In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts erfuhr die deutsche Dichtung einen
Wandel enormen Ausmaßes: An die Stelle des Klerus als Repräsentant der geistigen
Kultur trat nunmehr das Rittertum mit seinen Idealen und Tugenden.
Das Kloster, das einst als Wahrzeichen des kulturellen Weltbildes diente, verlor an
Wichtigkeit und wurde hinsichtlich seiner repräsentativen Aufgabe durch die
imposanten Burgen der Ritter abgelöst. Der kulturellen Veränderungen
entsprechend vollzog sich ebenfalls ein Wandel innerhalb der mittelalterlichen
Dichtung. Behandelten die größtenteils dem Klerus angehörigen Autoren zumeist
geistliche Themen oder biographische Auszüge adeliger Personen1, so wandte man
sich jetzt verstärkt weltlichen Themen zu.
In dieser Zeit entwickelte sich das ritterlich höfische Epos, das zum einen antike
Stoffe wie z.B. die Geschichte um Alexander den Großen oder den Krieg um Troja
behandelte, zum anderen den französisch-bretonischen Stoffkreis, dem sich
beispielsweise Arthus- und Gralssage zurechnen lassen, aufgriff, und des weiteren
auch die französischen Heldenepen, die sich insbesondere um die sagenumwobene
Person Karls der Große drehten, nicht außen vor ließ. Bei den ritterlich-höfischen
Epen, handelte es sich um eine Standesdichtung, eine Dichtung also, deren
Adressanten- und Rezipientenkreis gleichermaßen dem Ritterstand angehörte. Von
Spielleuten vorgelesen2, wurde durch diese Gattung, die sich mir ihrer Versreinheit
und -rhythmik als eine gehobene Dichtersprache darstellte, ein Idealbild geschaffen,
das als Maßstab des ritterliche n Lebens diente.3 Eine weitere Standesdichtung des
Rittertums bildeten die Volksepen. [...]
1 Vgl. Annolied und Kaiserchronik
2 Man verzichtete hier auf einen freien Vortrag und bevorzugte das gelesene Wort.
3 Heinrich von Veldeke gilt mit seinem Werk ‚Eneide’ als Begründer des ritterlich-höfischen Epos,
gefolgt von Hartmann von Aues Werken ‚Erec’, ‚Gregorius uf dem Steine’, ‚Der arme Heinrich’ und
‚Iwein’. Auch Wolfram von Eschenbachs ‚Parzival’ und die Bearbeitung von Tristan und Isolde
durch Gottfried von Straßburg sind dieser ritterlich-höfischen Dichtung zuzuordnen.
4 Des weiteren darf man in diesem Zusammenhang nicht vergessen, dass das gemeine Volk derzeit
nahezu analphabetisch war und sein Volksgut in mündlicher Tradition überlieferte.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zum Ursprung des Minnesangs
- Entwicklungsstufen
- Früher donauländischer Minnesang
- Minnesangs Frühling
- Blütezeit des Minnesangs
- Wende des Minnesangs
- Formaler und musikalischer Aufbau der Minnedichtung
- Themen und Inhalte des Minnesangs
- Formen der Minne
- Zur Überlieferung / Stand der Forschung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Seminararbeit bietet einen entwicklungsgeschichtlichen Einblick in den Minnesang als literarische Form der mittelhochdeutschen Dichtung. Die Arbeit beleuchtet den Ursprung und die verschiedenen Phasen des Minnesangs, die formalen und musikalischen Aspekte der Minnedichtung sowie die thematischen Schwerpunkte und Formen der Minne.
- Die Entwicklung des Minnesangs im Kontext der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen des 12. und 13. Jahrhunderts
- Die verschiedenen Phasen des Minnesangs und ihre charakteristischen Merkmale
- Der Einfluss von Troubadours, Vagantendichtung und antiker Liebeslyrik auf den Minnesang
- Die formalen und musikalischen Aspekte der Minnedichtung
- Die Themen und Inhalte des Minnesangs, insbesondere die verschiedenen Formen der Minne
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema des Minnesangs ein und stellt die Entwicklung dieser literarischen Form im Kontext der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen des 12. und 13. Jahrhunderts dar. Das zweite Kapitel beleuchtet den Ursprung des Minnesangs und diskutiert die verschiedenen Theorien zu seiner Entstehung, wobei der Einfluss von Troubadours, Vagantendichtung und antiker Liebeslyrik im Vordergrund steht.
Im dritten Kapitel werden die verschiedenen Phasen des Minnesangs von seinen Anfängen im Donauland bis zur Wende des 13. Jahrhunderts betrachtet. Die Kapitel behandeln die charakteristischen Merkmale jeder Epoche, die wichtigsten Vertreter und ihre Werke. Das vierte Kapitel widmet sich dem formalen und musikalischen Aufbau der Minnedichtung, während das fünfte Kapitel die verschiedenen Themen und Inhalte des Minnesangs beleuchtet, insbesondere die verschiedenen Formen der Minne.
Schlüsselwörter
Minnesang, mittelhochdeutsche Dichtung, Troubadours, Vagantendichtung, Liebeslyrik, höfische Kultur, Rittertum, Stauferkaiser, Formen der Minne, Entwicklungsstufen, Überlieferung, Stand der Forschung.
Häufig gestellte Fragen
Was war der Auslöser für den Wandel in der deutschen Dichtung im 12. Jahrhundert?
Der Wandel wurde durch den Aufstieg des Rittertums als Repräsentant der geistigen Kultur ausgelöst, welches den Klerus ablöste und weltliche Themen in den Fokus rückte.
Welche Einflüsse prägten die Entstehung des Minnesangs?
Wichtige Einflüsse waren die Troubadours aus Frankreich, die Vagantendichtung sowie die antike Liebeslyrik.
Was sind die wichtigsten Entwicklungsstufen des Minnesangs?
Die Entwicklung unterteilt sich in den frühen donauländischen Minnesang, Minnesangs Frühling, die Blütezeit und schließlich die Wende des Minnesangs im 13. Jahrhundert.
Wie unterscheidet sich der Minnesang vom ritterlich-höfischen Epos?
Während das Epos längere Erzählungen (z.B. Artussage) umfasst, ist der Minnesang eine lyrische Form der Standesdichtung, die sich speziell mit dem Thema der Liebe (Minne) befasst.
Welche Rolle spielten Spielleute bei der Verbreitung dieser Dichtung?
Spielleute trugen die Werke vor, wobei im höfischen Kontext oft das gelesene Wort gegenüber dem freien Vortrag bevorzugt wurde, um ein Idealbild des ritterlichen Lebens zu vermitteln.
- Arbeit zitieren
- Yvonne Vitt (Autor:in), 2002, Der Minnesang - Ein entwicklungsgeschichtlicher Einblick in eine literarische Form mittelhochdeutscher Dichtung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20467