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Zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation

Frauenkonstellationen in Lessings Miβ "Sara Sampson" und "Emilia Galotti"

Titel: Zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation

Bachelorarbeit , 2011 , 45 Seiten , Note: 2.0

Autor:in: Nathalie Tremont (Autor:in)

Germanistik - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Diese Bachelor-Arbeit setzt sich mit der Darstellung der Frauenfiguren in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichen Trauerspielen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti auseinander. Die Protagonistinnen der Werke, Sara und Emilia, werden im Hinblick auf ihre Tugendvorstellungen, ihre Handlungen und die damit verbundenen Emanzipationsversuche analysiert. Wie der Titel der Arbeit besagt, stehen die beiden Frauen zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation.

Diese beiden Begriffe, die auf den ersten Blick antagonistisch erscheinen, sind eng miteinander verbunden. Unter Tugendrigorismus wird im Folgenden das starre Festhalten an bürgerlichen Wertevorstellungen verstanden, welches die Frauen in ihrem Handeln beeinflusst und prägt. In der Aufklärung wird dem Menschen Sittlichkeit vermittelt, die er einhalten muss, um von der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Die aufkommende Bewegung in dieser Epoche und die damit verbundene Wissbegierde setzen eine gewisse Moral voraus, damit sich der denkende und sich weiterbildende Mensch anpassen kann. Dem Tugendrigorismus wird der antagonistische Begriff der ,,Emanzipation‘‘ entgegengesetzt, der die Loslösung von den bürgerlichen Prinzipien meint.

Der Fokus der Arbeit liegt somit auf der Frage, inwiefern Lessings Frauenfiguren nach den Sittlichkeitsauffassungen zur Zeit der Aufklärung und der Empfindsamkeit handeln und inwiefern sie trotzdem versuchen, ihren eigenen Weg zu gehen. Dabei werden neben den Protagonistinnen auch die jeweiligen Gegenspielerinnen Marwood und Orsina wie auch Emilia Galottis Mutter Claudia analysiert. Die Rolle der Antagonistinnen Marwood und Orsina wird dabei in Betracht gezogen, so wie ihr Einfluss auf die Protagonistinnen selbst und auf die Wende in den beiden Tragödien.

Inwiefern ist der Tugendbegriff von Bedeutung für das Verständnis der Handlungsmotive von Sara Sampson und Emilia Galotti? Dieser Fragestellung wird ein Einblick in die Charakteristika der Epoche vorangesetzt, da die Prinzipien der Aufklärung und das zwiespältige Handeln der Hauptfiguren der beiden Trauerspiele miteinander verbunden sind. Der literaturgeschichtliche Hintergrund verweist auf die bürgerlichen Intentionen und das Streben nach Wissen im 18. Jahrhundert. Aufgrund der Tatsache, dass der Mensch sich auf intellektueller Ebene entwickeln will, wird auch das Familienbild sichtlich verändert. [...]

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Menschenbild im aufklärerischen 18. Jahrhundert

2.1 Bildung und Aufschwung des bürgerlichen Selbstbewusstseins

2.2 Familienideale und Moralvorstellungen

3. Humanistische Konstellationen im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung

3.1 Tugend und Moral: eine utopische Gesellschaftsgestaltung?

3.2 Tugendbegriff und Frauendarstellung bei Lessing

4. Zu Lessings Miβ Sara Sampson

4.1 Streben nach väterlichen Prinzipien

4.2 Die zu erwartende Konfliktsituation

4.3 Die ,,wollüstige Marwood‘‘

4.4 Auswirkungen von Saras Tod

4.5 Die Verführung und das Böse als Antipoden der Tugend

5. Zu Lessings Emilia Galotti

5.1 Die Rolle der Claudia Galotti und der Orsina

5.2 Emilia Galotti, tugendhaft oder zwischen den Fronten?

5.3 Emanzipatorische Ansätze gegen strenge Idealvorstellungen

5.4 Emilias Tod als Flucht vor ihrem Tugendverlust

5.5 Das Scheitern als Merkmal des lasterhaften Menschen

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die Darstellung und Entwicklung von Frauenfiguren in Gotthold Ephraim Lessings bürgerlichen Trauerspielen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti im Kontext der aufklärerischen Tugendideale. Ziel ist es, die innere Zerrissenheit der Protagonistinnen zwischen dem starren Festhalten an bürgerlichen Werten (Tugendrigorismus) und ihrem Streben nach Emanzipation zu analysieren, wobei auch die Rolle der Antagonistinnen kritisch beleuchtet wird.

  • Analyse des Menschenbildes und der Moralvorstellungen im 18. Jahrhundert
  • Untersuchung des Tugendbegriffs im bürgerlichen Trauerspiel
  • Kontrastierung der Frauenfiguren mit den Antagonistinnen (Marwood und Orsina)
  • Rolle der väterlichen Prinzipien und der Vater-Tochter-Beziehung
  • Die Funktion des Todes als letzte Konsequenz der Tugendproblematik

Auszug aus dem Buch

3.1 Tugend und Moral: eine utopische Gesellschaftsgestaltung?

Ein weiteres Hauptthema des Trauerspiels ist die familiäre Geselligkeit. Inmitten der Häuslichkeit und der Wertschätzung der Familie steht der Tugendbegriff an wichtiger Stelle. Der häuslichen Idylle wird als antagonistischer Handlungsraum der Hof entgegengestellt, welcher sich vor allem durch Intrigen und Hinterlist auszeichnet. Dringt er in den Raum der Familie ein, wird das angestrebte Tugendideal in Frage gestellt und läuft Gefahr vernachlässigt zu werden. Durch die Lebensführung eines Menschen rücken Standesgrenzen in den Hintergrund. So definiert Wolfgang Schaer, dass man ,,einer Gesinnung‘‘ ist, ,,über die Standesgrenzen hinweg […] und daher eine ,Familie‘ ,bilden‘ kann‘‘. Charakteristisch für den bürgerlichen Menschen im Trauerspiel sind vor allem sein familiäres und häusliches Leben und die Zusammengehörigkeit der Familie. Somit ist der bürgerlich lebende Mensch ein helfender Familienmensch, der in der vertrauten Gemeinsamkeit eine unbeschwerte Zeit erlebt.

Das Bürgertum, das seinen eigenen Wert anerkennt und würdigt, hat es nicht nötig, sich bei anders lebenden Menschen anzubiedern; jeder ,,Stand‘‘ trägt seinen Wert in sich. […] Die ständische Ordnung wird als etwas Geheiligtes angesehen; sie allein garantiert Sicherheit und innerhäusliche und innerpolitische Ruhe; sie gilt als das Fundament jeglichen menschlichen Zusammenlebens. […] Bürger ist er dann, wenn er an der ihm gemäβen sozialen Stelle innerhalb der Gesellschaft steht; im Rahmen der gottgewollten Ordnung hat der Mensch seinen Platz auszufüllen.

Die mittelalterliche Definition des Einzelnen anhand einer Gruppen- oder Standeszugehörigkeit wird zusehends abgelehnt: Der Bürger zeichnet sich durch seinen Charakter und seine Einzigartigkeit aus und soll als Identifikation dienen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Thematik der Frauenfiguren bei Lessing ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Spannung zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation dar.

2. Das Menschenbild im aufklärerischen 18. Jahrhundert: Dieses Kapitel erläutert die philosophischen Grundlagen der Aufklärung und den Wandel des bürgerlichen Selbstverständnisses.

3. Humanistische Konstellationen im bürgerlichen Trauerspiel der Aufklärung: Hier wird der Begriff des bürgerlichen Trauerspiels definiert und die Bedeutung familiärer Werte sowie des Tugendideals theoretisch fundiert.

4. Zu Lessings Miβ Sara Sampson: Analyse der Tragödie im Hinblick auf väterliche Prinzipien, das Motiv der Verführung und die Dynamik zwischen den Figuren Sara, Mellefont und Marwood.

5. Zu Lessings Emilia Galotti: Untersuchung der Rollen von Claudia und Orsina sowie die Analyse von Emilias Emanzipationsansätzen und ihrer finalen Entscheidung zum Tod.

6. Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse über die Unvereinbarkeit von absolutem Tugendanspruch und menschlicher Realität in den untersuchten Dramen.

Schlüsselwörter

Aufklärung, Lessing, bürgerliches Trauerspiel, Tugendrigorismus, Emanzipation, Frauenbild, Miβ Sara Sampson, Emilia Galotti, Tugend, Moral, Verführung, Familiäre Geselligkeit, Vater-Tochter-Beziehung, Laster, Selbstopfer.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, wie Gotthold Ephraim Lessing Frauenfiguren in seinen Dramen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti darstellt und in welches Spannungsfeld zwischen aufklärerischer Moral und dem Wunsch nach persönlicher Emanzipation sie geraten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind der Tugendbegriff des 18. Jahrhunderts, die Rolle der Familie als moralische Instanz, der Einfluss von Verführung durch Antagonisten sowie die Dualität von menschlicher Vernunft und triebhafter Sinnlichkeit.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Die Arbeit analysiert, inwiefern die Frauenfiguren den Sittlichkeitsauffassungen der Zeit folgen und inwiefern sie gleichzeitig versuchen, individuelle Wege zu gehen, wobei besonders die Funktion des Todes im Konflikt mit dem Tugendideal untersucht wird.

Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?

Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, bei der sie primäre Textstellen der Dramen mit literaturgeschichtlichen und philosophischen Theorien der Epoche verknüpft, um das Handeln der Figuren zu deuten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über die Aufklärung und das bürgerliche Trauerspiel sowie zwei detaillierte Analysen der Dramen Miβ Sara Sampson und Emilia Galotti inklusive der Rolle der Antagonistinnen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Tugendrigorismus, Emanzipation, bürgerliches Trauerspiel, Verführung, Moralität, familiäre Geselligkeit und das dualistische Menschenbild.

Wie beeinflussen die Antagonistinnen wie Marwood und Orsina die Hauptfiguren?

Sie fungieren als Projektionsflächen für das Laster und die Verführung. Durch ihr intrigantes Handeln zwingen sie die Protagonistinnen in Konfliktsituationen, die deren Tugendhaftigkeit auf die Probe stellen und schließlich zum tragischen Ausgang führen.

Warum wählen die Protagonistinnen am Ende den Tod?

Der Tod wird als letzter Ausweg gesehen, um die eigene Unschuld und Tugendhaftigkeit zu bewahren, da die Figuren keinen Weg sehen, ihre menschlichen Triebe mit den strengen moralischen Anforderungen ihrer Zeit in Einklang zu bringen.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation
Untertitel
Frauenkonstellationen in Lessings Miβ "Sara Sampson" und "Emilia Galotti"
Hochschule
Université du Luxembourg
Note
2.0
Autor
Nathalie Tremont (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
45
Katalognummer
V205153
ISBN (eBook)
9783656323099
ISBN (Buch)
9783656324966
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zwischen tugendrigorismus emanzipation frauenkonstellationen lessings sara sampson emilia galotti
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nathalie Tremont (Autor:in), 2011, Zwischen Tugendrigorismus und Emanzipation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/205153
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  45  Seiten
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