Fugenelemente im Schwedischen


Hausarbeit, 2010

41 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Fugenelemente – ein Abriss am Beispiel des Dänischen
2.1 Definition der Begriffe Fugenelement und Nominalkomposition
2.1.1 Definition des Begriffs Fugenelement
2.1.2 Definition des Begriffs Nominalkomposition
2.2 Über Fugenelemente in Nominalkomposita nach Kürschner
2.2.1 Allgemeine Erkenntnisse
2.2.2 Auftreten der Nullfuge
2.2.3 Auftreten der s-Fuge
2.2.4 Auftreten der e-Fuge
2.3 Fugenelemente als Morpheme

3 Korpusanalyse – Fugenelemente im Schwedischen
3.1 Methode
3.2 Erläuterung der Wortlistentabelle
3.3 Analyse der systematischen Reihenbildung im Schwedischen
3.3.1 Allgemeine Erkenntnisse
3.3.2 Kompositionsstammformen mit Nullfuge
3.3.3 Kompositionsstammformen mit -s-
3.3.4 Kompositionsstammformen mit -e-
3.3.5 Kompositionsstammformen mit -o-
3.3.6 Einzelformen

4 Vergleich – Wortfugen im Dänischen und Schwedischen

Fazit

Literaturverzeichnis
Primärliteratur:
Internetverweise:

Anhang
Wortliste

1 Einleitung

Mit seiner Magisterarbeit 2003 und weiteren Artikeln zwei Jahre später hat Sebastian Kürschner (2003; 2005a; 2005b) verdienstvolle Studien zur Erforschung der Fugenelemente in der dänischen Sprache vorgelegt und maßgeblich zur Weiterentwicklung dieser Thematik beigetragen. Zwar ist die Forschung an den produktiven Systemen von Fugenelementen im Dänischen dank Kürschner entscheidende Schritte vorangekommen, in anderen Sprachen gibt es bisher dennoch großen Aufholbedarf. Beispielsweise zeichnet sich auch Afrikaans auf Grund seiner historischen Entwicklung und der damit verbundenen Nähe zum Niederländischen durch ein produktives System von Fugenelementen aus, dessen Erforschung sicher viele neue Erkenntnisse zu Tage fördern würde. Doch in dieser Arbeit sollen nicht Afrikaans oder Niederländisch im Fokus stehen, untersucht werden Fugenelemente in der Sprache des direkten Nachbarn Dänemarks: Schweden. Erforscht werden dabei ausschließlich Fugenelemente, die in Nominalkompositionen der schwedischen Sprache vorkommen.

Die Merkmale von Fugenelementen werden im ersten Teil dieser Arbeit am Beispiel des Dänischen dargestellt, dabei wird auf grundlegende Definitionen und auf das Auftreten der wichtigsten Fugenelemente in der dänischen Sprache eingegangen. Den Ausarbeitungen Kürschners wird in diesem Schritt konstant gefolgt. Der erste Teil dieser Arbeit bereitet sich anschließende Korpusanalyse von Fugenelementen im Schwedischen vor und bildet die Basis für den späteren kurzen Vergleich von Fugenelementen im Dänischen und im Schwedischen. Der Vergleich der verschiedenen Systeme von Fugenelementen zwischen den beiden nordgermanischen Sprachen kann neue Erkenntnisse über die Fugenelemente hervorbringen. Als Fundament der Korpusanalyse dienen zufällig ausgewählte, aktuelle Ausgaben des Svenska Dagbladet, denen 300 Nominalkomposita ebenso zufällig entnommen wurden. Diese Nominalkomposita werden auf ihre Fugenelemente und deren Auftreten hin untersucht. In einer Tabelle wird die sich aus den untersuchten Nominalphrasen zusammensetzende Wortliste dem Anhang beigefügt.

2 Fugenelemente – ein Abriss am Beispiel des Dänischen

2.1 Definition der Begriffe Fugenelement und Nominalkomposition

2.1.1 Definition des Begriffs Fugenelement

Ähnlich wie eine Fuge im handwerklichen Sinn legt sich auch das Fugenelement der Linguistik zwischen zwei Bestandteile eines zusammengesetzten Wortes, um diese miteinander zu verbinden. Ganz konkret handelt es sich bei einem Fugenelement also um „die Wortfuge […], die sich in Komposita zwischen den Gliedern bildet, aus denen sich das Kompositum zusammensetzt“ (Kürschner 2003: 8). Bei dieser Bildung entsteht eine Art Zwischenraum, der, wie Kürschner festhält, entweder durch lautliche Einheiten besetzt wird oder eben leer bleibt (vgl. Kürschner 2003: 8). Doch erst wenn in der Wortfuge innerhalb des neugebildeten Wortes lautliches Material anzutreffen ist, heißt es Fugenelement. Eine Fuge, die dagegen leer bleibt und die kein fonisches Material vorzuweisen hat, wird gemeinhin als sogenannte Nullfuge bezeichnet. Für diese Arbeit wird Fugenelement allerdings mitunter bewusst synonym mit Wortfuge verwendet. Ein Bespiel für ein „normales“ Fugenelement ist schwed. kvarter-s-butik ‚Tante-Emma-Laden‘, das eine s-Fuge vorzuweisen hat. Dagegen findet sich in schwed. häst--hov ‚Pferdehuf‘ eine Nullfuge. Kürschner weist darauf hin, dass Fugenelemente auch in Derivaten vorkommen (vgl. Kürschner 2003: 8). Tatsächlich tritt in schwed. kärlek-s-affär ‚Liebesaffäre‘ ein Fugenelement auf, das sich auch in seinem Derivat schwed. kärlek-s-lös ‚lieblos‘ wiederfindet. Es zeigt sich, dass Fugenelemente in Derivationen also an der Grenze von lexikalischem und grammatischem Morphem auftreten, während Fugenelemente in einer Komposition zwischen den jeweils beteiligten Wortstämmen agieren. Da in dieser Arbeit nur Fugenelemente in Nominalkompositionen untersucht werden, folgt eine Definition von Nominalkompositionen.

2.1.2 Definition des Begriffs Nominalkomposition

Der Oberbegriff von Nominalkompositionen ist die Komposition. Allgemein sind Kompositionen alle Zusammensetzungen von mindestens zwei einzelnen Wortstämmen zu einem neuen Wort. Sie lassen sich in zwei semantisch voneinander unterscheidbare Untergruppen einordnen: in die Gruppe der Kopulativ- und in die Gruppe der Determinativkomposita. Das Kopulativkompositum zeichnet sich durch nur „ein geringes ‚semantisches Hierarchiegefälle‘ zwischen den zwei Gliedern aus“ (Linke /Nussbaumer/Portmann 2004: 70). Ein Beispiel für ein Kopulativkompositum, das in seinen zwei Stämmen jeweils aus einem Adjektiv besteht, wäre schwed. gråblå ‚graublau‘. Die Determinativkomposition dagegen ist „durch ein hypotaktisches Gefüge gekennzeichnet, indem das Zweitglied durch das Erstglied näher bestimmt wird“ (Kürschner 2003: 10). Ein Beispiel dafür wäre schwed. blomkruka ‚Blumentopf‘.

Im Dänischen, aber auch im Deutschen und Schwedischen, ist diese Art der Wortbildung äußerst produktiv. Kürschner bemerkt, dass die Mehrzahl der Komposita sich im Dänischen auf zweigliedrige und dreigliedrige Komposita beschränkt (vgl. Kürschner: 9). Die Wortstämme der jeweiligen Zusammensetzungen können grundsätzlich aus verschiedenen Wortarten bestehen. In dieser Arbeit stehen jedoch die Nominalkomposita, also neu zusammengesetzte Wörter, die zwei oder mehr Nomen als Wortstämme haben, zur Untersuchung der Fugenelemente im Vordergrund. Sinnvoll ist diese Beschränkung auf Nominalkomposita, da zum einen Kürschner seine Forschungen an Fugenelementen im Dänischen an diesen Komposita betrieben hat und somit am ehesten der Vergleich mit dem Dänischen möglich ist. Zum anderen sind Nominalkomposita die am zahlreichsten auftretende Form von Komposita und bilden somit eine ideale Ausgangslage. Kürschner schließlich stellt außerdem heraus, dass „diese […] die meisten Fugenelemente tragen“ (Kürschner 2003: 12) – eine Analyse von Fugenelementen in Nominalkompositionen liefert also das vollständigste Ergebnis des Vorkommens von Fugenelementen.

Ebenso wie bei Kürschner (vgl. 2003: 13) werden auch in dieser Arbeit Volksetymologien (z. B. schwed. hängmatta ‚Hängematte‘) und Nominalkomposita, die synchron nicht mehr existierende Glieder enthalten (z.B. schwed. näktergal ‚Nachtigall‘), nicht berücksichtigt. Komposita, die Abkürzungen enthalten (z.B. schwed. GTI-model ‚ GTI-Modell‘), werden genauso wie Namen (schwed. Stockholm ‚Stockholm‘) nicht erfasst. Es wird sich ebenfalls der Vorgehensweise Kürschners angeschlossen, Kurzwörter nur dann zu berücksichtigen, wenn sie stark lexikalisiert sind und ohne Hintergrundwissen nicht mehr als solche erkannt werden, (z.B. schwed. moped ‚Moped‘) und Komposita mit eindeutig verbalem Erstglied (z.B. schwed. badmössa ‚Badekappe‘) auszuschließen.

2.2 Über Fugenelemente in Nominalkomposita nach Kürschner

2.2.1 Allgemeine Erkenntnisse

Fugenelemente in Komposita im dänischen Sprachgebrauch erscheinen auf den ersten Blick unsystematisch verteilt und keinen festen Regeln zu folgen. Beispiele wie dän. land - ø- mand ‚Landwirt‘ und dän. land-s-kamp ‚Länderspiel‘ bestätigen die unsystematische Verteilung scheinbar. Kürschner jedoch ist überzeugt, dass dem nicht so ist: „Trods det tilsyneladende kaos er de forskellige fugeelementer langt fra at være helt tilfældigt“ (Kürschner 2005b: 17). Um das zu überprüfen, hat er in seiner Magisterarbeit 2005 mittels einer Korpusanalyse von 1000 zufällig ausgewählten Zusammensetzungen, die er verschiedenen Onlineausgaben von dänischen Zeitungen entnommen hat, die Fugenelemente in dänischen Zusammensetzungen untersucht (vgl. dazu Kürschner 2003). Darin kommt Kürschner zu dem Ergebnis, dass die am häufigsten auftretenden Fugenelemente in dänischen Nominalkomposita die s-Fuge und die e-Fuge sind, aber dennoch auch andere Fugenelemente auftauchen (vgl. Kürschner 2005b: 17). So ist in einigen Fällen das Erstglied abgekürzt, also getilgt. Als Beispiel führt Kürschner dän. kron - ø- prins an, dabei wurde das auslautende -e von krone getilgt. Kürschner findet auch Beispiele, in denen das Erstglied des Nominativkompositums im Plural steht, anstatt wie normal im Singular: dän. børn-Ue-børn (in diesem speziellen Fall steht das Nominativkompositum ebenfalls im Plural) statt dän. barn-e-barn (vgl. dazu Kürschner 2005b: 18).

Von den 1000 Nominalkomposita, die Kürschner auf ihre Fugenelemente hin untersucht hat, haben 27% eine s-Fuge zu verzeichnen, während etwa in 5% aller Fälle eine e-Fuge das enthaltene Fugenelement ist. Am produktivsten ist aber die Nullfuge, in 68% aller Fälle ist sie zu finden. In weniger als 1% aller Fälle machen andere Fugenelemente als die soeben genannten die Nominalkomposita aus (vgl. Kürschner 2005b: 18). Fugenelemente sind in den meisten Fällen von dem Wortstamm des Erstgliedes eines Kompositums bestimmt. Um die enge Bindung zwischen Erstglied und Fugenelement zu beweisen, gibt Kürschner das Beispiel dän. indkøb-s- og sport-s-centre an (vgl. Kürschner 2005b: 18). Das Zweitglied in dän. indkøb-s-center ist hierbei weggelassen, um Wiederholungen zu vermeiden – doch das Fugen-s ist beibehalten worden. Mehr noch: dän. indkøb- og sport-s-centre würde grammatisch nicht funktionieren, das Nominalkompositum wäre unvollständig. Aus diesem Beispiel lässt sich schließen, dass Fugenelemente eher dem Erstglied eines Kompositums als dem Zweitglied zugehörig sind: „Fugeelementer er med andre ord snarere endelser til førsteleddet i sammensætninger end begyndelser til andetleddet“ (Kürschner 2005b: 18).

Obwohl Fugenelemente ihrem Ursprung nach Deklinationsendungen sind, können sie nicht länger als reine Deklinationsendungen gesehen werden, ihre Funktion hat sich geändert. Beispiele wie dän. katt-e-pote (vgl. Kürschner 2005b: 18) – das Erstglied steht im Plural, obwohl immer nur eine Katze den Pott nutzen kann – zeigen, dass Fugenelemente weit mehr Funktion haben, als ihnen ursprünglich beigemessen wurde. In seiner weiteren Forschung an Fugenelementen versucht Kirschner, diese Funktionen aufzuschlüsseln.

Nanna Fuhrhop hat die Verbindungen zwischen Fugenelementen und den Erstgliedern von Komposita betrachtet und anschließend die Theorie der Kompositionsstammform entwickelt. Fuhrhop versteht als Kompositionsstammform „die Bildung der Form des Erstglieds mit oder ohne Fugenelemente theoretisch als Stammformbildung […], bei der eine speziell für die Komposition gebildete Stammform entsteht“ (zitiert nach Kürschner 2005a: 106). Mit anderen Worten: Diejenige Form, die ein Wort als Erstglied in einem Kompositum hat, ist eine Kompositionsstammform. Das schwedische Wort lyck hat nach dieser Theorie zwei Kompositionsstammformen, nämlich lyck-ø- wie in schwed. lyck-ø-träff ‚Glücksfall‘ und lyck-o- wie in schwed. lyck-o-dag ‚Glückstag‘. Die Theorie der Kompositionsstammform, die Kürschner von Fuhrhop für seine eigene Arbeit adaptiert, wird auch dieser Arbeit zugrunde gelegt.

Zusätzlich machten Fuhrhop und Kürschner in ihren Untersuchungen die Einschränkung, dass nur produktive Kompositionsstammformen untersucht werden sollten. Mit Produktivität sind diejenigen Kompositionsstammformen gemeint, die neue und freie Wortzusammensetzungen zulassen – welche häufig noch in keinen Wörterbüchern zu verzeichnen sind (vgl. Kürschner 2005b: 19). Als Beispiel nennt Kürschner die Kompositionsstammformen dän. land-ø- und dän. land-e- (vgl. Kürschner 2005b: 19). Während sich aus ersterer Kompositionsstammform relativ problemlos dän. land-ø-fan ‚Fan eines Landes‘ bilden lässt, sucht man vergeblich nach Wortneubildungen auf der Basis von letzterer Kompositionsstammform – dän. land-e- ist in der heutigen Zeit nicht länger produktiv. In seiner Korpusanalyse wendet Kürschner die Theorie der Kompositionsstammformen von Fuhrhop an, um herauszufinden, ob es ein System darin gibt, welche Fugenelemente produktive Kompositionsstammformen eingehen (vgl. Kürschner 2005b: 19).

Wie sich dank Kürschners Forschung zeigt, folgen ganze 88 % der Erstgliederformen einem oder mehreren Mustern, die das Auftreten von Fugenelementen systematisieren (vgl. Kürschner 2005b: 19). Dabei betont Kürschner, dass die dänische Sprache relativ wenige Worte vorweist, deren Erstglieder mehrere Fugenelemente annehmen können – meist haben diese Worte sehr allgemeinen Charakter (vgl. Kürschner 2005b: 19). Als Beispiel führt er dän. mand an (vgl. Kürschner 2005b: 19), denn dieses Wort kann als Erstglied eines Kompositums sowohl mit einer Nullfuge, als auch mit einem Fugen-s und einem Fugen-e neue Nominalkomposita bilden (z.B. dän. mand-ø-tal, mand-s-mod, mand-e-hørm). Doch auch dän. land (vgl. Kürschner 2005b: 19) hat mit dän. land-s-kamp und land-mand zwei Kompositionsstammformen vorzuweisen. Dieses Auftreten der verschiedenen Fugenelemente mag anfänglich chaotisch und unsystematisch erscheinen, berücksichtigt man aber die Verteilung der produktiven Erstglieder, gibt es Tendenzen zur häufigeren Verwendung des einen oder anderen Fugenelements: Die e-Fuge ist im Beispiel dän. mand produktiv, zweifelhaft ist aber die Produktivität der s-Fuge (vgl. Kürschner 2005b: 19). Die zwei produktiven Formen im Beispiel dän. land teilen sich gar in zwei Bedeutungen auf: dän. land-s-kamp im Sinne vom Land als Staat und dän. land-ø-mand im Sinne von Land als Gegensatz zur Stadt. Es ist also ersichtlich, dass die Fugenelemente auch bestimmt sind von der Bedeutung des Erstglieds, stellt Kürschner fest (vgl. Kürschner 2005b: 20).

2.2.2 Auftreten der Nullfuge

Die Nullfuge tritt nach Kürschners Untersuchungen in der dänischen Sprache am häufigsten auf, dabei bevorzugt nach bestimmten Mustern. Kürschner stellt diese Muster heraus: So tritt eine Nullfuge auf, wenn das Erstglied ein Fremdwort ist, als Beispiel wählt Kürschner dän. sushi-ø-rulle (vgl. Kürschner 2005b: 20). Bedeutung ist auch der lautlichen Form des Erstglieds beizumessen: einsilbige Wörter auf den Konsonanten -l tendieren ebenso wie auf einen Vokal auslautende Erstglieder dazu, Nullfugen zu verlangen. Eine Tendenz zum Auftreten der Nullfuge findet sich auch bei Endung des Erstglieds auf -s oder auf Konsonantengruppen. Kirscher fügt hinzu, dass die e-Fuge nicht länger produktiv sei und neugebildete Wörter wie dän. aids dazu übergingen, eine Nullfuge statt einer e-Fuge zu verlangen (vgl. dazu Kürschner 2005b: 20). Hinzuzufügen ist, dass sich diese von Kürschner erarbeiteten Tendenzen durchaus auch überlappen können: So fällt dän. sushi-ø-rulle einerseits in diese Kategorie, weil Sushi sowohl ein Fremdwort ist, als auch auf einen Vokal endet.

2.2.3 Auftreten der s-Fuge

Das Fugen-s, erläutert Kürschner, trete häufig nach morphologisch komplexen Erstgliedern auf (vgl. Kürschner 2005b: 20) – also nach Erstgliedern, die selbst aus abgeleiteten oder zusammengesetzten Gliedern bestehen. Zur Überprüfung dieses Sachverhalts vergleicht Kürschner Wortzusammensetzungen mit einfachem Erstglied und Wortzusammensetzungen mit zusammengesetztem Erstglied, als Beispiel dienen ihm dän. hold-ø-kammerat und land-s-hold-s-kammerat. Während bei ersterem Kompositum eine Nullfuge am Erstglied auftritt, tritt im zweiten Beispiel eine s-Fuge an die letzte Stelle des Erstglieds. Kürschner findet auch heraus, dass Tendenzen zur s-Fuge bei Erstgliedern mit Ableitungsendungen auf dän. -dom, -else, -hed, -skab, -itet und -tion bestehen (vgl. Kürschner 2005b: 20). Doch diese Endungen können nicht ohne Weiteres zur Bildung von Komposita verwendet werden – eine Ableitung scheint bei ihnen erst einmal unmöglich. Kürschner entwickelt anhand diese Beispiele das System der schließenden Suffixe (vgl. Kürschner 2005b: 20) – und meint mit diesem Begriff diejenigen Derivationssuffixe, die ein Wort nach rechts hin abschließen und keine weitere Wortbildung an der zusammengesetzten Basis mehr ermöglichen. Die Besonderheit an der s-Fuge ist, dass sie eine Öffnung dieser schließenden Suffixe ermöglicht. Ist es beispielsweise vorerst nicht möglich dän. universitet zu einem Kompositum zusammensetzen, öffnet der Einsatz der s-Fuge das schließende Suffix dän. -itet und macht die Bildung von dän. universitetssygehus möglich.

Die Funktion von Fugenelementen nach schließenden Suffixen ist also eher die Öffnung der Wortstämme, sodass neue Wortbildungen möglich werden. Kürschner macht im Übrigen darauf aufmerksam, dass nicht schließende Suffixe, wie dän. -ist und –er, die s-Fuge zur Bildung von Komposita eben nicht gebrauchen (vgl. Kürschner 2005b: 20). Beispiele wie dän. flugt-ø-bilist und maler-ø-pensel – hier treten Nullfugen auf – bestätigen seine These. Treten die phonologische Ebene der Nullfuge und die morphologische Ebene der s-Fuge gleichzeitig in einem Kompositum auf, so dominiert die phonologische Ebene die morphologische und setzt sich durch; als Beispiel dient Kürschner dän. sommer-ø-hus-ø-omrade (vgl. Kürschner 2005b: 21).

2.2.4 Auftreten der e-Fuge

Der semantische Gehalt eines Erstglieds bestimme den Gebrauch der e-Fuge, schlussfolgert Kürschner aus seinen Untersuchungen: Die Tendenz zur Verwendung der e-Fuge sei am größten, wenn das Erstglied semantisch etwas Lebendes bezeichnet (vgl. Kürschner 2005b: 21). In diese Kategorie fallen Beispiele wie das schon Besprochene dän. katt-e-pot ‚Katzenklo‘, aber auch dän. fugl-e-frø ‚Vogelfutter‘ und dän. fisk-e-hejre ‚Graureiher‘. Wenn Wörter mit dem schließenden Suffix dän. -ing auf etwas Lebendes verweisen, so werden sie für die Verwendung der e-Fuge geöffnet (vgl. Kürschner 2005b: 21). Wörter wie dän. høvding-e-smykker ‚Häuptlingsschmuck‘ und flygtning-e - politik ‚Flüchtlingspolitik‘ unterstützen diese Annahme.

Allerdings muss eingeräumt werden, dass Ausnahmen auch von diesem Muster abweichen: dän. medlem-s-bidrag ‚Mitgliedsbeitrag‘ und slager-ø-mester ‚Metzgermeister‘ sind Beispiele für belebte Nominalkompositionen, die s- bzw. Nullfuge statt der zu erwartenden e-Fuge enthalten. Dass diese Wörter von dem Verteilungsmuster abweichen, liegt vermutlich an anderen Ebenen, die dann in diesen jeweiligen Beispielen über die semantische Ebene der e-Fuge dominieren. So ist dän. slager-ø-mester zwar ein belebtes Wort, aber es endet in der Aussprache auch auf einen Vokal und ist damit eher der phonologischen Kategorie der Nullfuge zuzuordnen.

Kürschner geht in seiner Untersuchung auch auf die Übereinstimmung der Pluralendung -e mit dem Fugenelement -e ein: So enden viele belebte Substantive im Plural auf -e, Kürschner nennt beispielhaft dän. katte, drenge, flygtninge (vgl. Kürschner 2005b: 21), aber auch das Wort dän. håndværkere endet im Plural auf -e. Die e-Fuge dagegen findet auch Anwendung bei belebten Substantiven, die keine Pluralendung auf -e vorzuweisen haben: dän. gæst-e- (Pl. gæster), fisk-e- (Pl. fisk) oder mand-e- (Pl. mænd) (vgl. Kürschner 2005b: 21).

2.3 Fugenelemente als Morpheme

Morpheme werden gemeinhin als die kleinsten bedeutungstragenden Einheiten bezeichnet (vgl. dazu Pelz 2000: 115). Kürschner stimmt der Annahme zu, dass Fugenelemente Morpheme sind: „Jag mener ja – i hvert fald i nogle tilfælde“ (Kürschner 2005b: 22). Fugenelemente mit -e gehen, wie oben beschrieben, bevorzugt Verbinden mit belebten Substantiven ein. Kürschner sieht in diesem Umstand einen Hinweis darauf, dass solche belebten Worte „i vores mentale leksikon“ (Kürschner 2005b: 22) eine besondere Kategorie bilden. Die e-Fuge in dän. fugl-e-rede ‚Vogelnest‘ ist demnach nicht inhaltsleer, sondern steht als Hinweis für eine Einordnung in eine besondere lexikalische Kategorie.

Doch auch die s-Fuge hat laut Kürschner durchaus eine semantische Funktion (vgl. Kürschner 2005b: 22): Im Beispielpaar dän. land-s-mand und land-ø-mand macht sie die inhaltliche Unterscheidung zwischen der Bedeutung klar und leichter zu verstehen. Außerdem kann die s-Fuge, wie oben besprochen, schließende Suffixe öffnen und für neue Wortbildungsprozesse bereit machen. Die wichtigste Funktion der s-Fuge sei es jedoch, das Ende eines Erstglieds in einem Kompositum zu markieren (vgl. Kürschner 2005b: 22). Gerade im Hinblick darauf, dass das Zweitglied das grammatische Geschlecht bestimmt und das Erstglied das Zweitglied eines Kompositums näher beschreibt, kann die eindeutige Zuordnung von Erst- und Zweitglied von enormer Bedeutung sein. Insbesondere, wenn schon das Erstglied zusammengesetzt und damit auch schwerer analysierbar ist, ist es hilfreich, das Ende dieses Gliedes eindeutig zuordnen zu können. Kürschner geht auch auf die s-Fuge und ihr Verhältnis zum dänischen Stoßton stød ein: Beide spielten zusammen, um die Struktur eines Wortes zu markieren (vgl. Kürschner 2005b: 22).

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Fugenelemente im Schwedischen
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Nordische Abteilung)
Veranstaltung
Besonderheiten der skandinavischen Wortbildung
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
41
Katalognummer
V205081
ISBN (eBook)
9783656321781
ISBN (Buch)
9783656326212
Dateigröße
2219 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Diese Arbeit untersucht Fugenelemente im Schwedischen. Aufgebaut wird dabei auf eine Untersuchung zu Fugenelementen im Dänischen von Sebastian Kürschner. Fundament der Untersuchung der Fugenelemente im Schwedischen sind 300 zufällig ausgewählte und im Svenska Dagbladet erschienene Nominalkompita. Diese sind im Anhang gesondert aufgelistet.
Schlagworte
Fugenelemente, Vergleich, Sprachwissenschaft, Korpusanalyse, Schwedisch, Dänisch, Svenska Dagbladet, Nominalkomposita, Linguistik
Arbeit zitieren
Vivien Busch (Autor), 2010, Fugenelemente im Schwedischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205081

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