Weblogs als neues Kommunikationsmedium in der Bildungswissenschaft – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion einer eigenen Weblogidee


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

20 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Weblogs
2.1 Definition und Ursprung
2.2 Elemente und Typen
2.3 Funktionen und Motive
2.4 Der Einsatz von Weblogs in den Bildungswissenschaften

3. Instructional Design
3.1 Definition
3.2 Verfahrensschritte des Instructional Design

4. Das Weblog „Wege zum Beruf“
4.1 Begründung der Themenwahl und bildungswissenschaftlicher Bezug
4.2 Funktionen und Motive
4.3 Konzept und Design unter Berücksichtigung der Verfahrensschritte des ID
4.4 Reflexion

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis:

Hinweis:

Zur besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher Formen bei Nomen verzichtet. Oft werden neutrale Bezeichnungen verwendet (z.B. der Lehrende u.a.); wo dies nicht erfolgt ist und die männliche Form gebraucht wurde, sind selbstverständlich immer auch die weiblichen Vertreterinnen gemeint.

1. Einleitung

Neue Medien – allen voran der Computer – spielen sowohl in unserem beruflichen als auch privaten Alltag eine immer größere Rolle. In diesem Zuge spricht man von einem Wandel der Industriegesellschaft hin zur Wissensgesellschaft, der sich schon seit Ende der 1960er Jahre vollzieht. Statt Wissensgesellschaft werden auch oft die Begriffe Netzwerkgesellschaft oder Informationsgesellschaft verwendet, die ebenso den Gedanken einer weitestgehend digitalisierten und vernetzten Welt in sich tragen (Bastiaens, Schrader & Deimann, 2012, S. 11).

Diese Veränderungen betreffen unsere gesamte Lebenswirklichkeit. Menschen verbringen immer mehr Zeit vor Bildschirmen und in der virtuellen Realität. Durch das Internet und mobile Endgeräte ist es möglich, jederzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren, sowohl mit uns bekannten als auch unbekannten Menschen. Für die junge Generation der so genannten „digital natives“ ist die ständige Kommunikations- und Informationsmöglichkeit selbstverständlich und die Nutzung von SMS, E-Mails, Instant-Messengers oder sozialen Netzwerken wie z.B. facebook nicht mehr weg zu denken und im normalen Leben fest verankert.

Auch das Lernen hat sich verändert. Durch die Digitalisierung ist Wissen nicht nur anders darstellbar, sondern auch jederzeit an jedem Ort verfügbar und vor allem nicht an einen personalen Produzenten oder Vermittler gebunden. Die digital learners sollen nicht mehr aufbereitetes Wissen „konsumieren“, sondern müssen in der Lage sein, „zur Verfügung stehende Informationen und Kenntnisse zu nutzen, diese sinnvoll zu filtern und damit effiziente Lernresultate zu erreichen“ (Veen & Jacobs, 2005, zitiert nach Bastiaens et al., 2012, S. 13f.). So wird Medienkompetenz zur Schlüsselqualifikation, um an der Wissensgesellschaft partizipieren zu können.

Ebenso sind beim Lernenden selbst Veränderungen festzustellen. Die Netzwerkgeneration in den heutigen Schulen und Universitäten ist mit den neuen Medien aufgewachsen, hat andere Präferenzen und Kompetenzen und lernt auch anders. Im Sinne des Web 2.0 sind sie Teil sozialer Netzwerke, wo sie auch aktiv ihr Wissen einbringen und austauschen. Moser (2008) nennt als Charakteristika der Netzwerkgeneration non-lineares Denken, die Fähigkeit zu Multi-Tasking und multimodaler Verarbeitung. Diese Lernenden können ihre Aufmerksamkeit auf mehrere Medien verteilen und viel Information simultan verarbeiten, allerdings fällt es dieser „instant generation“ schwer, sich länger auf einen Gegenstand zu konzentrieren (Moser, 2008, S. 44).

Hier ist die Bildungswissenschaft gefordert, die Implikationen dieses Wandels in Lehr- und Lernkonzepte mit neuen Medien zu integrieren und herauszuarbeiten, wie die neue Lernergeneration die erforderlichen Kompetenzen für die Informationsgesellschaft erwerben kann. In diesem Zusammenhang sind Weblogs besonders geeignet, da sie sich den medialen Gewohnheiten der net generation anpassen. Hierbei steht nicht mehr der Lehrende als Wissensvermittler im Vordergrund. Vielmehr rücken die Lernenden ins Zentrum und übernehmen die Aufgabe, aktiv und selbstorganisiert Wissen zu kon­struieren und sich gegenseitig zur Verfügung zu stellen (Bastiaens et al., 2012, S. 45).

Die hier vorliegende Hausarbeit stellt zuerst im Allgemeinen Funktionen und Motive von Weblogs in der Bildungswissenschaft dar, beschreibt kurz die Grundlagen und Verfah­rens­schritte des Instructional Design und stellt dann Themenwahl, Konzept und Design einer eigenen Weblogidee vor, bevor abschließend deren Umsetzung reflektiert wird.

2. Weblogs

Das so genannte Web 2.0 zeichnet sich - im Vergleich zum ersten WWW (Web 1.0) mit seinen statischen und auf Wissensvermittlung angelegten Websites – durch dynamische Inhalte und die Möglichkeit der persönlichen Partizipation aus. Es signalisiert „soziokulturelle Veränderungen, in deren Folge das Netz anders wahrgenommen und genutzt wird“ (Reinmann, 2009, S. 87) mit dem Ziel der sozialen Konstruktion von Inhalten im Netz. Vor allem Weblogs sind charakteristisch für diese zweite Generation des World Wide Web. Ihr Nutzen für die Bildungswissenschaft liegt darin, den veränderten Präfe­renzen und Kompetenzen der digital learners Rechnung zu tragen und aus passiven Wissensrezipienten aktive Teilnehmer zu machen, die Wissen erarbeiten, weiter ent­wickeln und präsentieren können.

2.1 Definition und Ursprung

Der Begriff Weblog (oder kurz: Blog) ist eine Kombination von „Web“ (=World Wide Web) und „Log“, das an die nautischen Logbücher erinnert, die in Tagebuchform verfasst werden und somit den Charakter von Weblogs widerspiegeln (Reinmann, 2009, S. 86). Ursprünglich geprägt wurde der Ausdruck von Jorn Barger im Jahr 1997. Er bezeichnete damit eine „Web page where a Web logger ‘logs’ all the other Web pages she finds interesting“ (Barger, 1997, zit. nach Blood, 2000, S. 54). Aber schon in der ersten Hälfte der 1990er Jahre unterhielten Einzelpersonen wie Tim Berners-Lee (der „Vater des World Wide Web“) oder Organisationen wie das „National Center for Supercomputing Applications“ (NCSA) regelmäßig aktualisierte Websites als Informationsfilter für das rasch wachsende World Wide Web, die Hinweise auf besonders interessante Online-Quellen enthielten. Mitte der 90er Jahre kamen auch zahlreiche Websites dazu, die als „Online-Journale“ eher ihren Schwerpunkt auf die Darstellung und Reflexion persönlicher Themen legten (Schmidt, 2006, S. 13f.). Während Barger in Weblogs vor allem eine Sammlung interessanter Links sah, fasste Walker einen weiteren Weblogbegriff. Dabei handele es sich um eine häufig aktualisierte Website, die aus datierten Einträgen in umgekehrt chronologischer Reihenfolge besteht (Walker, 2005, zit. nach Bastiaens et al., 2012, S. 46).

2.2 Elemente und Typen

Im Allgemeinen haben Blogs einen ähnlichen Aufbau. Zentrales Element sind sowohl inhaltlich als auch optisch die Weblogeinträge (englisch: posts). Bei deren Gestaltung steht dem Blogbetreiber die Möglichkeit offen, zusätzlich zu den Textpassagen grafische Elemente, Video- und Audiodateien einzusetzen. Die Posts sind in aller Regel mit einem Titel, dem Namen des Verfassers und einem Zeitstempel (Datum der Veröffentlichung) versehen. Meist werden den Einträgen Schlagworte (englisch: tags) und Kategorien zur besseren Orientierung und Auffindbarkeit zugeordnet. Durch die Permalinks, d.h. die dauerhafte Verlinkung mit einer eigenen Webadresse, ist jeder einzelne Eintrag direkt aufrufbar und referenzierbar, was durch die wechselseitige Verlinkung (Trackback) mit thematisch verwandten Seiten noch gefördert wird und einen erweiterbaren blogüber­greifenden Wissensstand begünstigt. Eine Blogroll listet diese relevanten Blogs anderer Blogger für gewöhnlich gut sichtbar (auf der Sidebar neben den Posts) auf; RSS-Feeds erlauben das automatische Verfolgen neuer Einträge, ohne die interessanten Blogs immer wieder besuchen zu müssen. Durch die Archivfunktion können ältere Einträge, die nicht mehr auf der Startseite des Blogs zu finden sind, aufbewahrt und nachgelesen werden (Bastiaens et al., 2012, S. 47).

2.3 Funktionen und Motive

Weblogs sind technisch gesehen einfache Content Management Systeme. Die Nutzungsweise und damit auch Funktionen und Motive sind allerdings stark diversifiziert. Nach Pullich (2007) wird der größte Teil der Weblogs als persönliches Online-Journal oder auch Netztagebuch betrieben. Diese dienen damit eher der Selbstrepräsentation, dem Identitätsmanagement und der Pflege sozialer Netzwerke und werden von einer jüngeren Gruppe mehrheitlich weiblicher Bloggerinnen geführt.

Werden Blogs zu beruflichen Zwecken eingesetzt, wird ihnen eine nicht-persönliche Funktion zugeschrieben, z.B. werden so genannte „corporate blogs“ in der Organisationskommunikation eingesetzt, sowohl in der externen Kommunikation als auch intern im Projekt- oder Wissensmanagement (Pullich, 2007, S. 8). Eine weitere Einsatzmöglichkeit besteht im journalistischen Bereich als Diskursmedium oder mit der Funktion der Gegenöffentlichkeit zu den etablierten Medien.

Auf diese drei erstgenannten Funktionen und Motive soll an dieser Stelle jedoch nicht näher eingegangen werden, um im Nachfolgenden den Einsatz von Weblogs in der Bildungswissenschaft näher zu beleuchten.

2.4 Der Einsatz von Weblogs in den Bildungswissenschaften

Weblogs werden im Bereich der Bildung sowohl mit persönlicher als auch mit nicht-persönlicher Funktion zunehmend eingesetzt. Mit ihnen lässt sich selbstorganisiertes, problemlösendes und kooperatives Lernen (Schmidt & Mayer, 2006, zit. nach Bastiaens et al., 2012, S. 52) in formellen, lehrerzentrierten, aber auch in informellen, lernerzentrierten Lernumgebungen arrangieren. Auf Basis der Einteilung nach Röll (2005) unterscheiden Bastiaens et al. (2012) fünf typische Einsatzmöglichkeiten von Weblogs in verschiedenen Lernsituationen:

a) Einsatz als (Learning-)Content-Management-System: Der Lehrende nutzt das Weblog, um den Lernenden Materialien, Informationen und Aufgaben zur Verfügung zu stellen. Die Lernenden können das Weblog einerseits als „Informations- und Abrufmedium“ (Bastiaens et al., 2012, S. 52) nutzen, aber auch um Rückfragen zu stellen und Feedback zu geben, wenn eine Kommentarfunktion implementiert ist. Sie verfolgen das Weblog direkt oder über RSS (Röll, 2005, S. 9f.)
b) Einsatz als inhaltsorientierte Unterstützung: In einem gemeinsamen Weblog stellen Lehrende zwar den Inhalt zur Verfügung, der Blog jedoch wird für die Lernenden geöffnet, so dass sie zum Inhalt beitragen, eigene Arbeiten publizieren können und die Möglichkeit haben, Feedback zu geben (Bastiaens et al., 2012, S. 53; Röll, 2005, S. 11). Diese Nutzungsvariante ist allerdings nur für kleinere Lernergruppen sinnvoll, wie Röll (2005) kritisch anmerkt, da andernfalls sowohl die Menge als auch die Frequenz des veröffentlichten Materials schnell zu groß wird und sich ein Gruppendruck einstellen könnte, der die Teilnehmer von der Veröffentlichung abhält
c) Einsatz als inhalts- und diskursorientierte Unterstützung: Lehrende und Lernende haben jeweils ihr persönliches Weblog, wobei das Weblog des Lehrenden eine zentrale Position einnimmt, von der aus die Lernendenblogs verlinkt sind. In seinem Weblog veröffentlicht der Kursleiter das Material und die Fragestellungen. Die Lerner bearbeiten diese selbstständig und publizieren ihre bearbeiteten Aufgaben, Lernergebnisse und gefundenes Zusatzmaterial. Jetzt kann zum Feedback durch Kommentare oder zur Hilfestellung aufgerufen werden. Durch Trackbacks kann eine Vernetzung der Teilnehmerbeiträge und ein Perspektivenwechsel hergestellt werden. Da einerseits die breite Öffentlichkeit des Internets Druck auf den einzelnen Lernenden aufbauen kann, aber auch das Wissen darum, dass andere Teilnehmer mitlesen und Feedback geben können, erscheint es hier sinnvoll, dass den Lernenden zum Schutz ihrer Privatsphäre die Entscheidung überlassen wird, für wen sie ihre Einträge öffentlich machen (Bastiaens et al., 2012, S. 54; Röll, 2005, S. 12)
d) Einsatz als gemeinsames Projekt- bzw. Gruppenweblog: Dieser Typ bietet sich an, wenn mehrere Lernende beispielsweise im Rahmen einer Gruppenarbeit ohne Begleitung durch einen Lehrenden an einem gemeinsamen Ziel arbeiten. Gruppenweblogs bieten eine gute Voraussetzung für kollaboratives Arbeiten. Zudem können hier die einzelnen Arbeitsschritte gut nachvollzogen werden, was wiederum einer Reflexion über den momentanen Stand der Arbeitsergebnisse zuträglich ist (Bastiaens et al., 2012, S. 55). Ein Gruppenweblog kann neben den bereits beschriebenen Funktionen als Informationsspeicher und Diskursmedium zusätzlich als Reflexionsmedium dienen, da es „die Ordnung und Klärung der Gedanken durch die notwendige Explikation“ erfordert und „die Auseinandersetzung sowohl mit Inhalten als auch mit dem im Verlauf der Zeit dokumentierten eigenen Lernprozess unterstützen“ kann (Pullich, 2007, S. 17)
e) Einsatz als individuelles Lernjournal: Laut Röll (2005) ist das Lernjournal ein bewährtes Instrument in der Erwachsenenbildung, da das Aufschreiben des Gelernten und das Reflektieren darüber das Lernerlebnis vertieft.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Weblogs als neues Kommunikationsmedium in der Bildungswissenschaft – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion einer eigenen Weblogidee
Hochschule
FernUniversität Hagen
Veranstaltung
Modul 1
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
20
Katalognummer
V204736
ISBN (eBook)
9783656307778
ISBN (Buch)
9783656308164
Dateigröße
1131 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Weblogs, Bildungswissenschaft, Modul 1, Hausarbeit
Arbeit zitieren
Udo Kroack (Autor), 2012, Weblogs als neues Kommunikationsmedium in der Bildungswissenschaft – Beschreibung, Umsetzung und Reflexion einer eigenen Weblogidee, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204736

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