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Reflexe der Libertinage in Volaires "Candide ou l´Optimisme"

Title: Reflexe der Libertinage in Volaires "Candide ou l´Optimisme"

Term Paper (Advanced seminar) , 2011 , 24 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Lucius Burgess (Author)

Didactics for the subject French - Literature, Works
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Die Veröffentlichung der Novelle „Candide ou l’optimisme“ fällt in eine Epoche, welche im Fahrwasser der Aufklärung eine besondere Art von Freidenkertum hervorgebracht hat, das unter anderem von erotischer Freizügigkeit und Ausschweifung gekennzeichnet war. Der Einfluss dieses Freidenkertums auf die Literatur des 18. Jahrhunderts war einerseits so auffällig und stand andererseits solchermaßen im Widerspruch zu traditionellen Moralvorstellungen, dass künstlerische Zeugnisse dieses Denkens bald unter dem zunächst negativ konnotierten Begriff „Libertinage“ subsumiert wurden. Als klassische Vertreter dieser Strömung gelten zum Beispiel Romane wie „Les Bijoux indiscrets“ von Denis DIDEROT, „Le Rideau levé, ou l'Education de Laure“ von MIRABEAU, „Le Sopha“ von CRÉBILLON fils, „Les Liaisons Dangereuses“ von Choderlos de LACLOS und „Die freimütigen Bekenntnisse der Aloisia“ von Nicolas CHORIER. „Candide ou l’optimisme“ dagegen zählt nicht typischerweise zu den romans libertins, obwohl darin mit den amourösen bis erotischen Abenteuern Candides, Cunégondes, Paquettes und anderer Figuren durchaus gerade diejenigen Elemente zum Tragen kommen, an denen sich libertines Denken entfalten könnte. Muss aus dem Ausschluss dieser Novelle vom Korpus der libertinen Literatur geschlossen werden, dass sie also traditionellen christlichen Werten verpflichtet sein müsse oder hat die starke Ausrichtung der Novelle auf eine Kritik von Leibniz‘ Theodizee den Blick von ihrem libertinen Charakter abgelenkt? Wäre nicht von den Romanen eines Autors des französischen 18. Jahrhunderts, die auch Liebe und praktizierte Sexualität behandeln, eine klare Positionierung für die eine oder die andere Strömung zu erwarten? Mehr noch: Gerade die Kritik VOLTAIREs an Leibnitz‘ Idee von der prästabilierten Harmonie wirft Fragen hinsichtlich des Rechts auf individuelles Glück und dessen Vereinbarkeit mit dem bien public auf. Ohne die Zuflucht zu metaphysischen Größen wie der einer prästabilierten Harmonie oder eines implantierten sensus moralis stellt sich das Problem der Dialektik zwischen der Theologie des irdischen Jammertals und dem individuellen Recht auf diesseitiges Glück und der daran geknüpften Verantwortung für das Gemeinwohl in aller Deutlichkeit dar. Relevanz für die Libertinage erhält dieses Problem vor dem Hintergrund der libertinen Vorstellung von Sexualität als der äußersten Glücksverheißung. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Begriffsbestimmung „Libertinage“

2. Das Liebeskonzept in „Candide ou l’Optimisme“

3. Die Sexualethik in „Candide ou l’Optimisme“

Schlussfolgerung

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reflexe der libertinen Literatur in Voltaires Novelle „Candide ou l’Optimisme“. Dabei wird analysiert, inwieweit das in der Novelle dargestellte Liebes- und Sexualverständnis von libertinen Vorstellungen geprägt ist und wie diese mit den zeitgenössischen christlichen Moralvorstellungen im Kontext der Aufklärung korrespondieren oder in Konflikt stehen.

  • Analyse des Begriffs der Libertinage und dessen historische Einordnung.
  • Untersuchung des Liebeskonzepts in „Candide ou l’Optimisme“ im Vergleich zu anderen libertinen Romanen.
  • Erörterung der Sexualethik und des Umgangs mit Triebsteuerung im Werk.
  • Kritische Reflexion des Spannungsfeldes zwischen libertiner Praxis und aufklärerischen Idealen.

Auszug aus dem Buch

1. Begriffsbestimmung „Libertinage“

In dem 1990 erschienenen Buch „Das Paradies im Boudoir. Glanz und Elend der erotischen Libertinage im Zeitalter der Aufklärung.“ ist es Peter PRANGE gelungen, in einer Synthese des etwa 300 Titel umfassenden Korpus libertiner Romane, dem Begriff der Libertinage ein theoretisches Gepräge zu verleihen und gleichzeitig mit dem Vorurteil der propagierten Luststeigerung in der Libertinage aufzuräumen. An der Stelle der Luststeigerung sieht er Luststeuerung, an die Stelle einer etwaigen ars amandi stellt er eine scientia sexualis.

Bei der Suche nach einer Definition für den Begriff der Libertinage erweist sich dieses Buch vor allem deswegen von großem Wert, weil es einerseits mit seinem komparatistischen Ansatz die libertine Literatur in ihrer gesamten Breite und all ihren Facetten berücksichtigt und andererseits in der Gegenüberstellung des theoretischen sexualkulturellen Anspruchs der Libertinage und deren Wirklichkeit deutliche Diskrepanzen und Widersprüche aufdeckt, die diese Strömung in einem neuen, kritischen Licht erscheinen lassen.

Ausgangspunkt der Betrachtungen PRANGES sind traditionelle Auffassungen zur Libertinage. Danach bedeutete sie ursprünglich „Ausschweifung im Denken und Handeln; Liederlichkeit der Sitten“ und nahm dann im französischen 18. Jahrhundert eine „zunehmend mondäne Bedeutung [an]: Libertinage [wurde] weitgehend synonym mit erotischer Freizügigkeit“.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Libertinage im 18. Jahrhundert ein und stellt die Forschungsfrage nach den Reflexen libertiner Konzepte in Voltaires „Candide ou l’Optimisme“ dar.

1. Begriffsbestimmung „Libertinage“: In diesem Kapitel wird der Begriff der Libertinage anhand der Arbeiten von Peter Prange definiert und von rein lüsternen Interpretationen hin zu einer scientia sexualis abgegrenzt.

2. Das Liebeskonzept in „Candide ou l’Optimisme“: Dieses Kapitel untersucht die spezifische Darstellung von Liebe im Roman, die sich von romantischen Idealen löst und primär als Mittel zur Triebbefriedigung und sozialen Legitimation fungiert.

3. Die Sexualethik in „Candide ou l’Optimisme“: Hier werden die praktischen Implikationen der sexuellen Handlungen im Roman erörtert und in den Kontext der zeitgenössischen christlichen Sexualethik sowie der aufklärerischen Vernunft gestellt.

Schlussfolgerung: Das Schlusswort fasst die Ergebnisse zusammen und ordnet das Werk Voltaires in das Koordinatensystem zwischen christlichen Werten und libertinen Freiheitsbestrebungen ein.

Schlüsselwörter

Libertinage, Voltaire, Candide, Aufklärung, Liebeskonzept, Sexualethik, erotische Literatur, Roman libertin, Triebsteuerung, ars amandi, scientia sexualis, 18. Jahrhundert, Moralvorstellungen, Menschenbild, Philosophie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung libertiner Einflüsse und Denkweisen innerhalb von Voltaires bekannter Novelle „Candide ou l’Optimisme“.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Definition der Libertinage, die Analyse des Liebesbegriffs sowie die Darstellung der Sexualethik im 18. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Reflexe der Libertinage in Voltaires Werk aufzuspüren und zu prüfen, ob die Novelle trotz libertiner Züge christlichen Werten verpflichtet bleibt oder als libertiner Roman kategorisiert werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die insbesondere auf einem komparatistischen Ansatz basiert und die Primärliteratur mit theoretischen Definitionen der Libertinage vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst der Begriff der Libertinage theoretisch gefasst, dann das Liebeskonzept im Roman dekonstruiert und abschließend die sexualethischen Implikationen der erzählten Handlungen diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die wichtigsten Begriffe sind Libertinage, Voltaire, Candide, Aufklärung, Sexualethik und Liebeskonzept.

Wie bewertet der Autor das Liebesverständnis der Romanfiguren?

Der Autor zeigt auf, dass Liebe in „Candide“ oft von einer rein körperlichen Ebene und dem Wunsch nach Triebbefriedigung geprägt ist, statt auf einer tiefen, metaphysischen Verbundenheit zu basieren.

Welche Rolle spielt die christliche Moral im Vergleich zur libertinen Sichtweise?

Die Arbeit verdeutlicht ein ständiges Spannungsfeld: Während die Libertinage gesellschaftliche Normen und christliche Sexualethik unterwandert, zeigt Voltaire auf, dass auch das „libertine“ Leben Konsequenzen wie Krankheit oder soziale Stigmatisierung nach sich ziehen kann.

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Details

Title
Reflexe der Libertinage in Volaires "Candide ou l´Optimisme"
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Romanistik)
Course
„Verführung und Libertinage in Texten des 18. Jahrhunderts“
Grade
1,7
Author
Lucius Burgess (Author)
Publication Year
2011
Pages
24
Catalog Number
V205024
ISBN (eBook)
9783656321705
ISBN (Book)
9783656324355
Language
German
Tags
Mirabeau Diderot Libertinage Chorin Chorier Voltaire Candide Crébillon de Sade Peter Prange Verführung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Lucius Burgess (Author), 2011, Reflexe der Libertinage in Volaires "Candide ou l´Optimisme", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205024
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