„Lobbyisten treiben die Regierung“, „Pharmalobby erringt erneuten Sieg“, „Lobby bremst Regierung aus“, „Sieg der Lobbyisten“, „Geld erhält die Freundschaft“ – diese Schlagzeilen der vergangenen Monate illustrieren anschaulich, dass das Ansehen von Lobbyisten und Lobbygruppen in Deutschland nicht sehr hoch ist. Während die Gegner des Lobbying diese Form der Politikberatung seit jeher mit Korruption, Hinterzimmern oder Patronage assoziieren und der Meinung sind, dass Lobbyismus den demokratischen politischen Prozess verfälscht, sind die Befürworter des Lobbyismus ganz anderer Meinung. Sie argumentieren, dass es beim Lobbying nicht darum gehe, den Gesprächs- und Verhandlungspartner zu überrumpeln oder ihn gar mit Geld gefügig zu machen, vielmehr gehe es dabei um eine solide, kompetente und inhaltsreiche Politikberatung (vgl. Lösche 2006: 339), bei der die Politik von der Sachkenntnis der verschiedenen Interessengruppen profitieren könne. Insbesondere in Zeiten schneller Entscheidungen auf oft unsicherer Basis sei es für die Politik unmöglich, auf Lobbying zu verzichten, zumal es Lobbys und Lobbyisten bereits geben würde, seit Gesetze existierten. Aus diesem Grund sei der Lobbyismus ein elementares, legitimes Mittel in einer Demokratie (vgl. Leif/Speth 2003: 24) und das negative Image der Lobbyisten entspräche nicht der Realität.
Ziel dieser Hausarbeit ist es, das Lobbying in den Kontext der schillernden Politikberatungslandschaft einzuordnen sowie seine spezifischen Aufgaben, Akteure, Möglichkeiten und Risiken herauszuarbeiten. In Kapitel 2 werden mit den Begriffen Politikberatung, Verband und Lobbying zunächst einige grundlegende Begrifflichkeiten geklärt, bevor Kapitel 3 mit der Gesundheitspolitik ein spezielles Feld der Sozialpolitik in den Mittelpunkt rückt. Hier wird zunächst der Frage nachgegangen, warum gerade dieses Politikfeld besonders stark von Lobbygruppen und Lobbyisten dominiert wird. Anschließend wird anhand der Gesundheitsreform 2011 – zumindest in Ansätzen – der Versuch unternommen, den vermuteten, möglichen oder offensichtlichen Einfluss von verschiedenen Lobbygruppen auf einige Kernpunkte der Reform zu identifizieren. In Kapitel 4 werden die gewonnenen Erkenntnisse kritisch betrachtet und diskutiert, bevor schließlich die Frage beantwortet wird, worin die Möglichkeiten und Risiken des Lobbying liegen und wie das überwiegend negative Ansehen der Lobbyisten in der Gesellschaft verbessert werden könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Korruption, Hinterzimmer, Mauscheleien – das Bild des Lobbyismus in der Gesellschaft
2. Klärung grundlegender Begrifflichkeiten
2.1 Politikberatung: Definition, Aufgaben, Erscheinungsformen und Akteure
2.2 Verbände und Interessengruppen als Akteure des Lobbying
2.3 Lobbying: Ursprung, Durchführung, Adressaten und Methoden
3. Lobbying am Beispiel der Gesundheitspolitik
3.1 Gründe für den starken Einfluss von Lobbygruppen in der Gesundheitspolitik
3.2 Die Gesundheitsreform 2011 (CDU/FDP)
3.2.1 Ausgewählte Kernpunkte der Reform
3.2.2 Der Einfluss ausgewählter Lobbygruppen
4. Möglichkeiten und Risiken des Lobbying: Fazit und Diskussion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht Lobbyismus als spezifische Form der Politikberatung, ordnet ihn in den politologischen Kontext ein und analysiert kritisch seine Möglichkeiten und Risiken anhand der Gesundheitsreform 2011. Dabei wird hinterfragt, wie Lobbygruppen politische Prozesse beeinflussen und wie das häufig negative gesellschaftliche Image von Lobbyisten zu bewerten ist.
- Einordnung des Lobbying in die Politikberatungslandschaft
- Strukturen von Verbänden und Interessengruppen als Akteure
- Analyse des Einflusses von Lobbying auf die Gesundheitspolitik
- Untersuchung der Gesundheitsreform 2011 (CDU/FDP) hinsichtlich Lobbyeinflüssen
- Diskussion über Möglichkeiten, Risiken und ethische Standards (Transparenz)
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung: Korruption, Hinterzimmer, Mauscheleien – das Bild des Lobbyismus in der Gesellschaft
„Lobbyisten treiben die Regierung“, „Pharmalobby erringt erneuten Sieg“, „Lobby bremst Regierung aus“, „Sieg der Lobbyisten“, „Geld erhält die Freundschaft“ – diese Schlagzeilen der vergangenen Monate illustrieren anschaulich, dass das Ansehen von Lobbyisten und Lobbygruppen in Deutschland nicht sehr hoch ist. Einige politische Ereignisse der jüngeren Vergangenheit, die in Zusammenhang mit der Regierungsarbeit der seit 2009 regierenden schwarz-gelben Bundesregierung stehen, haben den ohnehin schon schlechten Ruf der Lobbyisten weiter beschädigt.
So war beispielsweise im Herbst 2010 im Zuge der Verhandlungen um die Laufzeitverlängerungen für Atomkraftwerke von einer „nächtlichen Kungelrunde“ mit den Vertretern der Energiekonzerne im Kanzleramt zu lesen und der Regierungskoalition wurde anschließend vorgeworfen, sie sei vor der Atomlobby eingeknickt und habe das Gemeinwohl der Gesellschaft zugunsten der Lobbyinteressen vernachlässigt. Allein dieses Ereignis scheint sofort all jene zu bestätigen, die den Lobbyismus schon seit jeher mit Korruption, Hinterzimmern oder Patronage assoziiert haben und der Meinung sind, dass Lobbyismus den demokratischen politischen Prozess verfälscht, weil bei dieser Form der Einflussnahme nur jene Gruppen ihre partikularen Interessen im politischen Prozess vertreten und durchsetzen können, die über eine starke Lobby und genügend – zumeist materielle – Ressourcen verfügen.
Die Befürworter des Lobbyismus sind hingegen ganz anderer Meinung. Sie argumentieren, dass es beim Lobbying gerade nicht darum ginge, den Gesprächs- und Verhandlungspartner zu überrumpeln oder ihn gar mit Geld gefügig zu machen, vielmehr ginge es dabei um eine solide, kompetente und inhaltsreiche Politikberatung (vgl. Lösche 2006: 339), bei der die Politik von der Sachkenntnis der verschiedenen Interessengruppen profitieren könne. Insbesondere in Zeiten schneller Entscheidungen auf oft unsicherer Basis sei es für die Politik daher unmöglich, auf Lobbying zu verzichten, zumal es Lobbys und Lobbyisten bereits geben würde, seit Gesetze existierten. Aus diesem Grund sei der Lobbyismus ein elementares, legitimes Mittel in einer Demokratie (vgl. Leif/Speth 2003: 24) und das negative Image der Lobbyisten entspräche nicht der Realität.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Korruption, Hinterzimmer, Mauscheleien – das Bild des Lobbyismus in der Gesellschaft: Der Einstieg beleuchtet das schlechte öffentliche Ansehen von Lobbyismus durch aktuelle Schlagzeilen und kontrastiert dies mit der Argumentation der Befürworter, die Lobbying als notwendige Politikberatung sehen.
2. Klärung grundlegender Begrifflichkeiten: Hier werden zentrale Konzepte wie Politikberatung, Verbände und Lobbying definiert, um das theoretische Fundament für die weitere Analyse zu schaffen.
3. Lobbying am Beispiel der Gesundheitspolitik: Das Kapitel veranschaulicht den Einfluss von Lobbygruppen anhand der deutschen Gesundheitspolitik und der Gesundheitsreform 2011 und untersucht, welche Akteure hierbei besonders einflussreich waren.
4. Möglichkeiten und Risiken des Lobbying: Fazit und Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und die Möglichkeiten und Risiken des Lobbyings kritisch diskutiert, wobei die Forderung nach mehr Transparenz und einem Verhaltenskodex zentral ist.
Schlüsselwörter
Lobbyismus, Politikberatung, Interessenverbände, Gesundheitspolitik, Gesundheitsreform 2011, Interessenvertretung, Einflussnahme, Demokratie, Transparenz, Partikularinteressen, Verbändelandschaft, politische Entscheidungsprozesse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht Lobbying als eine spezifische, interessengeleitete Form der Politikberatung in Deutschland und analysiert dessen Rolle im politischen Willensbildungsprozess.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Lobbyismus, die Rolle von Verbänden, die Dynamiken der Politikberatung sowie deren Anwendung und Einfluss am Beispiel der Gesundheitspolitik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lobbying in die Politikberatungslandschaft einzuordnen, die Aufgaben und Akteure zu bestimmen sowie die Möglichkeiten und Risiken dieses Phänomens kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse sowie einer fallbezogenen Untersuchung der Gesundheitsreform 2011, um den Einfluss von Lobbygruppen empirisch zu illustrieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden theoretische Begriffe geklärt und anschließend das Lobbying im Gesundheitswesen analysiert, wobei insbesondere der Einfluss von Verbänden auf die Reformschritte der Bundesregierung im Jahr 2011 beleuchtet wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Lobbyismus, Politikberatung, Interessenverbände, Gesundheitspolitik, Transparenz und Einflussnahme.
Warum spielt die Gesundheitspolitik für die Untersuchung eine so zentrale Rolle?
Sie dient als exemplarisches Politikfeld, da sie in Deutschland stark von korporatistischen Strukturen geprägt ist und eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an Lobbygruppen aufweist.
Welches Fazit zieht der Autor bezüglich der Risiken des Lobbying?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Risiken – insbesondere mangelnde Transparenz und die Aushöhlung demokratischer Prozesse durch Partikularinteressen – überwiegen, solange Lobbying nicht transparent und aufrichtig betrieben wird.
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- Christian Rohm (Author), 2011, Lobbying als spezifische Form der Politikberatung: Möglichkeiten und Risiken am Beispiel der Gesundheitspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205015