Ist die Zungenrede in der heutigen Kirche noch von Bedeutung?


Hausarbeit, 2010
16 Seiten

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung
1.1 Entwicklung der Fragestellung

2. Hauptteil
2.1 Befragen der Tradition
2.1.1 Die Zungenrede in der Bibel
2.1.1.a Paulusbriefe
2.1.1.b Markus 16, 15-18
2.1.1.c Apostelgeschichte 2,1-13
2.1.1.d Apostelsgeschichte 10, 44-48
2.1.1.e Apostelgeschichte 19, 1-7
2.2 Andere relevante Stimmen zur Zungenrede

3. Schluss
3.1 Fazit: Eigener Antwortversuch: Ist Zungenrede in der heutigen Kirche noch relevant?

4. Anhang
4.1 Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Entwicklung der Fragestellung

Die Zungenrede ist in der Bibel zwar kein zentrales Thema, findet aber vor allem in Neuen Testament oft Erwähnung. Hier gilt sie als ein wichtiges Zeichen vor allem für Ungläubige.

Auch heute gibt es noch Gemeinden, die Zungenrede, zumindest wird es so bezeichnet, praktizieren. Dies findet aber nicht in allen Gemeinden statt und wird von vielen Menschen kritisch betrachtet.

Letzen endlich gibt es viele Stimmen gegen aber auch für die heute praktizierte Zungenrede. Mich persönlich interessiert an der Zungenrede vor allem, in welcher Art und Weise sie heute noch praktiziert wird und in welchem Zusammenhang sie zur biblischen Zungenrede steht.

Aus diesem Grunde werde ich im Folgenden einige der Bibelstellen untersuchen, in denen die Zungenrede Erwähnung findet. Weiterhin werde ich die Eigenschaften der biblischen Zungenrede erarbeiten. Daraufhin werde ich einige relevante Stimmen zur Zungenrede analysieren um mir ein Bild von der heute praktizierten Zungenrede zu machen.

Genau dieser Unterschied zwischen der biblischen Zungenrede und der heute praktizierten Zungenrede ist es, den ich im Laufe meiner Arbeit erarbeiten möchte. Denn ich finde es wichtig, in wie weit die Zungenrede heute noch der biblischen Zungenrede entspricht. Denn daran lässt sich die Bedeutung der Zungenrede in der heutigen Kirche festmachen.

Denn mich beschäftigt die Frage, in wie weit die Zeichen, die bereits Jesus angekündigt hat, zu denen nun auch die Zungenrede gehört, heute noch relevant sind. In wie weit die Zeichen, die der Evangelisierung dienen sollten, heute noch praktiziert werden. Und aus diesem Grund werde ich im weiteren Verlauf der Frage nachgehen, in wie weit die Zungenrede in der heutigen Kirche noch von Bedeutung ist.

2. Hauptteil

2.1 Befragen der Tradition

2.1.I Die Zungenrede in der Bibel

2.1.1.a Paulusbriefe

Im ersten Korintherbrief erwähnt Paulus die Sprachenrede, die er selbst praktiziert. Es lassen sich einige Charakteristika aus seinen Briefen erschließen. Die Sprachenrede begegnet nicht bei allen Gemeindegliedern sondern nur bei einzelnen, da der Heilige Geist individuell zugeteilt wird. Weiterhin geschehe die Sprachenrede, wie Paulus sie nennt, ekstatisch, also während der Verstand ausgeschaltet ist. Geäußert wird sie in unverständlichen Lauten, die nur zu verstehen sind, wenn sie übertragen werden. Inhaltlich sind es Lobpreisungen, weshalb sie als Engelsprache gilt.

Wichtig ist hierbei zu betonen, dass es sich bei Paulus wahrscheinlich nicht um das Reden in fremden Landessprachen handelt. Hier unterscheidet sich die von Paulus beschriebene Sprachenrede stark von der Zungenrede, die im Markusevangelium sowie in der Apostelgeschichte beschrieben wird.[1]

2.1.1.b Markus 16, 15-18

In den Evangelien findet die Zungenrede ebenfalls Erwähnung. Zum Beispiel im Markusevangelium 16, Vers 15-18 Erwähnung:

Und er sprach zu ihnen: Gehet hin in alle Welt und predigt das Evangelium aller Kreatur. Wer da glaubt und getauft wird, der wird selig werden. Die Zeichen aber, die folgen werden denen, die da glauben, sind diese: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, Schlangen mit den Händen hochheben, und wenn sie etwas Tödliches trinken, wird’s ihnen nicht schaden; auf Kranke werden sie die Hände legen, so wird’s besser mit ihnen werden.(Mk 16,15-18)[2]

Hier wird die Sendungsrede des auferstandenen Jesus beschrieben. Der Missionsbefehl an die Jünger besagt, dass sie in alle Welt gehen und die ganze Schöpfung verkündigen sollen. Nach einem Hinweis auf die Reaktionen auf die Verkündigungen folgen die Beschreibungen der Wundertaten, die die Glaubenden begleiten werden. Es sind fünf Zeichen, die als göttliche Bestätigung dienen sollen. An zweiter Stelle wird hier die Zungenrede genannt wobei hier das Reden in fremden, unbekannten Sprachen gemeint ist.[3]

Jesus sagt voraus, dass Zungenrede ein Zeichen unter anderen sein werde, seine Worte sind im Blick auf die Evangelisierung gesprochen.

Damit das Wort Gottes jeden Menschen erreichen kann muss das Wort für jeden zugänglich gemacht werden, dies geschieht unter anderem mithilfe der Zungenrede. In Mk 16, 15-18 wird Bezug auf die Ereignisse in der Apostelgeschichte genommen, die im weiteren Verlauf beschrieben werden sollen.[4]

2.1.1.c Apostelgeschichte 2, 1-13

In der Apostelgeschichte des Lukas ist die Zungenrede ein bedeutendes Thema. Speziell in Kapitel 2, Vers 1-13, denn hier wird das Pfingstwunder beschrieben, ein bedeutender Moment in der Geschichte der christlichen Kirche:

Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander. Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen. Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer, und er setzte sich auf einen jeden von ihnen, und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und finden an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen. Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel. Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hört sie in seiner eigenen Sprache reden. Sie entsetzten sich aber, verwundert sich und sprachen: Siehe, sind nicht diese alle, die da reden, aus Galiläa? Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache? Parther und Meder und Elamiter und die wir wohnen in Mesopotamien und Judäa, Kappadozien, Pontus und der Provinz Asien, Phrygien und Pamphylien, Ägypten und der Gegen von Kyrene in Libyen und Einwanderer aus Rom, Juden und Judengenossen, Kreter und Araber: wir hören sie in unsern Sprachen von den großen Taten Gottes reden. Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem andern: Was will das werden? Andere aber hatten ihren Spott und sprachen: Sie sind voll von süßem Wein. (Apg 2,1-13)[5]

Hier wird das Pfingstfest geschildert, welches am 50. Tag nach der Auferstehung Jesu Christi in Jerusalem stattfand. Alle Jünger waren vor Ort. Die Szene der Geistausgießung wurde von weiteren Zeichen begleitet, neben dem großen Lärm erschienen Flammen in Form von Zungen über den Jüngern und setzten sich auf diese nieder.[6] Daraufhin fingen die Jünger an, in echten menschlichen Sprachen zu sprechen. In der oben genannten Bibelstelle sind fünfzehn davon aufgezählt, dies sind aber nicht alle. Die Sprachen sind die Muttersprachen der an dem Tag in Jerusalem anwesenden Juden und Heiden. Wichtig ist hierbei auch zu betonen, dass die Jünger nicht alle durcheinander sprachen, sondern das der Heilige Geist ihnen vorgab, wie sie sprechen sollten, sodass es geordnet war.

Weiterhin ist bedeutsam, dass die Jünger nicht leise für sich selber sprachen, sondern laut und deutlich, sodass die Anwesenden sie verstehen konnten.[7]

Die Reaktion der Anwesenden war sehr unterschiedlich. Einige waren verwirrt oder gerieten außer sich und staunten. Weitere waren ratlos, wieder andere spotteten, die Redenden seien Betrunken.

Diese Reaktionen haben zwei unterschiedliche Funktionen. Zum einen bestätigen sie das Reden in fremden Sprachen, da sich die Anwesenden wundern, wie die Jünger Christis, die alle aus Galiläa stammen, in den Redenden fremden Sprachen reden können. Zum anderen dienen die Reaktionen, speziell in Apg 2, 13 als Einleitung der Pfingstpredigt des Petrus (Apg 2,14ff), die direkt auf diese Geschichte folgt.[8]

Oben genannter Teil der Apostelgeschichte belegt eindeutig, dass die gesprochenen Sprachen echte menschliche Sprachen waren, sie waren für die Anwesenden in ihrer Muttersprache klar verständlich.[9] Inhaltlich waren die Reden der Jünger Lobpreisungen Gottes. Die Wendung in anderen Zungen reden meint hier also das Reden in nicht erlernten Sprachen.[10]

Da vor allem Juden durch die Jünger angesprochen wurden, wird deutlich, dass das Sprachwunder von Pfingsten ein bestimmtes Ziel verfolgt. Die unbekehrten Juden sollen von der Wahrheit über Jesus Christus überzeugt werden. Dies ist auch die wahre Bedeutung der Sprachengabe.[11]

Durch das Pfingstereignis ist der Heilige Geist seinem Ziel, Christus jedem Geschöpf bekannt zu machen schon sehr viel näher gekommen. Weiterhin wurde dadurch die Verheißung der alttestamentlichen Prophetie sowie die Verheißung beziehungsweise der Auftrag Jesu Christ, das Evangelium bis an das Ende der Erde zu predigen, erfüllt.

Das Pfingstereignis ist der Beginn der Geschichte der Kirche, die von da an vom Geist Gottes begleitet wird. Durch die Sprachenwunder begann die Judenmission in Jerusalem.[12] Die Sprachengabe hat weiterhin die Evangelisierung der Nationen und das Heil der Seelen zum Ziel.[13]

Es wird hier also deutlich, dass das Pfingstwunder und somit auch die Zungenrede ein wichtiger Aspekt der christlichen Kirche war und es auch noch heute ist, da es auch heute noch Menschen außerhalb des Reichs Gottes gibt.

[...]


[1] Vgl.: Wolff, Christian: Art. Zungenrede I. In: TRE 36 (2004). S. 754-762.

[2] In: Die Bibel. Das Neue Testament. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierte Fassung von 1984. Deutsche Bibelgesellschaft. Stuttgart 1999. S. 65.

[3] Vgl.: Choi, Sung Bok: Geist und christliche Existenz. Das Glossolalieverständnis des Paulus im Ersten Korintherbrief (1Kor 14). 1. Auflage. Neukirchener Verlag. Göttingen 2007. S. 32-33.

[4] Vgl.: Shallis, Ralph: Zungenreden aus biblischer Sicht. 1. Auflage. Verlag und Schriftenmission der Evangelischen Gesellschaft für Deutschland. Wuppertal 1986. S.22-27.

[5] In: Die Bibel. Das Neue Testament. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Revidierte Fassung von 1984. Deutsche Bibelgesellschaft. Stuttgart 1999. S. 137.

[6] Vgl.: Choi, Sung Bok: Geist und christliche Existenz. Das Glossolalieverständnis des Paulus im Ersten Korintherbrief (1Kor 14). S. 25-29.

[7] Vgl.: Shallis, Ralph: Zungenreden aus biblischer Sicht. S.28-32.

[8] Vgl.: Choi, Sung Bok: Geist und christliche Existenz. Das Glossolalieverständnis des Paulus im Ersten Korintherbrief (1Kor 14). S.25-29.

[9] Vgl.: Shallis, Ralph: Zungenreden aus biblischer Sicht. S.28-32.

[10] Vgl.: Choi, Sung Bok: Geist und christliche Existenz. Das Glossolalieverständnis des Paulus im Ersten Korintherbrief (1Kor 14). S.25-29.

[11] Vgl.: Shallis, Ralph: Zungenreden aus biblischer Sicht. S.28-32.

[12] Vgl.: Choi, Sung Bok: Geist und christliche Existenz. Das Glossolalieverständnis des Paulus im Ersten Korintherbrief (1Kor 14). S.25-29.

[13] Vgl.: Shallis, Ralph: Zungenreden aus biblischer Sicht. S.28-32.

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Details

Titel
Ist die Zungenrede in der heutigen Kirche noch von Bedeutung?
Hochschule
Universität Paderborn
Veranstaltung
Proseminar Systematische Religion
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V205141
ISBN (eBook)
9783656313793
ISBN (Buch)
9783656314721
Dateigröße
516 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zungenrede, Glossolalie, Pfingsten, Pfingstereignis
Arbeit zitieren
Maike W. (Autor), 2010, Ist die Zungenrede in der heutigen Kirche noch von Bedeutung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205141

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