Die Diplomarbeit hat zunächst die Ursachen der Eurokrise zum Thema. Es wird die Entstehungsgeschichte des Währungsgebietes anhand der Theorie des optimalen Währungsraumes abgehandelt. Des Weiteren wird das Maastricht Schuldenkriterium nach der VGR abgeleitet. Den Hauptteil der Arbeit bildet die exakte Beschreibung der Funktionsweise und der Implementierungsstufen der "European Financial Stability Facility" EFSF. Abschließend wird versucht, anhand empirischer ökonometrischer Datenauswertung und Literatur die ökonomischen Auswirkungen der Stabilitätsmaßnahmen auf die Refinanzierungskosten der Krisenländer, in mittlerer sowie in kurzer Frist, zu bewerten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung und Aufbau der Arbeit
1.2. Ausgangspunkt der Schuldenkrise
2. Bonitätskrise der Eurozone
2.1. Der europäische Währungsraum
2.2. Grenzen der öffentlichen Verschuldung
2.3. Ausufernde öffentliche Verschuldung innerhalb der EWU
2.4. Steigende Refinanzierungskosten und deren potentielle Auswirkungen
3. Europäischer Stabilitätsmechanismus
3.1. EFSM – institutionelle Ausgestaltung und Funktionsweise
3.2. Die EFSF als Kernelement des Stabilisierungsmechanismus
3.3. Ausblick und Kritik
4. Auswirkungen auf Kapitalkosten und Stabilität der EWU
4.1. Zins- und CDS Spreads als Risikoindikatoren
4.2. Analyse der Kapitalmarktsituation
5. Conclusio
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bonitätskrise der Eurozone und die Wirksamkeit der getroffenen Stabilisierungsmaßnahmen, wie insbesondere des Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM) und der Europäischen Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), auf die Stabilität der Währungsunion und die Refinanzierungskosten betroffener Mitgliedsstaaten.
- Analyse der Transmissionsmechanismen der Finanzkrise auf öffentliche Haushalte.
- Theoretische Fundierung der Konvergenzkriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes.
- Detaillierte Untersuchung der institutionellen Struktur und Funktionsweise von EFSM und EFSF.
- Empirische Analyse der Auswirkungen der Stabilitätsmechanismen auf Zinsspreads und Kapitalkosten.
- Kritische Würdigung der Wirksamkeit der Kriseninstrumente unter Berücksichtigung juristischer und ökonomischer Aspekte.
Auszug aus dem Buch
1.2. Ausgangspunkt der Schuldenkrise
Die Bonitätskrise der Eurozone wird vielfach direkt im Zusammenhang mit der ab dem Jahr 2008 von den USA ausgehenden Finanzkrise gesehen. Der Transmissionskanal - und somit die „Ansteckung“ der Realwirtschaft - verlief über die Portfolio Zusammensetzung europäischer Geschäfts- und Landesbanken sowie Pensionsfonds. Durch die Veranlagung in „Asset Backed Securities“ (ASB), welche durch größtenteils beste Ratings den Veranlagungsregeln der europäischen Pensionsfonds und dem Rendite – Risikoverhältnis der Geldinstitute entsprachen, wurde internationalen Finanzinstituten die Möglichkeit geboten, am boomenden US – Häusermarkt teilzuhaben. Nach der eintretenden Abkühlung des Immobilienmarktes kam es zu einer Vertrauenskrise innerhalb des Bankenmarktes.
Die durch mehrfache Verbriefung erstellten und anschließend am Finanzmarkt gehandelten ASB konnten nicht die nötige Transparenz aufweisen – Banken und Versicherungen entdeckten innerhalb nur weniger Wochen immer häufiger enorme Mengen sogenannter „toxic assets“ und hatten dementsprechenden Abschreibungsbedarf auf ihren Bilanzen vorzunehmen. Dies wiederum führte zu einer Illiquidität des Interbankenmarktes. Um eine durch die Bankenkrise ausgelöste Kreditklemme zu verhindern, ergriffen in einer konzertierten geldpolitischen Aktion die amerikanische Notenbank Federal Reserve, die Europäische Zentralbank (EZB) sowie die Bank of Japan die Initiative und versuchten über eine Bereitstellung von Liquidität den Interbankenmarkt zu stützen und das Vertrauen in den illiquiden sekundären Kreditmarkt wiederherzustellen.
Finanzmärkte preisen nach klassischer theoretischer Ansicht primär fundamentale Werte sowie Erwartungen der zukünftigen Entwicklung ein, neuere Ansätze bewerten allerdings die Rolle von konjunkturellen Zyklen, psychologischen Dispositionen der menschlichen Akteure und Trendvariablen als zunehmenden Parameter der Preisentwicklung. Infolge der Krise des US Hypothekenmarktes und des Zusammenbrechens des „Subprime – Segmentes“ stellte die US Regierung unterschiedliche Hilfspakete zusammen, um eine weitere Ausbreitung der Krise zu verhindern. Diese Maßnahmenpakete zielten sowohl auf den Immobilienmarkt ab – Beispiele hierfür wären die Teilverstaatlichungen der maßgeblichen Hypothekeninstitute Fannie Mae und Freddie Mac
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Bonitätskrise der Eurozone, die Problemstellung der Arbeit sowie den methodischen Rahmen, einschließlich der Abgrenzung der Betrachtungszeiträume.
2. Bonitätskrise der Eurozone: Analysiert die theoretischen Grundlagen des Währungsraumes, die Konvergenzkriterien des Stabilitäts- und Wachstumspaktes und die Verschuldungsdynamik der Mitgliedsländer.
3. Europäischer Stabilitätsmechanismus: Untersucht die institutionelle Ausgestaltung, Funktionsweise und Erweiterungen der Rettungsinstrumente EFSM und EFSF als Antwort auf die Krise.
4. Auswirkungen auf Kapitalkosten und Stabilität der EWU: Analysiert empirisch die Effekte der Krisenmechanismen auf Zins- und CDS-Spreads sowie die Auswirkungen auf die Stabilität der Währungsunion.
5. Conclusio: Fasst die Ergebnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und gibt einen Ausblick auf künftige finanzpolitische Herausforderungen.
Schlüsselwörter
Bonitätskrise, Eurozone, EFSF, EFSM, Staatsschulden, Refinanzierungskosten, Zinsspreads, Konvergenzkriterien, Finanzkrise, Stabilität, Kapitalmarkt, Risikoaufschlag, Ratingagenturen, Fiskalpolitik, Maastricht-Vertrag
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bonitätskrise der Eurozone und der Analyse der politischen und wirtschaftlichen Antworten durch europäische Stabilitätsmechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung der Schuldenkrise, die Rolle von Ratingagenturen, die Funktionsweise von Rettungsschirmen wie EFSF und EFSM sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie sich die Implementierungsphasen des Europäischen Stabilitätsmechanismus auf die Stabilität der EWU und die Refinanzierungskosten der betroffenen Länder auswirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine theoretische Herleitung der Konvergenzkriterien sowie eine empirische Analyse basierend auf Daten aus wissenschaftlichen Studien, Finanzmarktdaten und Eventstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Entstehung der Krise, die institutionellen Details der Rettungsmechanismen, die Auswirkungen auf die Finanzmärkte und eine kritische Diskussion der politischen Maßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Bonitätskrise, EFSF, EFSM, Staatsschulden, Zinsspreads, Fiskalpolitik und Stabilität.
Wie bewertet die Arbeit die Wirksamkeit des EFSF?
Die Analyse kommt zu dem Schluss, dass der EFSF sein Ziel einer nachhaltigen Stabilisierung der Refinanzierungsmärkte bisher nicht erfüllt hat und durch seine Konstruktion teils neue Risiken schafft.
Welche Rolle spielen Ratingagenturen in dieser Analyse?
Ratingagenturen dienen als wichtige Informationsintermediäre, deren Bewertung der Bonität maßgeblichen Einfluss auf die Refinanzierungskosten der Staaten hat.
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- Christoph Wohlmuther (Author), 2012, Bonitätskrise der Eurozone, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205086