Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Biblical Theology

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20,1-16)

Title: Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20,1-16)

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 35 Pages , Grade: 1

Autor:in: Thomas Diehl (Author)

Theology - Biblical Theology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Der offensichtliche Konflikt zwischen Güte und Gerechtigkeit fällt schon beim ersten Lesen der Perikope ins Auge Die Reaktion der Arbeiter, die den ganzen Tag im Weinberg gearbeitet hatten, scheint auch heute noch für den Leser verständlich und nachvollziehbar. Der Unmut dieser scheint im ersten Augenblick durchaus berechtigt, er erscheint als legitime Antwort auf die wahrgenommene Ungerechtigkeit. Indem der Gutsbesitzer gütig gegenüber den Letzten ist, verstößt er scheinbar gegen den Grundsatz der (Verteilungs-)Gerechtigkeit. Um so mehr verblüfft die Antwort des Hausherrn, der sich auf Recht und (sein Recht auf) Güte beruft. Hier wird nach unseren Maßstäben eine Diskrepanz sichtbar, zum einen zwischen dem, was Recht, und dem, was gerecht ist, zum anderen zwischen Gerechtigkeit und Güte. Das Gleichnis aber löst diesen Konflikt nicht weiter auf, es endet mit der klaren Reaktion des Hausherrn und lässt den Leser nun mit diesem Konflikt allein. Und genau hier fesselt das Gleichnis seine Leser, hier wird es zur ‚Bibel interaktiv’ par Excellenze: Der Leser muss den Konflikt weiter denken, um ihn zu lösen, in dem ‚ungeschriebenem Schluss’ des Gleichnisses liegt es am Leser, das Gleichnis und seinen Konflikt aktiv mit- und zu Ende zu denken, der Leser wird gefordert, die mit „Du“ formulierte Schlussfrage in Vers 15 selbst zu beantworten. Konnte er den Unmut der Arbeiter der ersten Stunde verstehen, so ist nun die Antwort des Hausherren auch keineswegs unverständlich – die Sympathie des Lesers weiß nun nicht mehr wohin.
Das Handeln und die Argumentation des Gutsbesitzers machen klar: Gottes Gerechtigkeit ist eine andere als unsere menschliche Gerechtigkeit. Gerecht ist das, was der Einzelne bedarf, nämlich einen Platz im Himmelreich (wofür hier der Denar steht). Aufgrund seiner Güte lässt Gott Gerechtigkeit widerfahren. In seiner Allgewalt ist dies sein gutes Recht (worauf sich der Gutsbesitzer in seiner Antwort auch beruft) – er kann verfahren, wie ihm beliebt (und er tut ja nichts Böses!). Unrecht tut er keinem.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) Einleitung

2) Der Text des Gleichnisses

2.1) Eine ‚exegetische’ Übersetzung

2.2) Zur Quelle

3) Stellung, Abgrenzung und Funktion des Gleichnisses als Perikope

4) Das Gleichnis und sein „Sitz im Leben“

5) Analyse der Perikope

5.1) Erzählgang

5.2) Aufbau

5.3) Semantische Analyse

6) Synoptischer Vergleich

7) Die Funktion(en) des Gleichnisses im Makrotext

7.1) Das Gleichnis im Kontext des Matthäusevangeliums

7.2) Das Gleichnis als Reaktion und Opposition

8) Auslegungen des Gleichnisses

9) Theologische Deutung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das neutestamentliche Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1-16) exegetisch, um den darin enthaltenen Konflikt zwischen Güte und Gerechtigkeit sowie dessen Bedeutung im matthäischen Kontext und für das zeitgenössische Verständnis von Solidarität herauszuarbeiten.

  • Exegetische Analyse der Textabschnitte von Mt 20, 1-16
  • Untersuchung des soziokulturellen "Sitz im Leben" der Tagelöhner-Thematik
  • Synoptischer Vergleich und Einordnung in den Makrotext des Matthäusevangeliums
  • Darstellung verschiedener historischer Auslegungsgeschichten des Gleichnisses
  • Theologische Deutung unter Berücksichtigung aktueller globaler Gerechtigkeitsfragen

Auszug aus dem Buch

1) Einleitung

Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg in Mt 20, 1-16 ist aus vielerlei Hinsicht interessant. Beim ersten Lesen der Perikope fällt sofort eines auf: Der offensichtliche Konflikt zwischen Güte und Gerechtigkeit. Die Reaktion der Arbeiter, die den ganzen Tag im Weinberg gearbeitet hatten, scheint auch heute noch für den Leser verständlich und nachvollziehbar. Der Unmut dieser scheint im ersten Augenblick durchaus berechtigt, er erscheint als legitime Antwort auf die wahrgenommene Ungerechtigkeit. Um so mehr verblüfft die Antwort des Hausherrn, der sich auf Recht und (sein Recht auf) Güte beruft.

Hier wird nach unseren Maßstäben eine Diskrepanz sichtbar, zum einen zwischen dem, was Recht, und dem, was gerecht ist, zum anderen zwischen Gerechtigkeit und Güte. Das Gleichnis aber löst diesen Konflikt nicht weiter auf, es endet mit der klaren Reaktion des Hausherrn und läßt den Leser nun mit diesem Konflikt allein. Und genau hier fesselt das Gleichnis seine Leser, hier wird es zur ‚Bibel interaktiv’ par Excellenze: Der Leser muß den Konflikt weiter denken, um ihn zu lösen, in dem ‚ungeschriebenem Schluß’ des Gleichnisses liegt es am Leser, das Gleichnis und seinen Konflikt aktiv mit- und zu Ende zu denken, der Leser wird gefordert, die mit „Du“ formulierte Schlußfrage in Vers 15 selbst zu beantworten.

Zusammenfassung der Kapitel

1) Einleitung: Einführung in den zentralen Konflikt zwischen Güte und Gerechtigkeit im Gleichnis sowie die Forderung an den Leser zur aktiven Auseinandersetzung.

2) Der Text des Gleichnisses: Detaillierte Vers-für-Vers-Analyse unter Einbezug des griechischen Urtextes und Vergleich gängiger Übersetzungen.

3) Stellung, Abgrenzung und Funktion des Gleichnisses als Perikope: Einordnung der Erzählung in den literarischen Rahmen der Jüngerbelehrungen auf dem Weg Jesu nach Jerusalem.

4) Das Gleichnis und sein „Sitz im Leben“: Untersuchung der soziokulturellen Realität von Tagelöhnern und Weinbau in der Antike als Hintergrund der Parabel.

5) Analyse der Perikope: Analyse des Erzählgangs, des Aufbaus und der semantischen Bedeutungsebenen des Gleichnisses.

6) Synoptischer Vergleich: Kontrastierung der matthäischen Fassung mit dem Markus-Evangelium zur Verdeutlichung der spezifischen theologischen Akzentuierung.

7) Die Funktion(en) des Gleichnisses im Makrotext: Analyse der Aussageabsicht im Kontext des Matthäusevangeliums und der Opposition gegenüber menschlichem Rangdenken.

8) Auslegungen des Gleichnisses: Überblick über die Wirkungs- und Auslegungsgeschichte von der frühen Kirche bis hin zur modernen liberalen Auslegung.

9) Theologische Deutung: Synthese der exegetischen Ergebnisse zu einer heutigen theologischen Verheißung und ethischen Handlungsaufforderung.

Schlüsselwörter

Gleichnis, Matthäusevangelium, Arbeiter im Weinberg, Güte, Gerechtigkeit, Exegese, Sitz im Leben, Tagelöhner, Solidarität, Reich Gottes, Lohn, Rangdenken, hermeneutische Auslegung, Eschaton, Ethik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine exegetische Untersuchung des Gleichnisses von den Arbeitern im Weinberg (Mt 20, 1-16), um die darin verhandelten theologischen und ethischen Spannungsfelder zu analysieren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen das Spannungsverhältnis zwischen Güte und Gerechtigkeit, die soziale Realität antiker Tagelöhner sowie die Kritik an menschlichem Verdienst- und Rangdenken im Kontext des Reiches Gottes.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es, den "ungelösten" Charakter des Gleichnisses als "Bibel interaktiv" aufzuzeigen, die den Leser zur eigenen ethischen Stellungnahme herausfordert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt die historisch-kritische Exegese, den synoptischen Vergleich sowie sozialgeschichtliche Ansätze zur Erhellung des soziokulturellen Kontextes.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Textanalyse (Vers für Vers), die Einordnung in den literarischen Makrotext, die Untersuchung des "Sitz im Leben" sowie eine kritische Auseinandersetzung mit der Auslegungsgeschichte.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den zentralen Begriffen gehören Gerechtigkeit, Güte, Tagelöhner, Solidarität, Reich Gottes, Exegese und die matthäische Theologie.

Warum bleibt das Gleichnis laut Autor "ungelöst"?

Der Autor argumentiert, dass das Gleichnis bewusst auf einen dritten, auflösenden Teil verzichtet, um den Leser nicht mit einer fertigen Antwort zu entlassen, sondern ihn zu zwingen, den Konflikt aktiv und persönlich weiterzudenken.

Inwiefern ist das Gleichnis für die heutige Globalisierungsdebatte relevant?

Die Arbeit zieht eine Brücke von der antiken Gerechtigkeitsfrage hin zur modernen Forderung, dass jeder Mensch unabhängig von seiner individuellen Leistung ein Anrecht auf ein Leben oberhalb des Existenzminimums hat, was das Gleichnis angesichts globaler Armut hochgradig aktuell macht.

Excerpt out of 35 pages  - scroll top

Details

Title
Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20,1-16)
College
University of Kassel  (Religionswissenschaften)
Course
Einleitung in das Neue Testament
Grade
1
Author
Thomas Diehl (Author)
Publication Year
2003
Pages
35
Catalog Number
V20505
ISBN (eBook)
9783638243629
ISBN (Book)
9783638646772
Language
German
Tags
Gleichnis Arbeitern Weinberg Einleitung Neue Testament
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Diehl (Author), 2003, Das Gleichnis von den Arbeitern im Weinberg (MT 20,1-16), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/20505
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  35  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint