiteren Reformen der deutschen Umsatzsteuer vgl.: Dziadkowski, Umsatzsteuer, S. 4 f.; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 9; Tanski, Steuerrecht: Prüfungswissen, Multiple-Choice-Tests, Originalklausuren, S. 110 f.; Weiss, UR 1993, S. 329, 334 f.

[18] Jakob, Umsatzsteuer, S. 3, 11 f..

[19] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 659; Neeb, Grundkurs Umsatzsteuer, S. 6; Jakob, Umsatzsteuer, S. 11.

[20] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 659, 674.

[21] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 660.

[22] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 675.

[23] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 675.

[24] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 675.

[25] Pohmer, Allgemeine Umsatzsteuern, S. 676..

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Alternative Möglichkeiten der Besteuerung des Umsatzes
Hochschule
Deutsche Universität für Verwaltungswissenschaften Speyer (ehem. Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer)
Veranstaltung
Grundlagen und aktuelle Probleme der Steuerpolitik
Note
13
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V204674
ISBN (eBook)
9783656307372
ISBN (Buch)
9783656308171
Dateigröße
815 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit gibt einen guten, zusammenfassenden Überblick über die Möglichkeiten der Umsatzbesteuerung in Deutschland. Die Systematik ist anschaulich dargestellt und an den entscheidenden Stellen mit Schaubildern zum bessern Verständnis versehen.
Schlagworte
Umsatzbesteuerung, UStG, Steuern allgemein, Steuerrecht, Mehrwertsteuer, MwSt
Arbeit zitieren
Dd.; LL.M. Tobias Schoener (Autor), 2012, Alternative Möglichkeiten der Besteuerung des Umsatzes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204674

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