Männlichkeiten in "Der Bewegte Mann"


Hausarbeit, 2012
15 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Der Bewegte Mann

2. Männlichkeit im Film

3. Männlichkeiten in Der Bewegte Mann
3.1 Axel Feldheim
3.2 Norbert Brommer

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Der Bewegte Mann

Der Bewegte Mann erschien 1987 im Rowohlt Taschenbuchverlag und bedeutete für den Comicautoren Ralf König den kommerziellen Durchbruch. Die Geschichte um Norbert Brommer, einen schüchternen Homosexuellen, der sich in den heterosexuellen Axel Feldheim verliebt, welcher jedoch noch an seiner letzten Freundin Doro hängt, erfreute sich so großer Beliebtheit, dass 1988 die Fortsetzung Pretty Baby folgte, in der die Geschichte mit der Geburt von Axels und Doros Kind endet. Allein der Sammelband von 1994, der zum Filmstart vermarktet wurde und als Primärliteratur für diese Hausarbeit dient, wurde mehr als 145.000 mal innerhalb eines Jahres verkauft.[1]

Der damalige Filmstudent Sönke Wortmann bat Ralf König um Erlaubnis Der Bewegte Mann und Pretty Baby zu verfilmen[2] und der Film ging 1994 in Produktion mit Til Schweiger, Joachim Król, Rufus Beck und Katja Riemann in den Hauptrollen, selbst Autor König hatte einen Gastauftritt. Über sechs Millionen Kinobesucher[3] sahen den Film und machten ihn somit zu einem fulminanten Erfolg an der Kasse. Doch der Film war nicht nur kommerziell ein Erfolg, sondern wurde auch zahlreich prämiert, unter den Preisen beispielsweise drei Deutsche Filmpreise, ein Bambi und eine Goldene Leinwand.

Auch Ralf Königs Comics trugen dank des Kassenschlagers ein breiteres Publikum davon[4], besonders heterosexuelle Leser interessierten sich nun auch für sein Werk, das bis dato nur in Zeitschriften abgedruckt war, die sich an Homosexuelle wandten. Doch der Autor war mit dem fertigen Werk weniger als zufrieden, da die Darstellung der männlichen Figuren sich im Film von der des Comics in einigen substanziellen Punkten unterschied. Das Ziel dieser Arbeit ist es, darzustellen welche maskulinen Stereotypen im Film wie bestärkt (beziehungsweise angefochten) werden und wie die traditionelle Männlichkeit, verkörpert von der Figur Axel Feldheim, dem homosexuellen, als feminin stilisierten Norbert Brommer und seinem sozialen Umfeld gegenüber steht.

2. Männlichkeiten im Film

„Mass culture generally assumes there is a fixed, true masculinity beneath the ebb and flow of daily life.” Mit diesem Satz beginnt R. W. Connells Kapitel über den männlichen Körper.[5] Dieser Umstand ist laut Connell dafür verantwortlich, dass Argumente für eine Veränderung des Männlichen scheitern, denn die Ideologie der natürlichen Männlichkeit führt zu dem Glauben, dass ein Mann aufgrund seines Geschlechts natürlich gegebene Eigenschaften besitzt, die ihn erst zu einem „wahren“ Mann machen und somit sein Verhalten biologisch vorprogrammiert sei.

Mit den Veränderungen, die die letzten Jahrzehnte für den Status der Frau in der Gesellschaft brachten, hat sich gleichsam auch der Blick auf den Mann der Gesellschaft geändert. Neue Chancen auf dem Arbeitsmarkt, die steigende Zahl der Scheidungen und der Einzug homosexueller Kultur in den täglichen Alltag bewirkten, dass es keinen allgemeingültigen Konsens über die spezifischen Attribute eines „richtigen“ Mannes gibt. Viel mehr ist Männlichkeit komplex und kulturell unterschiedlich, sodass keine Definition von einer Männlichkeit existiert.[6]

Hißnauer und Klein führten 2002 Befragungen zu „typisch“ männlichen und weiblichen Eigenschaften in 25 Staaten durch und listeten nur jene Ergebnisse auf, die in mindestens 20 von 25 untersuchten Ländern übereinstimmten und die die stereotypischen Eigenschaften, die in unserem westlichen Kulturkreis größtenteils als maskulin gelten, bilden. Ihnen zufolge ist ein Mann:

anmaßend, abenteuerlustig, aggressiv, aktiv, dominant, egoistisch, ehrgeizig, einfallsreich, emotionslos, entschlossen, erfinderisch, ergreift die Initiative, ernsthaft, faul, fortschrittlich, grausam, grob, hartherzig, klar denkend, kräftig, kühn, laut, logisch denkend, maskulin, mutig, opportunistisch, rational, realistisch, robust, selbstbewusst, selbstherrlich, stark, streng, stur, tatkräftig, unabhängig, überheblich, unbekümmert, unerschütterlich, unnachgiebig, unordentlich, unternehmungslustig, weise.[7]

Diese Liste korrespondiert mit den von Matthew Hall erarbeiteten Attributen eines Mannes:

A man: puts more effort into work than intimate relationships; feels success and victory are important; believes that looking after children is a woman’s responsibility; values the respect and admiration of male peers – seeks status among them; distrusts traditionally feminine traits, even in women; distrusts men with feminine traits (esp. homosexuals); uses confrontation to solve problems; expresses unhappiness with anger rather than sadness; is reluctant to share emotions with other men (or women); hides vulnerability and self-doubt; prefers action to discussion; prefers simplicity to complexity; places high status on physical/mental strength and endurance; feels that changing one’s mind or compromise is a sign of weakness; feels weakened when without sexual partner; assumes ‘rationality’ makes him right.[8]

Beiden Listen wurden typisch weibliche Eigenschaften gegenüber gestellt, die die Opposition zur Männlichkeit bilden:

abergläubig, abhängig, affektiv, attraktiv, charmant, einfühlsam, emotional, feminin, furchtsam, gefühlvoll, geschwätzig, liebevoll, milde, neugierig, schwach, sanft, sexy, träumerisch, unterwürfig, weichherzig[9]

A woman: believes personal relationships are more important than work; deals with problems by negotiating and compromising; believes a male partner’s opinions are more important than their own; believes a male’s role is to initiate, and female role to respond; comfortable with showing emotions; accepts and acknowledges complexity; feels it is acceptable to show vulnerability – both physically and emotionally; feels it is acceptable to change one’s mind; is comfortable with articulating emotions (esp. to other women); sometimes makes decisions based on emotion rather than rationality; enjoys solitude as opportunity for ‘self-care’ (though feels she has no entitlement to this); feels comfortable with not being important (esp. compared to males).[10]

Laut Hall zahlt die Medienindustrie große Summen für den Versuch solche Generalisationen zu untersuchen und sie gewinnbringend zu nutzen. Scheitern diese Marketingkampagnen, wird eine “Krise der Männlichkeit” dafür verantwortlich gemacht, jedoch liegt das wahre Problem darin zu bestimmen was der Begriff Männlichkeit wirklich beschreibt.[11]

[...]


[1] Bartholomae, Joachim [Hrsg.]: Mal mir mal nen Schwulen. Das Buch zu Ralf König. MännerschwarmSkript Verlag, 1996, S. 91

[2] Bartholomae, S. 29

[3] Schock, Axel und Kay, Manuela: Out im Kino! Das lesbisch-schwule Filmlexikon. Querverlag GmbH, 2003, S. 55

[4] Bartholomae, S. 31

[5] Connell, R. W.: Masculinities. Polity Press, 1995, S. 45

[6] Easthope, Anthony : What a Man’s Gotta Do. The Masculine Myth in Popular Culture. Routledge, 1992, S. 166

[7] Hißnauer, Christian und Klein, Thomas [Hrsg.]: Männer, Machos, Memmen. Männlichkeit im Film. Bender Verlag, 2002, S. 26

[8] Hall, Matthew: Teaching Men and Film. British Film Institute, 2005, S. 21 - 22

[9] Hißnauer und Klein, S. 26

[10] Hall, S. 22

[11] Hall, S. 9

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Männlichkeiten in "Der Bewegte Mann"
Hochschule
Universität Trier
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
15
Katalognummer
V205121
ISBN (eBook)
9783656321774
ISBN (Buch)
9783656325369
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
germanistik, der bewegte mann, ralf könig, medienwissenschaften, neuere deutsche literaturwissenschaft, männlichkeit, gender studies, mens studies, sönke wortmann, deutscher film, homosexualität, hegemoniale männlichkeiten, comic, til schweiger, joachim krol, queer studies, männlichkeiten im film, pretty baby
Arbeit zitieren
Katharina Richmond (Autor), 2012, Männlichkeiten in "Der Bewegte Mann", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205121

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