Umweltdegradation und adaptives Management subsaharischer Savannensysteme


Hausarbeit (Hauptseminar), 2012

57 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

II TABELLENVERZEICHNIS

III ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINFÜHRUNG IN DIE THEMATIK UND PROBLEMDARSTELLUNG (STROMBERGER) .

2 SUBSAHARISCHE SAVANNENSYSTEME
2.1 VERBREITUNG UND ABGRENZUNG (STROMBERGER)
2.2 KLIMA SUBSAHARISCHER SAVANNENSYSTEME (STROMBERGER)
2.3 BÖDEN (ZIEWERS)
2.4 VEGETATION (ZIEWERS)
2.4.1 Die Feuchtsavanne
2.4.2 Die Trockensavanne
2.4.3 Die Dornstrauchsavanne
2.5 NATURRAUMPOTENZIAL IM HINBLICK AUF NUTZUNGS- UND ENTWICKLUNGS-MÖGLICHKEITEN (STROMBERGER)

3 UMWELTDEGRADATION IN NAMIBIA UND IHRE FOLGEN
3.1 URSACHEN DER UMWELTDEGRADATION
3.1.1 Historisch-sozioökonomische Voraussetzungen (Stromberger)
3.1.2 Anthropogene Ursachen: Weidewirtschaft (Stromberger)
3.1.3 Natürliche Ursachen: Feuer (Ziewers)
3.2 DEGRADATIONSERSCHEINUNGEN
3.2.1 Verbuschung (Stromberger)
3.2.2 Bodendegradation (Ziewers)

4 LÖSUNGSMAßNAHMEN-ADAPTIVES MANAGEMENT
4.1 RANGEMANAGEMENT (STROMBERGER)
4.1.1 Generelle Aspekte
4.1.2 Innerbetriebliche Anpassungsmöglichkeiten
4.1.3 Abschließende Reflexion
4.2 BODENMANAGEMENT - NO TILLAGE (ZIEWERS)

5 FAZIT (ZIEWERS)

6 LITERATURVERZEICHNIS

7 ANHANG
7.1 FEUCHTSAVANNE
7.2 TROCKENSAVANNE
7.3 DORNSTRAUCHSAVANNE
7.4 BEISPIEL FÜR VERBUSCHTE FLÄCHEN IN NAMIBIA
7.5 EXPERTENINTERVIEW

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Untergliederung der Savannentypen.Eigene Erstellung basierend auf: HORNETZ, B. und R. JÄTZOLD (2003): Savannen-, Steppen- und Wüstenzonen. Natur und Mensch in Trockenregionen. In: Das Geographische Seminar. Braunschweig.IBRAHIM, F. N. (1984): Savannen-Ökosysteme. In: Geowissenschaften in unserer Zeit. 2 Jahrg. Heft 5. Weinheim.

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Verbreitung der Savannen in Subsahara-Afrika. KEHL, H. (2011)/TU Berlin. http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/ (07.12.11).

Abbildung 2: Jährliche Niederschlagsschwankungen in Namibia. Universität Köln (2002). http://www.uni-koeln.de/sfb389/e/e1/download/atlas_namibia/pics/climate/ rainfall-variation.jpg (05.12.11).Data source: Atlas of Namibia Project 2002; Directorate of Environmental Affairs, Ministry of Environment and Tourism.

Abbildung 3: Böden des subsaharischen Afrikas. Universität Köln (2002).http://www.uni-koeln.de/sfb389/e/e1/index_d.htm (05.12.11). Datengrundlage: FAO; The Digital Soil Map of the World.

Abbildung 4: Arenosol.http://www.isric.org/sites/default/files/images/Rubi-Aridic_Arenosol_NA1.jpg (03.12.11).

Abbildung 5: Nitisol.SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): Lehrbuch der Bodenkunde. Heidelberg: 355.

Abbildung 6: Xerosol.SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): Lehrbuch der Bodenkunde. Heidelberg: 355.

Abbildung 7: Solonetz.http://www.isric.eu/sites/default/files/images/Cn14p.jpg (03.12.11).

Abbildung 8: Vertisol.SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): Lehrbuch der Bodenkunde. Heidelberg: 355.

Abbildung 9: Ironstone.ISRIC WORLD SOIL INFORMATION. http://www.isric.eu/sites/default/files/images/Plinthosols2.jpg (03.12.11).

Abbildung 10: Elefantengras- Pennisetum purpureum.RAHMESWHWAR SPANDE. http://www.tropicalforages.info/key/Forages/Media/Html/images/Pennisetum_ purpureum/Pennisetum_purpureum_7a.jpg (06.12.11).

Abbildung 11: Baobab.SCHIEMANN. http://www.schiemannweb.de/reisebericht/suedafrika/bilder/affenbrotbaum.jpg (06.12.11).

Abbildung 12: Tonnenbaum.http://static.cosmiq.de/data/de/fe1/39/fe1392f9e741b5b3d95434b10429735a_1. jpg (06.12.11).

Abbildung 13: Acacia albida.REMO NEMITZ. http://www.transafrika.org/media/Reisebericht%20Tansania%20Kenia%20200 8/Akazie%20Afrika.jpg (06.12.11).

Abbildung 14: Mind-map - Ursachengefüge für Degradation. Eigene Erstellung (19.09.11).

Abbildung 15:Wirkungsgefüge - Ursachen und Folgen der Überweidung. Eigene Erstellung (10.12.11).

Abbildung 16: Globale Verteilung der Feuerereignisse im Jahre 2000.NASA http://lance-modis.eosdis.nasa.gov/imagery/firemaps/firemap.2011321- 2011330.2048x1024.jpg (10.12.11).

Abbildung 17: Feuerregulierung des Antagonismus Gehölz- und Grasvegetation. Eigene Erstellung nach LANGEVELDE, F. et al. (2003): Effects of fire and herbi- vory on the stability of savanna ecosystems. In: ecology band 84. Washington DC: 338.

Abbildung 18: Kreislauf der Verbuschung. Eigene Erstellung nach WALTHER, G. (2002): Einfluss der Beweidung auf afrikanische Savannen-Ökosysteme. In: Berichte der Reinhold-Tüxen- Gesellschaft. Bd. 14. Hannover. 131-143.

Abbildung 19: Weltweite Bodendegradation. REKACEWICZ, P./UNEP. http://maps.grida.no/library/files/storage/degraded-soils.png (05.11.11).

Abbildung 20: Gully erosion in Burkina Faso. Universität Frankfurt. http://www.geo.uni-frankfurt.de/ipg/ag/ma/bilder/gully_gorom.jpg (05.11.11).

Abbildung 21: Direktsaatgerät.DERPSCH, R.http://www.rolf-derpsch.com/amatraca4.jpg (03.12.11).

1 Einführung in die Thematik und Problemdarstellung

Weltweit wird Land zu einer zunehmend wichtigeren Ressource besonders im Rahmen der Ernährungssicherheit. Zur Jahrtausendwende gehörte Namibia zu den Ländern, die mit erheblichen Problemen hinsichtlich der Nahrungsmittelversorgung ihrer Bevölkerung zu kämpften hatten. Landknappheit und mangelnde Ernährungssicherheit beruht nicht allein auf dem enormen Bevölkerungswachstum, sondern entspringt hauptsächlich dem Rückgang der Flächenproduktivität als Folge zahlreicher Degradationsprozesse. Das Ausmaß der weltweiten Verbreitung von Degradierungs- und Desertifikationsschäden betraf bereits 1995 circa „ein Sechstel der Weltbevölkerung und ein Viertel der gesamten Landoberfläche der Erde“ (HORNETZ & JÄTZOLD 2003: 129), wobei davon ausgegangen werden muss, dass circa 73% aller Flächen weltweit unter extensiver Weidenutzung als degradiert bezeichnet werden können (Hornetz & Jätzold 2003: 129). Bodenerosion ist bereits in den 1930er Jahren als „Geißel Afrikas“ (JÜRGENS & BÄHR 2002: 289) bezeichnet worden und bildet bis in die Gegenwart hinein ein Problem enormen Ausmaßes.

Dieser Befund führt sehr deutlich vor Augen, dass Umweltdegradation eine Thematik von bedeutender sozialer sowie geographischer Relevanz darstellt, da Menschen in Folge der Degradation ihre Existenzgrundlage verlieren. Die Prozesse und Folgen von Landdegradation zählen deshalb zu den wichtigsten geographischen Problemfeldern der Gegenwart. Anhand dieser Arbeit sollen daher die Ursachen von Degradation und deren langfristige Folgen am Beispiel von Namibia näher betrachtet werden. Bevor allerdings auf die Ursachen von Umweltdegradation in subsaharischen Savannensystemen eingegangen werden kann, muss in einem ersten Schritt die Savannenökologie beschrieben werden. Die Kenntnis über natur- räumliche Voraussetzungen der Savannenökosysteme und deren Nutzungspotential bildet die Grundlage für das Verständnis der in den subsaharischen Savannen vorherrschenden Degra- dationserscheinungen. Im darauffolgenden Kapitel werden Lösungsmaßnahmen des adaptiven Managements vorgestellt, welche ergriffen werden können, um die Problematik der Umwelt- degradation einzudämmen. Absicht dieser Arbeit ist es außerdem die komplexen Wirkungs- zusammenhänge vor Ort aufzuzeigen, um anschließend tragfähige und nachhaltige Beweidungskonzepte zu entwickeln, sodass die Lebenssituation der Einheimischen aufgewer- tet und verbessert werden kann.

2 Subsaharische Savannensysteme

Generell wird die Bezeichnung Savanne für „Pflanzenformationen der wechselfeuchten Tropen“ (IBRAHIM 1984: 145), welche aus Gras- und Baumvegetation bestehen, herangezo- gen. Die Savannenvegetation ist somit an einen wechselnden Wasserhaushalt angepasst (IBRAHIM 1984: 145). WALTER & BRECKLE bezeichnen Savannen als eine tropisch homogene Pflanzengesellschaft, in der Gehölzpflanzen „zerstreut in einer mehr oder weniger geschlos- senen Grasschicht mit einigen Kräutern stehen“ (WAGENSEIL 2002: 1 zit. n. BRECKLE und WALTER 1999). Savannen bilden den größten vegetationsbestimmten Landschaftsgürtel der Welt (Jätzold 1985: 6) und bedecken ca. 20% der Landoberfläche der Erde (WAHL 2003). Ein charakteristisches Merkmal für Savannensysteme ist ihr äußerst gegensätzliches Aussehen zu unterschiedlichen Jahreszeiten. Zur Regenzeit weisen die Gehölze grüne Belaubung und eine hohe Bioproduktion auf, wohingegen in der Trockenzeit ein Großteil der überirdischen Pflanzenteile abstirbt oder kahl wird. Die zwei ausschlaggebenden Faktoren, welche die Struktur und die Zusammensetzung von Savannenökosystemen beeinflussen, sind einerseits die Herbivorie und andererseits Feuer (WALTHER 2002: 131). Kennzeichnend für Savannen ist außerdem die Koexistenz von Gehölzen und Gräsern (SAMIMI & WAGENSEIL 2007: 325). Der Grenzverlauf zwischen Savanne und Wald wird weitgehend künstlich aufrechterhalten. Aus ökologischer Perspektive gewährt nämlich das vorherrschende Savannenklima die Entstehung von Wald. Savannen bilden also kein natürliches Ökosystem, sondern stellen Degradationsformen ursprünglicher Trocken- und Feuchtwälder dar. Für diese Entwicklung sind immer wieder auftretende Brände und anthropogene Eingriffe verantwortlich (IBRAHIM 1984: 146). Als problematisch gilt die Tatsache, dass die Terminologie der Savannentypen und deren Abgrenzung auf globaler Ebene wissenschaftlich nicht einheitlich ist. Übergänge zwischen den einzelnen Savannentypen sind oft nicht eindeutig definierbar, sodass Mischty- pen der Savannen entstehen. Das folgende Kapitel soll nichtsdestotrotz anhand einer gezielt ausgewählten Klassifikation die Merkmale der verschiedenen Savannentypen herausstellen und deren Verbreitung näher zu beschreiben.

2.1 Verbreitung und Abgrenzung

Generell erstrecken sich die Savannen innerhalb eines breiten Gürtels zwischen dem tropi- schen Regenwald und den Wüsten entlang der Wendekreise. Der Vegetationsgürtel der Savannen schließt sich nördlich und südlich des Äquators direkt an den tropischen Regenwald an und verläuft bis zu den Wüstengebieten (WAHL 2003: 4). Im Zuge der Abgrenzung verschiedener Savannensysteme griffen die Autoren häufig auf unterschiedliche Klassifika- tionen und Definitionen zurück. Im deutschen Sprachraum etablierte sich seit 1945 die von F.JAEGER verwendete Nomenklatur „Feuchtsavanne“, „Trockensavanne“ und „Dornstrauchsa-vanne“ (IBRAHIM 1984: 145). JAEGERS Definition und Savannenbegriff ist sehr weit gefasst und umfasst alle Ökosysteme zwischen den Trockengebieten und dem immergrünen Regen- wald (IBRAHIM 1984: 146). Folgende Abbildung 1 bietet einen Überlick über die ökozonale Gliederung von Subsahara-Afrika und grenzt zudem die einzelnen Savannentypen voneinan- der ab. Die sommerfeuchten Tropen, welche Feucht- und Trockensavannen beinhalten, schließen sich direkt an die tropischen Regenwälder im Äquatorbereich an. Biogeographen definieren die „Zone der feuchten und trockenen Savannen“ (KEMPF 1994: 25) als Zonobiom II mit humido-aridem Klima. Die Dornstrauchsavanne gehört zu den subtropischen Trocken- gebieten (KEMPF 1994: 25).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Verbreitung der Savannen. Quelle: KEHL, H. (2011)/TU Berlin. http://lv-twk.oekosys.tu-berlin.de/project/lv-twk/ (07.12.11).

JAEGERS Unterteilung der einzelnen Savannentypen beruht auf der absoluten Niederschlagsmenge und der Anzahl der humiden Monate. Es handelt sich daher um eine hygrische Gliederung. Beispielfotos für die im Folgenden beschriebenen Savannentypen finden sich zur Veranschaulichung im Anhang (siehe Anhang 7.1, 7.2, 7.3).

Die Feuchtsavanne wird synonym auch als subhumide Savanne klassifiziert. Sie zeichnet sich durch durchschnittliche Jahresniederschlagswerte von 1100 mm - 1600 mm aus, welche innerhalb der Regenzeiten fallen. Die Anzahl humider Monate schwankt zwischen 7 und 9,5 Monaten. Insgesamt stellt sich die Niederschlagsvariabilität in der Feuchtsavanne mit unter 20% als vergleichsweise gering heraus. Die Jahresdurchschnittstemperatur befindet sich bei ca. 27°C und generell sind die Temperaturschwankungen zwischen den Jahren geringer als Tag-Nacht-Unterschiede, bzw. die Tagesamplitude. Die Trockensavanne kann mit lediglich 4,5 - 6,5 humiden Monaten auch als semi-aride Savanne bezeichnet werden. Innerhalb der Trockensavanne betragen die Niederschläge zwischen ca. 900 mm - 1100 mm und die Niederschlagsvariabilität liegt bei ca. 25% (IBRAHIM 1984: 147). Die Dornstrauchsavanne bildet ein Beispiel für die aride Savanne. In der Dornstrauchsavanne herrschen höchstens 4,5 humide Monate (Hornetz & Jätzold 2003: 36) vor. Allerdings können auch Jahre mit enormen Dürren vorkommen, in denen kein humider Monat zu verzeichnen ist. Jährlich fallen ca. 100 mm - 400 mm Niederschlag und die Niederschlagsvariabilität liegt sogar bei 40% im langjährigen Durchschnitt (IBRAHIM 1984: 147). Folgende Tabelle 1 soll abschließend nochmals auf den vorliegenden Gradient hinweisen und die ansteigenden Niederschläge von der Dornstrauchsavanne bis zur Feuchtsavanne verdeutlichen.

Tab. 1: Untergliederung der Savannentypen.

Quelle: Eigene Erstellung basierend auf den Autoren IBRAHIM, F. N., HORNETZ, B. und R. JÄTZOLD.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt befinden sich natürliche Savannen im „ökologischen Gleichgewicht zwischen ausdauernden Gräsern und Holzpflanzen, die sonst meistens als Antagonisten auftreten“ (Walter 1963: 147). Für diese natürliche Balance ist der Wasserfaktor und vor allem der Wasserhaushalt von Gräsern und Gehölzen entscheidend. Diese Zusammenhänge werden im Rahmen der Naturraumausstattung von Savannenökosystemen in den folgenden Kapiteln eingehend erläutert.

2.2 Klima subsaharischer Savannensysteme

Die Savanne erstreckt sich in Afrika zwischen Wüste und tropischem Regenwald. Innerhalb dieser Zone ändern sich die klimatischen Gegebenheiten kontinuierlich von vollhumid in Äquatornähe zu vollarid an den Wendekreisen. Ein charakteristisches klimatisches Merkmal, welches alle Savannenökosysteme gemeinsam haben, stellt die ganzjährig hohe Sonneneinstrahlung dar (IBRAHIM 1984: 146). Savannen weisen ganzjährig eine positive Strahlungsbilanz und einen relativ ausgeglichenen Temperaturverlauf auf.

Generell herrscht in Subsahara-Afrika Tageszeitenklima vor. Dies bedeutet, dass die Tag- Nacht-Unterschiede deutlich höher als die jahreszeitlichen Abweichungen vom Monatsdurch- schnitt sind. Insgesamt liegen alle monatlichen Durchschnittstemperaturen über 18°C (Schultz 2002: 250). Die Temperatur gilt in Savannen somit nirgends als limitierender Faktor, auch wenn das Hochland durchaus enorme Fröste erfahren kann. Auf Grund hoher Temperaturen in Kombination mit geringen oder sporadisch auftretenden Niederschlägen stellt sich die Evaporation in den Savannenökosystemen, vor allem in Dornstrauchsavannen, als enorm hoch heraus (WAHL 2003: 58).

Die Niederschläge in den Savannenökosysteme weisen oftmals eine hohe Intensität und starke Variabilität auf. Variabilität kann als die Abweichung vom langjährigen Mittelwert definiert werden. Die enorme Saisonalität der Niederschläge in den Savannen basiert auf der Wande- rung des Zenitstandes der Sonne, welche sich zwischen dem nördlichen und dem südlichen Wendekreis bewegt. An dieser Wanderung der Sonne orientiert sich die äquatoriale Tief- druckrinne, auch Intertropical Convergence Zone (ITC) genannt. Auf Grund ihrer überwie- genden Lage über dem Meer werden die feuchten Luftmassen der äquatorialen Zone erhitzt und gelangen weit in die Atmosphäre hinaus. Beim Aufsteigen dehnen sich die Luftmassen aus und kühlen ab, wodurch es zur Kondensation des Wasserdampfes und folglich zur Entstehung tropischen Zenitalregens kommt. Die Savannengebiete profitieren wegen der jahreszeitlichen Verschiebung der ITC regelmäßig in Form von Sommerregen von diesen Niederschlägen. Jedoch nimmt die Menge und Zuverlässigkeit mit zunehmender Entfernung vom Äquator ab, wodurch sich die klimatische Gliederung der Savannen ergibt (IBRAHIM 1984: 146).

Das südliche Afrika ist ganzjährig geprägt durch die Witterungsdynamik des subtropisch- randtropischen Hochdruckgürtels. Dieser Hochdruckgürtel umfasst das Südatlantikhoch, dessen Zentrum nahe der Westküste liegt, und das Südindikhoch, welches im Indischen Ozean lokalisiert werden kann (SAMIMI 2007: 48). Vor allem die Niederschlagsverteilung des südafrikanischen Subkontinents wird enorm durch die semi-permanenten Hochdruckzellen des Subtropenhochs im Südatlantik und des Hochs im südlichen Indischen Ozean beeinflusst.

Intensität und Niederschlagsvariabilität beruhen insgesamt auf einem komplexen Zusammen- spiel verschiedener Subsysteme der atmosphärischen Zirkulation (WAHL 2003: 57). Die vom Südatlantikhoch ausgehenden Südostpassate werden im Südsommer und im Südwinter umgelenkt. Auf diese Monsunwinde treffen passatische Luftmassen aus dem Osten, wodurch infolge von Konvektion intensive Niederschläge entstehen. Diese Konver- genzzone bildet die Kongoluftmassengrenze, welche zusammen mit der ITC das Klima des Südlichen Afrikas prägt. Im Südsommer verlagert sich die Kongo-Luftmasse südwärts, sodass sich Hitzetiefs über dem Inland des Kontinents bilden. Durch die enorme Erwärmung des Binnenhochlandes entsteht ein weiträumiges Hitzetief über dem Festland, in das feuchte äquatoriale Luft einströmt (WAGENSEIL 2002: 8). Die Luftmassen des über dem Ozean befindlichen Subtropenhochs werden Richtung Festland transportiert und sorgen dort in Kombination mit der in den Tiefdruckzellen stattfindenden Konvektion für Niederschlag (KRÜGER & SAMIMI 2010: 6). Auf dem afrikanischen Kontinent prallen folglich drei Luft- massen aufeinander. Diese „Zaire Air Boundary“ erstreckt sich zwischen 15° und 20° südlicher Breite und weist hohe konvektive Niederschläge auf (WAGENSEIL 2002: 8). Diese Niederschläge fallen größtenteils in Form von Starkregenereignissen oder stürmischen Zenitalregen. Als Konsequenz dessen tritt häufig Erosion auf und die Variabilität der Nieder- schläge verstärkt die anthropogen initiierte Degradation (KEMPF 1994: 18). Die Westküste Südafrikas, vor allem auf der Höhe Namibias, ist nahezu ganzjährig von dem stabilen, ortsfesten Südatlantikhoch mit absteigenden Luftbewegungen beeinflusst. Das Klima wird jedoch ebenso durch Meeresströmungen geprägt. Der Einfluss des Hochdruckgebiets vor der Küste und des kalten Benguela-Stroms, welcher küstenparallel antarktisches Tiefenwasser zum Äquator transportiert, verhindern die Entstehung von Steigungsregen. Der kalte Bengue- la-Strom, bei dem Tiefenwasser an die Oberfläche quillt, stabilisiert das Südatlantikhoch und somit ganzjährig die Druckverhältnisse an der Westküste. Zusätzlich sorgt der aus Südost kommende Passat für aride Verhältnisse. Folglich zeichnet sich die Namibische Westküste durch enorme Aridität aus. Richtung Landesmitte nimmt die Niederschlagsmenge zu (SAMIMI 2007: 48). Insgesamt stellt sich der Niederschlag als zeitlich und räumlich extrem variabel heraus, wodurch sich im Hinblick auf die im engen Zusammenhang mit der Niederschlags- menge stehende Verwitterung, Pedogenese und Vegetation ein kleinräumiges Mosaik ergibt (MAURER 1995: 19). In den Subtropischen Savannengebieten fallen die Niederschläge vor allem in den Sommermonaten. Zu dieser Zeit können äußerst ergiebige Niederschläge verzeichnet werden, während im Südwinter Trockenheit herrscht (MAURER 1995: 31).

Im südlichen Afrika liegt zudem ein deutlicher Nord-Süd und West-Ost-Gradient hinsichtlich der Niederschlagsverteilung vor. Der durchschnittliche Jahresniederschlag nimmt von Nord nach Süd und von Ost nach West kontinuierlich ab. An dieser Stelle soll nochmals hervorge- hoben werden, dass die Niederschläge nicht verlässlich fallen und dass die Variabilität als Hauptkennzeichen des Niederschlagregimes in Savannenökosystemen betrachtet werden kann. Generell gilt, dass in subsaharischen Savannenystemen häufig Wasser den limitierenden Faktor darstellt und somit die Zusammensetzung der Vegetationsdecke in enger Relation mit der Höhe der Jahresniederschlagsmenge steht. Genauer betrachtet spielt die Wasserbilanz, also das Verhältnis zwischen Niederschlägen und Verdunstung, die entscheidende Rolle (Walter 1963: 144). Die extreme Niederschlagsvariabilität und Saisonalität stellen typische Merkmale des südlichen Afrikas dar. Die Unterschiede im Niederschlagsregime wirken sich nicht nur lokal aus, sondern treten sowohl annuell, als auch interannuell auf. Die annuellen Niederschlagsschwankungen sind sehr hoch, sodass beispielsweise das Einsetzen der Regenzeiten oder der Beginn von Trockenperioden nicht exakt datiert werden können und stattdessen mit enormen Unterschieden zwischen den Jahren gerechnet werden muss. Vor allem in trockenen Jahren oder bei ausfallenden Niederschlägen, wirkt der Wind durch äolische Erosion, Transport und Ablagerungen direkt auf das Landschaftsbild ein. Heftige Winde, vor allem die trockenen Luftmassen aus Osten, können von Juli bis August als Staubstürme lokale Land-Degradation vorantreiben (KEMPF 1994: 18).

Insgesamt sind Generalisierungen hinsichtlich komplexer klimatischer Verhältnisse in Savannenökosystemen und die damit verbundene Einschätzung des Degradationspotentials äußerst schwierig. Hinsichtlich der Klimaeinteilung führt das beständige Beharren auf Zonalitätsprinzipien zu ungenauen Aussagen und erweist sich als inadäquat. Stattdessen müssen hinsichtlich einer Einschätzung der klimatischen Verhältnisse generell die spezifisch vor Ort herrschenden Gegebenheiten analysiert werden und eine kleinräumige Differenzie- rung angestrebt werden. Da die folgenden Kapitel zu Degradationserscheinungen und Lösungsansätzen sich am Länderbeispiel Namibia orientieren, soll die folgende Abbildung 2 zur Niederschlagsvariabilität, dem Hauptkennzeichen subsaharischer Savannenökosysteme, speziell einen Überblick über die spezifischen Verhältnisse hinsichtlich der Periodizität der Niederschläge in Namibia geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Jährliche Niederschlagsschwankungen in Namibia. Quelle: Universität Köln (2002). http://www.uni-koeln.de/ (05.12.11).Data source: Atlas of Namibia Project 2002;Directorate of Environmental Affairs, Ministry of Environment and Tourism.

Das folgende Kapitel widmet sich den edaphischen Eigenschaften der Savannenökosysteme, da neben dem Klima vor allem die Bodenqualität maßgeblich die Vegetation und das Nutzungspotenzial der Savannen steuert.

2.3 Böden

Die Böden des subsaharischen Afrika, am Beispiel der Böden Namibias, sind generell durch zunehmende Flachgründigkeit mit sinkenden Niederschlagsgradienten charakterisiert. In Namibia sinkt dieser Gradient von Nordost nach Südwest des Landes. In der dominanten Masse sensibler und nur unbefriedigend landwirtschaftlich nutzbarer Böden gibt es vereinzelt dennoch Böden mit gutem landwirtschaftlichem Nutzpotenzial, die jedoch nur mit Hilfe einer angepassten Nutzung über Generationen hinweg kultiviert werden können. Folgende Karte (Abb. 3) gibt einen Überblick über die Bodenverhältnisse in Namibia und Botswana, deren Bodentypen nachfolgend im Einzelnen vorgestellt werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Böden des subsaharischen Afrikas. Quelle: Universität Köln (2002).http://www.uni-koeln.de/sfb389/e/e1/index_d.htm (05.12.11). Datengrundlage: FAO; The Digital Soil Map of the World.

Der dominierendste Boden ist der Arenosol, der wie sein Name besagt, aus sandigem Ausgangsgestein entstanden ist. Er besitzt eine humusarmen Ah Horizont und keinen diagnostischen B-Horizont, der C Horizont ist entweder verfestigter Sandstein oder akkumulierte Flugsande.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Arenosol.Quelle: ISRIC WORLD SOIL INFORMATION:http://www.isric.org/sites/default/files/images/Rubi- Aridic Arenosol NA1.jpg (03.12.11).

Der Nitisol* dagegen ist ein Boden silikatreichen Ausgangsgesteins, der der Rubefizierung durch Eisenoxide unterliegt, was seine charakteristisch rote Färbung erklärt. Er ist locker gelagert und sehr tiefgründig und durch seine hohe nutzbare Feldkapazität stellt er der Vegetation ausreichend Wasser zur Verfügung. Aufgrund dieser Eigenschaften und einem mittleren Nährstoff- gehalt gehört der Nitisol zu den fruchtbarsten Böden der Tropen und Subtropen.

* in einigen Karten taucht der Name Nitosol auf, dies ist die Bezeichnung des Nitisols nach der alten FAO Klassifikation.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Nitisol. Quelle: SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): 355.

Ein anderer Bodentyp ist der Xerosol, ein Boden dessen Ausgangsmaterial vulkanische Tuffen, also Gesteine, die zu mehr als 75% aus Pyroklastika aller Korngrößen bestehen, sind und der durch Kieselsäure verfestigte Bänke mit Mächtigkeiten von 0,3m bis 1 m aufweist. Dies macht eine Kultivierung für den Feldbau unmöglich und so wird der Xerosol lediglich zur extensiven Weidewirtschaft genutzt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Xerosol.Quelle: SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): 355.

Vereinzelt sind in Namibia und Botswana auch Solontschaks oder Solonetze zu finden, dies sind Weiß- beziehungsweise Schwarzalkaliböden, die vor allem in (semi)ariden Gebieten der Erde zu finden sind. Dabei kann ein Solonetz durch Grundwasserabsenkung innerhalb eines Solontschaks entstehen. Durch ihre hohe Natriumbelegung der Bodenkolloide sind diese mobil und verlagern sich nach unten, sodass der B-Horizont ein charakteristisches Säulengefüge aufweist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Solonetz.Quelle: ISRIC WORLD SOIL INFORMATION:http://www.isric.eu/sites/default/files/images/Cn14p.jpg (03.12.11).

Der Vertisol schließlich ist ein dunkler, tiefgründiger und humoser Boden,der trotz seines hohen Tonanteils und damit hoher nicht nutzbarer Feldkapazität als „Schwarzerde der Tropen“ bezeichnet wird.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8: Vertisol.Quelle: SCHEFFER. F. und P. SCHACHTSCHABEL (2010): 355.

Eine weitere Besonderheit der subsaharischen Böden ist der Ironstone, besser bekannt als Laterit. Dieser Boden weist einen eisen- und kaolinitreichen B-Horizont mit vielen Sesquioxiden und Quarzen auf. Charakteristisch ist seine geringe Wasserdurchlässig- keit durch Krustenbildung nach vielen Trockenperioden, was den Oberflächenabfluss erhöht und zu einer Wasserakkumulation vor allem in Senken führt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9: Ironstone.Quelle: ISRIC WORLD SOIL INFORMATION:http://www.isric.eu/sites/default/files/images/Cn14p.jpg (03.12.11).

2.4 Vegetation

Typisch für das Ökosystem Savanne ist eine Graslandvegetation, in der einzelne Holzarten mosaikförmig angesiedelt sind und in ständiger Konkurrenz zu den dominierenden Grasarten stehen. Normalerweise schließt sich ein gleichzeitiges Vorhandensein von Gras- und Gehölzarten aus, da diese antagonistische Gegenspieler sind. In den Tropen trifft dieses aufgrund des Sommerregens nicht zu, der den bedingt durch das Wurzelsystem und den Wasserhaushalt herrschenden Gegensatz relativiert.

Während die Pflanzen der Grasvegetation ein feines, stark verzweigtes Wurzelsystem, mit dem sie ein geringes Bodenvolumen kompakt durchdringen, aufweisen, ist das der Gehölze ein gröberes, mit dem der Bodenkörper weitläufig in horizontaler und vertikaler Richtung durchwurzelt wird. Diese Unterschiede entspringen der Anpassung an verschiedene Bodenty- pen; Gräser haben sich dabei an feinsandige Böden in Sommerregengebieten angepasst, wohingegen Gehölze auf steinigen Böden der Sommer- und Winterregengebieten Fuß fassen können. In Winterregengebieten dominieren deswegen auch allein Gehölze- hier gibt es keine Grasvegetation. Die Unterschiede im Wasserhaushalt manifestieren sich folgendermaßen: Gräser transpirieren gleichermaßen während der Regenzeit als auch danach so lange bis die oberirdischen Pflanzenteile ausgetrocknet sind und lediglich das Wurzelsystem und der Spross die Trockenzeit, gut geschützt durch trockene Blattscheiden, überleben. Währenddes- sen wird auch die Photosynthese intensiv betrieben und viel organisches Material in kurzer Zeit produziert. Ein erneutes Wachstum setzt gleichzeitig mit der folgenden Regenzeit ein. Die Gehölzarten hingegen zeichnen sich durch einen gleichförmigen Wasserhaushalt aus, indem bei jeglichem Hinweis auf Austrocknung die Stomata zur Transpirationsreduktion geschlossen werden. Bei sich verstärkender Trockenheit wird zusätzlich Laub abgeworfen, so wie es während der Trockenzeit die Regel ist. Trotz dieser Anpassungsmechanismen weisen auch blattlose Sprossen eine geringe Wasserabgabe an die Umgebung - bedingt durch Transpiration - auf. Dies und die Unfähigkeit, die im Holz vorhandene Wassermenge als alleinigen Ausgleich gegenüber der herrschenden Trockenzeit nutzen zu können, forciert Gehölze, auch während einer Trockenzeit Wasser aus dem Boden aufzunehmen. Ist dieser vollständig ausgetrocknet oder das Wasser als nichtnutzbare Feldkapazität in Tonpartikeln gebunden, so vertrocknen Gehölze und sterben ab (BRECKLE & WALTER 1999: 188-189).

2.4.1 Die Feuchtsavanne

Die Feuchtsavanne stellt den feuchtesten Savannentypus der subsaharischen Savannen dar, weswegen hier intensiv grün gefärbte Gräser mit einer Höhe von bis zu 2 Metern charakteristisch sind (Abb. 10). Die Gehölzdichte ist geringer und aufgrund vieler Feuerereignisse erinnern die Gehölze in ihrem Aussehen an alte Besen. Darüber hinaus weisen die Gehölze aufgrund relativ geringen Trockenstresses noch große Blätter auf.

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Details

Titel
Umweltdegradation und adaptives Management subsaharischer Savannensysteme
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Institut für Geographie)
Veranstaltung
Hauptseminar KG: Umkämpfte Räume, umstrittene Ordnungen, Umbruch und Stabilität im südlichen Afrika
Note
1,3
Autoren
Jahr
2012
Seiten
57
Katalognummer
V204808
ISBN (eBook)
9783656315209
ISBN (Buch)
9783656315612
Dateigröße
1364 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
südlichen Afrika, Degradation, adaptives Management
Arbeit zitieren
Katrin Ziewers (Autor)Rebekka Stromberger (Autor), 2012, Umweltdegradation und adaptives Management subsaharischer Savannensysteme, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/204808

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Titel: Umweltdegradation und adaptives Management subsaharischer Savannensysteme



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